Sicher bezahlen im Internet: Die beliebtesten Zahlungsarten im Vergleich

Das Einkaufen im Internet erfreut sich enormer Beliebtheit. Über zwei Drittel aller Bundesbürger im Alter von über 14 Jahren kaufen online ein. Jeder Fünfte mehrmals wöchentlich. 5 Prozent gar täglich. Tendenz steigend. Die Gründe dafür liegen klar auf der Hand: Durchgehende Öffnungszeiten, eine schier grenzenlose Produktauswahl, bequemes und schnelles Bestellen ohne Gedränge in den Gängen und Schlangen an den Kassen mit abschließender rascher Lieferung nach Hause – all das lädt verführerisch zum Rund-um-die-Uhr-Shopping per Mausklick ein.

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Parallel zum wachsenden Angebot der Online-Shops haben diese auch ihr Portfolio an Zahlungsarten erhöht und bieten dem Verbraucher eine Vielzahl an Alternativen. So konnten Kunden in den 1.000 umsatzstärksten Shops im Durchschnitt zwischen 7 unterschiedlichen Optionen zur Bezahlung wählen. In den Top 10 waren es sogar knapp 9. Diese reichen von den klassischen Zahlungsmitteln wie Rechnung oder Vorkasse über aufstrebende Online-Bezahlsysteme und Dienstleister à la PayPal bis hin zu Mobile-Payment-Anbietern wie Google Pay. Doch wie steht es um die Sicherheit dieser Zahlungsweisen?

Gefahr durch Cyberkriminalität

Der stetig steigende Umsatz im Online-Handel ruft zwangsläufig auch Kriminelle auf den Plan. So ist laut Statistik jeder zweite deutsche Internetnutzer im Jahr 2017 zum Opfer von Cybercrime geworden. Neben der Infizierung des Computers durch Schadprogramme umfassen die Straftaten vor allem das Ausspähen bzw. den Diebstahl persönlicher Daten zur illegalen Nutzung. In der Hälfte der Fälle entstand den Betroffenen dabei auch finanzieller Schaden in einer Gesamthöhe von über 50 Millionen Euro. Wie kann ich mich und meine Daten und damit auch mein Geld bei Transaktionen im Internet also bestmöglich absichern?

Welche Zahlungsmöglichkeiten habe ich?

Das Anliegen dieses Artikels ist es, Ihnen einen Überblick über die gängigsten Bezahlvarianten in Deutschlands E-Commerce zu vermitteln. Dazu soll in prägnanter Form sowohl auf den Ablauf der jeweiligen Transaktion und die dabei involvierten Parteien als auch auf etwaige Vor- beziehungsweise Nachteile jeder Zahlungsmöglichkeit für den Verbraucher eingegangen werden. Das Thema Sicherheit soll dabei großgeschrieben werden.

„Auf Rechnung, bitte!“

Die folgende Übersicht beschäftigt sich erst einmal mit den vertrauten, schon länger etablierten Möglichkeiten zur Zahlung im Internet:

1. Rechnung

  • Beliebteste Bezahlvariante
  • Jeder dritte Online-Einkauf wird „auf Rechnung“ getätigt
  • Bietet Kunden Möglichkeit auf Prüfung der Ware vor der Bezahlung
  • Rechnungsbetrag wird vom Kunden erst nach Erhalt der Ware beglichen (meist per Off- oder Online-Überweisung über die Hausbank des Kunden an die des Händlers)
  • Für Kunden quasi risikolos, Bonität vorausgesetzt, aber nicht für Händler, deshalb nicht von allen angeboten

2. Lastschrift/Bankeinzug

  • Jeder fünfte Online-Shopper nutzt dieses Verfahren: Löwenanteil Amazon (ohne diesen nur 4,2%)
  • Voraussetzung: Girokonto mit ausreichender Bonität und Erteilung eines SEPA-Mandats an den Händler (papiergebunden mit eigenhändiger oder elektronisch mit sicherer Unterschrift)
  • Anforderung des Betrages vom Zahlungsempfänger über dessen Hausbank von der des Kunden
  • SEPA-Basislastschrift kann innerhalb von 8 Wochen rückgängig gemacht werden
  • Unautorisierte Lastschriften sogar innerhalb von 13 Monate

