Gefahr durch Bleirohre: so erkennen Sie Bleileitungen im Haus

Zwar sind sie in Deutschland seltener geworden, dennoch existieren immer noch Immobilien in einigen Regionen, in denen es bis dato noch keinen Austausch der Bleileitungen gab. Vor allem auf die Qualität des Trinkwassers wirken sich diese nachhaltig in negativer Art und Weise aus, weshalb Sie sie unbedingt austauschen lassen sollten!

Bleirohre erkennen alte Leitungen

In früheren Jahrzehnten galten Bleirohre bzw. -leitungen noch als adäquater Baustoff, heute ist längst bekannt, dass von ihnen eine imminente Gefahr ausgeht. Gründe dafür finden sich in dem Metall selbst, denn besonders langfristig können die Rohre kleinere Mengen Blei an das Trinkwasser abgeben. Gefährlich ist das deshalb, weil bereits solche kleinen Dosen ausreichen, um die Gesundheit der Bewohner zu gefährden. Dieser Umstand verschlimmert sich, wenn Sie häufiger Leitungswasser trinken und somit sogar kontinuierlich Blei mit aufnehmen.

Wie wirkt Blei auf den menschlichen Organismus?

Blei im menschlichen Körper führt zu einer negativen Beeinträchtigung der Blutkörperchen und kann sogar die Intelligenz bei Kleinkindern und Säuglingen mindern. Außerdem ist eine Ablagerung in den Knochen denkbar, was diese wiederum angreifbar macht. Ebenfalls sind Nieren- und Leberschäden nicht auszuschließen. Wissenschaftler vermuten bei Kindern mit Hyperaktivität und vergleichbaren Verhaltensstörungen zudem ebenfalls einen negativen Einfluss durch Blei. Der gesundheitlich bedenkliche Werkstoff sollte deshalb auf gar keinen Fall in den Körper gelangen – und schon gar nicht über das Trinkwasser.

Wie lassen sich Bleirohre im Haus erkennen?

Werfen Sie einen Blick auf die Trinkwasserinstallation. Speziell in unmittelbarer Nähe der Wasseruhr sind Leitungen im Keller meist freigelegt, Sie können diese also eigenständig untersuchen. Um Bleirohre erkennen zu können, ist nicht zwingend die Einbestellung eines Fachmanns erforderlich. Diese Tipps helfen Ihnen dabei:

  • Bleileitungen haben wulstige Verbindungen zwischen den Rohren
  • es existieren daher keine geschraubten Verbindungen
  • wurden sie nicht gestrichen, habe sie einen grauen Farbton
  • der Durchmesser der Rohre ist mit ihrem Verlauf nicht beständig gleich
  • die Rohre sind nicht magnetisch

Sie können also eine optische Untersuchung vollziehen und zugleich einmal mit einem herkömmlichen Magneten abtasten. Wenn Sie auf die Bleirohre mit einem metallischen Gegenstand leicht schlagen, erklingt zudem ein dumpfes Geräusch. Da Blei relativ weich ist, können Sie mit dem Fingernagel einen kleinen Ritz reinziehen. Leuchtet dieser silbern, handelt es sich dabei um Blei. Aufgrund der einzigartigen Merkmale dieses Werkstoffs können Sie aus Blei hergestellte Rohre und Leitungen also relativ einfach erkennen. Haben Sie diese einmal identifiziert, sollten Sie nun handeln.

Tipp: Für das Austauschen der Leitungen ist der Eigentümer verantwortlich. Er darf Sie als Mieter daher nicht zur Kasse bitten. Nehmen Sie, wenn Sie eine Überprüfung des Materials nach den vorherigen Tipps vorgenommen haben, deshalb Kontakt zu Ihrem Vermieter/Eigentümer auf.

Die Wasseranalyse gibt weitere Sicherheit

Bleirohre erkennen Wasseranalyse Labor

Der Gesetzgeber sieht bei einer weiteren Überprüfung eine Wasseranalyse vor. Im Zuge dieser werden aus dem Badezimmer, meist auch aus der Küche, Wasserproben entnommen. Diese werden dann im Labor hinsichtlich ihres Bleigehalts gründlich überprüft. Sobald der Bleianteil im Wasser einen Grenzwert von 0,01 mg/l überschreitet, ist der Eigentümer zum Austausch verpflichtet. Das Besondere daran ist, dass eine Einhaltung des Grenzwertes nur möglich ist, wenn sich keine Bleileitungen im Haus befinden. Deshalb ist das gesetzlich vorgeschriebene Austauschen dieser quasi unumgänglich, sobald sie einmal identifiziert wurden.

