Rentenbescheid prüfen: Checkliste für die Prüfung

Der Rentenbescheid ist eine komplexe Angelegenheit, bei der schnell Fehler unterlaufen sind. Deshalb ist es für angehende Rentner umso wichtiger, diesen umfassend prüfen zu lassen, anderenfalls wird schnell eigentlich verdientes Geld verschenkt.

Achtung Verwechslungsgefahr: der Rentenbescheid ist die offizielle Auskunft, die Sie von der Rentenversicherung kurz vor dem Eintritt in die Rente (und damit dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben) erhalten. Dieser ist nicht zu verwechseln mit der Renteninformation, die der Arbeitgeber auf jährlicher Basis übermittelt. Natürlich ist es durchaus empfehlenswert, auch schon vorzeitig bei der Deutschen Rentenversicherung Prüfungen durchzuführen, wirklich zählt aber dann das, was auf dem erhaltenen Rentenbescheid steht.

Wer seine Renteninformationen schon häufiger im Vorfeld prüft, der spart sich viel Stress, Einsprüche und zusätzliche Behördengänge kurz vor dem Renteneintritt, also dann, wenn es wirklich darauf ankommt. Ab dem 27. Lebensjahr wird diese Information jährlich zugestellt, ab dem 54. Lebensjahr immerhin noch aller drei Jahre. Außerdem sind die Informationen online auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung abrufbar.

Die Rentenart: Seite 1 noch leicht verständlich

Die erste Überprüfung fällt auf die Rentenart. Sie wird auf Seite 1 dargestellt, die generell noch einfach zu lesen ist. In Deutschland gibt es unterschiedliche Renten, so beispielsweise wegen Erwerbsminderung oder eine Altersrente für langjährige Versicherte. Weiterhin befindet sich auf dieser Seite die erhaltene Rente mitsamt dem exakten Betrag. Sie errechnet sich aus der Brutto-Rente, abzüglich Ausgaben zur Pflege- und Krankenversicherung.

Prüfen Sie auf dieser noch leicht verständlichen Seite, ob die Rentenart tatsächlich korrekt ist. Dazu gehören elementare Fragen wie, die korrekte Krankenversicherung und die Anerkennung der Elterneigenschaften. Das hat beispielsweise Auswirkungen auf die Pflegeversicherung, da sich der Betrag bei Personen mit Kindern gegenüber Kinderlosen reduziert.

Die kompakte Checkliste für alle wichtigen Informationen

Auch wenn Sie sich später einmal für den Weg zum Rentenberater entscheiden, sollten Sie die erstmalige Überprüfung eigenständig durchführen. Das hat zweierlei Vorteile: erstens verschaffen Sie sich selber bereits einen Überblick über die genannten Informationen und können mögliche Korrekturen veranlassen, außerdem sind Sie so bestens für das Gespräch mit dem Rentenberater vorbereitet. Schließlich soll es da vor allem um die korrekte Errechnung gehen und nicht darum, ob offensichtliche Angaben fehlerhaft sind – das würde das Gespräch und den Widerspruch nur unnötig herauszögern.

Selbst wenn Sie nur vermuten, dass der Rentenbescheid fehlerhaft sein könnte, sollten Sie einen Rentenberater aufsuchen. Für Laien ist der vollständige Rentenbescheid zu komplex, um ihn tatsächlich mitsamt seiner Berechnungen wirklich zu durchschauen, Rentenberater haben sich hingegen darauf spezialisiert. Die nachfolgende Checkliste hilft Ihnen aber dabei, die ersten vermeintlich fehlerhaften Angaben zu identifizieren, während Sie bei einem späteren Gespräch mit dem Rentenberater bereits auf diese Umstände sofort hinweisen können.

Die Basis-Angaben im Check:

Rentenbescheid prüfen

  • ist die Rentenart korrekt beziffert?
  • stimmt Ihre da genannte Krankenversicherung?
  • sofern Kinder vorhanden sind: ist die Elterneigenschaft dokumentiert?
  • sind daraus resultierende Kindererziehungszeiten erwähnt?
  • stimmen die Beitragszeiten und vor allem: sind sie wirklich vollständig?
  • sind lückenlos alle Beitragsjahre, in denen Sie in die Rentenversicherung einzahlten, aufgeführt?

Weiterführende Angaben im Check

Vergewissern Sie sich, dass die im Versicherungsverlauf errechneten und dokumentierten Beträge mit der Realität übereinstimmen und rufen Sie sich in Erinnerung, ob Sie in den vergangenen Jahrzehnten freiwillige Zahlungen getätigt haben. Insbesondere diese freiwilligen Beiträge werden häufig unfreiwillig unterschlagen, was natürlich die ausgezahlte Rente reduzieren würde.

