Fontanelle beim Baby: Wissenswertes für Eltern

Neugeborene kommen mit einer offenen Schädeldecke zur Welt. Dank diesen Kniffs von Mutter Natur sind Geburten, wie wir sie kennen, erst möglich. Die sogenannten Fontanellen schließen sich jedoch in den ersten Lebensmonaten des Kindes. In diesem Ratgeber erfahren frischgebackene Eltern, wie Sie mit dem fragilen Köpfchen Ihres Nachwuchses am Besten umgehen.

Mama küsst Babykopf

Denkt man genauer darüber nach, erscheint es einem fast unmöglich, dass der verhältnismäßig große Kopf eines Neugeborenen seinen Weg aus dem Bauch der Mutter auf die Welt findet. Die Fontanellen machen es möglich. Hierbei handelt es sich um offene Stellen zwischen den verschiedenen Platten des Schädelknochens. Lesen Sie in diesem Ratgeber alles über den Umgang mit den Fontanellen und über die Warnsignale, die sie aussenden können.

Sinn und Zweck der Fontanellen

Menschen gehen im Gegensatz zu anderen Säugetieren aufrecht und haben daher ein engeres Becken. Um dem kindlichen Kopf den Durchtritt durch das Becken der Mutter und den Geburtskanal zu ermöglichen, setzte sich der Schädelknochen bei Neugeborenen aus mehreren verschieblichen Platten zusammen. Die Platten sind durch weiche Knochennähte verbunden. An sechs Stellen verbreitern sich die Nähte zu Lücken, den sogenannten Fontanellen.

  • Die große Fontanelle oder Stirnfontanelle ist die weiteste Lücke zwischen den Schädelplatten. Sie liegt oben auf dem Kopf, ist viereckig und gut zu erkennen. Kinderärzte nutzen sie für Kontrollen des Gehirns per Ultraschall und zur Beurteilung des
    Hirndrucks. Im Verlauf des ersten Lebensjahres kann sie etwas größer werden, was aber lediglich am starken Wachstum des Gehirns liegt. Die Stirnfontanelle schließt sich im Verlauf des zweiten Lebensjahres.
  • Die kleine Fontanelle oder Hinterhauptfontanelle liegt oben am Hinterkopf und hat eine dreieckige Form. Sie hat einen Durchmesser von circa einem halben bis einen Zentimeter und schließt sich bereits im dritten Lebensmonat.
  • Die vier Seitenfontanellen schließen sich bis zum Ende des ersten Lebensjahres und sind für die Eltern kaum wahrnehmbar.
  • Bei Kindern mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) kann sich eine zusätzliche Fontanelle zwischen der Stirnfontanelle und der Hinterhauptfontanelle bilden.

Neben der Aufgabe, dem kindlichen Kopf die Geburt zu ermöglichen, erlauben die Fontanellen dem Gehirn des Säuglings in den ersten Lebensmonaten rasch und ungehindert zu wachsen. Der Hirndruck und die Durchblutung bleiben stabil.

Wenn sich die Lücken nicht zur erwarteten Zeit schließen

Fontanellen können sich in seltenen Fällen deutlich zu früh oder zu spät schließen. Verschiedene Syndrome und Mangelerscheinungen sowie ein hoher Hirndruck können den Verschluss verzögern. Der Kinderarzt achtet bei jeder Vorsorgeuntersuchung auf die Lücken im Schädelknochen und leitet bei Bedarf weitere Diagnostik und Kontrollen ein. Bei jeder Untersuchung wird zusätzlich der Kopfumfang gemessen, um das Kopfwachstum Ihres Kindes zu beurteilen. Schließen sich die Schädelnähte viel zu früh, verformt sich der Kopf und das Gehirn kann sich nicht entwickeln. In diesem Fall empfiehlt der Kinderarzt meist eine Operation, um Platz zu schaffen.

