Zweitwohnsitz: Definition | Infos zu Steuern, GEZ und Vorteilen

Ob Studium, Beruf oder einfach, weil die Gegend so schön ist: Viele Deutsche leisten sich einen Zweitwohnsitz. Welche Vorzüge eine Zweitwohnung haben kann und was Sie dabei im Hinblick auf Steuern und GEZ-Gebühren unbedingt wissen und beachten sollten, erfahren Sie hier!

Zweitwohnsitz Collage aus Studentenwohnheim & Villa

Ein Zweitwohnsitz – egal, ob es sich um ein Ferienhaus am Meer oder eine Zweizimmerwohnung in der Großstadt handelt – bietet für die Betroffenen eine ganze Reihe Vorteile. Diese sind natürlich von Fall zu Fall unterschiedlich und damit höchst individuell. Für alle gilt allerdings, dass Sie auch diesen unbedingt beim zuständigen Amt anmelden.

Tipp:  Alle Informationen zur Anmeldung einer Zweitwohnung finden Sie in unserem Artikel „Zweitwohnsitz anmelden“.

Nebenwohnsitz vs. Hauptwohnsitz

Unterschieden wird in Deutschland zwischen einem Haupt- und einem Nebenwohnsitz. Da es für Letzteren keine gesetzliche Definition gibt, muss folglich die des Hauptwohnsitzes herangezogen werden. In § 22 Abs. 1 und 3 des Bundesmeldegesetzes (BMG) wird die Hauptwohnung wie folgt definiert:

  • die vorwiegend benutzte Wohnung der Familie oder der Lebenspartner
  • dort, wo der Schwerpunkt der Lebensbeziehungen des Einwohners liegt

Der Hauptwohnsitz ist also:

  • der Wohnsitz, an dem man sich in seiner Freizeit am häufigsten aufhält
  • der zentrale Anker für die eigene Familie

Im Umkehrschluss gilt für den Zweitwohnsitz folglich:

  • wird überwiegend für Arbeits- bzw. Bildungszwecke genutzt
  • gewöhnlich nur von einem Familienmitglied bewohnt

Wer als Arbeitnehmer also beispielsweise eine zweite Wohnung bezieht und fünf Tage in der Woche für den Job dort ist, dennoch aber noch einen Hauptwohnsitz hat, an dem sich die eigene Familie befindet, unterhält die Wohnung in Arbeitsnähe automatisch als Nebenwohnsitz.

Vorteile eines Zweitwohnsitzes

Zweitwohnsitz Collage aus Steuererklärung, Universität & Kfz-Steuer-Ersparnis

Möchten Sie sich eine Zweitwohnung eher aus praktischen Gründen zulegen, liegen die Vorteile schon auf der Hand. Kürzere Wege zu Arbeitsplatz oder Universität sind die häufigsten Beweggründe, sich dauerhaft in einer anderen Stadt niederzulassen. Langfristig ist der Zweitwohnsitz deutlich günstiger als dauerhaftes Übernachten im Hotel. Bei berufsbedingten Ortswechseln ist die Anmeldung von einer Zweitwohnung oftmals unvermeidbar, wenn zugleich der Hauptwohnsitz nicht aufgegeben werden soll. Rechtlich stellt das kein Problem dar. Der Zweitwohnsitz muss lediglich im zuständigen Einwohnermeldeamt bekannt gegeben werden. Anschließend müssen Sie sich nicht mehr zwischen Haupt- oder Zweitwohnsitz entscheiden, sondern leben immer da, wo es gerade am besten passt.

Ein weiterer Pluspunkt kann sich durch Einsparungen bei der Kfz-Versicherung ergeben. Die Höhe der Versicherungsprämie ist abhängig vom Wohnort. Sie sollten also durch einen Vergleich in Erfahrung bringen, ob die gleiche Police am Ort Ihres Zweitwohnsitzes günstiger ist und dann gegebenenfalls eine Ummeldung vornehmen. Durch die doppelte Haushaltsführung können Sie außerdem Werbungskosten absetzen. Bis zu 1.000 Euro lassen sich auf diesem Wege steuerlich geltend machen, sofern Sie den Zweitwohnsitz aus beruflichen Gründen benötigen.

Die Vorzüge im Überblick

  • Kürzere Wege zu Bildungseinrichtung und Arbeitsplatz
  • Geringere Fahrtkosten
  • Niedrigere Beiträge bei der Kfz-Steuer
  • Steuerliche Vorteile durch Werbungskosten

Steuern für Zweitwohnung

Es gibt aber auch Nachteile zu verbuchen, wenn sie sich für einen Zweitwohnsitz entscheiden. Die Zweitwohnsitzsteuer gehört dazu und immer mehr Gemeinden erheben diese zusätzliche Steuer, wenn Sie an zwei Wohnsitzen registriert sind. Sie wird nicht erhoben, wenn es um Gemeinschaftsunterkünfte oder Zimmer in Altenheimen geht. Auch verheiratete Berufspendler müssen die Steuer nicht entrichten. Zudem gibt es Ausnahmen bei Geringverdienern. In Bayern müssen Personen, deren Einkommen unter 25.000 Euro liegt, keine zusätzlichen Steuern zahlen.

