Wie lange ist ein Rezept gültig? Gültigkeit für alle Rezeptarten

Vielleicht haben Sie das auch schon erlebt? Ein Rezept verschwindet nach dem Arztbesuch in der Tasche und taucht erst nach längerer Zeit wieder auf. Woran erkennen Sie, ob es noch gültig ist? Was ist zu beachten? Was ist zu tun?

rotes Rezept

Tabletten gegen Kopfschmerzen, Tropfen gegen Magenkrämpfe und Salbe gegen Verspannungen. Viele Medikamente bekommt man heutzutage in der Apotheke ohne ein Rezept vorzulegen. Manche Arzneimittel sind jedoch nicht ohne ärztliche Verschreibung erhältlich. So soll vermieden werden, dass sich Patienten womöglich mit dem falschen Medikament selber behandeln. Für derartige Mittel stellt der zuständige Arzt dann ein Rezept aus.

Rezepte gibt es in vielen verschiedenen Farben. Sie alle haben eine bestimmte Bedeutung und werden für bestimmte Patienten oder Medikamente ausgestellt. Aber wie lange ist so ein Rezept gültig? Und wie unterscheiden sich die verschiedenen Krankenkassen?

Verschiedenfarbige Rezeptarten – gesetzlich festgelegt

  • Rotes Rezept – Verordnung für Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung
  • Blaues Rezept – Vordruck für Privat-Versicherte
  • Grünes Rezept – Empfehlung des Arztes für nicht verschreibungspflichtige Arzneien
  • Gelbes Rezeptformular – Medikamente, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen.

Das rote Kassenrezept

Sie arbeiten als Angestellter oder Arbeiter? Dann sind Sie vermutlich Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung. In diesem Fall werden die Verordnungen Ihres Arztes auf einem roten Rezeptvordruck ausgestellt. Zu den gesetzlichen Krankenkassen gehören unter anderem die Ersatzkassen:

  • DAK-Gesundheit
  • Barmer Ersatzkasse (GEK)
  • Kaufmännische Krankenkasse (KKH – Allianz)
  • Techniker Krankenkassen (TKK)
  • Hanseatische Krankenkasse (HEK)
  • Innungskrankenkassen (IKK)
  • BKK – Betriebskrankenkassen
  • Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK – die Gesundheitskasse)

Wie lange ist ein rotes Rezept gültig?

Grundsätzlich hat ein rotes Kassenrezept eine Gültigkeit von einem Monat. Dabei wird allerdings zwischen 28 und 31 Tagen unterschieden. Viele Krankenkassen gestalten dies individuell (siehe Monatsfrist). Ihr Arzt hat die Möglichkeit, die Rezeptgültigkeit individuell festzulegen. Trägt die Verordnung Ihres Arztes keinen individuellen Gültigkeitsvermerk, gilt das Ausstellungsdatum als Beginn der Monatsfrist. Der Arzt ist gesetzlich verpflichtet (AMVV – Arzneimittelverschreibungsverordnung), das Ausstellungsdatum auf jeder Rezeptart zu vermerken. Ohne diese Angabe ist das Rezept nicht gültig. Der Apotheker wird Sie darauf hinweisen, falls die Frist überschritten ist.

Arzt schreibt Rezept

Monatsfrist – gilt das für alle Versicherungen?

Grundsätzlich beziehen sich die Versicherungen bei der Festlegung der Gültigkeitsfristen auf das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB). Hier ist festgelegt, dass der Tag, an dem die Monatsfrist beginnt, nicht mitzählt. Die Monatsfrist endet nach Vorgabe des BGB mit dem Kalendertag des nächsten Monats, der dem Anfangsdatum entspricht. Den Juristen ist das bekannt. Trotzdem wird die Monatsfrist von den Versicherungen unterschiedlich interpretiert.

Der VDEK (Verband der Ersatzkassen) legt beispielsweise eine Frist von maximal 28 Tagen – also 4 Wochen – zugrunde. Dazu gehören die DAK, GEK, KKH, HEK und TKK.