Der beste Umgang mit dem empfindlichen Babyköpfchen

schlafendes Baby

Ein gesundes Baby geht nicht so schnell kaputt. Auch wenn die Fontanellen Lücken im Schädelknochen darstellen, sind sie doch von einer Membran aus festem Bindegewebe bedeckt, die das empfindliche Gehirn schützt. Sie können Ihrem Baby über den Kopf streicheln, seine Kopfhaut ölen und die Haare bürsten, ohne dass Sie sich Sorgen machen müssen. Ertasten Sie die Fontanellen einfach vorsichtig mit den Fingerspitzen. Drücken Sie aber bitte nicht mit den Fingern fest auf die Stelle und erklären Sie großen Geschwisterkindern, dass ein vorsichtiger Umgang mit dem Kopf des kleinen Geschwisterchens wichtig ist. Kinder können ihre Kräfte noch nicht so gut einschätzen. Mindestens genauso wichtig ist es, den Nacken des Babys gut zu stützen, da es seinen empfindlichen Kopf noch nicht alleine halten kann. Bitte schütteln Sie Ihr Baby auf gar keinen Fall. Bei ruckartigen Bewegungen können im Kopf des Kindes Blutgefäße abreißen, was zu einer Gehirnblutung und zum Tod führen kann.

Tipp: Babys verlieren über den Kopf und besonders die große Fontanelle viel Wärme. Setzen Sie Ihrem Neugeborenen in den ersten Lebenswochen eine dünne Baumwollmütze auf und bedecken Sie den kleinen Kopf gleich nach dem Baden mit einem wärmenden Handtuch.

Was die große Fontanelle über die Gesundheit des Babys verrät

Die große Fontanelle ist im ersten Lebensjahr Ihres Babys ein wichtiges Fenster zum kindlichen Gehirn. Verschiedene Warnsignale weisen Sie und den Kinderarzt auf mögliche gesundheitliche Probleme hin. Achten Sie zunächst darauf, wie das Köpfchen aussieht, wenn es Ihrem Kind gut geht:

  • Liegt Ihr Kind gerade auf dem Wickeltisch oder im Bett, befindet sich die Fontanelle im Niveau des Schädels oder wölbt sich leicht vor.
  • Halten Sie Ihr Kind auf dem Arm, sollte die große Fontanelle im Hautniveau oder leicht nach innen gewölbt sein.
  • Streichen Sie mit den Fingerspitzen über die Fontanelle, erscheint sie weich und elastisch. Bei einigen Neugeborenen pulsiert die Haut an der Stelle im Rhythmus des Herzschlages. Schreit Ihr Kind oder drückt es kräftig in die Windel, kann sich die Fontanelle durch den Druck im Kopf nach außen wölben.

Falls Sie unsicher sind, ob alles in Ordnung ist, können Sie jederzeit Ihre Hebamme oder den Kinderarzt fragen.

Warnzeichen, auf die Sie rasch reagieren sollten

Wölbt sich die große Fontanelle plötzlich ständig nach oben und fühlt sich hart an, sehen Sie sich bitte Ihr Baby genau an. Liegen weitere Symptome wie

  • Fieber,
  • Untertemperatur,
  • eine graue Gesichtsfarbe,
  • schlechtes Trinkverhalten,
  • Erbrechen oder
  • ein Hautausschlag

vor, gehen Sie bitte sofort mit Ihrem Kind zum Kinderarzt. Die Beschwerden können Anzeichen für eine Infektionserkrankung sein. Auch ohne weitere Symptome spricht eine vorgewölbte Fontanelle dafür, dass der Hirndruck zu hoch ist. Ihr Kinderarzt kann per Ultraschall durch die Lücke im Schädelknochen nachsehen, was im Inneren des Schädels passiert.

Ist die große Fontanelle eingesunken, spricht das für einen zu niedrigen Druck im Inneren des Schädels. Der häufigste Grund ist dann ein Flüssigkeitsmangel. Meist entsteht er aufgrund von Erbrechen und Durchfall im Rahmen einer Magen-Darm-Grippe. Bei einem Säugling im ersten Lebensjahr sollte sich der Kinderarzt die Situation dringend ansehen, um gravierende Folgen schließlich zu verhindern.

Quellen:

  • Norbert Ulfig, Kurzlehrbuch Embryologie: 9 Tabellen, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2009
  • Thomas Baumann, Atlas der Entwicklungsgeschichte: Vorsorgeuntersuchung von U1 bis U10/J1, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2015
  • Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005

Jessica Kilonzo
Author Details
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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Jessica Kilonzo
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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