Kindslage: alles über die Lagen des Babys bei der Geburt

Die Geburt rückt näher. Die Spannung steigt. Wird alles gut laufen? Wie liegt das Baby überhaupt in meinem Bauch? Wir gehen dieser Frage nach und bringen Sie zum Staunen … – versprochen!

Kindslage

Je weiter sich Ihre Schwangerschaft entwickelt, umso spannender werden die Untersuchungen bei der Hebamme Ihres Vertrauens. Sicher haben Sie sich schon oft gefragt, wie sie denn zu ihren Aussagen gelangt, wenn sie zum Beispiel sagt: „Das Baby liegt in der linken Seitenlage.“ Sie haben nur gespürt, dass die Hebamme mit vorsichtigen Bewegungen Ihren Bauch abgetastet hat. Dabei kann sie genau bestimmen in welcher sogenannten Kindslage Ihr Nachwuchs sich im Moment befindet. 

Jede Hebamme lernt in ihrer Ausbildung bestimmte Handgriffe zum Abtasten des Bauches einer Schwangeren. In Deutschland bezeichnet man sie nach dem Erstbeschreiber, dem Gynäkologen Christian Gerhard Leopold (1846-1911), als Leopoldsche Handgriffe. Sie helfen, u.a. die Lage des Babys im Bauch der Mutter zu bestimmen. Es gibt drei Kindslagen, die für die Art der Geburt entscheidend sein können:

Kindslagen
Längslage 99% Querlage Schräglage
  • Schädellage (SL 94%)
  • Beckenendlage (Steißlage)

Kindslage und spannende Entdeckungen

Die Kindslage beschreibt die Beziehung der Längsachse des Kindes zur Längsachse der Mutter. Dabei kann der kindliche Rücken auf der linken oder rechten Körperseite der Mutter liegen.

Die Bauchform bei einer Längslage des Kindes gleicht einem Ei oder Oval. Man kann demnach schon Rückschlüsse auf die Kindslage ziehen, wenn man den Bauch einer Schwangeren ansieht.

Mit Sicherheit haben Sie schon erlebt, dass ihr Plan, schlafen zu gehen von ihrem Baby im Bauch torpediert wurde. Sobald Sie sich hingelegt haben, beginnt es seine Abendgymnastik. Es boxt und stößt an allen möglichen Ecken an die Wände seiner kleinen Behausung. Zum Ende der Schwangerschaft wird es bei einem normal entwickelten Baby schon ziemlich eng in der Gebärmutter. Das ist aber nicht der tatsächliche Grund für Babys Reaktion.

Wenn die werdende Mutter umhergeht oder sich irgendwie bewegt, macht es jede Lageveränderung mit. Dabei wird es sogar sanft massiert. Weil Mutter aber jetzt ihre Aktivität einstellt, hören Schaukeln und Massage plötzlich auf. Da hilft nur energischer Protest!

Beobachtet die Mutter, an welcher Körperseite sie die meisten Stöße bemerkt, kann das schon ein guter Hinweis auf die Kindslage des Babys sein. Arme und Beine liegen normalerweise auf der gegenüber liegenden Seite des kindlichen Rückens, also:

  • Bewegungen der Arme und Beine auf der linken Körperseite der Mutter:
    • Rücken des Babys rechts
  • Bewegungen der Arme und Beine auf der rechten Körperseite der Mutter:
    • Rücken des Babys links

Längslage

Wie aus der Übersicht zu erkennen ist, kann sich die Längslage entweder als Schädellage oder als Beckenendlage zeigen. In beiden Fällen liegt Baby längs in der Gebärmutter.

Kopfstand (Schädellage) und Poleposition

Während Erwachsene relativ schnell ihre Aktivität namens Kopfstand beenden, wenn sie nicht gerade Akrobaten sind, gelten für das Baby andere Gesetze. Erstaunlicherweise nimmt es schon etwa vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin seine normale Poleposition ein, und zwar den Kopfstand:

  • für 94% der Babys normal
  • Kopf ist schwerster und härtester Körperteil des Babys
  • bahnt sich zuerst den Weg durch den Geburtskanal¹
  • weitet ihn
  • „Rest“ des kindlichen Körpers findet seine Passage vergleichsweise leicht

Treten aus irgendwelchen Gründen die Eröffnungswehen² vorzeitig auf oder platzt die Fruchtblase³, kann die Reise sofort beginnen. Das Baby muss also nicht erst die richtige Richtung suchen.

