Kleiderspende vs. Altkleider-Container – Kleider spenden, aber richtig

Man kennt das: Die Kinder wachsen, der eigene Geschmack ändert sich, die Figur auch. Dann stellt sich die Frage, wohin mit der nicht mehr gebrauchten, aber noch tragbaren Kleidung. Hier scheiden sich oft die Geister, ob der Altkleider-Container, die Abgabe an Straßensammlungen, das Einschicken an Online-Händler oder die direkte Kleiderspende an soziale Einrichtungen vor Ort die bessere neue Heimat für abgelegte Bekleidung ist.

Fakt ist in jedem Fall erst einmal, dass prinzipiell jeder dieser Wege der noch häufig verbreiteten Entsorgung in der Restmülltonne vorzuziehen ist. Was ist jedoch zu beachten, damit die Kleidung inklusive der damit verbundenen Erlöse auch wirklich dort ankommt, wo sie hinsoll und benötigt wird? Wie kann man zwischen seriösen und unseriösen, legalen und illegalen Anbietern unterscheiden? Was geschieht mit den Alttextilien? Und warum ist Kleiderspende überhaupt wichtig?

Die letzte Frage lässt sich sicherlich am leichtesten und schnellsten beantworten: Eine Kleiderspende macht nämlich einerseits aus Gründen der Nachhaltigkeit, andererseits aus humanitären Motiven Sinn, denn Bedarf an Kleidung besteht immer. Oft genug fehlt es aber an eben genau dieser beziehungsweise den notwendigen Mitteln für deren Erwerb.

Das Flaggschiff zur Regulierung des Kleiderbedarfs ist sicherlich der Altkleider-Container, über den bis zu 80% der Kleiderspende Deutschlands erfasst werden. Frei nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist hier jedoch Vorsicht geboten und zwar sowohl im Hinblick auf die Art der Spenden, also was gespendet werden kann als auch auf den Aufsteller des Containers, also wer hier sammelt.

Altkleider-Container – Bitte auf Inhalt und Anbieter achten

Was gehört eigentlich in den Container? Neben normaler Bekleidung sind auch

  • Accessoires wie Schuhe, Mützen oder Schals
  • Textilartikel, zum Beispiel Decken, Bettwäsche oder Tischdecken
  • Plüschtiere

willkommene Spenden. Wichtig ist hierbei vor allem Sauberkeit und Verpackung. Die Sachen sind bitte nicht lose, sondern in Tüten verpackt in den Container zu geben. Schuhe immer paarweise. Vom Spenden getragener Unterwäsche oder kaputter Kleidung ist sowieso abzusehen. Dafür bietet sich dann der schon eingangs erwähnte Restmüll an.

Der Altkleider-Boom und die Konsequenzen

Die Alttextilbranche in Deutschland ist jedoch ein boomendes Geschäft. Ein Teil der gesammelten Kleidung wird für soziale Zwecke eingesetzt, minderwertige Textilien zu Putzlappen oder Recyclingmaterial umgearbeitet. Rund 10% werden endgültig entsorgt. Der Großteil wird allerdings an gewerbliche Textilverwerter verkauft. 2013 wurden damit 300 Millionen Euro umgesetzt. Das ruft natürlich auch Mitbewerber auf den Plan, die, im Gegensatz zu karitativen Verwertern, ihre Erlöse nicht in soziale oder gemeinnützige Projekte reinvestieren, sondern privat davon profitieren wollen.

Eine Folge dieser Entwicklung ist vor allem das illegale Aufstellen sogenannter ‚wilder‘ Container mit der sich Kommunen und Städte mittlerweile bundesweit auseinandersetzen müssen. Diese werden meist zentral, oft auch neben einem offiziellen Behälter platziert, sehen diesen zum Verwechseln ähnlich, stehen aber meist nicht lange.

