Windpocken: wie lange sind sie ansteckend?

Das Varizella zoster-Virus, Auslöser der Windpocken, kommt aus der Familie der Herpesviren und verbreitet sich extrem schnell. Kurz bevor Sie den Ausschlag bei Ihrem Kind erkennen können beginnt die Ansteckungsgefahr und sie endet erst, wenn das letzte Bläschen auf der Haut eingetrocknet ist. 

Windpocken betreffen so gut wie jedes Kind einmal in seinem Leben, falls es keine Impfung gegen die bekannte Kinderkrankheit erhalten hat. Das Varizella zoster-Virus kann per Tröpfcheninfektion beim Niesen oder Husten weitergegeben werden. Deutlich größer ist die Ansteckungsgefahr aber für eine Schmierinfektion durch Kontakt mit dem hochinfektiösen Inhalt der Windpocken auf der Haut. Windpockenviren fliegen sehr weit und eine Ansteckung ist auch mit Hygienemaßnahmen wie Händewaschen fast nicht zu vermeiden. Vorbeugen können Sie nur, indem Sie Ihre Kinder von erkrankten Kindern fernhalten. Meist ist es dafür aber schon zu spät, weil die Eltern die Krankheit erst am Ausschlag der Haut erkennen.  

Zahlen zum Erreger der Windpocken

  • Inkubationszeit: im Durchschnitt 14 bis 21 Tage (Der Zeitraum kann von acht Tagen bis zu vier Wochen variieren.)
  • Ansteckung ab circa zwei Tagen vor dem Auftreten des Ausschlags möglich
  • Ansteckung bis zur Verkrustung des letzten Bläschens möglich

Krankheitsbild und -verlauf

Die ersten Symptome der Windpocken sind häufig Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Bereits jetzt kann Ihr Kind Menschen in seinem Umfeld anstecken. 24 bis 48 Stunden später bemerken Sie dann wahrscheinlich kleine rote Punkte überall auf der Haut Ihres Kindes, sogar auf der behaarten Kopfhaut und auf den Schleimhäuten. Die Punkte verwandeln sich nach und nach in flüssigkeitsgefüllte Bläschen, platzen und verkrusten. Es können täglich neue Pocken auftreten, sodass Punkte, Bläschen sowie Krusten nebeneinander existieren.

Erst wenn die letzte Windpocke verkrustet und trocken ist, ist der kleine Patient nicht mehr infektiös. Dieser Zeitraum beträgt in der Regel fünf bis sieben Tage. Wie ausgeprägt der Ausschlag ist, kann sich von Kind zu Kind stark unterscheiden. Manche Patienten kommen mit drei Bläschen davon und andere leiden tagelang an juckenden Windpocken auf der gesamten Haut, sowie an der Mundschleimhaut, in der Nase und im Genitalbereich.

Erhöhtes Gürtelrosen-Risiko!

Gürtelrose

Wer in seinem Leben an den Windpocken erkrankt war, kann später eine Gürtelrose (Herpes zoster) entwickeln. Das Varizella zoster-Virus überlebt in den Nervenzellen und kann ausbrechen, wenn das Immunsystem zeitweise geschwächt ist.

Ist Ihnen bewusst, dass sich ungeimpfte Menschen bei einem Gürtelrose-Patienten mit dem Windpocken-Virus anstecken können? Ein direkter Kontakt mit dem Bläscheninhalt ist für eine Schmierinfektion allerdings notwendig. Eine Tröpfcheninfektion haben Wissenschaftler im Rahmen der Gürtelrose nicht beobachtet. Sind die letzten Hauterscheinungen verkrustet und trocken, ist der Patient nicht mehr ansteckend.

Bei einer Gürtelrose können Sie das Infektionsrisiko für das Umfeld senken, indem Sie die Bläschen sorgfältig mit Verbandmaterial bedecken und sich nach einer Berührung des Ausschlages gründlich die Hände waschen.

Tipp: Lassen Sie Ihr Kind, wie von der STIKO (Ständige Impfkommission) empfohlen, gegen Windpocken impfen. Der Kinderarzt kann die Impfung auch als Kombination mit dem Masern-, Mumps- und Rötelnimpfstoff verabreichen.

Quellenangaben:

Peter H. Höger; Kinderdermatologie: Differenzialdiagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen (mit 272 Tabellen); Schattauer Verlag, München 2007.
Schönau et al.; Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie; Urban & Fischer, München 2005.
Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009.

Jessica Kilonzo
Author Details
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
×
Jessica Kilonzo
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
Latest Posts
  • Meningitis ansteckend
  • Bauchschmerzen durch Salmonellenvergiftung
  • Nagelpilz
  • Ohrspeicheldrüsenentzündung
Hinweise für Gesundheits- und Rechtsfragen
Wiado.de dient der allgemeinen Bildung und Information, nicht der Beratung bei gesundheitlichen und rechtlichen Anliegen. Konsultieren Sie hierzu bitte jeweils Ihren Arzt/Zahnarzt oder einen Rechtsanwalt/Steuerberater.