Zahnungsgel: Ist es zu empfehlen? Wenn ja: Wie oft? Tipps der Hebamme

Kaum sind die lieben Kleinen dem Alter der Dreimonatskoliken entwachsen, beginnt für die Eltern meist die nächste stressanfällige Baby-Zeit: Das Zahnen. Häufig greifen Eltern sofort zu sogenannten Zahngelen, um ihrem Liebling recht schnell Linderung zu verschaffen. Doch sind Zahnungsgele wirklich zu empfehlen? Mehr zu diesem Thema lesen Sie hier.

Zahnungsgel Baby

Schon vor der Geburt werden die Zähne in der Zahnleiste des Kiefers angelegt. Zwischen dem vierten und siebentem Lebensmonat beginnen diese Zahnanlagen, sich durch das Zahnfleisch hervorzuschieben – das Zahnen hat begonnen. Der Zeitpunkt ist jedoch individuell verschieden, zwischen dem dritten und zwölften Lebensmonat ist alles als „normal“ zu betrachten. Der Mund und das Zahnfleisch des Babys sind in dieser Zeit sehr anfällig für Schmerzen und Entzündungen. Wie man dem Baby in dieser Zeit Erleichterung verschaffen kann und wie sinnvoll dabei die Verwendung von Zahnungsgel ist, erfahren Sie im folgenden Text.

Woran ist „Zahnen“ zu erkennen?

Das untrüglichste Zeichen für den Beginn des Zahnens ist wohl das absolut vermehrte Sabbern des Babys. Und es kaut und beißt auf allem herum, was es in die kleinen Fingerchen bekommt, denn Druck und leichte Reibung wirken lindernd… Folgende Anzeichen können ebenfalls für den Beginn des Zahnens Sprechen:

  • gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch
  • Reiben des Zahnfleisches
  • „Zubeißen“ beim Stillen (zur Linderung)
  • gerötete, heiße Wangen
  • vermehrtes Weinen/Quengeln (besonders nachts)
  • wunder Po
  • erhöhte Körpertemperatur (bis 38,4°C)
  • viel Durst
  • wenig Appetit
  • Reiben des Ohres auf der zahnenden Gesichtsseite

Merke: Durchfall, Erbrechen und/oder Fieber sind keine eindeutigen Symptome für das Zahnen. Deshalb sollte das Baby in diesen Fällen vorsichtshalber von einem Kinderarzt untersucht werden. Es könnte beispielsweise auch eine Mittelohrentzündung hinter den oben beschriebenen Beschwerden stecken.

Weshalb bereitet Zahnen manchmal Schmerzen?

Zahnungsgel

Beim Durchbruch des Zähnchens durch das Zahnfleisch entsteht ein Spannungsschmerz. Das Zahnfleisch schwillt an, wird stärker durchblutet, wird durch die Zahnspitze eröffnet und ist an dieser Stelle oft auch ein wenig entzündet. Diese ganzen Vorgänge lösen indes Juckreiz, Spannung und teilweise auch Schmerzen aus. All diese Symptome können jedoch durch geeignete Maßnahmen gelindert und reduziert werden.

Welche Zahnungshilfen gibt es?

Neben zahlreichen bekannten Hilfsmitteln wie Beißring oder Veilchenwurzel gibt es auch pharmazeutisch verarbeitete Substanzen, die Babys Beschwerden wirkungsvoll lindern.

  • Zahnungsgele: werden mit Fingern oder Wattestäbchen auf das Zahnfleisch aufgetragen und wirken lokal z.B. Dentinox Gel
  • Zahnungszäpfchen: nach homöopathischen oder anthroposophischen Erkenntnissen hergestellt wirken sie allgemein beruhigend z.B. Viburcol-Kinderzäpfchen
  • Globuli: homöopathische „Kügelchen“ individuell und spezifisch für das jeweilige Kind ausgewählt oder als Komplexmittel z.B. Osanit Streukügelchen
  • Schmerzzäpfchen: nur nach Rücksprache mit dem Kinderarzt zu verwenden, gegen stärkere Schmerzen und Fieber z.B. Paracetamol Zäpfchen

Wie sinnvoll sind Zahnungsgele zur Behandlung von Zahnungsbeschwerden?

Die Verwendung von Zahngelen ist eine sinnvolle Methode, um die Zahnungsbeschwerden des Babys zu lindern. Sie werden direkt auf die betroffene Zahnleiste aufgetragen und wirken schließlich

  • schmerzlindernd/schmerzbetäubend
  • entzündungshemmend/heilungsfördernd
  • kühlend/wohltuend
  • ablenkend (Geschmack)

Was sind „gute“ Zahnungsgele?

Zahnungsgele sollten in jedem Sinne für das Baby gut verträglich sein. Zahnungsgele sollten deshalb folgende Merkmale besitzen:

  • mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Kamille, Nelke, Salbei
  • beruhigend und pflegend
  • zuckerfrei
  • babygerechter Geschmack
  • ohne Alkohol

Wie oft am Tag dürfen Zahnungsgele angewendet werden?

Vor dem ersten Gebrauch von Zahnungsgelen ist der Apotheker/Kinderarzt zu befragen beziehungsweise die Packungsbeilage ausführlich zu lesen. Je nach Verwendung der Inhaltsstoffe dürfen sie verschieden oft angewendet werden.

