Roter Ausschlag beim Baby durch Zahnen im Gesicht?

Ausschlag klingt wie Kinderkrankheit, noch dazu rot! Da ist schnell Panik angesagt. Es könnte ja ansteckend sein. Ob dafür wirklich ein Grund besteht, erfahren Sie in unserem Artikel.

Roter Ausschlag Baby Gesicht

Ein neugeborenes Baby hat schon je 10 Zahnanlagen in seinem Ober-und Unterkiefer, aber noch gut versteckt. Sie sind nicht sichtbar, weil sie noch innerhalb der Kieferknochen liegen. Zeigt sich nun ab dem 4. bis 6. Lebensmonat auf der gut durchblutenden Kieferleiste ein kleiner weißer Punkt und Baby sabbert wir toll, wartet die Familie gespannt auf den Durchbruch der Zahnkrone. Wann genau dieser Zeitpunkt erreicht ist, unterliegt erheblichen individuellen Schwankungen.

Apfelbäckchen sind ja ganz hübsch – aber das?

Wie Babys das Zahnen erleben, ist sehr unterschiedlich. Bei vielen zeigt sich durch die verbesserte Durchblutung im Mundbereich auch das darüber liegende Bäckchen gerötet. Es sieht aus wie roter Ausschlag. Normalerweise sagt der Volksmund, dass rote Bäckchen ein Zeichen von Gesundheit sind. In unserem Fall kann aber auch eine leichte Entzündung eingetreten sein. Typische Zeichen dafür sind:

  • Rötung (der Wange)
  • Temperaturanstieg (meist unter der Fiebergrenze von 38, 5°C)
  • Schwellung der Kieferleiste im Bereich der Durchbruchstelle
  • Schmerzempfindlichkeit
  • eingeschränkte Funktion

Schmerzempfindlichkeit und eingeschränkte Funktion merkt die Mutter am besten beim Stillen. Entweder beißt das Baby auf alles, was in seinen Mund kommt, besonders wenn es hart und kalt ist, oder es verweigert vorübergehend das Stillen.

Kalte Gurke lindert Schmerzempfindlichkeit

Wussten Sie das schon? Nur sollte das Stück nicht zu klein sein, und Mama, Papa oder Oma, die noch gut sehen kann, in der Nähe… Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, für den bietet ein Beißring aus dem Kühlschrank eine gute Hilfe. Die Schmerzlinderung beruht auf dem Kälteeffekt. Er sorgt dafür, dass sich die oberflächlich liegenden Blutgefäße im Kieferbereich zusammenziehen. Werden sie schlechter durchblutet, nimmt auch die Schmerzempfindlichkeit ab, wenigstens vorübergehend.

Baby mit Beißring

Roter Ausschlag im Gesicht – vorerst Entwarnung

„Kann mein Baby denn schon mit fünf Monaten Masern haben?“, fragt die aufgeregte Mutter ihre Hebamme. „Das ist recht unwahrscheinlich“ entgegnet sie. „Wie kommen Sie denn darauf?“, fragt sie weiter. „Ich denke, dass Amy einen Zahn bekommt, weil sie binnen Minuten ihren Sabberlatz völlig durchnässt. Aber dieser komische Ausschlag im Gesicht, der macht mir wirklich Sorgen!“

Die Hebamme schaut sich Amy genauer an. Die lässt sich aber dadurch überhaupt nicht beeindrucken, kreischt fröhlich und steckt alles in ihrer Reichweite Befindliche in den Mund. Nicht alle Spielsachen sind dafür geeignet. Oft enthalten sie irgendwelche Stoffe, die leicht eine allergische Reaktion hervorrufen können. Das wäre auch bei Amy denkbar und hat dann gar nichts mit dem Zahnen zu tun, obwohl es zeitgleich auftritt. Die Hebamme rät zur Beobachtung und bittet die Mutter, keine reizenden, parfümierten Cremes oder Lotions im Gesicht zu verwenden. Beim nächsten Besuch ist sowohl der erste Zahn zu bestaunen als auch der Ausschlag verschwunden.

Der erste Brei – ein Grund für roten Ausschlag im Gesicht?

Obwohl die WHO weltweit aus gutem Grund zum ausschließlichen Stillen bis zum Ende des 6. Lebensmonats rät, sind leider viele Kinderärzte an dieser Stelle anderer Meinung. Die frühzeitige Einführung von B(r)eikost hat aber eine Menge Nachteile. Der Aufbau unserer gesunden Darmbesiedlung mit positiven Bakterien braucht etwa zwei Jahre. Je eher mit der Einführung artfremden Eiweißes in der Nahrung begonnen wird, um so eher können Unverträglichkeitsreaktionen (Allergien) auftreten. Dass sie im Anstieg begriffen sind, ist ja kein Geheimnis. Eine allergische Reaktion zeigt sich oft zuerst an der Haut, roter Ausschlag ist die Folge.

Beikost Rezepte

Wenn der Ausschlag aber nicht weggeht?

In so einem Fall kann wirklich eine Infektionskrankheit vorliegen, die zeitgleich mit dem Zahnen vorkommt. Meist ist das Baby dann auch nach dem Zahndurchbruch nicht „gut drauf“, also quenglig, unzufrieden, weinend, schläfrig oder besonders liebebedürftig. Zwar kommen solche Kinderkrankheiten in diesem Alter nur selten vor, aber sie sind nicht total auszuschließen. Das Baby gehört unbedingt in kinderärztliche Hände! Gute Besserung!

Quellen:
Lippert, H. Handbuch Anatomie, 6. Aufl., Nikol VG, Hamburg, 2006
Sommer, K. Der Mensch, Volk und Wissen, Volkseigener Verlag Berlin, 1979

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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