Tagesablauf für Babys von 1-12 Monate | Wie viel Routine gut ist

Viele Großeltern vertreten die Meinung, dass ein Rhythmus für das Baby, so wie früher, viel besser ist, als dieser ganze „neumodige“ Umgang mit Stillen nach Bedarf usw. Da prallen Ansichten von erfahrenen Großeltern und unerfahrenen „Neueltern“ aufeinander. Fakt ist, dass ein Baby Bedürfnisse hat, die nicht immer in einen Rhythmus zu pressen gehen.

Tagesablauf für Babys

Tatsache ist außerdem, dass Schreien lassen nicht etwa die Lungen kräftigt sondern das Urvertrauen zerstört und dass ein fester Rahmen und Grenzen nicht nur dem Baby sondern auch größeren Kindern Sicherheit und Orientierung in einer komplizierten, reizreichen Umgebung geben. Wie ist das also nun mit dem Rhythmus für ein Baby? Ja, Nein, Vielleicht? Ein paar Fakten und Überlegungen zum Tagesablauf für Babys im folgenden Text.

Was ist ein Tagesplan?

Ein Tagesplan strukturiert den Tag. So ähnlich wie ein Kindergartentag, ein Schultag oder ein Arbeitstag einem bestimmten zeitlichen Ablauf unterliegt, kann auch der Tagesablauf für Babys gestaltet werden. In immer ähnlichem Verlauf zu annähernd den gleichen Zeiten werden folgende alltagsbestimmende Tätigkeiten/Unternehmungen durchgeführt:

  • Morgendliche Weckzeit
  • Morgenritual
  • Vormittags-Spielzeit/Vormittagsunternehmung (Spaziergang, Einkauf, Kinderarzt…)
  • Mittagsschlaf
  • Nachmittags-Spielzeit/Nachmittagsunternehmung (Spielplatz, Besuche, Spiel mit Geschwistern…)
  • Abendritual
  • Schlafenszeit

Je nach Alter des Kindes werden die Zeitpunkte für Stillzeiten, für Breimahlzeiten sowie für die Zwischenschläfchen den Bedürfnissen des Kindes angepasst.

Welche Vorteile hat ein Tagesplan?

Ein Tagesplan gibt einem Baby Orientierung und Sicherheit. Im Bauch der Mutter hat das Kind keinen festgelegten Rhythmus. Nahrung kommt dauerhaft über die Nabelschnur und weder Schlaf-noch Wachzeiten unterliegen einer Vorgabe. Den Unterschied zwischen Tag und Nacht kann das Baby bestenfalls am Aktivitätszustand der Mutter „ablesen“.

Tagesablauf für Babys

Wenn das Baby nun auf der Welt ist, hat es also noch seinen Bauchrhythmus. Und der hat keine festen Mahlzeiten, keinen Tag- und Nachtrhythmus und keine festgelegten Spielzeiten. Das Baby muss sozusagen in den Alltag der Großen integriert werden. Und das geht am allerbesten, wenn dem Baby bestimmte Zeiten als Ritual vorgegeben werden. Meist funktioniert das beim zweiten oder dritten Kind viel besser als beim ersten Kind, weil der Tagesrhythmus durch die größeren Kinder schon strukturiert ist. Wenn diese eben in den Kindergarten gebracht werden müssen oder ihre Abendbrotzeit ist, ist für das Baby zum Beispiel eben gerade keine Spielzeit.

Durch immer gleiche Abläufe wird dem Baby Sicherheit und Berechenbarkeit gegeben. In einer Zeit ständiger neuer Erfahrungen, neuer Reize und unbekannter Situationen sind die bekannten Abläufe wie eine Oase der Ruhe und Entspannung. Das Gehirn benötigt „Pausen“, um alle Erlebnisse einzuordnen und zu verarbeiten. Das Baby findet für gewöhnlich besser zur Ruhe, wenn es weiß, jetzt ist die Zeit für Ausruhe, Kuscheln und Schlafen.

Die Nacht ist keine Spielzeit. Auch das sollte zur Erfahrung für das Baby gemacht werden. Weder große Spiele auf dem Wickeltisch noch helle Festbeleuchtung sind nachts angesagt. Deshalb sollte nachts die Aktivität beschränkt werden und die Beschäftigungszeiten wirklich auf den Tag gelegt werden, wenn Mama, Papa und Geschwister auch spielbereit sind.

