Wochenfluss: Ablauf und Dauer | Mögliche Komplikationen: was tun?

Nach einer Geburt sondert die Gebärmutter der Mutter Wundsekret ab, den sogenannten Wochenfluss. Er ist nicht mit der normalen Monatsblutung gleichzusetzen. Während der Ablauf immer in den gleichen Stadien verläuft, ist die Dauer von Frau zu Frau unterschiedlich.

Wochenfluss

Wochenfluss gehört nach der Geburt eines Kindes zum Leben einer Wöchnerin einfach dazu. Doch vielen Frauen ist dieses Thema sehr unangenehm, vermutlich, weil sich dieser „Ausfluss“ von einer normalen Menstruationsblutung unterscheidet. Außerdem ängstigen unbekannte Dinge und können das neue Babyglück durchaus etwas trüben. Deshalb befasst sich dieser Artikel mit einigen interessanten und wissenswerten Dingen rund um das Thema Wochenfluss.

Das Wochenbett

Für neun Monate hat sich der Körper der Frau auf die Schwangerschaft eingestellt. Sobald das Baby jedoch geboren ist, beginnen bereits die Rückbildungsvorgänge auf den nichtschwangeren, stillenden Zustand – das Wochenbett. Diese Rückbildungsvorgänge dauern etwa 6 Wochen und beinhalten:

  • hormonelle Umstellungen (In-Gangkommen des Stillens, Rückkehr der Fruchtbarkeit)
  • Wundheilungsprozesse (Genitalbereich, Plazentahaftstelle an Gebärmutterinnenwand, Kaiserschnittnarbe)
  • körperliche Veränderungen (Ausschwemmung Wassereinlagerungen, Rückgang von Varizen, Gewichtsabnahme
  • genitale Veränderungen (Gebärmutterrückbildung, vorübergehende Beckenbodenschwäche)
  • psychische Anpassungsleistung (Mutterrolle, Verantwortung, Schlafmangel…)

Wochenbett heißt es deshalb, weil die Einhaltung von (Bett)Ruhe diese ganzen anstrengenden Umstellungsprozesse unterstützt und der Mutter den Freiraum gibt, in der neuen Lebenssituation mit dem Baby wohlbehütet anzukommen.

Wochenfluss

Was ist Wochenfluss?

Wochenfluss ist das Wundheilungssekret, welches nach der Geburt eines Kindes aus der Gebärmutter ausgeschieden wird. Es kommt zu einer vaginalen Blutung, die sich aber in vielen Dingen von einer normalen Menstruationsblutung unterscheidet.

  • Zusammensetzung (neben Blut auch Wundheilungsbakterien und Gewebereste)
  • Ablauf (neben dem blutigen Stadium noch drei weitere)
  • Dauer (nicht nur eine Woche, sondern 4 bis 6 Wochen)
  • Notwendige Hygienemaßnahmen (andere Hygiene als gewohnte Monatshygiene)

Wie ist Wochenfluss zusammengesetzt?

Der Wochenfluss besteht hauptsächlich aus Blut und Geweberesten. Auch enthält er Bakterien, die aber keine krankmachenden Erreger darstellen, sondern einen sogenannten Wundschutzwall bilden und die Heilung an der großen Wundfläche der ehemaligen Plazentahaftstelle überhaupt erst ermöglichen. Deshalb auch die frühere (falsche) Meinung: „Wochenfluss sei hochinfektiös.“ Bei regelrechtem Verlauf ist dies nicht der Fall.

Welche Komponenten haben Einfluss auf den Abfluss des Wochenflusses?

  • Kontraktionsfähigkeit der Gebärmutter – eine Dauerkontraktion führt zur Blutstillung an der Plazentahaftstelle
  • Nachwehen – führen zum Abtransport des Wundsekretes aus der Gebärmutter
  • Stillen – führt zu Reizwehen, die die Rückbildung der Gebärmutter und den Abtransport der Lochien deutlich beschleunigen
  • Kaiserschnitt – Menge des Wochenflusses wird reduziert und die Rückbildung der Gebärmutter verlangsamt
  • Wegfall der plazentaren Hormone – führt zur Minderdurchblutung der Gebärmutter und somit zum Muskelabbau = Verkleinerung

Wie lange dauert Wochenfluss an?