AOK – regionale Unterschiede

Die AOK hingegen wendet die Monatsfrist unterschiedlich an. Je nach Bundesland variiert diese Frist:

  • In Bayern und Niedersachsen gilt der Kalendermonat. Beispiel: Ausstellungsdatum 12. Januar – Fristablauf 12. Februar. Das Gleiche gilt auch für kürzere Monate: Beispiel: Ausstellungsdatum 13. Februar – Fristende 13. März.
  • Handelt es sich bei dem letzten Tag der Monatsfrist um einen gesetzlichen Feiertag oder einen Sonntag, verlängert sich in Bayern die Frist bis zum nächstfolgenden Werktag.
  • Bei der AOK Hessen, der AOK Nordwest sowie der AOK Rheinland/Hamburg ist die Frist um einen Tag kürzer als bei einer Verordnung in Bayern und Niedersachsen. Rezepte mit einem Ausstellungsdatum vom 5.5. können bis zum 4.6. in der Apotheke eingelöst werden.
  • Das gleiche Verfahren gilt für die Innungskrankenkasse (IKK) Nord.

Betriebskrankenkassen (BKK)

Auch die Betriebskrankenkassen handhaben die Monatsfrist unterschiedlich. Die BKK des Landesverbandes Hessen legen als Monatsfrist 28 Tage zugrunde. Wird das Kassenrezept vom Arzt beispielsweise am 2. Mai ausgestellt, endet die Frist am 30. Mai.

Anders sehen das die BKK in Baden-Württemberg. Hier endet die Frist für eine am 5. Mai ausgestellte Verordnung am 5. Juni – also an demselben Kalendertag im Folgemonat. Kompliziert wird es, wenn der Folgemonat weniger Tage hat: Eine am 31. Januar ausgestellte Verordnung ist nur bis zum 28. Februar gültig. In diesem Fall gilt das Rezept indes bis zum letzten Tag des Folgemonats. Fällt der letzte Tag der Gültigkeit jedoch auf einen gesetzlichen Feiertag, einen Samstag oder Sonntag, wird die Frist bis zum nächsten folgenden Werktag verlängert.

Tipp: Vergewissern Sie sich bei einer Verordnung älteren Datums telefonisch bei Ihrer Krankenversicherung, welche Regelung gilt.

Privat-Versicherung – das blaue Rezeptformular

Diese Rezeptart wird in der Regel für privat versicherte Patienten ausgestellt. Die Kosten für Medikamente müssen vom Patienten jedoch verauslagt werden. Sie werden bei der privaten Krankenversicherung eingereicht und schließlich je nach Tarif der abgeschlossenen Versicherung erstattet. Die Gültigkeit der blauen Rezeptformulare beträgt 3 Monate.

Eine Ausnahmeregelung greift bei privat Versicherten mit einem Basistarif: Die Verordnung muss dabei von einem Vertragsarzt ausgestellt werden. Die Privatkasse erstattet die Kosten nur, wenn das Rezept innerhalb eines Monats in der Apotheke eingelöst wird. Für Kassenpatienten kann der Arzt ebenfalls ein Privatrezept ausstellen. In diesem Fall trägt der Patient allerdings die vollen Kosten selbst.

Ärztliche Empfehlung – der grüne Rezeptvordruck

Nicht für jedes Medikament übernimmt die Krankenversicherung die Kosten. Wenn Ihr Arzt in Ihrem Fall eine Arznei trotzdem für sinnvoll hält, wird er Ihnen die Verordnung auf ein grünes Rezeptformular schreiben. Das gilt beispielsweise für Vitamine, für nicht rezeptpflichtige Salben und Ähnliches. Verordnungen auf grünen Formularen sind unbegrenzt gültig. Der Patient trägt die Kosten schließlich selbst.

