Kaiserschnittnarbe: Pflege von A-Z | Hilfe bei Schmerzen

In Deutschland kommen rund 31% aller Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Entsprechend viele Frauen müssen sich, neben der Babypflege, auch um die Pflege ihrer Kaiserschnittnarbe kümmern. Viele wertvolle Tipps zu diesem wichtigen Thema erhalten Sie im folgenden Text.

Kaiserschnittnarbe

Während meiner Arbeit als Hebamme habe ich unzählige Kaiserschnitt-Frauen begleitet, sowohl während der Geburt, während der Klinikzeit als auch im Wochenbett und darüber hinaus (Stillzeit, Rückbildungsgymnastik). Und genauso zahlreich waren die Erlebnisse rund um die Heilung der Kaiserschnittwunden. Natürlich haben die Voraussetzungen für eine gute Wundheilung und Narbenbildung eine genetische Komponente. Allerdings haben auch die Operations- und Nahttechnik, die Wundversorgung unmittelbar nach der Geburt und die Pflege im Wochenbett sowie darüber hinaus eine nicht unwesentliche Bedeutung. Nicht alles davon kann eine Frau beeinflussen, jedoch kann sie die Bedingungen der Wundheilung gut gestalten und die Ergebnisse der Narbenbildung deutlich verbessern. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist ein Kaiserschnitt?

Der Kaiserschnitt ist eine operative Entbindungsmethode. Während sich die Frau in einer Narkose befindet (Vollnarkose oder Regionalanästhesie), wird in einer absolut sterilen Umgebung (OP-Saal) der Bauch in allen Schichten kurz über dem Schambogen eröffnet, das Fruchtwasser abgesaugt, das Baby und die Plazenta über diese Öffnung herausgeholt und danach die gesamte Bauchwunde in mehreren Schritten sorgfältig wieder verschlossen. Das dazu verwendete Nahtmaterial ist heutzutage meist selbstauflösend. Unterstützend werden Medikamente zur Infektionsprophylaxe und zur Blutstillung bzw. Kontraktionsförderung der Gebärmutter verabreicht.

Kaiserschnitt

Was kann gegen den Wundschmerz getan werden?

Natürlich ist der Wundschmerz am Anfang ziemlich groß, zumal die Frau nach der Operation recht schnell wieder mobilisiert wird, dass heißt, sie steht ca. 6 – 12 Stunden nach der OP das erste Mal auf. Dies ist für die Genesung und zur Vorbeugung einer Thrombose sehr wichtig aber gleichzeitig auch das Anstrengendste und Schmerzhafteste so kurz nach dem Kaiserschnitt. Effektive Schmerzlinderung bringen:

  • Schmerzmedikation in der Klinik: Schmerzinfusion, Schmerzspritze, regelmäßige Gabe von Schmerztabletten
  • Schmerzmedikation zu Hause: Schmerztabletten je nach Bedarf (Paracetamol, Ibuprofen)
  • Ruhe/körperliche Schonung
  • Entlastende Lagerung (Rückenlage und Kissenrolle unter Knien)
  • Physiologisch passende Aufsteh-Methode (Physiotherapeutin leitet dazu an)
  • Kurzzeitiges Kühlen des Nahtbereiches
  • Häufige Blasenentleerung (durch geringeren Platzbedarf weniger Schmerzen)
  • Leichter Stuhlgang (Pressen/Druck auf Wundgebiet weniger)

Sonstige Schmerzen nach einem Kaiserschnitt

  • Schmerzhafte Nachwehen/Reizwehen zur Rückbildung der Gebärmutter, besonders bei Mehrgebärenden oder beim Stillen zu spüren – Schmerzmittel je nach Bedarf
  • Schmerzen an der Dauerverweilkanüle (Infusionen unter und nach der OP sind notwendig) – Kühlen, Entfernen
  • Schmerzen durch Urin-Katheter (leere Harnblase und Beurteilung des Urins) – Zug am Schlauch vermeiden, viel trinken, schnell aufstehen, um Toilettengang allein zu schaffen
  • Kopfschmerzen (oft bei Regionalanästhesie) – Schmerzmittel, reichlich trinken
  • Rückenschmerzen (oft von Lagerung auf OP-Tisch) – Wärme, Bewegung
  • Schmerzen durch Wunddrainagen (Ableitung von reichlichem Wundsekret) – Schmerzmittel, günstige Lagerung, Zug auf Schlauch vermeiden
  • Schmerzhafte Brustwarzen (häufig ungünstige Stillposition durch eingeschränkte Bewegungsfähigkeit nach der OP) – Stillposition verbessern, lindernde Brustwarzensalbe

Brustwarzensalbe

Vorgang der Wundheilung nach Kaiserschnitt

Innerhalb der ersten 24 Stunden verkleben die Wundränder miteinander, sodass es zu keiner frischen Blutung aus dem Nahtbereich mehr kommt. Vom 2. bis 14. Tag granuliert die Wunde. Es entsteht eine rötlich-braune festere Kruste (umgangssprachlich Schorf oder Grind), die die Wunde schließlich verschließt. Gleichzeitig entsteht neues Bindegewebe und neue Kollagenfasern, deren Festigkeit bis zum 28. Tag indes stetig ansteigt. Die Kruste hat sich bis dahin ebenfalls abgelöst und die darunterliegende Narbe ist am Anfang noch rötlich und empfindlich.