Gibt es Nachteile?

Viele Eltern scheuen sich, dem Kind einen Rhythmus vorzugeben. Sie wollen, dass das Baby keinem Druck und keiner Regulierung „unterworfen“ wird, dass alles nach seinen Bedürfnissen abläuft. Das macht doch gute Eltern aus, oder? Tatsächlich finden manche Babys ohne Probleme von allein ihren eigenen Rhythmus und sind in ihren Schlafenszeiten und Mahlzeiten für ihre Eltern komplett berechenbar. Aber das ist bei den wenigsten Babys der Fall. Eltern erzielen mit einem strukturierten Tagesablauf für Babys auch für sich eine gewisse Berechenbarkeit. Sie wissen, wann Mittagsruhe ist und können diese Zeit schließlich für sich nutzen. Sie wissen, wann der Baby-Abend zu Ende ist und haben danach für sich als Paar etwas Zeit. Und sie können auch mal beruhigt einen Babysitter engagieren, der wiederum mit dem „Ablaufplan“ bestens zurechtkommt.

Zu beachten ist, dass der Tagesablauf vor allem auch die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt.

Diese Grundbedürfnisse des Babys sind:

Beikost Baby Rezpete

  • Hunger → Stillen nach Bedarf des Kindes, erst mit Beikost-Einführung sind feste Essenszeiten sinnvoll
  • Schlaf → Zwischenschläfchen zur Erholung zulassen, sonst wird es überreizt und „ungenießbar“, Zwischenschläfchen eher etwas abkürzen, damit zum Mittags- oder Nachtschlaf wieder ein Beschäftigungszeitfenster entsteht
  • Bewegung → Wickelzeiten nutzen (tagsüber), Spielzeiten gestalten (tagsüber)
  • Körperkontakt → viel Kuscheln, Tragen, Berühren, Einölen… Das Baby erhält Beruhigung und Sicherheit, lernt seinen Körper kennen, findet Wohlbefinden und festigt die Bindung zu den Eltern

Deshalb ist es beispielsweise auch ungünstig, einen straffen 4-Stunden-Stillabstand vorzugeben, wenn das Baby kürzere Mahlzeiten bevorzugt oder einfach nur mal Durst hat zwischendurch. Auch wenn das Baby zur sehr „verkuschelten“ Sorte gehört, ist es ungünstig, sein Bedürfnis nach Tragen, Kontakt, Berührung und Wärme nicht ausreichend zu erfüllen. Wenn seine Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden und das Baby sie erst über lange Schreiphasen einfordern muss oder sogar verzichten muss, wird das Vertrauen zerstört und vielen Problemen ein Nährboden gegeben.

Beispiel, einen Tagesablauf für Babys zu gestalten

Beobachten Sie Ihr Kind in den ersten Wochen ganz genau und machen Sie sich Notizen. Lernen Sie seine Signale zu deuten:

  • Wann wird es morgens wach?
  • In welchem Abstand will es gestillt werden?
  • Wann ist es besonders wach und bereit zum Spielen?
  • Wann wird es besonders müde?
  • Wird es durch ein Baby-Bad eher entspannt und müde oder eher munter und aktiv?
  • Wann ist seine Verdauung besonders aktiv?
  • Wann kommt Papa nach Hause? Welche Tätigkeit kann er mit dem Baby durchführen?

Baby und Papa

Bauen Sie den Tagesablauf für Babys um diese Grundbedürfnisse Ihres Kindes drumherum. Es ist nicht schlimm, wenn die Zeiten mal eine halbe Stunde vom Plan abweichen. Auch wenn das Baby mal krank ist oder einen Wachstumsschub hat oder es ganz besonders heiß war an einem Tag, wird ein Tagesplan wahrscheinlich sowieso mal durcheinandergeraten.

