Risiko: Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die für gesunde Erwachsene ungefährlich ist. Für Schwangere jedoch ist diese Infektion mit erheblichen Risiken für Mutter und Kind verbunden. Wie Sie eine Toxoplasmose-Infektion vermeiden können, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Toxoplasmose

Toxoplasmose ist eine Infektion, die durch die einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii verursacht wird. Eigentlich handelt es sich dabei um eine Tierkrankheit. Katzen sind der Endwirt. In ihrem Darm vermehren sich die Parasiten und ihre Eier werden mit dem Kot der Katze ausgeschieden. In feuchter Umgebung bleiben die Parasiteneier bis zu 18 Monaten infektiös. Zwischenwirte, also auch der Mensch, können diese Parasiteneier mit der Nahrung aufnehmen und bieten eine Art Lagerplatz für die Parasiten zum zeitweiligen Überleben in Form von Gewebezysten. Erst wenn der Zwischenwirt von der Katze gefressen wird (Maus, Ratte, Vogel…), können sich die Parasiten bis zur Fortpflanzung weiterentwickeln.

Infektionswege

Die Inkubationszeit wird meist mit 2–3 Wochen angegeben. Die Infektion findet über folgende Wege statt:

  1. Rind, Schwein, … nehmen mit der Nahrung die Toxoplasmose-Eier auf und es bilden sich Gewebezysten. Das infizierte Fleisch wird vom Menschen roh verzehrt und der Mensch ist ebenfalls infiziert.
  2. Das wachsende erdnahe Gemüse wird vom Menschen ungewaschen verzehrt oder er nimmt die Toxoplasmose-Eier über ungewaschene Hände nach der Gartenarbeit oder der Reinigung des Katzenklos oral auf, somit ist der Mensch auch auf diesem Weg mit den Toxoplasmen infiziert.
  3. Die Mutter überträgt die Toxoplasmose über die Plazenta auf ihr ungeborenes Kind, das Kind wird ebenfalls bereits intrauterin infiziert, auch bei ihm bilden sich Zysten in verschiedenen Geweben.

Symptome einer Toxoplasmose-Infektion

Sehr selten können sich unspezifische grippeähnliche Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und leichtes Fieber zeigen. In neun von zehn Krankheitsfällen verläuft eine Toxoplasmose-Infektion jedoch völlig beschwerdefrei, auch bei Schwangeren. Und das begründet die Gefährlichkeit der Toxoplasmose-Infektion, weil sie oft unbemerkt verläuft, dabei aber das Kind schädigt. Wenn dann Auffälligkeiten bei den Schwangerschaftsuntersuchungen entdeckt werden, z.B. während einer Ultraschalluntersuchung, ist der Schaden beim Baby schon entstanden (Hydrocephalus, intrakranielle Verkalkungen).

Immunität nach Infektion

Katzen werden nach einer Erstinfektion immun, sie scheiden dann keine Parasiteneier mehr aus. Auch beim Menschen entsteht nach der Erstinfektion mit Toxoplasmose eine Immunität, dass heißt, die gebildeten Antikörper schützen lebenslang vor einer erneuten Ansteckung.

Katze und Toxoplasmose

Tiere sowie der Mensch fungieren als Zwischenwirt für die Toxoplasmose-Erreger. Der Endwirt ist allein die Katze. Nur in ihr können sich die Toxoplasmen fortpflanzen. Etwa 3 Wochen lang werden die Eier dann über den Katzenkot ausgeschieden, danach ist die Katze immun und scheidet nie wieder Parasiteneier aus. Es sind also vor allem erst infizierte Jungtiere Ausscheider von Toxoplasmose-Eiern.

Infektionsweg bei der Katze

Die Katze frisst infiziertes Fleisch eines Zwischenwirtes zum Beispiel eine Maus, Ratte oder Vogel. Die Parasiten vermehren sich im Darm der Katze, die Katze scheidet die Eier der Toxoplasmen aus. Gefährlich für den Menschen ist deshalb

  • der Umgang mit Gartenerde (versteckter Katzenkot)
  • der direkten Kontakt mit Katzenkot (von infizierten Katzen)

Katze

Sie können sich ferner mit folgenden Maßnahmen vor einer Toxoplasmose-Infektion schützen.

  • Katzentoilette nicht von Schwangeren säubern lassen
  • tägliche Reinigung der Katzentoilette (frische Erreger werden erst nach etwa 24 Stunden ansteckend)
  • Katze vom Tierarzt auf Toxoplasmose untersuchen lassen
  • Verfütterung von Dosenfutter/gegartem Fleisch bevorzugen

Achtung! Bei Freigängern ist kein wirksamer Infektionsschutz möglich.

Ernährung und Toxoplasmose

Beim Menschen gelangen die Toxoplasmose-Erreger meist mit der Nahrung in den Körper. Folgende Punkte spielen eine Rolle:

  • Verzehr von:
    • ungenügend gewaschenem und kontaminiertem Obst, Gemüse oder Salat
    • rohem oder ungenügend gegartem Fleisch und Geflügel,
    • rohen Eiern

sowie der

  • unhygienischen Umgang mit rohem Fleisch

Welche Gefahren bestehen bei einer Infektion?

Wenn die Schwangere bereits eine Toxoplasmose in ihrem Leben hatte, hat sie ausreichend Antikörper gebildet und ist immun gegen die Erkrankung. Ihr und ihrem ungeborenen Kind droht keine Gefahr mehr.

Bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft sieht es anders aus: Viele betroffene Mütter zeigen während einer Infektion keine Krankheitszeichen. Die unerkannte Infektion geht über die Plazenta zum Kind und kann für das Kleine erhebliche Folgen haben. In der Frühschwangerschaft kann es zu einer Fehlgeburt kommen, in der späteren Schwangerschaft zu Augenschäden (bis hin zur Erblindung) und weiterhin zu Hirnschäden (geistige und/oder körperliche Behinderung).

Symptome einer konnatalen Infektion (im Mutterleib erworben):

Es kann auch vorkommen, dass die Krankheitszeichen erst beim Neugeborenen auftreten (verstärkte Gelbsucht, Atemprobleme, Krämpfe, Augenerkrankung, Gedeihstörung), eine Behandlung erfolgt dann oft über das erste Lebensjahr hinweg. Die Nachkontrollen begleiten die Kinder über viele Jahre (teilweise über 20 Jahre), denn auch späte Symptome lassen sich auf die Infektion des Kindes bereits in der Schwangerschaft zurückführen (Augenschäden, Taubheit, Epilepsie, Entwicklungsverzögerung).

Meldepflicht für konnatale Infektionen

Laut Infektionsschutzgesetz besteht in Deutschland eine Meldepflicht für konnatale Infektionen. Jährlich werden demzufolge zwischen 10 und 23 konnatale Toxoplasmose-Fälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet.

Gibt es ein generelles Screening für Schwangere?

In Deutschland ist ein Screening (suchendes Testverfahren) auf Toxoplasmose-Immunität in den Mutterschaftsrichtlinien nicht vorgesehen. Nur bei erhöhtem Risiko oder Verdacht auf eine Infektion wird diese Untersuchung durchgeführt und von den gesetzlichen Krankenkassen folglich getragen. Ansonsten zählt diese Blutuntersuchung zu den Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), die eine Schwangere zusätzlich wählen kann und selbst tragen muss. Einige Krankenkassen haben jedoch die Bezahlung dieser Untersuchung mit in ihren Leistungskatalog aufgenommen und übernehmen die Kosten auf Antrag.

Wie wird die Infektion entdeckt?

Die Infektion wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt. Ergibt der Test eine Immunität, erfolgen indes keine Konsequenzen. Fällt der Test negativ aus, wird er in der Schwangerschaft alle 8 Wochen wiederholt. Spricht der Test für eine frische Infektion, muss diese schließlich behandelt werden.

Behandlung

Schwangere bis zur 16. Schwangerschaftswoche werden mit einem Antibiotikum behandelt. Nach der 16. SSW wird der Schwangeren eine Kombination aus einem Antiparasitikum, einem Antibiotikum sowie Folinsäure verabreicht. Auch bei der Behandlung von Neugeborenen kommt diese Kombination zum Einsatz.

Toxoplasmose Behandlung

Wie kann ich mich schützen?

Die Zauberworte für einen ausreichenden Schutz sind kurz: waschen und garen

  • Gemüse, Obst und Salat gut waschen
  • nur durchgegartes Fleisch essen (20-minütiges Erhitzen auf mindestens 50 °C oder ein vorheriges Einfrieren bei –21 °C tötet die Erreger ab)
  • keine rohen Fleisch- oder Wurstwaren essen (Hackfleisch und Tartar, Carpaccio, Mettwurst, Salami, Rohschinken etc.).
  • kein Verzehr von rohen Eiern
  • Gartenarbeit nur mit Handschuhen durchführen
  • Hände waschen nach Kontakt mit rohem Fleisch, fremden Katzen oder deren Kot sowie nach der Gartenarbeit
  • benutzte Küchengeräte (Schneidbrett, Messer, …) gründlich reinigen
  • ggf. einen Toxoplasmose-Antikörpertest machen lassen
  • Sandspielkästen bei Nichtbenutzung abdecken (Katzenkot)
  • kein ungefiltertes Wasser aus Seen und Bächen trinken
  • keine freilaufenden Katzen streicheln

Ich wünsche Ihnen eine gesunde und angstfreie Schwangerschaft. Wenn Sie Sorgen bezüglich einer möglichen Toxoplasmose-Infektion haben, wenden Sie sich bitte unverzüglich an Ihren Arzt oder Ihre Hebamme.

Quellen:
https://www.schwangerundkind.de/lebensmittelinfektionen.html
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Toxoplasmose.html
http://www.katzenschutzbund-koeln.de/gesundheit/toxoplasmose/
https://www.bfr.bund.de/de/toxoplasmen__toxoplasma_gondii_-54398.html
https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=29759
https://www.aerzteblatt.de/archiv/135207/Toxoplasmose-Test-Argumente-fuer-ein-Screening
https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1223/Mu-RL_2016-04-21_iK-2016-07-20.pdf
http://www.dr-uebele.de/cms/upload/pdf/Info_Toxoplasmose.pdf
http://www.mhplus-krankenkasse.de/fileadmin/data/1_privatkunden/5_service/4_information/1_igel/igel_toxoplasmose_screening.pdf
https://augenklinik.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc16/augen-cbf/Forschung/Uveitis.Toxoplasmose-aktuelle_Aspekte-2013.pdf

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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