Käse während der Schwangerschaft – welcher ist erlaubt?

Der Genuss von Käse ist in der Schwangerschaft leider nicht unbedenklich möglich, denn je nach Herstellungsverfahren können auf oder im Käse krankmachende Keime sitzen, die zu gesundheitlichen Störungen oder ernsthaften Erkrankungen führen können. Wie Sie als Schwangere mit dem Verzehr von ihrem Lieblingskäse alles richtig machen, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Käse während der Schwangerschaft

Käse ist für uns Menschen ein Hauptlieferant für Eiweiß und Kalzium, was nicht zuletzt in der Schwangerschaft für die Entwicklung des Kindes eine große Bedeutung hat. Deshalb ist Käse auch für Schwangere ein wertvolles Lebensmittel und sollte auf jeden Fall mit auf dem Speiseplan stehen.

Empfohlene Verzehrmenge für Schwangere lt. Deutscher Gesellschaft für Ernährung e.V.:

3 Portionen Milch/Milchprodukte täglich werden für Schwangere empfohlen, um den Bedarf an Kalzium zu decken. Fettarme Milchprodukte sollen übrigens bevorzugt gewählt werden. Je 1 Portion wäre:

  • 1 Scheibe Käse
  • 1 Becher Joghurt
  • sowie 1 Glas Milch

Wie gefährlich sind Lebensmittelinfektionen für Schwangere?

Mit der Nahrung können krankmachende Keime in den Körper gelangen. Dadurch kommt es zu einer sogenannten Lebensmittelinfektion. Besonders bei Schwangeren sind Lebensmittelinfektionen wie die Listeriose gefährlich, denn das Kind im Bauch der Mutter ist nicht vor einer Übertragung geschützt.

Listeriose und Käse

Die Erkrankung Listeriose wird durch stäbchenförmige Bakterien, den Listerien, ausgelöst. Bei Käseprodukten kommen sie vor allem auf der Rinde und in Sorten aus Rohmilch vor. Bei einer Schwangeren können sie im Fall einer Infektion die Plazentaschranke überwinden und bei ihrem Kind schwere Erkrankungen, Behinderung sowie Früh- oder Totgeburt verursachen.

Welche Käsesorten sind erlaubt?

Erlaubt ist Käse aus pasteurisierter Milch. Entfernen Sie vor dem Verzehr die Rinde, denn oft siedeln sich gerade dort Listerien an.

  • Edamer
  • Maasdamer
  • Leerdamer
  • Tilsiter
  • Butterkäse
  • Gouda
  • Ceddar
  • Kochkäse/ Schmelzkäse
  • Mozzarella abgepackt
  • Deutscher Frischkäse (muss laut Gesetz pasteurisiert sein)

sowie

  • Hartkäse ohne Rinde – durch lange Reifung ist er nahezu frei von Erregern.
  • Parmesan nicht gerieben – erst kurz vor Verzehr selbst reiben
  • Emmentaler,
  • Bergkäse

sowie

vollständig erhitzter Käse beim Zubereiten von Speisen, denn alle Keime werden durch Erhitzen im Backofen oder während des Kochens vernichtet.

  • Backcamembert,
  • Ofenkäse,
  • Käsefondue,
  • Käse zum Überbacken

Welche Käsesorten sind nicht erlaubt?

Nicht erlaubt ist Käse aus Rohmilch, mit Blauschimmel, Rotschmiere oder Sauermilchkäse

  • Camembert
  • Limburger
  • Feta
  • Gorgonzola
  • Harzer Roller
  • Ziegenweichkäse
Käsesorten
Auf diese Käsesorten sollten Sie während der Schwangerschaft verzichten!

Sowie, wegen der Gefahr der raschen Keimvermehrung,

  • Käsewürfel oder geriebener Käse in Fertigsalaten
  • Unverpackter Käse aus Käsetheken
  • Vorgefertigter Reibekäse

Wie wird Rohmilchkäse gekennzeichnet?

Europäische Käsehersteller sind dazu verpflichtet, alle Käseprodukte aus Rohmilch zu kennzeichnen (EU-Verordnung 853/2004). Auf der Verpackung sind in diesem Fall folgende Angabe zu finden:

• Deutschland: Rohmilch oder mit Rohmilch hergestellt
• Großbritannien: raw milk oder made with raw mailk
• Frankreich: lait cru oder au lait cru
• Italien: latte crudo oder fabbricato con latte crudo

Ist ein solcher Vermerk auf der Verpackung nicht zu finden, kann der Verbraucher davon ausgehen, dass dieses Käseprodukt pasteurisiert wurde und es kann deshalb auch von Schwangeren bedenkenlos konsumiert werden.

Gibt es Ausnahmen bei der Kennzeichnung?

Oftmals kann eine Käsesorte entweder aus pasteurisierter oder aus Rohmilch hergestellt werden, doch auch in solch einem Fall muss die Sorte aus der nichtpasteurisierten Milch gekennzeichnet sein.

Bei unverpacktem Käse von der Käsetheke kann der Hinweis „aus Rohmilch“ allerdings fehlen. Dann müssen Sie sich an das Verkaufspersonal wenden.

Eine weitere Ausnahme ist außerdem der Hartkäse.

Wieso muss Hartkäse nicht gekennzeichnet werden, obwohl er aus Rohmilch ist?

Bestimmte Hartkäsesorten wie zum Beispiel Appenzeller, Emmentaler oder einige Bergkäse werden aus Rohmilch hergestellt. Bei diesen Sorten muss dies jedoch nicht auf dem Etikett besonders gekennzeichnet werden. Die lange Lagerung entzieht dem Käse fast alle Flüssigkeit, somit haben schädliche Bakterien keine Chance zur Ausbreitung, außer auf der Rinde. Deshalb dürfen Schwangere Hartkäsesorten jeglicher Art genießen, sollten aber immer die Rinde entfernen vor dem Verzehr.

Wie kann eine Listeriose-Infektion vermieden werden?

Am besten vorbeugen können Sie, indem Sie folgende Verhaltensregeln beim Verzehr von Käseprodukten und bei der Zubereitung von Gerichten mit Käse beachten.

  • Reinigen Sie Ihre Hände, Geschirr und Küchengeräte immer gründlich.
  • Halten Sie die Kühlkette der Käseprodukte ein
  • Essen Sie keinen Käse aus Rohmilch
  • Bereiten Sie Reibekäse frisch zu und
  • verzichten Sie auf Fertigsalate mit der Zutat Käse
  • Entfernen Sie zudem vor dem Verzehr von Schnittkäse die Rinde
  • Achten Sie schließlich auf komplett durchgegarte Käsegerichte (Saucen, Suppen, Überbacken)

Nun wünsche ich Ihnen Guten, sorglosen Appetit!

Quelle:
http://www.parmesan-parmigiano.de/darf-man-mozzarella-in-der-schwangerschaft-essen/
https://www.lebensmittellexikon.de/p0000200.php
http://www.bfr.bund.de/cm/343/pseudomonaden_fuehrten_zum_verderb_von_mozzarella_kaese.pdf
https://www.kas-kas.de/kaesesorten/rohmilchkaesesorten.php
http://www.ernaehrung-bw.info/pb/,Lde/Startseite/Empfehlungen/Keine+Rohmilchprodukte+waehrend+der+Schwangerschaft 
https://kaesesommelier.de/kaese-lexikon/
https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/bevoelkerungsgruppen/schwangere-stillende/handlungsempfehlungen-zur-ernaehrung-in-der-schwangerschaft/
https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2004:139:0055:0205:DE:PDF

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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