Magen-Darm-Grippe: wie lange ist sie ansteckend?

Wer an einer Magen-Darm-Grippe leidet, fragt sich schnell, wann Erbrechen und Durchfall wieder aufhören. Wann Sie wieder zur Arbeit gehen können oder Ihr Kind wieder in den Kindergarten darf, hängt davon ab, wie lange der verursachende Erreger ansteckend ist. Das kann sich bei Viren und Bakterien stark unterscheiden.

Junge hält sich Bauch

Der Kinderarzt spricht von einer Gastroenteritis, im Volksmund heißt die Erkrankung schlicht Magen-Darm-Grippe. Betroffene haben sich in der Regel bei anderen Erkrankten angesteckt. Kinder infizieren sich besonders schnell über verunreinigte Hände oder Spielzeug. Wie lange die Infektionsgefahr besteht, entscheidet der Keim, der das Erbrechen und den Durchfall verursacht. Sind die Symptome am stärksten ausgeprägt, befinden sich auch die höchste Anzahl an Viren oder Bakterien in der Magenflüssigkeit und dem Durchfall. Beruhigt sich das Verdauungssystem wieder, nimmt die Ansteckungsgefahr langsam ab. In seltenen Fällen befinden sich Keime über Wochen bis Monate bei einem Patienten im Stuhl. Kinderärzte sprechen dann von einem sogenannten Dauerausscheider, besonders bekannt durch die Salmonellen. 

Viren und Bakterien als Auslöser der Gastroenteritis

Magen-Darm-Grippe Labortest

Bekannte Keime, die eine Magen-Darm-Grippe auslösen können, sind in Deutschland zum Beispiel:

  • Rotaviren,
  • Noroviren,
  • E.coli,
  • Campylobacter,
  • Shigellen,
  • Salmonellen sowie
  • Staphylokokken

Hat sich Ihr Kind in den Tropen aufgehalten, kommen weitere mögliche Erreger in Frage. Bitte berichten Sie dem Kinderarzt immer von Aufenthalten im Ausland, damit er die Laboruntersuchung entsprechend ausweiten kann.

So lange ist die Magen-Darm-Grippe ansteckend

Der Zeitraum, indem Ihr Kind den Krankheitserreger an andere Menschen in seiner Umgebung weitergeben kann, beginnt mit dem Zeitpunkt der eigenen Infektion. Während der sogenannten Inkubationszeit entwickeln sich die Symptome, geben sich aber noch nicht zu erkennen. Sie bemerken also nicht, dass Ihr Kind erkrankt ist und können sich trotzdem selbst mit dem Erreger infizieren. Die Zahl der Keime ist allerdings noch gering. Sie steigt mit dem Ausbruch der Symptome sprunghaft an und somit steigt dann auch das Risiko der Ansteckung. Hat Ihr Kind Erbrechen und Durchfall überstanden, scheidet es noch für kurze Zeit eine geringe Menge an Viren oder Bakterien über den Stuhlgang aus, bis das Immunsystem alle Eindringlinge beseitigt hat. Jetzt ist der Patient nicht mehr ansteckend.

Einige Beispiele dafür, wie lange Durchfallkeime nach der Genesung im Stuhl nachgewiesen werden konnten:

  • Noroviren: über zwei Wochen
  • E.coli: über drei Wochen
  • Campylobacter: über vier Wochen
  • Shigellen: über vier Wochen

Hygienemaßnahmen senken Infektionsrisiko

Hände waschen als Vorbeugemaßnahme

Jetzt verstehen Sie, warum es auch einige Tage nach dem Abklingen der Symptome einer Magen-Darm-Grippe noch sinnvoll ist, besonders gut auf das Händewaschen nach dem Gang zur Toilette zu achten. Desinfizieren Sie die Toilette regelmäßig, um eine Ausbreitung der Keime in der Familie zu vermeiden. Da die meisten Magen-Darm-Infekte nur wenige Tage dauern, ist der Zeitraum überschaubar.

Einige Kinder erbrechen zu Beginn der Erkrankung so häufig hintereinander, dass der Hauptteil der Erreger den Körper gleich wieder verlässt. Aber auch ohne offensichtlichen Durchfall können sich noch einige Tage lang Keime im Stuhl befinden und andere Familienmitglieder anstecken. Nur in Ausnahmefällen prüft der Kinderarzt nach der Genesung, ob Viren oder Bakterien weiterhin in einer Stuhlprobe nachweisbar sind. Bei gesunden Kindern orientieren Sie sich am besten an den oben genannten Durchschnittswerten, um einschätzen zu können, wann Ihre Tochter oder Ihr Sohn nicht mehr ansteckend ist.

Dauerausscheider

Haben sich Erbrechen und Durchfall gelegt, befinden sich in der Regel nach kurzer Zeit keine Keime mehr im Körper. Die meisten Kinder und Erwachsenen können nur über wenige Tage bis circa zwei Wochen andere Menschen in ihrem Umfeld mit einer Magen-Darm-Grippe anstecken. In seltenen Fällen überleben die Erreger aber im Körper und die betroffenen Patienten scheiden sie mit dem Stuhl weiterhin aus, obwohl sie keine Symptome mehr zeigen.

Ärzte sprechen ab circa zehn Wochen nach einer Gastroenteritis von einem Dauerausscheider, wenn sie weiterhin Keime im Stuhl des Patienten finden. Das Problem kann über Wochen, Monate oder Jahre bestehen bleiben. Da den Betroffenen die Situation meist nicht bekannt ist, stellen sie ein Risiko für die Menschen in ihrer Umgebung dar. Trotzdem treten Dauerausscheider nur sehr selten auf, gemessen an der Anzahl der Magen-Darm-Grippen in Deutschland. Die Gefahr, sich auf diese Weise zum Beispiel mit Salmonellen anzustecken, ist gering. Nur ein bis vier Prozent der an Salmonellen erkrankten Patienten werden zu Dauerausscheidern. Mit dem Lebensalter steigt hier das Risiko.

Quellenangaben:
Schönau et al.; Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie; Urban & Fischer, München 2005
Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009
Burkhard Rodeck, Klaus-Peter Zimmer; Pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung; Springer Verlag, Heidelberg 2013

Jessica Kilonzo
Author Details
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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Jessica Kilonzo
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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