  • Zahnungsgel auf pflanzlicher Basis: häufiger über den ganzen Tag verteilt
    • z.B. Dentilin Zahnungsgel 4x/tgl.; Osa Zahnungshilfe 6x/tgl.
  • Zahnungsgel mit Schmerzmedikament: begrenzt
    • z.B. Dentinox Zahngel 2-3x/tgl.
  • Zahnungsgel mit geringer Menge Alkohol: begrenzt
    • z.B. Osa-R-Pflanzenzahngel bis 3x/tgl.
  • Zahnungshilfe auf homöopathischer Basis: nach Bedarf
    • z.B. Osanit Streukügelchen halbstündlich 8 Globuli bis Besserung eintritt, danach Häufigkeit reduzieren
  • Zahnöl auf Basis verschiedener Öle aus der Aromatherapie: mehrmals täglich auf Wange auftragen
    • z.B. Zahnöl nach Ingeborg Stadelmann (Hebamme)

Zahnungsgel Baby

Ist etwas gegen Schmerzmittel im Zahnungsgel einzuwenden?

Oft ist ein leichtes Schmerz-/oder Betäubungsmittel ein Bestandteil von Zahnungsgelen. Sie wirken natürlich ganz besonders gegen die lokalen Beschwerden an den Zahnleisten. Dabei gibt es jedoch zwei Probleme:

  1. Betäubende Substanzen können die Zunge, beim Herunterschlucken auch den Rachenbereich betäuben. Dies kann, besonders bei nachfolgendem Stillen, Essen/Trinken zu Schluckbeschwerden und Erstickungsanfällen führen. Deshalb dürfen Zahnungsgele mit Schmerz-/Betäubungsmittel nie vor der Mahlzeit aufgetragen werden, sondern IMMER danach!
  2. Wenn das Baby nicht wegen Schmerzen direkt am Zahnfleisch unruhig ist, sondern insgesamt mit der Situation des Zahnens überfordert ist oder sogar wegen anderer Ursachen weinerlich ist (Stress, Bauchschmerzen, Krankheit…), hilft natürlich das schmerzbetäubende Zahnungsgel nicht. Der Körper des Babys wird „umsonst“ mit Medikamenten belastet!

Was hilft dem Baby gegen Zahnungsschmerzen noch?

Liebe, Liebe, Liebe! Wenn sich das Baby sicher und geborgen fühlt, sind auch schwierige Situationen wie das Zahnen besser zu ertragen. Das Tragen in einem Tragetuch fördert Babys Beruhigung. Ebenfalls hilfreich könnten sein:

  • Beißring (ohne Weichmacher, ohne Phtalat und PVC-frei)
  • Schnuller (bei Beschädigung durch Zähnchen sofort austauschen!)
  • Nahrungsmittel zum Kauen (Gemüse wie Gurke, Möhre, hartes Brot)
  • Kühle Gegenstände (kalter Löffel, gekühlter Beißring)
  • Ab dem 6. Lebensmonat (Beikost-Phase) auch gekühltes Essen (Fruchtmus, Joghurt)
  • Veilchenwurzel zum Beißen
  • Zahnfleischmassage mit Fingern oder speziellen genoppten Fingerlingen (aber nur, wenn Zahnfleisch nicht entzündet ist!)
  • Kamillen- oder Salbeitee (als Tee oder zum Einreiben des Zahnfleisches)
  • (Bernsteinkette – davon halte ich persönlich wegen der Strangulationsgefahr gar nichts)

Achtung: Geben Sie Ihrem Baby ausschließlich unter Aufsicht etwas zum Kauen (Gemüse, Brot, Veilchenwurzel…), denn es könnte sich verschlucken oder an großen Stückchen sogar ersticken!

Hautpflege während des Zahnens

Durch den starken Speichelfluss während des Zahnens ist Babys Gesichtshaut anfällig für Entzündungen. Pflegen Sie die zarte Babyhaut mit Bio-Ölen (z.B. Mandelöl) oder einer schützenden Creme. Halten Sie immer ein oder mehrere Baumwolltücher oder Stofflätzchen bereit, um den Speichel sanft abzutupfen (nicht reiben).

Wann beginnt die Zahnpflege?

Baby Zähne putzen

Sobald das erste Zähnchen sichtbar ist, beginnt auch die Zahnpflege. Dafür gibt es spezielle Baby-Zahnbürsten, Fingerlinge oder Tücher (anfangs mit Noppen), mit denen die kleinen Zähne gut zu reinigen sind. Zum Putzen können Zahnpasten für Kinder von null bis sechs Jahren verwendet werden – ein Herunterschlucken ist nicht gefährlich.

Und nun wünsche ich allen Eltern eine erträgliche Zahnungs-Zeit ihrer Sprösslinge.

Quellen:
https://zahnungsgel.com/zahnen-zahnungshilfe-zahnungsgel.htm
https://www.mammut-pharma.com/erste-zaehnchen/
www.osanit-osa.de/die-ersten-zaehne/ihr-baby-zahnt-6-tipps-fuer-schnelle-hilfe/
https://veilchenwurzel.info/zahnungshilfe/
https://www.mama-natura.com/de/de/unsere-produktfamilie/dentilin-zahnungsgel.html
https://www.medikamente-per-klick.de/zahnungshilfen
https://www.babycenter.de/a36231/zahnen-wie-man-schmerzen-lindern-kann
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/schmerzen-beim-zahnen-lindern-ia.html
https://aber-natuerlich.de/zahnoel-p-87.html

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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