3. Kreditkarte

  • Internationale Gültigkeit, oft unverzichtbar bei Bestellungen in ausländischen Online-Shops
  • Schnelle und bequeme Zahlung durch Übermittlung der Kreditkartendaten
  • Möglichkeit der Rückbuchung
  • Gefahr des Betrugs beim Auslesen der Kartendaten

4. Vorkasse

  • Am häufigsten von Händlern angebotene Zahlungsart
  • Erhöhtes Risiko für Verbraucher, da er in Vorauszahlung geht, ohne zu wissen, ob er die Ware erhalten wird
  • Meist zahlbar per Überweisung
  • Sollte nur bei vertrauenswürdigen Shops geleistet werden

5. Nachnahme

  • Zahlung erfolgt beim Empfang der Ware durch den Empfänger an den Zusteller
  • Vorteil: Kunde bezahlt erst nach Erhalt der Ware, ABER keine Prüfung der Ware möglich
  • Nachteil (bisher): Zahlung eines zusätzlichen Übermittlungsentgeltes in Höhe von 2 Euro an den Zusteller
  • Nachnahmegebühren seit März komplett vom Händler zu tragen
  • Folge: Möglicher Aufschlag auf Versandkosten bei Bezahlung per Nachnahme, in jedem Fall in AGB des jeweiligen Shops versichern

Veränderte Bezahlkultur

Der Siegeszug des Internets hat nicht nur Auswirkungen auf die Einkaufskultur der Menschen, sondern auch auf ihr Bezahlverhalten. So bieten Digital Wallets wie PayPal oder Zahlungsdienstleister wie Sofort dem Kunden den Vorteil seine Daten nicht mehr direkt an jeden einzelnen Händler weitergeben zu müssen, sondern dort nur seine Zugangsdaten für den Dienstleister zu hinterlegen. Anschließend bucht dieser den Betrag vom hinterlegten Konto oder einem vorher eingerichteten Guthaben ab und leitet ihn an den Händler weiter. Andere Zahlverfahren wiederum, beispielsweise Giropay oder paydirekt, geben dem Verbraucher die Alternative im Netz über das Girokonto, in einer Form des Online-Bankings, zu bezahlen.

6. PayPal

  • Rund 20% Marktanteil im deutschen E-Commerce
  • Einrichtung eines PayPal-Kontos über eine E-Mail-Adresse
  • Hinterlegen von Konto-, Kreditkartendaten oder eines Guthabens per Einzahlung
  • Bezahlung erfolgt über Angabe der E-Mail-Adresse und des Passwortes
  • Kostenlose ‚Kontoführung‘, Gebühren nur für kommerzielle Nutzer
  • Möglichkeit des Geldtransfers zwischen verschiedenen PayPal-Konten
  • Käuferschutz: Herstellung des Kontaktes zwischen Kunde und Anbieter, bei keiner Einigung greift der Käuferschutz nach 20 Tagen, Rückerstattung des Betrages bei Nichterhalten des Artikels bzw. falscher Beschreibung, kann bis zu 180 Tage nach Zahlung in Anspruch genommen werden

7. Giropay

  • Direkte Weiterleitung auf Login-Seite des Online-Bankings nach Auswahl der Bezahloption und Benennung der Bank
  • Nach Login erscheint ausgefüllte, unveränderliche Online-Überweisung
  • Autorisierung durch TAN (bei Beträgen bis 30 Euro teilweise auch nicht mehr nötig)
  • Kostenlose Nutzung
  • Hohe Datensicherheit: Nur Nennung der BLZ gegenüber Händler bzw. Drittanbieter, Eingabe der sensiblen Daten erfolgt im geschützten Online-Banking-Bereich
  • Nach erfolgter Überweisung unwiderrufliche Zahlungsgarantie der Bank an den Händler
  • Keine Rückbuchung, da es sich hierbei um Überweisungen handelt

