Fötus Größe und Gewicht – Tabelle Scheitel-Steiss-Länge

Dass Frau schwanger ist, sieht man(n) bekannter weise nicht sofort. Die ersten Wochen einer Schwangerschaft werden auch von Frauen oft nicht bemerkt. Mehren sich die (unsicheren) Schwangerschaftszeichen, steht für die Mehrzahl der Gang zum Frauenarzt im Programm. Welche Aussagen er macht, wird im Artikel erläutert.

Fötus Größe und Gewicht

Für viele Paare geht mit der Bestätigung einer Schwangerschaft durch die Hebamme oder den/die Frauenarzt/in ein Traum in Erfüllung. Manche haben bis dahin schon einen sehr beschwerlichen Weg zurückgelegt. Immerhin sind in Deutschland 7-9% der Paare unfruchtbar!

Das kleine (große) Wunder

Das Wunder ist geschehen: Eine befruchtete Eizelle hat es sich wohnlich innerhalb der Fruchtblase in der Gebärmutter eingerichtet. Sie teilt sich und wächst. Bereits nach vier Wochen sieht der Arzt im Ultraschall das kleine Herz schlagen. Noch muss es weiterwachsen, um seine Funktion, den kleinen Menschen mit Blut und Nährstoffen zu versorgen, erfüllen zu können. Sehen die künftigen Eltern dieses kleine Herz in Aktion, sind sie tief berührt. Sie stehen an der „Wiege der Zukunft“. So entwickelt sich eine erste zarte Bindung zu ihrem Kind.

Himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt

Der Körper der künftigen Mutter stellt sich in der Schwangerschaft hormonell so stark um, wie nie wieder in ihrem Leben. Das beeinflusst auch ihre Gefühle, die trotz erfüllten Wunsches sehr schwanken können. Sorgen, ob sich ihr Baby auch wirklich gut entwickelt, kann der Arzt durch Ultraschall oft schnell beseitigen. Er untersucht Entwicklung und Wachstum. Dabei vermisst er alles, was an so einem Keimling (Fachausdruck Embryo) zu messen ist. Er erhebt die „biometrischen Daten“ des Babys. Sie finden ihren Ausdruck in verschiedenen Angaben

  • zur Körperlänge, wie z.B. anfangs die SSL
  • oder zu Durchmessern, wie z.B. BPD.

Fötus Größe

Sie werden im Mutterpass eingetragen. In einer Tabelle schaut der Arzt nach, ob sich die Werte im Normalbereich befinden. Aber was ist schon normal?! In der Regel doch das, was wir selbst als normal erklärt haben, weil es eben bei den meisten Menschen zu finden ist.

AKüFi (Abkürzungsfimmel) im Mutterpass

Hinweis: Die schwangere Frau erhält einen Mutterpass. Er bestätigt ihre
Schwangerschaft und gilt als amtliches Dokument.

Den sollte sie ab sofort immer mit sich tragen, um für unvorhergesehene Überraschungen gewappnet zu sein.

Was aber bedeuten diese unverständlichen Abkürzungen, wie z.B. SSL und BPD?

SSL steht für Scheitel-Steiß-Länge. Sie gibt zusammen mit der Messung des Bauchdurchmessers (Abkürzung ATD¹) und des Kopfdurchmessers (BPD²) einen Hinweis auf das durchschnittliche Wachstum des kleinen Einwohners. Der heißt übrigens nach der 9. Schwangerschaftswoche (SSW) Fötus. Auf eine Formel gebracht, könnte es wie folgt aussehen:

ATD+BPD+SSL = Wert für Durchschnittswachstum

Schwangerschaftsalter (Wochen nach der Regelblutung) Mittlerer Frucht-
blasendurchmesser
(mm)
Scheitel-Steiß-Länge (mm) Gewicht (g)
6. SSW 18
7. SSW 24 10
8. SSW 29 16
9. SSW 34 24
10. SSW 40 33
11. SSW 45 43
12. SSW 50 55 4-5
13. SSW 56 60 14
14. SSW 61 73 25
15. SSW 86 50
16. SSW 97 80
17. SSW 110 100
18. SSW 120 150

¹,² Die Abkürzung steht für den englischen Fachausdruck 

Merke: Diese Normtabelle gilt üblicherweise nur bis zum Ende der 12. SSW!

Bis dahin wachsen die Babys mit etwa der gleichen Geschwindigkeit in der Fruchtblase. Individuelle, vererbte Unterschiede spielen noch keine Rolle! Auch das Gewicht wird noch nicht ermittelt, bewegt sich aber im kaum messbaren Bereich, also unter 5 g. Danach setzt sich die individuelle Entwicklung mit den jeweils typischen Unterschieden in Größe und Gewicht fort.