Tipp: grüne Rezepte einreichen

Das gelbe Rezeptformular – Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen

Wegen der hohen Missbrauchsgefahr ist der Arzt gesetzlich verpflichtet, für Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz (BtM) ein spezielles 3-teiliges gelbes Rezeptformular zu verwenden. Zu dieser Arzneigruppe gehören beispielsweise starke Schmerzmittel mit Suchtpotenzial, Medikamente gegen ADHS oder Methadon. Diese Verordnungen haben nur eine Gültigkeit von 7 Tagen. Ein Teil des Vordrucks bleibt beim Arzt, eines behält der Apotheker und ein Teil indes ist für die Abrechnung bei der Krankenkasse bestimmt.

Weiß und zweiteilig – für fruchtschädigende Medikamente

Thalidomid, Lenalidomid und Pomalidomid sind Wirkstoffe, die das ungeborene Kind im Mutterleib schädigen können. Aus diesem Grund werden Arzneien, die diese Inhaltsstoffe enthalten, auf speziellen Vordrucken verordnet. Die Gültigkeit dieser Rezepte beträgt folglich nur 6 Tage.

Rezepte für die Behandlung von Akne

Eine weitere Ausnahme in Sachen Gültigkeitsdauer bilden Rezepte für Medi Isotretinoin-haltige Medikamente. Sie dienen der Behandlung von Akne und müssen indes innerhalb von 7 Tagen nach Ausstellung eingelöst werden.

Verordnungen für Hilfsmittel

Rezepte sind außerdem nicht nur für Arzneien erforderlich. Sie werden auch für Hilfsmittel ausgestellt, wenn die Krankenversicherung die Kosten übernehmen soll. Beispielsweise für:

  • Orthopädische Schuhe und Maßeinlagen für Schuhe
  • Rollstühle
  • Pflegebetten
  • Kompressionsstrümpfe
  • angepasste Orthesen
  • Inkontinenzprodukte

Auch für diese Rezepte gelten die vorgenannten Gültigkeitsfristen – abhängig von der Krankenversicherung, die Sie gewählt haben und außerdem von der Region, in der Sie leben.

Quellen:
https://www.praktischarzt.de/blog/wie-lange-ist-ein-rezept-gueltig/
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/lieferfristen-rezeptgueltigkeit-je-nach-krankenkasse/
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/lieferfristen-rezeptgueltigkeit-je-nach-krankenkasse/?tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=d288e2693220f6e96e35944dba431adc
https://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Wie-lange-ist-mein-Rezept-gueltig-192477.html=
https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apo-tipp/rezept-arzt-legt-gueltigkeitsdauer-fest-arzneimittelverschreibungsverordnung/?tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=e9cc4b4136dac769171cd4c875c98e85
https://www.beuthel.de/blog/wie-lange-ist-ein-rezept-gueltig-so-laeuft-es-im-sanitaetshaus

Miriam Kirmse
Über unsere Autorin
Miriam Kirmse ist die Content-Managerin von Wiado. Dabei interagiert sie vor allem mit den verschiedenen Experten, die für unser Online-Magazin als Autoren tätig sind. In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie bereits als Kamerafrau, Moderatorin und Redakteurin gearbeitet. Ihre Motivation ist es, die Leser mit einem Blick hinter die Kulissen des Alltäglichen zuverlässig zu informieren und auch Antworten auf unkonventionelle Fragen zu finden. Ihr Motto lautet: Man lernt nie aus!
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Miriam Kirmse
Miriam Kirmse ist die Content-Managerin von Wiado. Dabei interagiert sie vor allem mit den verschiedenen Experten, die für unser Online-Magazin als Autoren tätig sind. In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie bereits als Kamerafrau, Moderatorin und Redakteurin gearbeitet. Ihre Motivation ist es, die Leser mit einem Blick hinter die Kulissen des Alltäglichen zuverlässig zu informieren und auch Antworten auf unkonventionelle Fragen zu finden. Ihr Motto lautet: Man lernt nie aus!
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