In diesem Artikel
„Die schönste Verpackung der Welt“ – sicher werden die meisten Männer diese Aussage unterstreichen. Besser als in der weiblichen Brust kann die Basisernährung für das Baby gar nicht „aufbewahrt“ werden. Sie ist
- frei von krankmachenden Keimen
- bakteriozid (bakterientötend)
- korrekt temperiert
- sofort einsatzbereit
- optimal auf die jeweiligen Bedürfnisse des Babys abgestimmt
Allerdings sollte man wissen, dass in einer stillenden Brust nicht literweise Milch aufbewahrt wird, sondern selten mehr als etwa 100-130 ml. Das entspricht ungefähr der Trinkmenge eines Babys bei einer Stillmahlzeit. Ist die Brust danach leerer – ganz leer wird sie in der Stillzeit nie! – wird sofort Milch wieder neu gebildet. Dieser Prozess findet sogar schon während des Stillens statt. Der Bedarf (die Milchmenge) des Babys wird über seine Nachfrage geregelt.
Gründe: Muttermilch aufbewahren
- Trennung von Mutter und Kind durch zum Beispiel Frühgeburt, Krankheit oder Arbeit
- Anlegen eines Vorrats
- Stillpause durch Untersuchungen mit radioaktiven Isotopen (zum Beispiel Schilddrüsenszintigraphie)
- Milchüberschuss
Erst Gewinnung von Muttermilch, dann Aufbewahrung
Es gibt zwei mögliche Wege:
- Entleeren der Brust von Hand
- Abpumpen (manuell oder elektrisch)
Die Entleerungstechnik
Eine praktische Anleitung zum Handentleeren der Brust wird von der Initiative Babyfreundlich (WHO, UNICEF) wie folgt beschrieben:
Man nimmt die Brust in die Hand, Daumen und Zeigefinger formen ein „C“ und liegen mit den Fingerspitzen ca. 2–3 cm hinter der Basis der Brustwarze (dabei ist nicht der äußere Rand des Brustwarzenhofs gemeint, der individuell verschieden groß ist). Die Brustwarze sollte auf einer imaginären Verbindungslinie zwischen den Spitzen des Daumens und des Zeigefingers liegen. Die Brust wird mit den übrigen Fingern leicht angehoben.
Anschließend sollten folgende Bewegungen durchgeführt werden:
- Schritt 1: Daumen und Fingerspitzen drücken waagerecht etwas in Richtung Brustkorb.
- Schritt 2: Daumen und Zeigefinger werden anschließend mit leichtem Druck auf das Brustgewebe nach vorne zur Brustwarze geführt – ohne auf der Haut zu rutschen – und schieben dabei die Haut des Brustwarzenhofs zusammen, ohne dabei Schmerzen zu verursachen. Auf diese Weise wird Milch aus der Brust entleert.
- Schritt 3: Damit wieder Milch nachfließen kann, wird die Brust anschließend locker gelassen, Finger und Daumen gehen in ihre Ausgangsposition zurück, die Haut des Warzenhofs glättet sich wieder. Bei diesem Schritt darf kein Druck auf das Brustgewebe ausgeübt werden, das würde die Milch zurückschieben.
Sie können natürlich auch die Hilfe einer „stillerfahrenen“ Hebamme oder Still- und Laktationsberaterin in Anspruch nehmen.
Tipp: Wissenswertes über das Abpumpen von Muttermilch erfahren sie in dem Beitrag: „Muttermilch abpumpen: wann, wie oft, wie viel?“.
Sauberkeit ist das A und O
Bevor Frau ihre Milch gewinnt, wäscht sie sich gründlich ihre Hände mit Wasser und Seife. Sie verwendet saubere Pumputensilien im Falle des manuellen oder elektrischen Abpumpens. Nach Gebrauch sollten sie kalt abgewaschen werden. Es genügt, wenn die Gerätschaften einmal täglich im Geschirrspüler gereinigt werden. Die Anschaffung von Sonderzubehör (Sterilisator) ist nicht nötig.
Warmes Abwaschen der Brust regt den Milchfluss an und reduziert die Keime auf der Haut.
Je nachdem, wie viel Sie Muttermilch aufbewahren wollen, kann das in
- Glasflaschen,
- BPA- freien Flaschen
- Muttermilchbeuteln aus Polyethylen
geschehen. Bitte verwenden Sie keine normalen Gefrierbeutel, da sie im Lauf der Zeit doch chemische Bestandteile in die Muttermilch abgeben könnten. Im Zeitalter unklarer Auswirkungen von Mikroplastik auf unseren Organismus ist das sicher nicht empfehlenswert!
Infos zur Haltbarkeit
Merke: Diese Informationen gelten für reife Neugeborene, also Babys, die zwischen der 38. und 42 SSW. geboren wurden!
Muttermilch bleibt am gehaltvollsten, wenn sie nur wenig Temperaturschwankungen ausgesetzt ist. Details entnehmen Sie bitte der nachfolgenden Tabelle:
Ort | Temperatur | Haltbarkeit | Besonderheiten |
Tisch, Schrank | bis 25°C | 6-8 Stunden | Absolute Sauberkeit! Behälter sollen verschlossen und so kühl wie möglich gehalten werden. Bedecken der Gefäße mit einem kalten Handtuch hilft die Temperatur niedrig zu halten. 4 Std. sind optimal! |
Isolierte Kühltasche | -15°C bis + 4°C | 24 Stunden | Die Behälter sollen immer mit den Kühlakkus in Kontakt sein. Öffnen der Kühltasche so wenig wie möglich. |
Kühlschrank | 4°C | 5-8 Tage | Milch hinten in den Kühlschrank stellen, NICHT in die Tür, absolute Sauberkeit. 4 Tage sind optimal! |
Gefrierfach im Kühlschrank | -15°C | 2 Wochen | Milch im hinteren Teil des Gerätes aufheben, wo die Temperatur konstanter ist |
Gefrierfach im Kühlschrank mit separater Tür | -18°C | 3-6 Monate | Langzeitige Einlagerung entsprechend den angegebenen Geräten und Zeiträumen ist sicher, aber die Lipide können sich aufspalten, was die Qualität beeinträchtigt. |
Kühltruhe, Gefrierschrank | -20°C | 6-12 Monate | 6 Monate sind optimal, 12 akzeptabel |
Merke: Reste sollten 1-2 Std. nach der Mahlzeit verworfen werden!
Quellen:
Praxisbuch: Besondere Stillsituationen, DHV-Expertinnenwissen, Hippokrates, 2012
https://www.babyfreundlich.org/fileadmin/user_upload/download/info_material/Informationen/Info_Handentleeren-Brust_2015-02-23.pdf
https://youtu.be/K0zVCwdJZw0 Unicef UK Baby Friendly Initiative | Hand expression
Aufzeichnungen aus der Weiterbildung zur Still- und Laktationsberaterin