Tipp: Im Mutterpass wird die Schädellage nach der letzten Ultraschall-Untersuchung mit SL vermerkt.

Beckenendlage (Steißlage) als Poleposition – und was nun?

Der Schock sitzt tief, nachdem der Arzt beim Ultraschall die Beckenendlage bestätigt hat. Im Mutterpass steht die vielsagende Abkürzung BEL. Das Baby liegt mit seinem Po in Poleposition, das heißt, das „dicke Ende“, also der Kopf, kommt zuletzt. Er liegt im oberen Teil der Gebärmutter, dem sogenannten Fundus.

  • Vaginale Geburt bei BEL ist möglich
  • Durchmesser der einzelnen kindlichen Körperteile unterscheiden sich nicht wesentlich von einer Schädellage
  • Geburt kann jedoch beim ersten Kind länger dauern

Tipp: Bevor Sie in Schockstarre einem Kaiserschnitt zustimmen, sollten Sie sich zuerst in Ruhe vom Fachpersonal informieren lassen!

Kindslage

Vom Zeitpunkt des letzten Ultraschalls vor der Geburt bis zum errechneten Geburtstermin vergehen in aller Regel noch mehrere Wochen. In dieser Zeit ist noch genug Raum für Veränderungen der Kindslage in die Poleposition.

Es kommt immer wieder vor, dass sich Babys doch noch für den „rechten Weg“ entscheiden, mitunter sogar, wenn die Wehen schon eingesetzt haben oder die Mutter bereits für den geplanten Kaiserschnitt auf dem OP-Tisch liegt.

Vom Po auf den Kopf – die äußere Wendung

Manche Kliniken bieten auch eine sogenannte äußere Wendung in OP-Bereitschaft und unter CTG-Kontrolle4 an, um einen Kaiserschnitt zu vermeiden. Der Facharzt für Geburtshilfe versucht, mit vorsichtigen Handgriffen das Baby zu drehen, so dass der Kopf in Richtung Geburtskanal kommt.

Auch viele Hebammen geben gute Hinweise, wie Frau sich bewegen kann, um eine Lageveränderung in eine optimale Kindslage herbeizuführen.

Alles quer – die Querlage

  • zusammen mit der Schräglage nur in etwa 1% der Geburten
  • gut sichtbar (Querausdehnung des Bauches ist deutlich größer als die Längsausdehnung)
  • Ursache sind manchmal Hindernisse im Geburtskanal
  • einzige Variante der Geburt: Kaiserschnitt.

So was Schräges – die Schräglage

  • Baby bevorzugt die Diagonale
  • Vorkommen: bei Frauen, die schon mehr als ein Kind geboren haben
  • häufig dreht sich das Baby, wenn die Wehen beginnen, von selbst in die richtige Startposition
  • manchmal hilft auch eine richtige Lagerung
  • unbedingt Klinikgeburt, falls es doch zu unerwünschten Komplikationen käme
  • meistens vaginale Geburt möglich

Gehen Sie vom Normalfall aus. Warum sollte gerade Ihr Baby nicht in Schädellage liegen?
Alles Gute für die Geburt!

¹Teile des weiblichen Geschlechtsorgans, die das Neugeborene bei der Geburt durchqueren muss
²Wehen, die die Geburt einleiten und zu einer langsamen, schrittweisen Eröffnung des Muttermundes führen
³gilt als Geburtsbeginn genauso wie regelmäßige Wehen in sich verkürzenden Zeitabständen
4Cardio-Toko-Gramm: Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und der Aktivität der Gebärmutter (Wehen)

Quellen:
https://flexikon.doccheck.com/de/Geburtskanal
Stiefel et al. Hebammenkunde, 5.Aufl. , Hippokrates 2013
Wörterbuch der Medizin, 12. Aufl., VEB Verlag Volk und Gesundheit 1984

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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