Rentenpunkte kaufen: wann freiwillige Rentenbeiträge lohnen

Phasen im Leben gibt es immer wieder einmal, in denen nicht aktiv in die deutsche Rentenversicherung eingezahlt wurde. Dieser Umstand führt zwangsweise zu einer niedrigeren Anzahl Punkten und damit später zu reduzierten Auszahlungen. Wie sinnvoll ist es aber, Rentenpunkte separat zu kaufen?

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Weil die gesetzliche Rente mittlerweile schon zwei Weltkriege überstanden und außerdem eng an die Bundesrepublik selbst geknüpft ist, stellt sie für viele Menschen weiterhin die erste Wahl bei der Altersvorsorge dar. Der Gesetzgeber gibt danben die Möglichkeit, die eigenen Rentenpunkte über separate Zahlungen freiwillig aufzustocken. Im Idealfall entstehen dadurch zwar kurzfristig Kosten, die sich im Alter aber mit Rendite auszahlen.

Für wen lohnen sich freiwillige Rentenbeiträge?

Für die nachfolgenden drei Gruppen ist diese Möglichkeit der Aufstockung besonders interessant.

  • Personen die früher in den Ruhestand möchten

Wer noch vor der Regelaltersgrenze in seine Rente möchte, muss fast immer mit erheblichen Abschlägen rechnen – die nachfolgend im Ruhestand dauerhaft anfallen (aktuell 0,3 Prozent/Monat). Eine Option das auszugleichen sind die Sonderzahlungen, welche ab einem Alter von 50 Jahren ermöglicht werden.

  • Wenn Punkte durch Kindererziehung verloren gingen

Viele Frauen befinden sich in einer Situation, wo sie die Wartezeit (Mindestversicherungszeit von fünf Jahren) nicht erfüllen. Bei separater und freiwilliger Einzahlung von Rentenbeiträgen, lassen sich Versicherungslücken deshalb mitunter schließen. Hierbei gilt es jedoch sehr individuelle Fristen und Regelungen zu beachten.

  • Nachzahlungen für die Ausbildung

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Anders als häufig angenommen, versteht der Gesetzgeber unter dem Begriff „Ausbildung“ auch das Abitur sowie schulisch angelegte Ausbildungen. Für die ersten dieser acht Jahre (17-25) ist eine Nachzahlung nicht möglich. Für „Azubis“, die sich nach dem 25. Lebensjahr noch in Ausbildung befinden, dagegen schon. Wer früher die Schule verließ, kann für die Zeit zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr ebenfalls Rentenpunkte kaufen. Als sinnvoll wird diese Option vor allem für Langzeitstudenten erachtet, die sich auch Anfang oder gar Mitte 30 noch im Studium befinden.

Wissenswertes zu den freiwilligen Zahlungen

Zum aktuellen Zeitpunkt liegen sie zwischen mindestens 1.004 Euro und maximal 14.508 Euro pro Jahr. Die Werte orientieren sich an der Beitragsbemessungsgrenze zu Einkommen zwischen 450 und 6.500 Euro. Wer außerdem durch seine Nachzahlungen das jährliche Durchschnittsentgelt deckt, welches aktuell auf 37.873 Euro bemessen ist, erhält sogar einen Entgeltpunkt, der wiederum einem Wert von etwa 31 Euro im Monat Rentenzahlung entspricht. Diese Werte können sich aber ständig verändern, etwa wenn sich das Mittel der Durchschnittsentgelte verschiebt oder der Gesetzgeber Anpassungen bei der gesetzlichen Rente veranlasst.

Deshalb ist es für Menschen, die beabsichtigen freiwillige zu leisten, empfehlenswert, sich im Vorfeld individuell beraten zu lassen. Dabei empfiehlt sich die Simulation mehrerer Beispielrechnungen, die sich genau an den jeweils gesammelten Rentenpunkten und möglichen Versicherungslücken orientieren. Vorteile bei der Steuer kann das ebenfalls zur Folge haben, wobei auch die Steuer individuell bemessen ist. Zudem können bis zum Renteneintrittsalter weitere Anpassungen bei der Steuer und den jeweiligen Sätzen durch den Gesetzgeber erfolgen, mit denen sich aber nicht verlässlich planen lässt.

Tipp: Wenn Sie die Kosten durch freiwillige Zahlungen auf sich nehmen möchten, sollten Sie nicht nur Beispielrechnungen vollziehen, sondern zugleich den Vergleich zu anderen Anlageformen suchen. Unter Umständen bieten der Kapitalmarkt, private Vorsorgen oder je nach aktuellem Leitzins sogar Festgeldkonten eine höhere Rentabilität.