Wochenfluss dauert etwa 4 – 6 Wochen an.

Ablauf einer Wochenfluss-Blutung

Eine Wochenflussblutung läuft immer in folgenden Stadien ab:

1. Woche nach Geburt: Lochia rubra – hellrote, frische Blutung
2. Woche nach Geburt: Lochia fusca – bräunliche Blutung, nachlassende Stärke
3. Woche nach Geburt: Lochia flavia – gelblicher Flour vaginalis (Ausfluss)
ab 4. Woche nach Geburt: Lochia alba – weißlicher Flour vaginalis (Ausfluss)

Natürlich können, genau wie bei der Dauer der Menstruation, individuelle Abweichungen auftreten und sollten keine Besorgnis auslösen.

Welche Komplikationen gibt es rund um das Thema?

Fehlender Wochenfluss = Wochenflussstau

Was tun?

  • Hebamme informieren Gynäkologe aufsuchen
  • Wochenfluss zum Fließen bringen durch Bewegung, Bauchlage, Bauchmassage u.a.
  • Medikamente

Wochenfluss Damenbinden

Zu wenig Wochenfluss

Was tun?

  • Hebamme informieren
  • Kontraktionen anregen durch Rückbildungstee, Bewegung, Bauchlage, Bauchmassage u.a.

Achtung: Frauen, die per Kaiserschnitt entbunden wurden, haben oft weniger Wochenfluss, allerdings sollte die Regelhaftigkeit von der Hebamme beurteilt werden.

Verstärkte Wochenfluss-Blutung = Atonie (fehlende Kontraktionskraft des Uterus)

Was tun?

  • Frauenklinik aufsuchen/Notarzt rufen – je nach Stärke der Blutung
  • Blutung stillen – Medikamente notwendig
  • Kontraktionsfähigkeit der Gebärmutter wiederherstellen durch Kühlakku auf Unterbauch, Bauchmassage zur Anregung von Nachwehen u.a.

Achtung: Durch „übriggebliebene“ Plazentareste in der Gebärmutter kann sich die Wundfläche nicht verschließen (es blutet stark und lange). Sowohl ein Plazentarest als auch eine weiterhin blutende Geburtswunde muss von Fachpersonen ausgeschlossen werden!

Übelriechender Wochenfluss

Was tun?

  • Hebamme informieren/Gynäkologe aufsuchen
  • Hinweis auf Infektion – Antibiotika notwendig

Koagel-Abgang (festerer Blutklumpen)

Was tun?

  • Hebamme informieren/Gynäkologe aufsuchen
  • Unterscheidung zwischen Blutkoagel und eventuellen Plazentaanteilen muss von Fachperson getroffen werden

Achtung: Blutverlust kann groß sein – Blutmenge muss von Fachperson eingeschätzt werden, deshalb bitte Koagel aufheben oder Größe messen!

Fieber

Was tun?

  • Hebamme/Gynäkologe informieren/Frauenklinik aufsuchen

Merke: Fieber gehört nicht zum Wochenbett dazu und seine Ursache muss immer abgeklärt und spezifisch behandelt werden.

Weitere Hygienemaßnahmen, um Komplikationen zu vermeiden

  • Händehygiene – kein Wochenfluss an Brust/Brustwarzen – Gefahr einer Brustentzündung
  • Kein Geschlechtsverkehr oder kein ungeschützter Geschlechtsverkehr solange Wochenfluss läuft – ein Kondom dient hier als Schutz vor Fremdkeimen – die Gebärmutterinnenfläche ist noch nicht verheilt, das heißt, aufsteigende Krankheitskeime könnten in die Wundfläche eindringen und eine Gebärmutterinfektion verursachen
  • Mit klarem Wasser Genitalbereich nach jedem Toilettengang spülen (Bidet, Duschbrause…)
  • Verwendung von speziellen Wöchnerinnenvorlagen – luftundurchlässige Binden (mit Wäscheschutzfolie oder Gelkern) können zu Wundheilungsstörungen führen
  • In Klinik: Händedesinfektion (Ansammlung zahlreicher Krankheitserreger unterschiedlichster Personen),
  • Zu Hause: häufiges Händewaschen mit Seife

Ich wünsche allen frischgebackenen Mamis ein gesundes und vor allem schönes und erholsames Wochenbett.

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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