Tee in der Schwangerschaft – Wissen über 30 Teesorten

Die Engländer und Japaner sind um Ihre Teezeremonien fast zu beneiden. Es gibt nichts Besseres, als während einer kleinen Pause mit Hilfe eines köstlichen Teegetränkes „aufzutanken“, zur Ruhe zu kommen, sich etwas Gutes zu tun. Sicher gilt das auch für Schwangere, oder? Hier erfahren Sie mehr über geeignete Möglichkeiten, Ihren Flüssigkeitsbedarf ausreichend und auf leckere Art und Weise zu decken.

Schwangere trinkt Tee

Der Körper der Schwangeren muss die gesamte Stoffwechselleistung für das Kind mit erbringen. Das heißt, es müssen zahlreiche Nährstoffe ungestört und in ausreichender Menge zum Kind gelangen und ebenso dessen Stoffwechselendprodukte zusätzlich abtransportiert werden. Eine Schwangere sollte deshalb mindestens 1,5 – 2 Liter trinken, an warmen Tagen oder bei sportlicher Betätigung auch mehr. Die besten Getränke für eine Schwangere sind Wasser, Rotbuschtee, Früchtetee und Schwangerschaftstee ohne Himbeerblätter sowie verdünnte Obstsäfte.

Unbedenkliche Teesorten

Von diesen Tees können Sie bis zu 1 Liter täglich genießen, denn es bestehen keine gesundheitlichen Bedenken für Sie und das Baby.

  • Früchtetee
  • Rotbuschtee
  • Hagebuttentee
  • Melissentee
  • Stilltee (Anis, Kümmel, Fenchel und Bockshornklee)
  • Schwangerschaftstee
  • Zitronenteegetränk auf der Basis von echten Zitronen
  • Eistee auf der Basis von Früchtetee

Sind koffeinhaltige Teesorten erlaubt?

Laut WHO soll ein Erwachsener nicht mehr als 300mg Koffein täglich zu sich nehmen, da Koffein in Überdosierung als Nervengift wirkt. Dies gilt insbesondere für Schwangere, da der Embryo/Fetus noch viel empfindlicher auf Koffeinzufuhr reagiert. Deshalb sollten Sie täglich nicht mehr als 2 Tassen koffeinhaltige Getränke zu sich nehmen. Für mein Dafürhalten lohnt sich sogar ein kompletter Verzicht in der Schwangerschaft im Sinne Ihres Kindes.

Koffeinhaltige Teesorten

  • Schwarztee
  • Grüner Tee
  • Weisser Tee
  • Puh Erh Tee
  • Mate-Tee
  • Oolong-Tee
  • Matcha-Tee
  • Eistee auf Basis dieser Teesorten

Der Koffeingehalt der Teesorten ist sehr unterschiedlich. Beispielsweise beinhaltet 1 Tasse „guter“ Kaffee circa 100 mg Koffein, jedoch deutlich mehr Koffein ist im Matchatee und deutlich weniger Koffein ist in den meisten Grün-Tee-Sorten. Die Koffeinmenge in Schwarzem Tee ist in etwa mit dem des Kaffees identisch.

Achtung: Koffein behindert die Eisenaufnahme ins Blut

Koffeinhaltige Getränke sollten nicht zu den Mahlzeiten getrunken werden, da dabei die Eisenresorption aus den Nahrungsmitteln behindert wird. Es kann so zusätzlich zu Eisenmangel kommen. Dies gilt genauso für die Einnahme eisenhaltiger Präperate, die oft unterstützend von ärztlicher Seite verordnet werden. Sie können ihre Wirkung nicht ausreichend entfalten, wenn sie mit koffeinhaltigen Getränken eingenommen werden.

Sind Kräutertees gefährlich?

Tees werden aus verschiedenen Pflanzen, Kräutern und/oder Früchten hergestellt. Da Kräuter oft eine gesundheitsfördernde Wirkung haben, erfreuen sich Kräutertees großer Beliebtheit. Doch wie mit anderen Stoffen auch, gilt auch hier wieder die Regel: „Die Dosis macht das Gift.“ Und gerade in der Schwangerschaft ist die Gradwanderung zwischen gesundheitsfördernder und (eventuell) gesundheitsschädlicher Wirkung von Kräutern schwierig, da das sich entwickelnde Kind sehr empfindlich auf Inhaltsstoffe reagieren kann.

Kräutertees

Reine Kräutertees besitzen eine jeweils spezifischen Wirkung und sollten nur in begrenzter Menge getrunken werden, da eine „Überdosierung“ unerwünschte Wirkungen zur Folge haben kann. Empfohlen werden bei folgenden Teesorten nur bis zu 2 Tassen täglich:

  • Kamillentee (beruhigend, verdauungsfördernd, schmerzlindernd)
  • Pfefferminztee (erfrischend, säureproduzierend, wehenfördernd)
  • Fencheltee (verdauungsfördernd)
  • Lavendeltee (schlaffördernd)

Unbedingte Vorsicht bei folgenden Teesorten

Manche Teesorten haben unerwünschte Wirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft oft in Form von Wehenanregung oder einer Verschiebung des Flüssigkeitshaushaltes. Um Schwangerschaftsbeschwerden zu lindern (Übelkeit, Ödeme, Obstipation…) besprechen Sie die Anwendung von Kräutertee-Zubereitungen unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.