In meinem Beispiel hat das Baby etwa alle 4 Stunden Hunger. Auch wird es nach einem Bad müde, deshalb eignet es sich in diesem Fall als Abendritual. Der Papa kommt nicht vor 19:00 Uhr von Arbeit. Wir Eltern gehen üblicherweise gegen 23:00 Uhr ins Bett. Das Geschwisterkind muss um 06:00 aufstehen und schulfertig gemacht werden. Dies alles berücksichtigt, sieht mein Tagesplan für das Baby indes folgendermaßen aus:

  • 07:00 Uhr – Wecken/Stillen + Wickeln/Morgenritual (Waschen, Anziehen, Fingerspiel…)
  • 08:00 Uhr – Zwischenschläfchen
  • 11:00 Uhr – Stillen + Wickeln/Spaziergang/Spielzeit
  • 12:00 Uhr – Mittagsschlaf
  • 15:00 Uhr – Stillen + Wickeln/Spielzeit/Beschäftigungszeit
  • 16:00 Uhr – Nachmittagsschläfchen
  • 19:00 Uhr – Stillen + Wickeln/Abendritual (Baden, Kuscheln, Schlafanzug anziehen …), Papa-Zeit
  • 20:00 Uhr – Schlafenszeit
  • 23:00 Uhr/03:00 Uhr – Nachtmahlzeiten + Wickeln

Ich gehe in meinem Beispiel von einem 4-Stunden-Rhythmus aus, da dies bei vielen Babys die „Norm“ ist. Jedoch sind 2 oder 3 stündige Stillabstände sowie Nachtpausen von 6 Stunden oder länger ebenso vertreten. Daraus ergeben sich auch die jeweils individuellen Tagespläne, denn kein Baby ist wie das andere.

Tipp: Beginnen Sie am Abend, um einen Tagesablauf für Babys einzuführen. Wenn Sie selbst beispielsweise um 23:00 Uhr zu Bett gehen, legen Sie die letzte Stillmahlzeit und Wickeleinheit vor der Nacht auf etwa 22:30 Uhr, egal wann das Baby das letzte Mal getrunken hat. Dies wird zu seiner festen Zeit. Dann kann die längere Nachtschlafphase kommen, unterbrochen nur von der/den Stillzeiten und Kurz-Wickel-Einheiten. Meist hat das Kleine dann auch einen festen Wachwerd-Zeitpunkt, an dem sein Tag beginnt, beispielsweise 07:00 Uhr.

Wieviel Schlaf benötigt ein Baby?

Baby schläft Tagesplan

Die Wachzeiten um die Stillmahlzeiten herum werden mit zunehmendem Alter des Kindes indes auch länger. Zur Orientierung kann schließlich von folgenden Zeiten ausgegangen werden:

  • 1 Monat alt: 8 Std. Nachtschlaf + 3 Tagesschläfchen = ca. 16 Stunden Schlaf/Tag
  • 6 Monate alt: 10 Std. Nachtschlaf + 2 Tagesschläfchen = ca. 15 Stunden Schlaf/Tag
  • Ab 1 Jahr alt: 11 Std. Nachtschlaf + 1 Tagesschläfchen = ca. 14 Stunden Schlaf/ Tag

Es gibt kein „MUSS“ für einen Tagesplan für das Baby, aber es macht den Alltag in der heutigen Welt für alle Beteiligten etwas einfacher. Doch ob nun mit oder ohne Tagesplan, ich wünsche Ihnen auf jeden Fall eine wunderschöne Zeit mit Ihrem Baby.

Quellen:
Kast-Zahn, A.; Morgenroth, H.; Jedes Kind kann schlafen lernen; Osterbrink-Verlag GmbH 2004, S. 24
https://www.elternwissen.com/erziehung-entwicklung/baby-entwicklung/art/tipp/warum-ein-fester-tagesablauf-fuer-babys-schon-wichtig-ist.html
https://www.babycenter.de/a36815/eine-feste-tagesroutine-mit-dem-baby—worauf-es-ankommt
https://www.babycenter.de/a36818/sieben-tipps-zur-einführung-eines-baby-tagesplans

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
×
Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
Latest Posts
  • baby lutscht am daumen
  • Schnuller abgewöhnen
  • Kind hustet
Hinweise für Gesundheits- und Rechtsfragen
Wiado.de dient der allgemeinen Bildung und Information, nicht der Beratung bei gesundheitlichen und rechtlichen Anliegen. Konsultieren Sie hierzu bitte jeweils Ihren Arzt/Zahnarzt oder einen Rechtsanwalt/Steuerberater.