Heizung mit Verdunstungsröhrchen ablesen: so versteht man sie richtig

Manche Heizkörper sind mit einem Verdunstungszähler ausgestattet, der zur Heizkostenberechnung dient. Wir erklären, wie ein Heizkostenverteiler aufgebaut ist und wie er funktioniert. Erfahren Sie außerdem, wie die Ablesung funktioniert, ob Sie das selbst tun sollten und welche Alternativen es gibt.

Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip finden sich vorrangig in Mehrparteienhäusern. Der Grund dieser Art der Heizkostenermittlung: Die einzelnen Wohneinheiten sollen nur ihren individuellen Bedarf bezahlen müssen, um ungerechte Kostenverteilungen zu vermeiden. Je nach Alter und Ausstattung des Hauses ist die Ermittlung des Verbrauchs nur über eine Messung an der Heizung in der Wohnung möglich. Das geschieht möglichst direkt an den Heizkörpern, weil sich nur dann anhand dieser Werte der Anteil am Gesamtverbrauch des Hauses berechnen lässt.

Aufbau des Verdunstungsröhrchens

Der Kasten mit dem Verdunstungsröhrchen ist versiegelt und befindet sich für gewöhnlich an der Frontseite des Heizkörpers. Die Position sollte möglichst mittig sein, denn an dieser Stelle misst das Röhrchen die Wärmeabgabe des Heizkörpers am besten. Der Heizkostenverteiler nach dem Verdunstungsprinzip besteht in erster Linie aus einem Verdunstungsröhrchen, das mit einer Flüssigkeit gefüllt ist. Dabei kann es sich um verschiedene Flüssigkeiten handeln, zum Beispiel um Benzoesäuremethylester. Die verwendete Flüssigkeit muss ganz bestimmte chemisch-physikalische Anforderungen erfüllen, darunter die Eigenschaft schwer zu verdunsten. Aus diesem Grund eignen sich Flüssigkeiten wie Wasser nicht als Messsubstanz.

Durch die Wärme der Heizung beginnt der Verdunstungsprozess, wodurch ein Teil der Flüssigkeit in den gasförmigen Zustand übergeht. Das Röhrchen besitzt oberhalb der Flüssigkeit eine hauchfeine Öffnung, auch Kapillare genannt. Durch diese verlässt die gasförmige Substanz allmählich das Röhrchen und geht in die Raumluft über. Dabei gilt: Umso höher die Heiztemperatur und umso länger die Heizdauer, desto mehr Messflüssigkeit verdunstet und und desto mehr verlässt das Röhrchen. Anhand dessen lassen sich Schlüsse über den Verbrauch der Heizung ziehen. Aufgrund des spezifischen Aufbaus des Röhrchens kann theoretisch keine Flüssigkeit in das Röhrchen eindringen. Doch wirklich exakt ist das Messverfahren leider nicht:

  • geringer Teil der Flüssigkeit verdunstet auch ohne heizenden Heizkörper
  • Verdunstungsröhrchen ist leicht manipulierbar

Schritt für Schritt: So funktioniert das Ablesen

Einmal im Jahr (bei Auszug auch öfter) wird der Verbrauch im Verdunstungsröhrchen an der Heizung ermittelt. Dafür kommt der Gebäudeeigentümer oder ein von ihm beauftragter Mitarbeiter in die Wohnungen und überprüft den Heizkostenverteiler.

Tipp: Sie selbst sollten nicht versuchen, die Daten abzulesen, denn dazu müssten Sie die Versiegelungen zerstören. Manipulationen durch die Mieter sind theoretisch immer möglich und im schlimmsten Fall wird Ihnen dann diese Absicht vorgeworfen.

So funktioniert das Ablesen:

  • Zunächst wird das Kästchen auf Beschädigungen oder Manipulationen überprüft.
  • Die Versiegelung wird zerstört und das Kästchen geöffnet.
  • Im geöffneten Zustand lässt sich das Röhrchen einfach entnehmen.
  • Mit Hilfe einer separaten Messskala wird ermittelt, wie viel Flüssigkeit das Röhrchen verlassen hat.
  • Bei der Messung ist nur die Differenz aus Vorher- und Nachher-Menge relevant.
  • Die Daten werden zunächst nur notiert und später für weitere Berechnungen genutzt.
  • Anschließend wird ein neues Verdunstungsröhrchen für die Messung nach dem Verdunstungsprinzip eingelegt und der Kasten erneut versiegelt.

Die Alternative: Elektronische Heizkostenverteiler

Heizung mit Verdunstungsröhrchen elektronischer Heizkostenverteiler

Die Arbeitsweise des elektronischen Heizkostenverteilers ist der des Messens mit einem Verdunstungsröhrchen nach dem Verdunstungsprinzip ganz ähnlich. Ein digitales Gerät, das an der Heizung platziert ist, registriert hier die Wärmeabgabe des Heizkörpers.  Statt eine Flüssigkeit verdunsten zu lassen, nimmt ein Sensor die Temperatur wahr. Die Messung ist dadurch sehr viel genauer. Eine digitale Anzeige zeigt dabei den Verbrauch an. Durch diese Vorteile ist der elektronische Heizkostenverteiler eine sehr gute Wahl für Mieter und Vermieter, die es ganz genau wissen wollen.

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heizkostenverteiler
https://de.wikipedia.org/wiki/Benzoes%C3%A4uremethylester
https://www.strom-magazin.de/ratgeber/heizkostenverteiler-funktionsweise/
https://www.energie-lexikon.info/heizkostenverteiler.html

Mirko Kreißig
Über unseren Autor
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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Mirko Kreißig
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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