(Fehlende) Transparenz

Ein Nachteil der Containerentsorgung ist allgemein die Tatsache, dass keine genaue Nachverfolgung der Spenden möglich ist. Auch seriöse Anbieter wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gerieten beispielsweise aufgrund fehlender Transparenz und hoher Verwaltungskosten in die Kritik und reagierten mit öffentlichen Richtigstellungen und einer neuen Initiative. FairWertung e.V., der Dachverband für karitative Kleidersammlungen in Deutschland, hat für sich einen Verhaltenskodex erstellt, der sich die Stärkung der Gemeinnützigkeit, mehr Nachvollziehbarkeit und Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat.

Vorsicht vor Wäschekörben

Abstand ist dagegen von Spenden für Haustür- oder Straßensammlungen zu nehmen, die nicht von sozialen Organisationen oder lokalen Vereinen durchgeführt und gerne per Handzettel in Briefkästen oder an Haustüren angekündigt werden. Hier ist es im Zweifelsfall immer richtig und wichtig den Veranstalter zu kontaktieren. Sollte dies nicht möglich sein, sollte man von deren Unterstützung absehen.

Don’ts und Dos bei Container- und Straßensammlungen

Prinzipiell ist Skepsis gegenüber Sammelaufrufen oder Containerbeschriftungen von Anbietern geboten, in deren Unterlagen Folgendes zu finden ist:

  • Fehlende oder unvollständige Kontaktdaten
  • Krude Vereinsnamen
  • Appelle an die Hilfsbereitschaft
  • Symbole wie Kirche, Kreuz oder Globus

Seriöse Initiativen oder Projekte, die sich dagegen mit Anschrift und offiziellem Siegel zur Gemeinnützigkeit vollständig ‚ausweisen‘, sind unter anderem:

Alternativen zur Kleiderspende im Container

Daneben gibt es natürlich noch weitere Alternativen für die Abgabe einer Kleiderspende. Die direkte Spende an soziale Einrichtungen vor Ort, zum Beispiel an

  • AWOs
  • Kleiderkammern
  • Sozialkaufhäuser
  • Tafeln

bietet gleichzeitig auch die Möglichkeit zur besseren Nachverfolgung und gewährleistet, dass die Kleidung auch dort ankommt, wo sie wirklich benötigt wird. Eine andere Option sind etwa Second-Hand-Läden. Der internationale Verbund Oxfam etwa sammelt jede Kleiderspende, um die Umwelt zu schonen und verkauft diese in seinen Shops weiter, um mit den Erlösen Menschen in Not durch entwicklungspolitische Arbeit zu unterstützen.

Im Onlinezeitalter ist selbstverständlich auch das Internet zum Umschlagplatz für gebrauchte Kleidung geworden. So gibt es beispielsweise über die Deutsche Kleiderstiftung und über das Portal PACKMEE die Möglichkeit Pakete gebrauchter Kleidung mit einem Gewicht zwischen 5 und 30 kg bequem zu Hause zu frankieren und kostenfrei deutschlandweit in jedem DHL-, Hermes- oder DPD-Shop aufzugeben. Dabei arbeiten diese Organisationen auch mit führenden Unternehmen der Textilbranche zusammen, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben:

Aber auch hier stellt sich wieder die Frage, was nach der Einsendung tatsächlich mit den Sachen passiert. Eine wirkliche Zweckzuführung ist jedenfalls nicht hundertprozentig garantiert.

Es gibt also mannigfaltige Möglichkeiten seine Kleidung zu spenden, wobei die bequemste, etwa die Online-Aufgabe oder der Wurf in den Kleidercontainer, nicht immer auch die beste und nachhaltigste ist. Die örtliche Tafel freut sich genauso darüber.

Quellen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/altkleider-sammlung-was-passiert-mit-den-spenden-a-908808.html
https://www.fairwertung.de/zahlen.2/index.html
https://www.fairwertung.de/blog.3/index.html

Mirko Kreißig
Über unseren Autor
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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Mirko Kreißig
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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