Gerade bei Studenten kann die Steuer für den Zweitwohnsitz das Budget besonders stark belasten. Viele von ihnen ziehen zum Studium in eine andere Stadt, um dem Studienplatz näher zu sein. Den Hauptwohnsitz wechseln sie jedoch nicht, einerseits aus Gründen des Versicherungsschutzes, andererseits um sich Behördengänge zu ersparen.

Tipp: Wohnen Sie in einem Studentenwohnheim und Ihr Zimmer geht von einem „allgemein zugänglichen Flur“ ab, zählt es als Wohnung und Sie sind GEZ-beitragspflichtig. Sind mehrere Zimmer durch eine eigene Wohnungstür von einem solchen allgemeinem Zugang abgetrennt, so handelt es sich um eine Wohngemeinschaft (WG). Pro WG ist monatlich nur ein Beitrag fällig.

Der Hintergrund für die Erhebung der Zweitwohnsitzsteuer: Für jeden Einwohner, der seinen Hauptwohnsitz in einer Gemeinde gemeldet hat, erhält diese einen Steuerausgleich. Bei einem Zweitwohnsitz ist dies jedoch nicht der Fall. Es findet demnach kein Finanzausgleich statt und die Gemeinde muss sich anders behelfen. Das tut sie, indem sie eine Zweitwohnsitzsteuer erhebt. Denn schließlich nutzen auch Inhaber eines Zweitwohnsitzes öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder und Parkanlagen sowie die generelle Infrastruktur. Vor allem größere Städte haben sich deswegen dazu entschlossen, eine Zweitwohnsitzsteuer einzuführen.

Zweitwohnsitzsteuer – kommunale Angelegenheit

Jede Kommune darf dabei selbst entscheiden, wie hoch die Zweitwohnsitzsteuer ausfällt. Als Berechnungsbasis dient in den meisten Fällen die Nettokaltmiete pro Jahr. Dass es bei der Steuerhöhe zu großen Unterschieden kommen kann, zeigen die folgenden Beispiele:

  • Berlin: 5 Prozent
  • München: 9 Prozent
  • Stuttgart: 10 Prozent
  • Baden-Baden: mind. 20 Prozent (bis zu 35 bei sehr hoher Miete)

Unterschiedlich sind in diesem Zusammenhang auch die Definitionen der Zweitwohnung. In manchen Städten zählt bereits ein Zimmer zum Übernachten, in anderen wird erst eine komplette Wohnung mit Kochnische und Bad als solche eingestuft. Anderenorts wiederum werden sogar Steuern für Gartenhütten erhoben, die weder über einen Schlafplatz noch ein Badezimmer verfügen.

GEZ-Gebühren in der Zweitwohnung

Zweitwohnsitz GEZ-Gebühren SEPA-Formular

Jeder Haushalt ist mittlerweile dazu verpflichtet, pro Monat 17,50 Euro (210 Euro/Jahr) Rundfunkbeitrag zu zahlen. Wer sich eine Zweitwohnung nimmt, für den entstehen dabei jedoch keine zusätzlichen Gebühren. Laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 18. Juli 2018 ist es nicht mit dem Grundgesetz zu vereinen, wenn, wie bis dahin üblich, für Zweitwohnungen Rundfunkgebühren berechnet werden. Verbraucher können hierfür einen Antrag auf Befreiung von der Rundfunkgebühr beim Beitragsservice stellen. Für eine reibungslose Bearbeitung ist es außerdem unerlässlich,

  • den Antrag schriftlich beim Beitragsservice einzureichen,
  • die Meldebescheinigung für Haupt- bzw. Zweitwohnsitz vorzulegen,
  • den Nachweis zu erbringen, dass für den Hauptwohnsitz bereits Gebühren gezahlt werden sowie,
  • dass beide Wohnungen auf den Antragsteller angemeldet sind.

Quellen:
https://praxistipps.focus.de/zweitwohnsitz-das-sind-die-vorteile-und-nachteile_101108
https://www.homeday.de/de/immobilienwissen/zweitwohnsitz/
https://de.wikipedia.org/wiki/Nebenwohnung
https://www.rundfunkbeitrag.de/buergerinnen_und_buerger/informationen/index_ger.html

Mirko Kreißig
Über unseren Autor
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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Mirko Kreißig
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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