Sex in der Schwangerschaft – bis wann ist was erlaubt?

Sex in der Schwangerschaft kann ein heikles Thema werden. Die werdenden Eltern machen sich Gedanken darüber, ob sie ihr ungeborenen Kind vielleicht verletzten könnten. Zudem verändert sich der Körper einer Frau, sodass im späteren Verlauf der Schwangerschaft nicht mehr alle Stellungen empfehlenswert und durchführbar sind. Dieser Ratgeber soll werdenden Eltern die Angst nehmen, denn während der Schwangerschaft ist auch Sex weiterhin erlaubt, solange die Rücksichtnahme im Vordergrund steht.

Sex in der Schwangerschaft

Wenn eine Frau schwanger ist, ist die ursprünglich evolutionäre Aufgabe von Sexualität, nämlich die Fortpflanzung und Erhaltung der Art (Mensch), vorerst erfüllt. Doch das ist nur ein Aspekt. Sexualität gehört zu den Grundbedürfnissen eines Menschen genau wie Essen, Trinken und Schlafen. Durch sie erfährt ein Mensch Wohlbefinden, Entspannung, glückliche Emotionen, Bestätigung. Außerdem ist Sex Ausdruck von Liebe und Zuneigung und die verschwindet ja in der Schwangerschaft nicht. Wie geht es also weiter mit dem Sex in der Schwangerschaft? Was ist zu beachten und gibt es Gründe, in dieser sehr empfindsamen Zeit lieber auf Sex zu verzichten?

Sex in der Schwangerschaft ist erlaubt

Sex in der Schwangerschaft ist erlaubt und ein ganz natürlicher Bestandteil der Paarbeziehung. Priorität hat in dieser Zeit Rücksichtnahme, Zärtlichkeit und eine gewisse Experimentierfreude, denn die körperlichen Veränderungen der Frau erfordern auch eine Anpassung des Liebeslebens an die Schwangerschaft.

Anatomische Besonderheiten

Der Körper einer Schwangeren ändert sich nahezu von Woche zu Woche.

  • ab bestimmtem Zeitpunkt: bestimmte Liebespositionen aufgrund des großen Bauches unmöglich
  • Druck auf Zwerchfell und Magen führt zu Sodbrennen und Kurzatmigkeit
  • Kindsbewegungen während des Liebesspiels: spürbar oder sichtbar und wirken irritierend
  • Brust wird größer, schwerer und wesentlich empfindlicher, teilweise sogar schmerzhaft (Stillvorbereitung), besondere Vorsicht ist angebracht
  • Frauen kämpfen mit morgendlicher Übelkeit/Erbrechen, geschwollenen Beinen oder Rückenschmerzen: Wohlbefinden ist eingeschränkt und sexuelle Unlust möglich
  • Stärkere Durchblutung im Beckenbereich: Orgasmen fühlen sich oft intensiver an.

Auch kann es nach dem Sex zu leichten Schmierblutungen vom Muttermund kommen – keine Angst, sie sind ungefährlich.

Am wohlsten fühlen sich die Frauen im mittleren Schwangerschaftsdrittel, da die hormonelle Umstellung vorbei und der Bauchumfang noch nicht beschwerlich ist. Das ist die Zeit des Genusses: Urlaubsreisen, Restaurantbesuche, Sexualität und Kuschelzeiten, Unternehmungen, Baby-Zimmer-Gestaltung…

Das Vena-cava-Kompressions-Syndrom

Mit fortschreitender Schwangerschaft wird der Bauch größer und schwerer. Vor der Wirbelsäule liegt ein Blutgefäß, die Hohlvene. Sie transportiert Blut aus dem Körper zum Herzen zurück. Wenn die Frau auf dem Rücken liegt, drückt der schwere Uterus auf die untere Hohlvene (Vena cava inferior). Der Blutfluss wird gedrosselt. Die Frau erleidet einen starken Blutdruckabfall – Sie spürt Übelkeit, Schwindel und Kaltschweissigkeit. Sogar Bewusstlosigkeit kann die Folge sein. Gleichzeitig ist auch die Durchblutung beim Baby gestört, seine Herzaktion verlangsamt sich stark und es kann sogar zu einem Sauerstoffmangel kommen. Sobald sich die Frau auf die Seite dreht oder sich aufsetzt, verschwindet die Durchblutungsstörung in der unteren Hohlvene und beide erholen sich rasch.

Das Vena-cava-Kompressions-Syndrom ist der Grund, warum Schwangere im fortgeschrittenen Schwangerschaftsalter (zweites und drittes Trimenon) keine reine Rückenlage mehr einnehmen sollten, weder zum CTG (Herzton-Wehen-Kurve), noch zum Schlafen und auch nicht zum Sex.

