Kindern Ohrlöcher stechen lassen: ab wann ist es unbedenklich?

Besonders bei den Mädchen stellt sich früh der Wunsch ein, der eigenen Mama und ihren Freundinnen nachzueifern. Ohrlöcher stechen lassen ist dann nicht mehr in weiter Ferne, wobei Eltern auch bedenken müssen, ab wann das Stechen gesundheitlich unbedenklich ist.

Kinder Ohrlöcher

Den Kleinsten schon Ohrlöcher stechen zu lassen, ist seit vielen Jahren und gar Jahrzehnten keine Seltenheit. Einerseits sind vor allem die Mädchen fasziniert von dem funkelnden Schmuck, aber auch viele Eltern finden es einfach unheimlich knuffig und süß, wenn der Nachwuchs früh Ohrringe trägt. Adressen, um die Ohrlöcher stechen zu lassen, gibt es viele. Zurecht beschäftigen sich Eltern aber auch mit der Frage, ab welchem Alter das unbedenklich ist – die Meinungen dazu gehen weit auseinander.

Körperverletzung oder nicht?

Ärzte und Experten vertreten stark unterschiedliche Ansichten!

Die Risiken sind beim Stechen überschaubar. Voraussetzung dafür ist immer, dass hygienisch und sorgsam gearbeitet wird. Gestochen wird meist bei Friseuren, Juwelieren, Ärzten, Kosmetikern oder vergleichbaren Dienstleistern. Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass vor Ort hohe hygienische Standards gegeben sind. Bei Ärzten ist das zweifelsohne sowieso der Fall, bei Friseuren oder Kosmetikern sollte aber genauer hingeschaut werden, auch um die Risiken zu minimieren.

Die Meinungen, ab welchem Alter gestochene Ohrlöcher „okay“ wären, gehen trotzdem weit auseinander. So gibt es beispielsweise die „International Association of Ear Piercing Market Specialists EPM e.V.“, was frei übersetzt so viel wie „Internationaler Verband von Ohrlochstech-Spezialisten“ bedeutet. Selbiger Verband, der sich getreu seines Namens eben darauf spezialisiert hat, gibt keine genauen Angaben zu einem Mindestalter aus. Stattdessen erläutert er, die Entscheidung liege voll und ganz im Ermessen der Eltern beziehungsweise Erziehungsberechtigten. Dienstleister werden angeregt, keine Ohrlöcher bei unter 16-Jährigen zu stechen, wenn die Eltern nicht anwesend sind.

Ohrringe für Kinder

Der „Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte“ schlägt in die gleiche Kerbe. Da heißt es, dass es kein medizinisches begründetes Mindestalter gäbe. Die Begründung: Ohrläppchen der Kleinen unterscheiden sich nicht von denen der Erwachsenen. Das Schmerzempfinden sei bei den Kindern ebenfalls nicht größer. Außerdem räumt der Berufsverband mit dem Vorurteil auf, dass bei Kindern die Löcher schneller wieder zuwachsen. Das sei nicht der Fall, wenn ein sauberer Kanal gestochen wurde.

Ganz anders lautet die Empfehlung von einem ähnlichen Berufsverband von Ärzten. Der nämlich, der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), hält gestochene Ohrlöcher bei Minderjährigen für Körperverletzung, da derartige Eingriffe in einen intakten Körper zwangsweise problematisch seien. Stellvertretend gibt der Verband also die Empfehlung ab, dass man bei Minderjährigen gar keine Löcher stechen sollte. Anders Meinungen aus der Riege der Fachärzte für plastische Chirurgie, die den Eingriff bestenfalls ab einem Alter von 14 Jahren für unbedenklich halten – weil die Kinder im jüngeren Alter nicht bewusst einwilligen können.

Unterscheidung zwischen dem „Stechen“ und „Schießen“

Je nach Dienstleister kann sich das Vorgehen unterscheiden. Beim „Schießen“ verwendet der Dienstleister eine Ohrlochpistole. Vor allem Kosmetiker und Friseure nutzen diese. „Stechen“ mit einer sterilen Einmalnadel ist hingegen bei Piercern und Ärzten das Mittel der Wahl.

Das „Schießen“ der Ohrlöcher gilt als die schlechtere Variante. Begründet wird das wie folgt:

  • beim Schießen wird das Gewebe gewaltsam zerfetzt
  • umliegendes, eigentlich nicht betroffenes Gewebe wird daher ebenfalls belastet und verletzt
  • die Schmerzen sind normalerweise etwas stärker
  • eine sterile Einmalnadel gilt als hygienischer

Ohrlöcher stechen

Ebenso lässt sich von Eltern das Einhalten der hygienischen Standards besser nachvollziehen. Piercer oder Ärzte stellen daher immer die bessere Option dar. Letztere können zuvor zugleich einen Allergie-Test durchführen.

Für wie unbedenklich halten es die Dienstleister?