Gut zu wissen:

  • die Nachfrage nach dem Kauf von Rentenpunkten steigt
  • viele Rentenversicherungsstellen der Länder bieten deshalb kostenfreie Beratungen an
  • Honorar-Rentenberater und Vereine könnten ebenfalls eine Anlaufstelle darstellen

Wie lassen sich Rentenpunkte in der Praxis kaufen?

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Unabhängig spezifischer Vorteile bezüglich der Steuer oder entstandener Kosten ist es nahezu für jeden möglich, Rentenpunkte freiwillig zu kaufen und damit Versicherungslücken zu schließen. Niemand sollte das aber ohne eine vorherige Beratung und Kalkulation machen. Wer sich für diesen Weg entschieden hat und ihn für sinnvoll hält, kann einen formalen Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. „Nachzahler“ haben die Möglichkeit die Rentenpunkte entweder in festen Raten oder durch die Direktzahlung zum vollen Betrag zu kaufen. Hier sind mögliche Vorteile bei der Steuer gemessen am Einkommen zu berücksichtigen.

Übrigens gilt es Stolpersteine abseits der Steuer zu berücksichtigen. Personen, die sich freiwillig selbst versichern, müssen nämlich den vollen Beitrag von 18,6 Prozent leisten, während Arbeitnehmer sich diesen zu gleichen Teilen mit dem Arbeitgeber teilen. Auf der anderen Seite haben speziell Privatversicherte überraschenderweise Vorteile, wenn sie Rentenpunkte separat kaufen. Personen aus der GKV müssen nämlich bis zu 10,8 Prozent von ihrer gesetzlichen Rente abziehen, während privat Krankenversicherte in der PKV einen Zuschuss von 7,3 Prozent erhalten. Gerade deshalb können die Kosten für eine Nachzahlung überraschenderweise gerade für Selbständige aus der PKV sinnvoll sein.

Sinnvoll oder nicht? Vergleichen Sie mit anderen Anlageformen!

Generell ist es als sehr sinnvoll zu erachten, wenn einzelne Versicherungslücken geschlossen werden. So beispielsweise der Fall wenn:

  • die Wartezeit (fünf Jahre Mindestversicherung) bisher nicht erfüllt wurde
  • einzelne Jahre keine Rentenpunkte gesammelt worden
  • die Zahlung über dem Durchschnittsentgelt liegt (1 Bonuspunkt)
  • bei Langzeitstudenten
  • um die Steuer im jeweiligen Jahr mit einer Einmalzahlung (Kategorie: Vorsorge) zu drücken
  • nur sehr wenige Punkte bisher auf dem Rentenkonto eingegangen sind

Dennoch lässt sich nicht pauschalisieren, dass die Kosten solcher Rentenpunkte immer eine gute Investition darstellen. Vor allem andere Anlageformen locken durch eine attraktivere Rendite und den Zinseszinseffekt. So könnte es für junge Menschen, die noch einige Jahrzehnte bis zur Rente haben, viel sinnvoller sein stattdessen Vermögensaufbau über ETFs, Fonds und Aktien zu betreiben. Die hier zu erwartenden Renditen von durchschnittlich sieben Prozent pro Jahr übertreffen zusätzliche Rentenpunkte deutlich, insbesondere mit Hinblick auf den langfristigen Zinseszinseffekt.

Zugleich könnte es sinnvoll sein, auf solche weiteren Kosten zu verzichten, inbesondere, wenn Sie sich mit der Absicht tragen, den Maximalbetrag einzuzahlen. Um Schuldenlast und andere Verbindlichkeiten abzubauen, ist es ebenfalls empfehlenswert (vorerst) auf Sonderzahlungen in dieser Form zu verzichten.

Tipp: Zusätzliche Punkte für die Rente zu kaufen kann also sinnvoll sein, ist es aber nur einigen Fällen, weshalb individuelle Kalkulationen fällig sind. Die regionalen Stellen der Deutschen Rentenversicherung bieten in jedem Fall Aufklärung an, eine objektive Beratung können aber nur unabhängige Rentenberater leisten.

Quellen:
https://www.focus.de/finanzen/experten/weber/nachzahlungen-an-die-rentenkasse-so-bessern-sparer-ihre-gesetzliche-rene-auf_id_3550261.html
https://www.merkur.de/leben/geld/experte-zahlen-jetzt-mehr-haben-alter-keine-geldsorgen-mehr-zr-10261755.html
https://www.wiwo.de/finanzen/vorsorge/freiwillige-rentenkassenbeitraege-so-holen-sie-mehr-aus-der-gesetzlichen-rente/12655886.html

Mirko Kreißig
Über unseren Autor
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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Mirko Kreißig
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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