Telefonterror: Was kann man dagegen tun?

Telefonterror ist eine enorme psychische Belastung. Wenn beim Klingeln der Puls nach oben schießt, handelt es sich dabei höchstwahrscheinlich nicht um einen normalen Anruf. Unter Telefonterror wird jedoch nicht nur Stalking, sondern auch unerwünschte telefonische Werbung verstanden. Was tun, wenn das Telefon keine Ruhe mehr gibt?

Genervter Mann am Telefon

Die häufigste Art dessen, was im allgemeinen als Telefonterror bezeichnet wird, ist der Werbeanruf.  Ob überfreundlicher wie aufdringlicher Callcenter-Mitarbeiter oder Bandansage, in den seltensten Fällen ist der Anruf über die unbekannte Nummer erwünscht und in den meisten wird er mindestens als störend, nicht selten auch als belästigend empfunden. Eine unbekannte Nummer kann der erste Indikator dafür sein, dass es sich bei einem Anruf wieder nur um Telefonwerbung handelt. Aber ganz sicher kann man sich dessen nie sein. Die unbekannte Nummer könnte schließlich auch ein guter Freund mit einer neuen Nummer nach einem Wohnungswechsel oder ein Anruf von Verwandten aus einem Hotel sein.

Ansagen am laufenden Band

Bandansagen mit unbekannter Nummer lassen sich zum Glück leicht identifizieren. Wird das Gespräch mit einem freudigen „Herzlichen Glückwunsch, sie haben gewonnen!“ begonnen, legen die meisten Menschen sowieso gleich wieder auf. Anders ist es bei Callcenter-Mitarbeitern: Viele der Angerufenen möchten dem Anrufer zumindest noch ein Mindestmaß an Höflichkeit entgegenbringen und ihr Desinteresse bekunden. Doch die Mitarbeiter der Callcenter sind geschult, ihr Gegenüber möglichst lang am Apparat zu halten und in ein Gespräch zu verwickelt, an dessen Ende eine fertige Umfrage, eine Bestellung oder die Einwilligung für ein exklusives Angebot stehen können.

Checkliste: Maßnahmen gegen Telefonterror

Checkliste

  1. Falls keine Bandansage: Mitarbeiter höflich aber bestimmt dazu auffordern, künftig nicht mehr anzurufen.
  2. Keine Geschäfte per Telefon abschließen!
  3. Im Wiederholungsfall Unternehmen bei Bundesnetzagentur melden.
  4. Falls möglich: Sperrliste im Router anlegen.
  5. In eine sogenannte Robinsonliste eintragen lassen.
  6. Geheimnummer beantragen.
  7. Bei Registrierungen auf Webseiten möglichst nicht die Telefonnummer mit angeben.

Sofortmaßnahmen gegen Telefonterror

Wenn Sie einmal mehr ein Werbeanruf belästigt wurden, bitten Sie den Mitarbeiter darum, künftig nicht mehr bei Ihnen anzurufen. Handelt es sich um das Callcenter eines seriösen Unternehmens, wird es sich daran auch halten. Ein unerwünschter Anruf kann auch juristische Folgen haben: Anrufe, die nicht ausdrücklich von der angerufenen Person genehmigt wurden, sind per Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb untersagt. Zeigt sich ein Unternehmen hartnäckig und ignoriert Ihren Wunsch, drohen ihm Bußgelder bis zu einer Höhe von 30.000 Euro, wenn sie es erfolgreich melden.

Beachten sie stets folgenden Grundsatz: Keine Geschäfte per Telefon abschließen. Denn viel zu schnell findet sich eine unnötige Versicherungspolice oder die Auftragsbestätigung eines überteuerter Strom- oder Gastarifs im Briefkasten. Viele windige Geschäftemacher versuchen per Telefon, ahnungslose Kunden abzuzocken. Dabei geben Sie sich auch gerne mal als Vertreter oder Kooperationspartner namhafter Unternehmen aus. Auf der sicheren Seite bleibt nur, wer ausdrücklich ablehnt, was auch immer ihm geboten oder versprochen wird.

Nachhaltiger Schutz vor Telefonterror

Melden sich Unternehmen oder Unbekannte gerne über das Festnetz bei Ihnen, bietet sich je nach verwendetem Router und Anbieter auch die Option einer technischen Lösung. Einzelne Router wie beispielsweise die Fritz!Box ermöglichen das Anlegen von Sperrlisten mit unerwünschten Telefonnummern. Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Optionen zum Schutz Ihnen mit Ihrer Hardware und Ihrem Anbieter zur Verfügung stehen, setzen Sie sich am besten mit dem Support in Verbindung und lassen sich die Möglichkeiten erläutern, wie Sie beispielsweise eine unbekannte Nummer künftig gleich blocken können.