8. Paydirekt

  • Made in Germany: Es gilt der deutsche Datenschutz und das deutsche Bankgeheimnis
  • Voraussetzung: Girokonto mit Online-Banking-Funktion bei einem der teilnehmenden Kreditinstitute
  • Registrierung über Nutzername und Passwort, ggf. Zahlungsbestätigung per TAN
  • Kein Drittanbieter, sondern kostenlose Zusatzfunktion des Girokontos
  • Käuferschutz, bei fehlendem Versandnachweis des Händlers, ausgenommen: Alkohol, Tabak, Medikamente, digitale Güter

9. Klarna

  • Rechnungsmodell ähnlich dem Kauf auf Rechnung (unter 1.)
  • Kunde erhält Ware vor Bezahlung zur Prüfung
  • Bezahlung nicht an den Händler, sondern an Klarna, von dort Weiterleitung des Betrages
  • Bonitätsprüfung und Datenabgleich bei Schufa
  • Rechnungs- und Lieferadresse müssen identisch sein
  • Zahlungsfrist: 14 Tage
  • Hohe Mahngebühren bei Überschreitung
  • Umwandlung in Ratenkauf kein Problem

10. Sofort(Überweisung)

  • Sofort-Zahl-Funktion von Klarna
  • Übermittlung der Kontodaten an den Anbieter, nach Prüfung der Kontodeckung erfolgt Überweisung
  • Händler erhält nach bestätigter Bonität des Kunden unverzüglich Zahlungsbestätigung
  • Dateneingabe nicht über Online-Banking, sondern direkt beim Dienstleister
  • Datenschutz häufig kritisiert, aber TÜV Saarland-geprüft und ohne nachweisliche Missbrauchsfälle

Weitere Alternativen

Daneben gibt es natürlich noch eine Vielzahl weiterer Zahlungsoptionen. Amazon beispielsweise bietet über Amazon Pay die Möglichkeit, Käufe in anderen Shops direkt über die bei Amazon hinterlegten Daten bzw. Zahlungsarten zu tätigen. Voraussetzung dafür ist natürlich ein Kundenkonto beim weltweit führenden Onlinehändler.

Sicher bezahlen im Internet Mobile Payment

Im in Zukunft immer wichtiger werdenden Sektor des Mobile-Payments, also des Bezahlens per Smartphone oder Tablet, stößt aktuell Google Pay auf den deutschen Markt. Mit einem Google-Konto und einer darauf hinterlegten Kreditkarte ist man dabei. Dabei wird leichte Bedienbarkeit, Sicherheit und Datenschutzfreundlichkeit großgeschrieben. Die Frage, ob sich mobiles Bezahlen in Deutschland überhaupt wird durchsetzen können, bleibt spannend, da viele Verbraucher dieser Bezahlpraxis aus Angst vor Betrug und Sorge um die Sicherheit Ihrer persönlichen Daten von vornherein skeptisch gegenüberstehen.

Alternativ besteht auch die Option Zahlungen über Prepaid-Angebote vorzunehmen, zum Beispiel die paysafecard. Diese kann an Verkaufsstellen mit einem bestimmten Guthaben erworben werden, welches durch einen 16-stelligen PIN-Code geschützt wird. Um den Bezahlvorgang zu tätigen, sind keine persönliche Daten des Nutzers notwendig. Bei Verlust oder Diebstahl geht maximal der auf der Karte vorhandene Betrag verlustig. Solch einfache, bargeldlose Zahlungsmittel sind zwangsläufig auch für Kriminelle attraktiv und so werden Prepaid-Zahlungsmittel gerne in Fällen von Cyberkriminalität, etwa beim Aufspielen von Ransomware zur Lösegeldübergabe, verwendet.

