Fieberzäpfchen für Babys: die 17 häufigsten Fragen schnell beantwortet

Die Aufregung, wenn der kleine Liebling der Eltern das erste Mal Fieber hat, ist schon groß genug. Doch wenn man in der Apotheke das Rezept für Fieberzäpfchen einlöst, überrollt so manche Eltern die Panik: „Fieberzäpfchen? Igitt! Wie geht das eigentlich? Tut das dem Baby weh! Oh je, ich muss meine Mama anrufen, die hat bestimmt einen Rat für mich …“ Doch keine Angst. Fieberzäpfchen sind eine schnelle und recht einfache Sache. Mehr darüber erfahren Sie im folgenden Artikel.

Fieberzäpfchen

Wenn das Kind fiebernd im Bett liegt fühlen sich Eltern oft hilflos. Die beruhigende Stimme von Mutter und Vater sowie Liebe und Zuneigung sind für eine schnelle Genesung genauso unerlässlich wie die Verabreichung von Medikamenten. Darunter fallen auch sogenannte Fieberzäpfchen. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen erfahren Sie nachfolgend.

Was ist Fieber?

Fieber ist die Erhöhung der Körpertemperatur über 38°C. Dadurch werden Krankheitserreger im Körper bekämpft, da sich Viren und Bakterien bei hoher Körpertemperatur nicht mehr vermehren können. Fieber ist also meist ein Symptom für eine Erkrankung (grippaler Infekt), manchmal auch für Überanstrengung (Sport, Überhitzung) oder für eine stattfindende Immunreaktion (Autoimmunerkrankung, Impfung). Folgende Anzeichen weisen auf Fieber hin:

  • trockene und heiße Haut
  • glänzende Augen
  • Schüttelfrost
  • Appetitlosigkeit
  • beschleunigte Atemfrequenz
  • Apathie/Unruhe
  • Verwirrtheit

Wo messe ich bei Babys die Körpertemperatur?

  • rektal (im Po) – hohe Messgenauigkeit → Digitalthermometer
  • Stirn – ungestörte und schnelle Messung möglich, sogar im Schlaf → Infrarotthermometer
  • Ohr – erst für ältere Babys geeignet, da Gehörgang noch klein → Infrarotthermometer

Wie messe ich die Körpertemperatur rektal?

Kinderärzte empfehlen für eine genaue Temperaturkontrolle die rektale Messung (im Po).

  • Rücken oder Seitenlage des Babys, Beinchen angewinkelt
  • Thermometerspitze eincremen, einölen (Gleitfähigkeit)
  • Thermometer in After einführen (1,0 bis 1,5cm tief)
  • Beinchen und Thermometer während der Messung gut festhalten (Verletzungsgefahr)
  • nach Signalton Wert ablesen
  • Wert notieren/merken (wichtig für Kinderarzt)

Ab wann sollte Fieber gesenkt werden?

Fieber Baby

Fieber ist oft mit einer starken Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens verbunden (Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit…). Auch kann es bei Babys schnell zu einem bedrohlichen Flüssigkeitsverlust führen. Eine zu frühe Fiebersenkung ist jedoch eher kontraproduktiv bezüglich der körpereigenen Krankheitsbekämpfung. Es gilt daher die Faustregel: Fieber erst ab 39°C (rektal gemessen) medikamentös behandeln.

Ausnahmen:

  • nach einem Fieberkrampf
  • bei einem sehr leidenden Kind
  • bei Schmerzen

Besprechen Sie die Fiebermittel- bzw. Schmerzmittelgabe mit Ihrem Kinderarzt.

Welche fiebersenkenden Medikamente sind für Babys geeignet?

Fiebersenkende Medikamente sind in der Apotheke frei verkäuflich. Da diese Medikamente aber gewichtsadaptiert dosiert werden müssen und jeweils ein bestimmtes Nebenwirkungsspektrum haben, sollten sie nicht ohne Rücksprache mit dem Kinderarzt verabreicht werden. Überdosierungen sind auf jeden Fall zu vermeiden! Folgende Wirkstoffe sind für Babys geeignet:

  • Paracetamol – ab Neugeborenen-Alter möglich
  • Ibuprofen – ab 3. Lebensmonat geeignet

Für Babys/Kleinkinder eignen sich am besten die Zubereitungen als Fieberzäpfchen oder als Fiebersaft.

Was sind Fieberzäpfchen?

Fieberzäpfchen enthalten einen fiebersenkenden Wirkstoff. Sie haben die Form eines ganz kleinen Torpedos, was das Einführen in den After dementsprechend erleichtert. Die Grundmasse des Zäpfchens (Hartfette, Kakaobutter, Glycerol, Gelatine u.a.) zerläuft übrigens bei Körpertemperatur. Das enthaltene Medikament wird freigegeben und steht dem Darm unmittelbar zur Resorption zur Verfügung.

Welche Vorteile haben Fieberzäpfchen (Suppositorien)?

Fieberthermometer

Fieberzäpfchen wirken sehr schnell. Der Wirkstoff des Medikamentes wird direkt im Darm resorbiert, ohne dass das Fiebermittel den ganzen Magen-Darm-Trakt passieren muss. Die teilweise Verstoffwechslung des Medikamentes in der Leber (geschieht vor der wirksamen systemischen Verteilung des Medikamentes im Körper) wird so umgangen (First-Pass-Effekt). Damit ist die notwendige Medikamentenmenge geringer und die Gefahr von Nebenwirkungen wird schließlich reduziert. Meist haben Kinder bei Erkrankungen Brechreiz und würden Fiebersaft sehr schnell wieder erbrechen. Mit einem Fieberzäpfchen kann man diesem Mechanismus entgehen. Auch schon bei kleinen Babys sind Fieberzäpfchen geeignet.

