Haare färben während Schwangerschaft und Stillzeit – ja oder nein?

Gerade in neuen Lebenssituationen greifen Frauen gern zu einer Typveränderung. Schnell ist ein Friseurtermin gebucht und eine neue Frisur, eine neue Farbe oder beides sind gefunden. Die Haarprodukte zum Färben haben Experten als relativ unbedenklich eingestuft. Aber gilt das auch für Schwangere?

Haare färben

Beim Auftragen von Haarfärbeprodukten gelangen alle Wirkstoffe sowohl an die Haare, was die Färbung bewirkt, als auch an die Kopfhaut, was nicht unproblematisch ist. Denn über die Kopfhaut können dann die im Produkt enthaltenen Substanzen in den Körper aufgenommen werden. Sie gehen in den Blutkreislauf über und gelangen bei einer Schwangeren auf diesem Weg über die Plazenta auch zu ihrem Baby im Bauch.
Bei stillenden Frauen ist davon auszugehen, dass beim Haare färben die Substanzen von Haarfärbemitteln zumindest teilweise in die Muttermilch übergehen und darüber zum Kind gelangt.

Sind Haarfärbeprodukte schädlich?

Beim Auftragen einer Permanentfarbe wird die Struktur des Haares aufgebrochen, die natürlichen Farbpigmente entzogen und neue, künstliche, Farbpartikel ins Haar eingelagert. Um ein dauerhaft zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen, enthalten Haarfärbemittel Chemikalien, die eventuell gesundheitsschädlich sind. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:

  • Sind die Chemikalien in Deutschland zugelassen
  • Bis zu welcher Menge sind die Chemikalien unbedenklich (Grenzwerte) zur äußerlichen Anwendung
  • Sind sogenannte neutralisierende Substanzen enthalten (Kupplersubstanzen), die schädigende Stoffe binden
  • Wie lange ist die Einwirkzeit auf dem Kopf
  • Ist die Kopfhaut verletzt

Strenge Kontrolle durch Robert-Koch-Institut

In Deutschland unterliegen Haarfärbemittel einer strengen Überwachung. Grenzwerte, Zusammensetzung und Anwendungsvorschriften schützen Verbraucher vor Gesundheitsschäden. Problematisch sind demzufolge Haarfarben, die aus dem Ausland importiert werden. Sie unterliegen dieser Kontrolle nicht. Bei Überschreiten der Grenzwerte oder bei Fehlen der schützenden Kupplersubstanzen kann die Erbsubstanz durch die Chemikalien geschädigt werden oder massive allergische Reaktionen auftreten.

Gesundheitsschutz bei Schwangeren

Für Haarfärbeprodukte ist eine schädliche Wirkung in der Schwangerschaft nicht bekannt und nicht nachgewiesen, aber 100% sicher auszuschließen ist sie auch nicht! Allgemein gilt: Je weniger chemische Wirkstoffe zum Kind gelangen, umso besser.

Empfehlung

Allgemein lautet die Empfehlung: Verzichten Sie in der Schwangerschaft auf chemische Haarfärbeprodukte! Dies gilt besonders in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, da der Embryo in dieser Zeit besonders anfällig für einwirkende Schadstoffe ist. Des Weiteren: Verzichten Sie auf Blondierungen, die verwendeten Chemikalien sollen in der Schwangerschaft gemieden werden.

Gesundheitsschutz bei Stillenden und deren Kindern

Bisher gibt es leider nicht genügend Untersuchungen, um von einer Unbedenklichkeit von Haarfärbungen während der Stillzeit auszugehen. Jedoch legen die strengen Kontrollen unter dem Blickwinkel des Gesundheitsschutzes auch für Stillende vertretbare Grenzwerte fest, deswegen ist Haare färben in der Stillzeit auch vertretbar.

Empfehlung

Haare färben während der Schwangerschaft

Wer ganz sicher sein Kind (noch) nicht mit chemischen Substanzen konfrontieren will, verzichtet auch in der Stillzeit auf permanente Haarfärbungen.
Verzicht in der Schwangerschaft? Verzicht in der Stillzeit? Oh je. Für einige klingt das schier unmöglich. Gibt es Alternativen? Ja, gibt es!

Alternative 1: Naturfarben

Verwenden Sie Naturfarben. Sie können die ursprüngliche Haarfarbe nicht komplett verändern, da sie die Haarstruktur nicht aufbrechen und deshalb nicht so tief ins Haar eindringen wie Permanentfarbe. Deshalb sollten Naturfarben spezifisch ausgewählt werden:

  • Kamille oder Zitrone erhöht die Leuchtkraft des Haares und hellt Blondtöne etwas auf.
  • Walnussschalen oder Kastanienblätter bringen braunen Haaren Glanz und Farbintensität.
  • Henna verleiht jedem Schopf Rottöne in verschiedener Intensität.
  • Holunder oder Rote Beete erzeugen einen Hauch Violett

Käufliche Naturfärbemittel enthalten als färbende Substanzen Henna, Walnussschalen, Weizenauszügen, Blauholz, Salbei, Oregano, Kaffee, Hibiskus, schwarzen Tee und Rote Beete.

