Storchenbiss beim Baby: was ist das? Entfernen: ja oder nein

Wenn man ein Neugeborenes im Arm hält, ist das jedes Mal wie ein Wunder. Es sieht aus wie gemalt: die langen Wimpern, die feinen Lippen, der zarte Haarflaum und, bei nahezu jedem zweiten Baby, ein rotes Hautmal an Stirn, Nase, Auge oder typischerweise auch im Nacken. Was ist das? Muss diese Hautauffälligkeit behandelt werden? Mehr dazu im folgenden Text.

Storchenbiss

Von einem Storchenbiss spricht die Bevölkerung „spaßig“, wenn ein Neugeborenes eine rote Stelle, zumeist im Nacken, aufweist. Die Theorie dazu lautet: „Der Storch hat wohl beim Transport des Babys ein wenig zu fest zugebissen!“ Jeder von uns weiß natürlich, dass der Storch keine Babys bringt. Gibt es eine andere Erklärung?

Der Aberglaube vom „Erschrecken einer Schwangeren“

Früher kursierten Gerüchte, dass die Schwangere einen großen emotionalen Schock bekommen hat (Tod eines Angehörigen) oder sie durch irgendetwas in furchtbare Angst versetzt wurde und dass sich dies dann beim Baby in Form eines auffälligen Hautmals zeigt. Das ist jedoch ein phantasievoller Aberglaube und entspricht nicht der Wahrheit.
Doch was ist dieser wenige Zentimeter große rote Fleck auf der zarten Haut des Neugeborenen denn nun wirklich?

Was ist ein Storchenbiss?

Ein Storchenbiss (Naevus unna, Unna-Politzer-Naevus) ist im Gesichts-, Stirn- und/oder Nackenbereich eines Neugeborenen zu sehen. Der „Fleck“ sieht zart gerötet aus, ist begrenzt und in Hautniveau. Er stellt eine Sonderform des Feuermals (Naevus flammeus) dar. Ein Storchenbiss entsteht durch eine lokale Erweiterung von oberflächlichen Blutgefäßen. Das Nervensystem des Neugeborenen ist zum Geburtszeitpunkt noch nicht fertig ausgreift und damit nicht in der Lage, die notwendige Verengung der Blutgefäße zu gewährleisten. Die Haut ist dünn und durchscheinend, deshalb sieht man diese oberflächlichen Gefäße dann als roten Fleck, einen Storchenbiss.

Wie oft kommen sie vor?

  • Nahezu jedes zweite Baby hat ihn.

Tut ein Storchenbiss weh?

  • Babys haben dadurch keinerlei Beschwerden.

Was ist der Unterschied zum „normalen“ Feuermal?

Abzugrenzen vom einfachen und harmlosen Storchenbiss sind die sogenannten „echten“ Feuermale (Naevus flammeus). Sie sind auf eine Fehlbildung der oberflächlichen Blutgefäße (Kapillaren) zurückzuführen. Feuermale sind in Färbung und Größe deutlich stärker ausgeprägt. Unbehandelt bleiben sie ein Leben lang bestehen, sie „wachsen“ mit dem Baby sozusagen mit. „Echte“ Feuermale können ein Hinweis auf Organfehlbildungen oder Krankheiten sein, die Kinder werden ärztlicherseits sorgfältig begleitet.

Müssen Storchenbisse behandelt werden?

Nävus Unna-Politzer müssen nicht behandelt werden, da sie im Laufe der ersten Lebensjahre durch die Reifung des Nervensystems und die zunehmende Dicke der Haut von ganz allein verschwinden. Wenn Ihr Kind sich aufregt (wir kennen das vom Rotwerden von Gesicht und Hals bei Scham, Erregung, Wut ….), kann sich auch ein bereits verschwundener Storchenbiss wieder zeigen. Das hat keinen Krankheitswert und ist nicht behandlungsbedürftig. Mit abnehmender Erregung verschwindet der Storchenbiss wieder.

Wann sollte der Besuch beim Arzt anstehen?

Ein Storchenbiss ist völlig ungefährlich. Nur wenn sich zusätzliche Hautauffälligkeiten bemerkbar machen sollten, zum Beispiel wenn der Fleck blutet, sich seine Größe ändert oder er Juckreiz verursacht, sollte er auf jeden Fall von einem Arzt begutachtet werden.

Wie wird die Haut des Babys trotz oder mit Bossard-Fleck gepflegt?

Wichtig ist eine gute Beratung der Eltern. Sie haben weder Schuld an Storchenbissen noch können sie den Verlauf der „Heilung“ wirklich beeinflussen. Aber sie können einiges tun, um Babys Haut vor schädigenden Einflüssen zu schützen.

  • Gut reinigen, besonders alle Hautfalten
  • Haut und Falten trocken halten
  • Kleidung aus guten, atmungsaktiven Stoffen anziehen
  • Spezielle Baby-Pflegeprodukte verwenden
  • Fingernägel kürzen, um Verletzungen und damit Entzündungen zu vermeiden
  • Keinen Sonnenbrand riskieren – Haut mit leichter Kleidung bedecken

Bleiben Sie gelassen. Babys haben eine dünne empfindliche Haut, manchmal mit, manchmal ohne Storchenbiss. Doch auf jeden Fall ist die Haut ein sehr empfängliches Sinnesorgan und verlangt förmlich nach Streichel- und Kuschelzeiten sowie nach sanfter Babymassage.

Quellen:
https://www.netdoktor.de/krankheiten/storchenbiss/
https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/storchenbiss-feuermal/

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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