Hier lässt sich, schon aufgrund der Masse der Dienstleister und ihrer unterschiedlichen Philosophien, keine einheitliche Linie ausmachen. Viele der Adressen, wo man solche Ohrlöcher stechen lassen kann, weigern sich aber, bei Kindern unter sechs Jahren „Hand anzulegen“. Viele Dienstleister halten sich auch an die Empfehlung der „Europäischen Vereinigung für professionelle Piercings (EAPP)“, die das Stechen erst ab einem Alter von 14 Jahren anregen.

Die Auffassung, dass man lediglich Volljährigen Ohrlöcher stechen kann, vertreten indes nur wenige Dienstleister. Im Regelfall führt die große Anzahl ihre Arbeit bei Kindern ab 6 Jahren aus. Das Kind muss dafür gesund sein und auch den Eindruck machen, dass man es nicht zu den Ohrlöchern zwingt. Die Spanne kann sich aber, wie eben durch die unterschiedlichen Auffassungen der Verbände, bis hin zu 14 Jahren ziehen.

Ab wann ist es aus medizinischer Sicht unbedenklich?

Risiken, wie beispielsweise Infektionen, gibt es bei hygienischer und sachgemäßer Arbeit kaum. Schlimmstenfalls könnten oberflächliche Entzündungen auftreten, welche sich lokal mit Hilfe einer Creme behandeln lassen – diese sind aber ebenfalls die Ausnahme.

Zugleich teilen selbst die Berufsverbände fast einstimmig die Meinung, dass der „Eingriff“ selbst aus medizinischer Sicht unbedenklich ist. Die sich unterscheidenden Altersempfehlungen kommen vor allem deshalb zustande, weil die Auffassungen, ab wann ein Kind bewusst seine Zustimmung geben kann, deutlich voneinander abweichen. Zuletzt gibt es, wie bei jedem Eingriff, egal wie einfach und unkompliziert dieser ist, immer ein kleines Risiko. In diesem Fall ist es, unabhängig vom Alter, als unnötig zu bezeichnen, denn es handelt sich bei den Ohrlöchern um einen rein ästhetischen Eingriff.

Ohr mit Loch

Fest steht andererseits: die Regenerationskräfte der Haut, Beschaffenheit des Ohrläppchens und das Schmerzempfinden unterscheiden sich bei Kindern, wenn es um das Stechen der Ohrlöcher geht, nicht von den Erwachsenen. Rational betrachtet, ist ein unbedenkliches Stechen also ab einem Alter von mindestens sechs Jahren denkbar.

Tipp: Erklären Sie dem Nachwuchs, was mit den Ohrlöchern passiert und wie sich das anfühlt. So wird ihnen die mentale Belastung und Angst genommen.

Tipps zum Stechen von Ohrlöchern bei Kindern

Beachten Sie die folgenden Tipps, um es Ihrem Kind möglichst angenehm zu gestalten:

  • wählen Sie einen seriösen Dienstleister aus, dem Sie vertrauen und der hygienisch arbeitet
  • bereiten Sie Ihr Kind schonsam auf den kleinen Stich vor, ohne ihm dabei Angst zu machen
  • halten Sie eine kleine Überraschung parat, um die Tapferkeit vom Nachwuchs zu belohnen
  • beobachten Sie das gestochene Loch die nächsten Tage, um mögliche Entzündungen frühzeitig zu erkennen

Klären Sie zudem zuvor mit dem behandelnden Kinderarzt den kleinen Eingriff ab. Dabei ist vor allem sicherzustellen, dass keine Allergie vorliegt. Früher Kontakt mit Metall kann die Entwicklung einer Allergie begünstigen, insbesondere gegenüber Nickel. Gold gilt als besonders verträglich, da es keine Irritationen hervorruft. Außerdem müssen alle Verschlüsse gut sitzen, der Ohrschmuck darf nicht zu eng sein und sollte so beschaffen sein, dass er sich beim Spielen nicht verfangen kann. Kleine Stecker kommen für Kinder daher besonders in Frage.

Quellen:
https://www.windeln.de/magazin/baby/entwicklung-baby/ohrloecher-stechen-ab-welchem-alter-sinnvoll.html
https://www.studex.de/sicheres-ohrlochstechen-auch-fuer-kinder/

Miriam Kirmse
Über unsere Autorin
Miriam Kirmse ist die Content-Managerin von Wiado. Dabei interagiert sie vor allem mit den verschiedenen Experten, die für unser Online-Magazin als Autoren tätig sind. In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie bereits als Kamerafrau, Moderatorin und Redakteurin gearbeitet. Ihre Motivation ist es, die Leser mit einem Blick hinter die Kulissen des Alltäglichen zuverlässig zu informieren und auch Antworten auf unkonventionelle Fragen zu finden. Ihr Motto lautet: Man lernt nie aus!
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