Innerhalb eines halben Jahres verblasst sie und wird schmaler, sie ist dann nur noch als 10 -14 cm langer Strich in der Bikinizone sichtbar. Da auch das Nervengewebe beim Kaiserschnitt mit durchtrennt wurde, ist der Bereich rund um die Narbe meist taub und gefühllos. Da Nervengewebe länger zur Regeneration benötigt, dauert es oft circa ein Jahr, bis dieses Phänomen wieder verschwunden ist. Das Narbengewebe insgesamt ist allerdings „nur“ Ersatzgewebe und erreicht nie wieder die ursprüngliche Festigkeit des Gewebes. Deshalb ist die Kaiserschnittnarbe anfällig bei extremen Belastungen, z.B. einer erneuten Schwangerschaft und Geburt und erfordert in diesen Fällen besondere Aufmerksamkeit.

Wundheilungsstörung der Kaiserschnittnaht

  • Entzündungszeichen: Schmerzen, Schwellung, Rötung, Überwärmung, Funktionseinschränkung
  • Auseinanderklaffen der Wundränder
  • Blutungen aus der Naht bzw. Entstehung von großflächigen Hämatomen
  • Austritt von eitrigem Wundsekret
  • Fieber

Pflege der frischen Wunde

Das Wichtigste ist die Vermeidung einer Wundinfektion sowie die Verhinderung von Microfissuren, beides kann zu unschöner Narbenbildung und inneren Verwachsungen führen, häufig Ursachen für dauerhaft anhaltende Beschwerden nach einem Kaiserschnitt. Deshalb beachten sie bitte Folgendes:

  • Vorlage darf nicht an Nahtbereich heranreichen oder sogar auf der Naht liegen
  • Ruhe/körperliche Schonung einhalten
  • Lockere Kleidung tragen, die nicht reibt oder drückt
  • nicht schwer heben (< 5 kg)!

Formen der Narbenbildung

Natürlich wünscht sich jede betroffene Frau eine „normale“ unauffällige Kaiserschnittnarbe, die hell und schmal aussieht und indes völlig beschwerdefrei ist. Doch auch folgende Formen einer Narbe gibt es:

Formen Narbenbildung

  • die eingezogene (atroph) Narbe
  • die wulstige (hypertroph) Narbe
  • das Narbenkeloid (Bindegewebswucherung im Bereich des Narbengewebes)
  • der Narbenbruch (Hervortreten von Organen durch inneren Bruchsack)

Alle vier Narbenphänomene machen ästhetische und/oder körperliche Beschwerden und sollten dementsprechend von einem Dermatologen (Hautarzt) oder Chirurgen begutachtet/behandelt werden.

Welche Methoden eignen sich zur Pflege der Kaiserschnittnarbe?

Wenn die Kruste von der Naht abgefallen ist, kann vorsichtig mit der Narbenpflege begonnen werden. Diese sollte für mehrere Monate konsequent fortgeführt werden. Die Kaiserschnittnarbe wird so insgesamt elastischer und unauffälliger. Sinnvoll hierfür sind:

  • Auftragen von Pflegeprodukte
    • Öle (Lavendelöl, Mandelöl, Olivenöl, Vitamin-E-Öl) – rückfettend
    • Silikongele – feuchtigkeitsspendend
    • Salben/Cremes (Ringelblumensalbe, Dexpanthenolsalbe, Aloe-Vera-Salbe…) – heilungsfördernd
    • entzündungshemmende/desinfizierende Gele – desinfizierend, reinigend
    • Zinksalben – schützend, heilungsfördernd
    • Hausmittel – Honig
  • Narbenmassage zur Dehnung und Anpassung der Kollagenfasern (weiche Babybürste, Fingerspitzen)
  • Sonneneinstrahlung meiden (Bedecken oder Sunblocker verwenden), ebenso Solarium, Sauna und Kälte (vorerst)

Tipp: Auch nach einem Kaiserschnitt ist Rückbildungsgymnastik sehr sinnvoll. Gerade die Bauchmuskulatur sollte wiederaufgebaut und trainiert werden, weil die Narbe durch gestärkte Muskeln besser gestützt wird. Etwa 8 – 12 Wochen nach der Operation kann damit begonnen werden, vorausgesetzt, die Narbe ist gut verheilt und macht keine Beschwerden mehr.

Ich wünsche Ihnen eine gute psychische und körperliche Erholung. Und scheuen Sie sich bitte nicht, sich ausreichend Hilfe und Unterstützung zu organisieren. Auch Ihre Kaiserschnittnarbe wird es Ihnen schließlich danken.

Quellen:
Geist, Ch.; Harder, U.; Stiefel, A.; „Hebammenkunde“; Hippokrates Verlag 2007; S. 731
https://loadmedical.com/Video-Medizin-Pathologie-Entzuendung-Galen-Color-Dolor-Tumor-Rubor-Histamin
https://www.medpex.de/themenshop-wundheilung/?ai=600&msclkid=2fa704222dd7188eb0d9587ae00802b3
https://www.narbeninfo.de/so-behandeln-sie-narben-effektiv/kaiserschnitt-narben/
https://www.narbeninfo.de/so-behandeln-sie-narben-effektiv/praktische-tipps-zur-narbenbehandlung/
https://flexikon.doccheck.com/de/Narbe
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62086/Geburtshilfe-Grosse-Unterschiede-beim-Kaiserschnitt-in-Europa

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
×
Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
Latest Posts
  • Plazentainsuffizenz
  • Kaiserschnittnarbe
  • Schwangerschaftszeichen
  • Schwangerschaftsübelkeit
Hinweise für Gesundheits- und Rechtsfragen
Wiado.de dient der allgemeinen Bildung und Information, nicht der Beratung bei gesundheitlichen und rechtlichen Anliegen. Konsultieren Sie hierzu bitte jeweils Ihren Arzt/Zahnarzt oder einen Rechtsanwalt/Steuerberater.