„Babyfernsehen“ und IGEL – Sinn oder Unsinn?

Im Volksmund werden Ultraschalluntersuchungen bei einer Schwangeren häufig als „Babyfernsehen“ bezeichnet. In Deutschland werden sie im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge nur von einem Arzt durchgeführt. Das ist in vielen europäischen Ländern anders geregelt, weil dort auch Hebammen nach einer Spezialausbildung dazu berechtigt sind.

Es gibt drei Basisuntersuchungen, grob in der 10., 20. und 30.SSW. Sie haben verschiedene Ziele:

  • Feststellung einer normalen Schwangerschaft
  • Kontrolle des Wachstums des Babys (Größe und Gewicht)
  • Feststellung einer Mehrlingsschwangerschaft
  • Suche nach Abweichungen in der Entwicklung
  • Identifizierung der Lage der Plazenta (Mutterkuchen, Nachgeburt)
  • Feststellen der kindlichen Lage
  • Herausfinden des Geschlechts des Babys

Ultraschall-Untersuchungen für Schwangere

Möchte eine Schwangere diesen Service nicht in Anspruch nehmen, muss sie es dem Arzt mit ihrer Unterschrift bestätigen.

Jede weitere Ultraschalluntersuchung, die bei uns nicht ärztlich zu begründen ist, muss aus eigener Tasche bezahlt werden. Das wird als IGEL Leistung bezeichnet (Individuelle Gesundheitsleistung). Da kann das Babyfernsehen mitunter recht teuer werden!

Die Frage, ob Ultraschall wirklich notwendig ist oder ob eine Untersuchung mehr ihr Sicherheitsbedürfnis befriedigt, sollte die werdende Mutter sorgfältig bedenken. 100% Sicherheit, dass mit ihrem Baby alles in Ordnung ist, wird sie vor der Geburt auch von keinem Arzt erhalten! Das wird er allein aus rechtlichen Gründen vermeiden.

Zwar wird wissenschaftlich behauptet, dass die Ultraschalluntersuchung keine negativen Auswirkungen auf Mutter oder Kind hat, aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Man bedenke, dass im Vereinigten Königreich nur noch zwei dieser Untersuchungen von den Krankenkassen bezahlt werden. Das hat offensichtlich nicht nur finanzielle Gründe.

Ist die Schwangere gesund, gibt es nur wenige Gründe für weitere Ultraschalluntersuchungen. Die meisten Babys finden sie nicht halb so toll wie ihre Mütter und „wehren“ sich oft strampelnd dagegen. Dass sich Wachstum und Entwicklung im geschützten Raum der Gebärmutter vollziehen und nicht für jedermann sichtbar sind (wie eben beim Fernsehen), ist sicherlich auch ein Hinweis auf ein Geheimnis.

Jede Hebamme in der Schwangerenvorsorge kann eine werdende Mutter informieren, ohne sie sofort mit Unsicherheiten zu konfrontieren. Sie geht von einer Normalentwicklung aus. Gibt es Abweichungen, zieht sie den Arzt hinzu. Noch vor 50 Jahren wurde eine schwangere Frau als in „guter Hoffnung“ seiend bezeichnet. Heute hat der gleiche normale Vorgang oft die Dimension einer Krankheit angenommen, die von Ängsten und unguten Vorahnungen begleitet wird. Wie soll sich eine Frau da fröhlich auf ihr Baby freuen?! Mütterliche Sicherheit ist aber für das Baby eine extrem wichtige Bedingung für eine gesunde psychische Entwicklung. Die beginnt ja nicht erst nach der Geburt.

Natürlich ist es auch für den Arzt ein schönes Erleben, wenn er die Vorfreude der werdenden Eltern bei einer Ultraschalluntersuchung teilen kann.

Sehr oft wird das erste Babyfoto in Ehren gehalten und mit Stolz und großer Begeisterung im Familien- und Freundeskreis herum gezeigt. Auch große Geschwister finden es toll! Ist das schon Rechtfertigung genug für unnötige weitere Ultraschalluntersuchungen?

Quellen:
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-03/ungewollt-kinderlos-infografiken
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/mutterpass-ultraschalluntersuchungen-2170-6.html
Vortrag von Prof. Dr. Christiane Schwarz zur Hebammenvorsorge
Ultraschalldiagnostik in Geburtshilfe und Gynäkologie: Lehrbuch und Atlas; Manfred Hansmann, B.-J. Hackelöer, A. Staudach; 1985

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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