Des Weiteren bieten viele Shops die Möglichkeit des Ratenkaufs mit geringer Finanzierung. Informieren Sie sich dazu ausführlich in den jeweiligen AGBs und konsultieren Sie verschiedene Quellen, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Außerdem ist es Händlern seit Januar 2018 verboten zusätzliche Gebühren für die Zahlung per Lastschrift oder Kreditkarte zu erheben. Vergewissern Sie sich also, dass dies tatsächlich auch der Fall ist, bevor Sie eine Zahlung leisten.

Sicherheit mit großem S

Die Hauptaufgabe von Online-Zahlungsmöglichkeiten ist es in erster Linie dem Kunden die Sicherheit zu geben, dass einerseits die Bezahlung reibungslos und sicher erfolgt und andererseits die Ware ebenso schnell und problemlos verschickt wird. Die vorgestellten Bezahlvarianten können dies größtenteils gewährleisten – einen hundertprozentigen Schutz vor Betrügern gibt es leider trotzdem nicht. Machen Sie sich also bewusst, dass Sie bei Transaktionen im Internet immer ein Risiko eingehen.  Um dieses zu minimieren achten Sie deshalb auf Folgendes:

  • Prüfen Sie vor dem Einkauf die Seriosität des Händlers, etwa über Kundenbewertungen und das Vorhandensein bekannter Test- und Gütesiegel (z.B. Trusted Shops oder TÜV)
  • Eingabe von Bank- bzw. Kreditkartendaten nur über verschlüsselte Verbindung: Achten Sie dabei auf das „https“ am Anfang Ihrer Browserzeile
  • Schützen Sie Ihre sensiblen Daten wie PIN, TAN oder Passwörter
  • Vorsicht vor Hacker- oder Phishing-Attacken: Wenden Sie sich im Zweifelsfall immer direkt an den Kundendienst des jeweiligen Shops, Dienstleisters oder Kreditinstituts
  • Überprüfen Sie Ihre Konten regelmäßig auf unregelmäßige Vorgänge

Prinzipiell gilt, vor allem für Neukunden, immer zu sicheren, wenn auch vielleicht etwas umständlicheren Zahlungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel der Rechnung, zu greifen. Wird diese Variante nicht angeboten, sind Kreditkarte und Lastschrift durch ihre Kombination von Komfort und Sicherheit ebenfalls eine gute Alternative. Und wer auf die oben gegebenen Sicherheitshinweise achtet und seine Daten gut zu schützen weiß, dem kann auch zu gängigen Zahlungsdienstleistern wie PayPal geraten werden.

Quellen:

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Cybercrime-Jeder-zweite-Internetnutzer-wurde-Opfer.html
https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-Fuenfte-shoppt-mehrmals-pro-Woche-online.html
https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Online-Shopping-beliebter-als-Einkaufen-im-Laden.html
https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Cybercrime/cybercrimeBundeslagebild2016.html?nn=28110
https://www.ehi-shop.de/image/data/PDF_Leseproben/EHI_Online_Payment_17_Leseprobe.pdf
https://www.ehi.org/de/top-100-umsatzstaerkste-onlineshops-in-deutschland/
https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__270a.html
https://www.polizei.hessen.de/praevention/bankenschutz/geldtransfer-im-internet/broker.jsp?uMen=97f7024b-1603-7241-9b23-70f0ef798e7b&uCon=3da70dd4-573a-6341-da94-c1f70ef798e7&uTem=bff71055-bb1d-50f1-2860-72700266cb59 
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/google-pay-funktioniert-ab-sofort-in-deutschland-mit-einschraenkungen-a-1214789.html
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2054/umfrage/anteil-der-online-kaeufer-in-deutschland/
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/568414/umfrage/umfrage-zu-gruenden-fuer-die-nichtnutzung-von-mobile-payment-in-deutschland/
https://de.statista.com/themen/1834/internetkriminalitaet/
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/onlineshopping-worauf-man-beim-zahlen-im-netz-achten-sollte/20503104.html https://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article120863051/So-bezahlen-Sie-Ihre-Einkaeufe-sicher-im-Internet.html

Mirko Kreißig
Über unseren Autor
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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Mirko Kreißig
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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