Zusätzlich besteht kostenlos die Möglichkeit, sich auf eine sogenannte Robinsonliste aufnehmen zu lassen. Dabei handelt es sich um eine Schutzliste, die vom gemeinnützigen Verein Deutsche Robinsonlisten e.V. initiiert wurde. Diese hat sich eine Verbesserung des Verbraucherschutzes zum Ziel gesetzt, indem Sie Privatpersonen einen Eintrag auf dieser Liste anbietet. Dadurch signalisieren Letztere, dass sie nicht von Unternehmen angerufen werden möchten. Die Liste wird dann verschlüsselt an seriöse Unternehmen weitergeleitet, welche anschließend die Einträge der Liste mit ihren eigenen abgleichen und jene bei Werbeanrufen außen vorlassen, die auf der Schutzliste stehen.

Tipp: Mithilfe der Robinsonliste lässt sich nicht nur die Telefonnummer schützen, sondern auch Adressdaten und E-Mail-Konten. Ein entsprechendes Schutzkonto können Sie unter https://www.robinsonliste.de/verwalten/schutzkonto_erstellen anlegen.

Wie kann ich gegen Werbeanrufe vorgehen?

Einem einzelnen Unternehmen Anrufe zu untersagen, mag manch einem wie der Tropfen auf den heißen Stein vorkommen, denn schließlich gibt es viele dieser mehr oder weniger seriösen Unternehmen, die immer wieder versuchen, auf diesem Wege Umsätze anzukurbeln oder dubiose Geschäfte anzubahnen. Gerade jenen Unternehmen, die auf reine Abzocke aus sind und nicht selten aus dem Ausland anrufen, stören sich nicht an der ausdrücklichen Ablehnung vonseiten der Verbraucher und verstoßen auch weiterhin gegen geltendes Recht. Die Verbraucherzentrale schätzt, dass es Jahr für Jahr mehrere Hundert Millionen Anrufe dieser Art gibt.

Call-Center, Werbeanrufe

Die Frage ist nun: Müssen Sie das alles einfach so hinnehmen? Nein, es gibt Mittel und Wege, sich gegen die Anrufe zur Wehr zu setzen und Unternehmen zu melden. Grundsätzlich gelten unerwünschte Werbeanrufe als unzumutbare Belästigung. Deswegen ist es auch möglich, Unternehmen, die sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten, zu melden. Die entsprechenden Beschwerden können Sie dann der Bundesnetzagentur melden. Dafür stehen ein Onlineformular auf der Webseite der Agentur und eine editierbare PDF-Datei zur Verfügung, die dann ausgedruckt und auf dem Postweg verschickt werden kann.

Dazu ist es jedoch wichtig, erst einmal an die nötigen Daten zu gelangen. Mitarbeiter von Callcentern halten sich aus genau diesem Grund gerne einmal bedeckt, geben Daten nur zögerlich und meist unvollständig heraus. Es bringt wenig, den Mitarbeiter unter Druck zu setzen oder ihm schon am Telefon mit dem Anwalt zu drohen. Effektiver ist es, Interesse vorzutäuschen und durch gezieltes Nachfragen an die folgenden Daten zu gelangen:

  • Uhrzeit und Datum des Anrufs,
  • Name und Adresse der Firma,
  • Name des Mitarbeiters,
  • Rückrufnummer, falls möglich, und
  • Fragen, wie man an die Nummer gelangt ist.

Datenauskunft vermeiden – Telefonterror unterbinden

Grundsätzlich empfiehlt es sich, eine unachtsame Datenauskunft zu vermeiden und die eigene Telefonnummer nicht bei jeder Gelegenheit preiszugeben. Wer sich beispielsweise bei einem Onlineshop oder einer Webseite für eine bestimmte Dienstleistung registriert, muss dort nicht auch noch seine Telefonnummer angeben. Diese Angabe ist bei vielen Unternehmen freiwillig. Zusätzlich können Sie bei ihrem Telekommunikationsdienstleister auch eine Geheimnummer für Ihren Festnetzanschluss beauftragen. Das ist zwar mit etwas Aufwand verbunden, aber die Nummer findet sich dafür nicht in Telefonbüchern und öffentlichen Verzeichnissen.

Tipp: Im Internet gibt es kostenlose Anbieter von Ersatztelefonnummern. Die können dann statt der eigenen Telefonnummer in Online-Formularen (z. B. bei Gewinnspielen) angegeben werden. Ruft ein Unternehmen dort an, erhält es seinerseits eine Bandansage.

Quellen:
https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/Telekommunikation/Verbraucher/Rufnummernmissbrauch/Beschwerdeeinreichen/beschwerdeeinreichen-node.html
https://www.robinsonliste.de/
https://www.telefon-lexikon.de/unerwuenschte-telefonanrufe-werbeanrufe.html

Mirko Kreißig
Über unseren Autor
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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