Weiterhin ist zu prüfen:

  • mögliche Pflegezeiten von Angehörigen
  • sind Zeiten der Lehre und Ausbildung korrekt
  • wurden die staatlichen Transfers erfasst, welche bei Kindererziehungszeiten, bei der Pflege von Angehörigen und bei Arbeitslosigkeit entstehen?
  • einige Sachen lassen sich anrechnen, beispielsweise das Studium oder eine Reha: ist das geschehen?
  • wenn Sie in den neuen Bundesländern arbeiten müssen Sie prüfen, ob der Umrechnungsfaktor nicht vergessen wurde und ob dieser tatsächlich verrechnet ist

Im Falle einer Scheidung ist in der Rente außerdem ein Versorgungsausgleich zu dokumentieren. Für Witwer und Hinterbliebene gibt es separate Rentenansprüche, welche ebenfalls im Bescheid dargelegt gehören. Generell gilt zudem noch:

  • prüfen Sie umfassend, ob bei den Gehaltsangaben Zahlendreher vorliegen (das kommt immer noch recht häufig vor!)
  • sind tatsächlich Zeiten erfasst, in denen Sie eine Schule besuchten oder ein Studium absolvierten?

Mit dieser Checkliste sind Sie bereits sehr gut aufgestellt, ganz egal ob Sie einen Einspruch selbst tätigen oder eine vorherige Prüfung durch einen Rentenberater vollziehen lassen. Diese ist übrigens unbedingt anzuraten, da sich dieser auch um die erforderliche Erfassung der Daten im Hintergrund sorgt, welche bei der Rentenversicherung separat anzufordern sind. Außerdem überprüft dieser die Angaben nicht nur auf ihre Richtigkeit beziehungsweise gleicht diese mit Ihnen ab, ebenso rechnet er den Bescheid noch einmal komplett nach der gültigen Rentenformel durch – insbesondere das ist für Laien praktisch nicht möglich, sollte aber unbedingt stattfinden, bevor man sich dem Rentenbescheid gegenüber „ergibt“.

Widerspruch und Fehlerquoten beim Rentenbescheid

Dass falsche Angaben keinesfalls selten zustande kommen, belegt schon die Statistik. Allein im Jahr 2016 hat die Deutsche Rentenversicherung nach offiziellen Angaben 1,6 Millionen Rentenbescheide ausgestellt. Nahezu 40.000 davon waren fehlerhaft und mussten folglich abgeändert werden. Die Dunkelziffer liegt sogar noch höher, da viele Personen nach wie vor den Bescheid nicht prüfen (lassen).

Unabhängig davon, ob selbst fehlerhafte Angaben bemerkt worden oder ob ein Berater konsultiert wurde und dieser bei der Berechnung Makel aufdeckte, muss anschließend ein Widerspruch her. Der Widerspruch ist idealerweise innerhalb von einem Monat nach Erhalt des Bescheids in schriftlicher Form zu übermitteln . Die Begründung für den Einspruch mitsamt detaillierter Erläuterungen ist zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht notwendig.

Tipp: Beauftragen Sie selbst bei kleinen Zweifeln einen Rentenberater! Sind Sie im Recht und wird der Widerruf anerkannt, erstattet die Deutsche Rentenversicherung die dadurch entstandenen Kosten vollständig!

Sollte der Widerspruch nicht anerkannt werden, müssen Sie den Rechtsweg über eine Klage vor dem Sozialgericht einschlagen. Auch die Klage muss innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids eingehen. Hierbei gelten die folgenden Regelungen:

  • Beauftragung und Prüfung durch einen Rentenberater ist vor einer Klage unbedingt ratsam!
  • die Klage selbst ist grundsätzlich erst einmal kostenlos
  • Kosten entstehen nur dann für den Anwalt und/oder Berater, wenn Sie die Klage verlieren

Quellen:
https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/rentenbescheid-pruefen-fehler-finden-100.html
https://rentenberatung-ziemann.de/rentenrecht/rente/rentenbescheid-pruefen/

Miriam Kirmse
Über unsere Autorin
Miriam Kirmse ist die Content-Managerin von Wiado. Dabei interagiert sie vor allem mit den verschiedenen Experten, die für unser Online-Magazin als Autoren tätig sind. In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie bereits als Kamerafrau, Moderatorin und Redakteurin gearbeitet. Ihre Motivation ist es, die Leser mit einem Blick hinter die Kulissen des Alltäglichen zuverlässig zu informieren und auch Antworten auf unkonventionelle Fragen zu finden. Ihr Motto lautet: Man lernt nie aus!
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