  • Ingwertee: genutzt gegen (Morgen)Übelkeit, ist bis 6g frischer Ingwer täglich unbedenklich, bei höheren Dosierungen wirkt er aber wehenanregend
  • Yogi-Tee: Grundmischung aus schwarzem Pfeffer, Zimt, Kardamon, Nelken, Ingwer – jeder Bestandteil ist wehenanregend und in Kombination mit anderen Zutaten wie Anis, Koriander, Süßholzwurzel umso mehr
  • Teesorten mit Süßholzwurzel (ähnlich Lakritze) können eine Frühgeburtsgefahr erhöhen
  • Getränke mit Zimt wirken wehenanregend, als Gewürz ist Zimt unbedenklich
  • Entwässernde Teesorten: im Übermaß genossen kann es zu einer negativen Verschiebung des Flüssigkeitshaushalts kommen, Beispiele: Brennesseltee, Meisbarttee, Birkenblättertee, Zinnkrauttee
  • Abführende Teesorten: wie Sennesblättertee, es kann zu einer Verschiebung des Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalts kommen (= Gefahr für Mutter und Kind).

Auf diese Teesorten sollten Sie verzichten:

  • Salbeitee
  • Reiner Johanniskrauttee
  • Rosmarintee
  • Baldriantee
  • Passionsblumentee

„Fertiger“ Schwangerschaftstee eine passende Alternative zu Kräutertees?

In Schwangerschaftstees werden Zutaten in gut verträglicher Menge kombiniert, die das Wohlbefinden der Schwangeren sehr fördern. Entspannung, Verdauung, Schlaf … werden positiv beeinflusst. Es gibt Schwangerschaftstees, die vorwiegend aus Früchtetee bestehen, und Schwangerschaftstees, die auf reinen Kräuterzubereitungen basieren. Beide Sorten können Sie unbedenklich in größerer Menge heiß oder kalt trinken (bis 1 Liter), jedoch sollten Sie auch hier die Zutatenliste im Auge haben:

Rezept für Schwangerschaftstee nach der Hebamme Ingeborg Stadelmann:

  • Brennnesselkraut: verbessert Eisenresorption, entwässernd
  • Frauenmantel: unterstützt hormonelle Situation positiv (Phytohormone)
  • Johanniskraut: ausgleichend bei Stimmungsschwankungen (antidepressiv)
  • Melissenblätter: beruhigend, schlaffördernd
  • Schafgarbenkraut: fördert die Blutgerinnung, entzündungshemmend
  • Zinnkraut: entwässernd (nicht so stark wie Brennnessel)
  • Himbeerblätter: hormonstimulierend (Phytohormone ), Geschmeidig machen der Geburtswege (geburtserleichternd), entschlackend, krampflösend, durchblutungsfördernd, wehenstimulierend (für gesunde Schwangere nicht ,,gefährlich“)

Die Zutat Himbeerblätter ist für Frauen, die zu vorzeitigen Wehen neigen, tabu. Und die Zutat Brennnesselkraut ist aus oben aufgeführten entwässernden Gründen bei empfindlich veranlagten Schwangeren auch nicht geeignet. Deshalb gibt es auch Schwangerschaftsteesorten ohne diese Zutaten oder mit anderen wohltuenden Bestandteilen.

Teesorten zur Geburtsvorbereitung

Ab 36. SSW sind spezielle geburtsvorbereitende Tees empfehlenswert. Sie wirken auf das Gewebe der Schwangeren – es wird weich und leichter dehnbar und damit weniger schmerzempfindlich, die Gebärmutter wird wehenbereit und auf die Psyche wirken sie entspannend und angstmindernd. Meist enthalten sie folgende Kräuter:

  • Himbeerblätter
  • Schafgarbe
  • Eisenkraut
  • Frauenmantelkraut

Den gezielten Einsatz von (weiteren) wehenanregenden Maßnahmen besprechen Sie individuell mit ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme.

Tee

Zum Schluss nun noch ein paar leckere und unbedenkliche Rezepte für selbstzubereitete Tees:

  • Zitronentee: erfrischend, vitaminreich, unterstützend bei Erkältungskrankheiten, „Heißhunger auf Saures“
    • Saft von 1-2 Zitronen auf einen Liter Wasser, mit nicht mehr kochendem Wasser übergießen (ca. 60°C, damit Vitamine nicht zerstört werden), nach Belieben süßen, heiß oder kalt trinken
  • Ingwertee: gegen Übelkeit, wärmend (leicht scharf), wohltuend (Verdauung), entzündungshemmend, schmerzlindernd (z.B. Kopfschmerzen), unterstützend bei Erkältungskrankheiten
    • ein walnussgroßes Stück Ingwer schälen (= < 6g), in kleine Würfel schneiden und mit einem halben Liter heißem Wasser übergießen, 5-10 Minuten ziehen lassen, mit Honig süßen, warm trinken
  • Erdbeer-Eistee: mein persönlicher fruchtiger Favorit, purer Genuss, vitaminreich, kühlend
    • Früchtetee nach Wunsch zubereiten, abkühlen, Erdbeeren klein schneiden und in den Tee geben, mindestens 1 Stunde kalt stellen, Tee nach Wunsch süßen, reichlich Eiswürfel hinzugeben, genießen

Guten Durst!

Quellen:
https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/tee-in-der-schwangerschaft/
https://tea-club.de/blogs/tee-blog/131648391-tee-in-der-schwangerschaft
https://schlaf-mit-baldrian.info/in-der-schwangerschaft/
http://www.gruenertee.com/koffeingehalt-tee-kaffee/
https://www.himbeerblaettertee.info/
https://www.kochbar.de/rezept/149119/Erdbeer-Eistee.html

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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