Doch Achtung: Auch pflanzliche Haarfärbemittel sind nicht automatisch unbedenklich. Auch sie können chemische Zusatzstoffe, Rückstände von Pestiziden oder allergieauslösende Substanzen enthalten.

Alternative 2: Reduzierung der chemischen Einflüsse

Färbeshampoos wirken schonend, die Farbergebnisse werden erst durch die wiederholte Anwendung erreicht.

Bei einer Tönung legen sich die Farbpartikel lediglich um das Haar herum. Deshalb waschen sich Tönungen nach einiger Zeit wieder heraus. Die Farbpartikel sind groß – sie sollen sich ja lückenlos um das Haar legen – dringen deshalb nicht so schnell in die Haut ein und gelangen so nicht in den Blutkreislauf.

Wenn Sie sich lediglich für gefärbte Strähnchen entscheiden, reduzieren Sie zumindest die Menge und damit die Aufnahme potenziell schädlicher Substanzen. Es gelangen viel weniger chemische Substanzen in Ihren Blutkreislauf.

Achtung! Allergiegefahr
Substanzen jeglicher Art können je nach Empfindlichkeit und Immunsystem eines Menschen Allergien auslösen. Bei einer Allergie reagiert der Körper auf einen bestimmten Stoff, der auf oder in den Körper gebracht wird. Beim Haare färben handelt es sich meist um Kontaktallergien, dass heißt, die Haut der allergischen Person kann sich röten, brennen, jucken oder es kann sich auch ein Ekzem (Ausschlag) bilden. Außerdem könnte auch das Atemsystem reagieren, der Betroffene bekommt dann heftigem Husten und/oder Atemnot.

Wenn Sie selbst Färben wollen, achten Sie auf Folgendes:

  • Schutzhandschuhe tragen
  • Einwirkzeit so kurz wie möglich halten
  • Nicht färben bei verletzter Kopfhaut
  • Gründlich ausspülen
  • keine ausländischen Produkte verwenden, sie unterliegen nicht den strengen deutschen gesetzlichen Richtlinien und Kontrollen

Tipp: Generell ist in der Schwangerschaft bei Färbewunsch jedoch ein Friseurbesuch sinnvoll, denn das Fachpersonal kann ihnen die individuell passenden Empfehlungen geben und fachlich korrekt mit dem geringsten Risiko das Haar färben.

Achtung „Überraschungsfarbe“

Durch die Hormonumstellung in der Schwangerschaft verändert sich folglich auch die Haarstruktur. Damit nimmt das Haar die Farbe anders auf als vor der Schwangerschaft. Es kann deshalb sein, dass das Ergebnis nach dem Haare färben anders ausfällt als bisher, auch wenn Sie ihre gewohnte Farbe anwenden (lassen). Verzagen Sie nicht, nach der Schwangerschaft normalisiert sich Ihr Haar wieder.

Haarausfall in der Stillzeit

In der Schwangerschaft ist der ganze Organismus der Frau auf Wachstum und Gedeihen ausgerichtet. Deshalb fallen in der Schwangerschaft viel weniger Haare aus als im nichtschwangeren Zustand. Das Haar wird in der Schwangerschaft voller und prächtiger. In der Stillzeit wechseln die Hormone und die „angehäuften“ Haare fallen dann fast „büschelweise“ aus.

Haarausfall

Das ist normal und nicht bedenklich. Natürlich sollte in dieser Phase das Haar nicht noch zusätzlich durch Färbungen strapaziert werden. Wenn Sie Bedenken wegen übermäßigem Haarausfall haben, sprechen Sie mit ihrem Arzt, denn in der Stillzeit können auch Mangelzustände von Vitaminen und Spurenelementen zu vermehrtem Haarausfall führen.

Nun wünsche ich viel Freude beim geduldigem Ausharren ohne Färbung oder beim mutigem Experimentieren mit selbstgefertigtem Haarfärbe-Sud. Übrigens: Es gibt es auch wundervollen Haarschmuck, der Ihre Frisur sehr verschönern kann, es muss nicht immer Farbe sein.

Quellen:
https://www.netdoktor.de/schwangerschaft/haare-faerben-in-der-schwangerschaft/
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/haare_faerben_in_der_schwangerschaft.html
http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/naturhaarfarben-im-trend-walnussbraun-oder-hibiskusrot-a-889835.html
https://www.philognosie.net/koerperpflege/haare-selber-faerben-toenen-mit-biofarben
www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/verbote-in-der-schwangerschaft-was-schadet-dem-kind-a-1052563.html

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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