Zeckenimpfung bei Kindern: ist sie sinnvoll? Ab wann? | Nebenwirkungen

Eine Impfung gegen das FSME-Virus ist der beste Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis, die in bestimmten Gegenden Deutschlands von Zecken übertragen wird. Für Kinder ist eine Impfung ab dem ersten Geburtstag möglich und sinnvoll. Zu erwartende Nebenwirkungen sind in der Regel harmlos.

Zeckenimpfung Kalender Impfpass

In verschiedenen Teilen Deutschlands können Zecken mit dem FSME-Virus infiziert sein und dieses mit ihrem Speichel an Menschen weitergeben, wenn sie sie stechen. Das Virus verursacht die Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine Entzündung der Hirnhäute (Meningen) oder des Gehirns selbst (Enzephalon). Da es sich um ein Virus handelt, können Ärzte nur die Symptome der Erkrankung behandeln, nicht den Erreger selbst. Bei Kindern äußert sich die Infektion mit dem FSME-Virus meist als Meningitis und neurologische Folgeschäden treten deutlich seltener auf (ca. 2 %) als bei Erwachsenen (ca. 35 %). Mit der Zeckenimpfung können Sie dem allerdings vorbeugen.

Ist eine Zeckenimpfung für Kinder sinnvoll?

Kinder, die durch Wald und Wiesen streifen und auf dem Spielplatz in jedes Gebüsch kriechen, sind immer der Gefahr ausgesetzt, von einer Zecke gestochen zu werden. In den FSME-Gebieten sind circa fünf Prozent der Zecken mit dem Virus infiziert. Auch wenn die Frühsommer-Meningoenzephalitis bei Kindern häufig unkompliziert verläuft, ist sie doch eine ernsthafte Erkrankung der Hirnhäute oder des Gehirns und niemand kann vorhersagen, ob das erkrankte Kind nicht zu den wenigen jungen Patienten gehört, die neurologische Folgeschäden davontragen. Die Zeckenimpfung ist der einzige sichere Schutz für Ihr Kind und sinnvoll, wenn Sie in einem FSME-Gebiet leben. Der Kinderarzt Ihres Kindes berät Sie gerne zu diesem Thema. Nach Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts) sollte jedes Kind, das im FSME-Gebiet lebt, die Impfung erhalten.

Tipp: Das FSME-Virus gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Nachbarländern Österreich und Schweiz sowie vielen anderen europäischen Ländern. In Skandinavien gibt es ebenso Risikogebiete wie in Russland. Denken Sie an die Zeckenimpfung, wenn Sie Ihren nächsten Urlaub planen!

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es stehen zwei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung, die Ihr Kind vor dem FSME-Virus schützen können. Da das Immunsystem rasch auf die Impfung reagieren kann, treten in den ersten vier Tagen nach der Injektion häufig folgende Nebenwirkungen auf:

  • Fieber (Körpertemperatur über 38,5 Grad Celsius)
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Rötung und Schmerzen an der Einstichstelle

Sehr selten beobachten Ärzte die folgenden Nebenwirkungen:

  • Kribbeln der Haut
  • Muskelschmerzen

Alle genannten Beschwerden treten am ehesten nach der ersten Impfdosis auf, legen sich aber rasch und haben für gewöhnlich keine negativen Folgen für die betroffenen Kinder. Eine besonders sorgfältige Abwägung, ob eine Impfung sinnvoll ist, erfolgt bei Kindern unter drei Jahren. Sie haben das höchste Risiko, auf die Zeckenimpfung mit Fieber zu reagieren. Bei einem gesunden Kind gibt es aber auch hier im Allgemeinen keinen Grund zur Sorge.

Ab welchem Alter kann ich mein Kind impfen lassen?

Zeckenimpfung Spritze Kinderarm

Kinder können ab dem ersten Geburtstag geimpft werden. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, wann die Impfung gegen FSME am besten in das Impfschema Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes passt. Denn im zweiten Lebensjahr empfiehlt die STIKO auch Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie Meningokokken.

Wie viele Impfungen für optimalen Schutz?

Die Zeckenimpfung enthält künstliche FSME-Viren, die im Labor so verändert wurden, dass eine Vermehrung ausgeschlossen ist. Sie können Ihr Kind nicht krank machen. Das Immunsystem kommt trotzdem in Kontakt mit dem Virus und bildet spezielle Antikörper. Trifft Ihr Kind später auf das echte Virus, ist es vor einer Erkrankung ganz oder teilweise geschützt. Der Kinderarzt spritzt den Impfstoff mit einer feinen Kanüle in einen Muskel. Das kann zum Beispiel der Muskel außen am Oberarm sein. Im Rahmen der sogenannten Grundimmunisierung, der ersten Impfrunde, erhält Ihr Kind drei Injektionen. Zwischen der ersten und der zweiten Impfung sollten ein bis drei Monate liegen. Circa 14 Tage nach dem zweiten Termin hat der Körper Ihres Kindes einen guten Schutz gegen das FSME-Virus aufgebaut. Eine dritte Spritze nach weiteren neun bis 12 Monaten sichert diesen Schutz so gut wie möglich.

Wann sollte die Zeckenimpfung aufgefrischt werden?

Hat Ihr Kind die Grundimmunisierung mit drei Impfungen durchlaufen, ist es für mindestens drei bis fünf Jahre gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis gewappnet. Nach spätestens fünf Jahren ist eine weitere Dosis der Zeckenimpfung notwendig, um nicht wieder ganz von vorne anfangen zu müssen. Nebenwirkungen erwartet der Kinderarzt jetzt nur noch in Ausnahmefällen. Vergessen Sie bitte nicht, dass Zecken auch eine andere Krankheit übertragen können. Die Borreliose ist eine bakterielle Erkrankung und in Deutschland viel weiter verbreitet als die FSME. Ärzte können Antibiotika zur Behandlung einsetzen, eine Impfung gibt es jedoch leider nicht.

Quellen:
Informationen des Robert Koch Instituts zum Thema FSME, https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/F/FSME/FSME_node.html, abgerufen am 11.09.2018
Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009

Jessica Kilonzo
Author Details
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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Jessica Kilonzo
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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