Bedenken Sie, dass leider nicht alle Eigentümer kooperativ sind. Um Kosten zu sparen, versuchen sie häufig die Wirkung von Blei herunterzuspielen, damit sie diese Rohre nicht austauschen müssen. Schlägt Ihnen der Eigentümer folgende Lösungen vor, sollten Sie diese unbedingt verweigern und ihn auf die aktuelle Gesetzeslage hinweisen:

  • das Einsetzen von Filtern
  • vorheriges Abkochen des Wassers
  • Verzicht auf die Nutzung des Leitungswassers als Trinkwasser

Diese Lösungen sind nicht nur völlig inadäquat, die eingeschränkte Nutzung des Wassers widerspricht sogar den Rechten des Mieters. Zudem hat das Abkochen überhaupt keinen Effekt, weil dabei nur Bakterien getötet, nicht aber Schwermetalle entfernt werden. Filter hingegen filtern bestenfalls unzuverlässig und nutzen sich zudem schnell ab.

Tipp: Nur teilweise austauschen ist ebenfalls nicht erlaubt! Sowohl die Küche als auch das Bad fallen unter die gültige Trinkwasserverordnung des Gesetzgebers, was einen Austausch aller Bleirohre notwendig macht, die an das Trinkwasser gekoppelt sind.

Erkennen und reagieren: Bleirohre schnellstmöglich austauschen!

Bleileitungen lassen sich fast ausschließlich nur in Objekten erkennen, die vor 1973 gebaut worden. Der Süden Deutschlands kann aufatmen, denn da waren Bleirohre sogar bereits ab dem Jahr 1878 verboten – eine Überprüfung ist aber, insbesondere in Häusern älteren Bautyps, dennoch anzuraten.

Sobald eine Überschreitung des oben genannten Grenzwerts von 0,01 mg/l vorliegt, was bei Bleileitungen zwangsweise der Fall ist, müssen Eigentümer unmittelbar reagieren und diese austauschen lassen. Betrifft das lediglich den Keller, müssen Sie mit etwa 1.000 Euro kalkulieren. Teurer wird es bei Steigleitungen für die jeweiligen Stockwerke, denn dann fallen zusätzlich 1.000 Euro je Etage an. Damit ist aber lediglich der Austausch abgedeckt. Aufgrund von Putz-, Aufstemm- und Fliesenlegerarbeiten kommen noch weitere Kosten hinzu. Der Austausch für eine Wohnung dürfte dann mit etwa 3.000 Euro bemessen sein.

Bedenken Sie, dass es sich bei diesen Angaben um allgemeine Mittelwerte handelt. Aufgrund der jeweiligen Preisbildung unterschiedlicher Regionen ist es möglich, dass die Kosten nach oben oder unten ausschlagen, beispielsweise aufgrund der höheren Stundenvergütung von Handwerkern in Großstädten. Die vorherige Wasseranalyse wird je nach Region entweder kostenfrei durch die Stadtwerke getragen oder beziffert sich auf etwa 20 bis 40 Euro pro Haushalt. Diese Kosten sind ebenfalls vom Eigentümer zu tragen. Eine Umlagerung auf den Mieter ist dabei nicht gestattet.

Tipp: Erkennen und erschließen Sie als Eigentümer Finanzierungspotentiale. Bei einem Austausch hin zu zukunftssicheren Rohren lassen sich unter Umständen Fördermittel der KfW-Bank beziehen!

Quellen:
https://www.aktiv-online.de/ratgeber/detailseite/news/bleirohre-muessen-raus-5984
https://www.dvgw.de/themen/wasser/verbraucherinformationen/blei-im-trinkwasser/
http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/blei-im-trinkwasser-neue-wasserrohre-bis-dezember-a-898307.html
https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/essen-trinken/blei-im-trinkwasser

Mirko Kreißig
Über unseren Autor
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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Mirko Kreißig
Mirko Kreißig ist Online-Redakteur bei Wiado. Als studierter Anglist hat er nicht nur ein Faible für Sprachen, sondern auch für Nachhaltigkeit und Verbraucherschutz. Auch in schlechten Zeiten versucht er sich sein Credo „Always look on the bright side of life“ zu bewahren und die Leser mit einem Lächeln sicher durch die kleinen und großen Tücken des Alltags zu lotsen.
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