Psychologische Aspekte

Das Lustempfinden beider Partner kann sich sehr verändern in der Schwangerschaft. Sowohl extrem viel Lust, als auch gar keine Lust auf Sex können vorkommen. Problematisch wird es erst, wenn der Grad der Lust beider Partner extrem voneinander abweicht.

Frauen fühlen sich oft in ihrem Körper nicht mehr 100% wohl. Sie benötigen viel Bestätigung. Oftmals ist das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Sicherheit höher, als der Bedarf nach eigentlichem Sex.

Sex in der Schwangerschaft

Männer fühlen sich oft „zur Seite geschoben“. Die Frau denkt viel und oft an das Kind und die notwendigen Vorbereitungen und möchte eher Kuscheln statt richtigen Sex. Für manche Männer ist auch die Anwesenheit eines Dritten, nämlich die des sich bewegenden Kindes, irreführend oder sogar ängstigend.

Ist Sex in der Schwangerschaft gefährlich für die Mutter?

Sex ist für eine gesunde Schwangere nicht gefährlich. Weder sexuelle Reize noch ein Orgasmus kann die Schwangerschaft schädigen. Die ausgelösten Gebärmutterkontraktionen sind leicht und nicht cervixwirksam. Sie sind als fester Bauch zu spüren. Ebenso kann es während des Liebesaktes zum Austritt von Vormilch aus der Brust kommen. Auch dies ist weder gefährlich noch ekelig, denn die Brust scheint in diesem Fall schon gut auf das Stillen vorbereitet zu sein. Auch wenn es durch sexuelle Aktivität zu einer leichten bräunlichen Kontaktblutung kommt (siehe oben), ist das unbedenklich.

Achtung: Bei periodenstarken frischen Blutungen ist unverzüglich eine ärztliche Untersuchung notwendig (Rettungsdienst rufen!)!

Ist Sex in der Schwangerschaft gefährlich für das Baby im Bauch?

Das Baby kann durch Sex nicht verletzt werden. Es ist in der Fruchthöhle sicher aufgehoben und das Fruchtwasser dient sozusagen als Stoßdämpfer. Der Gebärmutterhals verschließt die Gebärmutter Richtung Scheide sicher, weder der Penis noch irgendwelche lokalen Erreger können beim Liebesakt zum Kind vordringen. Das Baby wird von Mamis Glückshormonen umspült und fühlt sich wohl. Die leichten Gebärmutter-Kontraktionen durch einen Orgasmus massieren das Kleine und geben eine Art „Streichelreiz“.

Sex stärkt die Bindung zwischen den Liebespartnern und fördert das Wohlbefinden.

Paar im Bett

Was ist beim Sex in der Schwangerschaft zu beachten?

  • Positionen für den Geschlechtsverkehr:
    • Keine Rückenlage oder rückenlageähnliche Positionen zum Beispiel mit erhöhtem Becken
    • Seitenlage sehr geeignet – Bauch und Brust liegen entspannt und haben Platz
    • Frau sitzend auf dem Partner ist auch geeignet – Brustgewicht kann unangenehm empfunden werden, Eindringtiefe des Penis ist aber gut steuerbar
    • Vierfüßlerstand der Frau ebenfalls geeignet – Bauch und Brust hängend, empfohlen wird deshalb ein Abstützen auf Ellenbogen und mit unterlegten Kissen
  • Prostaglandine in der Samenflüssigkeit könnten die Cervix weich machen – eventuell Kondome nutzen
  • Kolpitisgefahr (Scheidenentzündung) durch hormonelle Umstellung – eventuell Rücksprache mit Frauenarzt bezüglich schützender Maßnahmen, denn Scheidenentzündungen können zu einer Frühgeburt führen
  • Bei Brustwarzenstimulation eher vorsichtig vorgehen, Brustwarzen sind sehr empfindlich und könnte leichte Kontraktionen auslösen (nicht cervixwirksam)

Achtung: Eine ärztliche Untersuchung wird notwendig, wenn Sie Schmerzen, Blutungen, Ausfluss aus der Scheide, nachlassende Kindsbewegungen oder sonstige beunruhigende Dinge bemerken.

Wann sollte besser auf Sex verzichtet werden?

  • Blutungen
  • Frühgeburtsbestrebungen (vorzeitige Wehentätigkeit, Gebärmutterhalsschwäche)
  • Schmerzen
  • Generelle Abneigung

Bezüglich Fragen zu Sexualität und individuellen Besonderheiten wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Arzt oder Ihre Hebamme. Sogar im Geburtsvorbereitungskurs sollte Sexualität in und nach der Schwangerschaft ein Thema sein, es betrifft schließlich alle Paare. Also trauen Sie sich ruhig, das Thema anzusprechen. Eine liebevolle und zärtliche Zeit wünsche ich Ihnen!

Quellen:
https://www.netdoktor.de/krankheiten/vena-cava-syndrom/
http://www.download.ff-akademie.com/maslow.pdf

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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