Fliegen in der Schwangerschaft: wann sind Flugreisen erlaubt?

Wenn sich Nachwuchs ankündigt, stehen viele Veränderungen im zukünftigen Leben bevor. Viele Paare wollen gerade deshalb noch einmal die Zweisamkeit genießen und planen einen Erholungsurlaub in der Ferne. Was bei einer Flugreise zu beachten ist oder ob dabei sogar Gefahren für Mutter und Kind auftreten können, wird Inhalt des folgenden Artikels sein.

Schwanger fliegen

Dem Himmel so nah. Flugreisen haben für viele Menschen einen ganz besonderen Reiz. Doch was ist, wenn eine Schwangerschaft besteht? Wird die Flugreise dann zu einer Gefahr? Schließlich hört oder liest man von Geschichten, in denen Babys an Bord mitten im Nirgendwo zur Welt kommen oder in denen von peinlichem Fruchtwasserabgang auf wertvollen 1.Klasse-Sitzen die Rede. Keiner dieser Berichte ist dazu angetan, eine Schwangere bezüglich Flugreise zu beruhigen. Deshalb möchte ich hier auf einige Fakten eingehen.

Welcher ist der günstigste Zeitpunkt für eine Flugreise?

  • 13. bis 28. Schwangerschaftswoche, denn die hormonelle Anpassung ist vorbei und körperliche Beschwerden sind kaum vorhanden
  • Für jede gesunde Schwangere ohne schwere Grunderkrankungen und ohne Schwangerschaftskomplikationen gültig

Welche Gefahren bestehen für die Schwangere?

  • Thrombosegefahr: 1 von 1000 Schwangeren erkranken an einer Thrombose. Bei einer Flugreise steigt das Risiko dafür nochmals an
    • Tragen von Kompressionstrümpfen, Bewegung, eventuell Verabreichung eines blutverdünnenden Medikamentes (immer Arztentscheidung!)
  • Erhöhte Strahlung: Die erhöhte kosmische Strahlung ist laut Forschungsamt für Umwelt und Gesundheit bei „Gelegenheitsfliegern“ vernachlässigbar gering. Beim Kind sind dementsprechend keinerlei Schäden zu erwarten.
  • Geburtsbeginn: Bei unkompliziertem Schwangerschaftsverlauf ist es unwahrscheinlich, dass die Geburt im Flugzeug einsetzt. Aber genau dies ist der Grund, warum Schwangere innerhalb des errechneten Geburtszeitraums meist trotzdem nicht mehr befördert werden (>36.Schwangerschaftswoche).
  • Niedriger Luftdruck: In der Kabine herrscht ein Luftdruck, der einer Höhe von 1500 Höhenmetern bis 2500 Höhenmetern entspricht. Den damit verbundenen abnehmenden Sauerstoffpartialdruck kompensiert die Schwangere über eine erhöhte Herzfrequenz, ein erhöhtes Atemminutenvolumen und einen höheren Blutdruck. Dies ist jedoch für gesunde Schwangere unproblematisch. Das Blut des Kindes hat eine höhere Bindungsfähigkeit für Sauerstoff als das der Mutter, sodass das Kleine trotzdem gut versorgt wird und keinen Mangel erleidet – es nimmt sich also auch in der Luft das, was es braucht.

Gefahren bei Flügen in der Schwangerschaft

Aus den oben beschriebenen Veränderungen im Körper der Schwangeren ergeben sich indes automatisch auch die Gründe, bei denen auf Flugreisen verzichtet werden soll/muss:

  • Chronische Herz- und Lungenerkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Erhöhtes Thromboserisiko (bereits ohne Flugbelastung)
  • Ausgeprägte Blutarmut (sehr niedriger HB-Wert, siehe Mutterpass)
  • Frühgeburtsbestrebungen (vorzeitige Wehen, Muttermundschwäche)
  • Mehrlingsschwangerschaften (sehr oft mit Frühgeburtsbestrebungen verbunden)
  • Problematischer Sitz des Mutterkuchens (Plazenta praevia – erhebliche Blutungsgefahr während ganzer Schwangerschaft)
  • Große Flugangst (Kompensationsmechanismen durch Angstreaktionen des Körpers sehr eingeschränkt)

Welche Vorschriften haben Airlines vor dem Boarding?

  • Vorliegen eines Unbedenklichkeits-Attests vom behandelnden Arzt
  • Beförderung meist bis 36. SSW (Ausnahmen möglich)
  • Beförderung bei Mehrlingsschwangerschaften bis 28. SSW (seitens der Airline)
  • Vorhandensein einer Auslandskrankenversicherung
  • Nutzung des Medizinischen Dienstes der Fluggesellschaften bei Fragen/Sorgen
  • Erkundung der gesetzlichen Flug- und Einreisebestimmungen im Einreiseland

Tipps für eine entspannte Flugreise

  • Platz am Gang oder in erster Reihe buchen (bessere Bewegungsfreiheit)
  • Viel bewegen während des Fluges (mindert Thrombosegefahr)
  • Reichlich trinken (mindert Kreislaufprobleme)
  • Gurt unter dem Babybauch entlangführen
  • Mutterpass immer griffbereit haben
  • „Reiseapotheke“ einpacken für Wiederherstellung des Wohlbefindens (z.B. Bonbons gegen Übelkeit, z.B. Nüsse gegen Sodbrennen, Kühlende Feuchttücher…)

Quellen:
Starostzik, Christine; Ärzte Zeitung, 08.07.2015; Schwangerschaft und Flugreisen ,,Bei Frühgeburtsrisiko lieber nicht abheben“; Springer-Medizin-Verlag GmbH; 2015
https://www.lufthansa.com/de/de/Gesund-reisen
https://www.netdoktor.at/familie/schwangerschaft/fliegen-waehrend-der-schwangerschaft-4678

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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