Wie oft darf ein Fieberzäpfchen verabreicht werden?

Fieberzäpfchen sollten Sie erst nach Arztvorstellung und nur laut Anordnung verwenden, denn

  • Dosierung erfolgt gewichtsadaptiert
  • Ibuprofen nicht für Babys unter 3 Monaten
  • Höchstdosis für Babys = 1 Zäpfchen alle 6 Stunden (Paracetamol) bzw. 1 Zäpfchen alle 8 Stunden (Ibuprofen)
  • Wirkung eines Zäpfchens dauert etwa 3 bis 6 Stunden
    • bei höherem Bedarf Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel geben (nur nach Rücksprache mit dem Arzt)
  • Bei Überdosierung drohen gefährliche Nebenwirkungen

Wie werden Fieberzäpfchen verabreicht?

Am besten wartet man den Stuhlgang des Kindes ab, damit der Enddarm leer ist. Dies vermindert schließlich den Pressdrang nach der Gabe des Fieberzäpfchens. Das Kind wird in Seiten- oder Rückenlage gebracht. Das Fieberzäpfchen wird leicht in der Hand erwärmt und kann indes mit etwas Wasser angefeuchtet werden. Dann wird es mit dem Ende, nicht mit der Spitze, in den Enddarm des Kindes eingeführt, bis es komplett verschwunden ist. Jetzt befindet sich die etwas sanftere kleine Spitze vor dem Darmausgang. Dies wird nicht so heftig als Fremdkörper empfunden und der Pressdrang wird vermindert. Das Zäpfchen soll ja, wenn möglich, drinbleiben, sich vollständig auflösen und seine Wirkung entfalten.

Tipp: Nehmen Sie Ihr Kind danach hoch und Drücken Sie die Pobacken des Kindes für etwa 10 Minuten etwas zusammen. Dies verhindert recht zuverlässig, dass das Baby das Zäpfchen wieder herausdrückt. Das Zäpfchen löst sich innerhalb dieser 10 Minuten auf.

Warum darf man keine Creme oder Öl an das Fieberzäpfchen machen?

Fieberzäpfchen

Was ist, wenn das Baby das Zäpfchen wieder herausdrückt?

Wenn das Zäpfchen noch in Form bzw. vorhanden ist, können Sie es wieder in den Enddarm platzieren. Wenn das Zäpfchen nur noch zu erahnen ist, hat es sich schon zu einem Großteil aufgelöst und seine Wirkstoffe entfaltet. Es ist nicht sinnvoll oder sogar gefährlich, wenn ein komplett neues Fieberzäpfchen verabreicht wird, denn das kann recht schnell zu einer Überdosierung führen. Besser wartet man ab und ergreift derweil andere fiebersenkende Maßnahmen (Wadenwickel…). Nach erneuter Temperaturkontrolle und fehlender Fiebersenkung bzw. einem Temperaturanstieg, wird ein weiterer Versuch der Fiebersenkung mit einem neuen Fieberzäpfchen unternommen.

Was ist, wenn sich das Baby/Kind gegen die Fieberzäpfchen-Gabe wehrt?

  • Bitte niemals Gewalt anwenden!
  • mit einem Spielzeug ablenken
  • beruhigend sprechen und alles erklären (Auch wenn das Kind dies kognitiv noch nicht versteht, verfehlt Ihre Stimme und Ihre Zielstrebigkeit seine Wirkung nicht!)
  • sobald möglich auf Fiebersaft ausweichen (Fiebersaft gibt es in verschiedenen Geschmacksrichtungen und oft bessere Akzeptanz von Kindern)

Dürfen Fieberzäpfchen geteilt werden?

Wenn ein Zäpfchen geteilt werden soll, teilt man es mit einem leicht angewärmten scharfen Messer längs, denn der Wirkstoff sitzt in der Spitze des Fieberzäpfchen. Wenn Sie es „normal“ halbieren, hätte man so eine Hälfte mit dem kompletten Wirkstoff und eine Hälfte ohne Wirkstoff. Bei beiden Situationen wäre eine Teilung praktisch sinnlos.

Welche Nebenwirkungen können Fiebermittel haben?

Egal, ob in Zäpfchen-Form oder als Saft, Fiebermittel können neben ihrer erwünschten fiebersenkenden und schmerzlindernden Wirkung auch unerwünschte Wirkungen auslösen.

Paracetamol: erhöhtes späteres Allergierisiko (Asthma, allergischer Schnupfen und Hautausschläge), bei Überdosierung Leberschädigung

Ibuprofen: Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Magenschmerzen, Bauchschmerzen, Magenblutungen…), Asthmagefahr, bei Überdosierung Nierenschäden

Wie können Sie die Gefahr von Nebenwirkungen durch Fiebermittel reduzieren?

  • Keine höhere Dosierung als die dem Körpergewicht angepasste verwenden
  • Geduld, bis Wirkung einsetzt (mindestens eine Stunde) – bitte nicht denken, es wirkt nicht und gleich noch eine Dosis des Medikamentes geben
  • Mindestabstand zwischen den Gaben zwingend einhalten
  • Nicht länger als 3 Tage ohne Arztanordnung anwenden

Was bei Fieber sonst noch hilft?

Um so schnell wie möglich die Fieberzeit Ihres Lieblings zu überstehen, können sie unterstützend weiterhin folgende Maßnahmen durchführen:

  • Leichte, lockere Kleidung
  • Viel Trinken (halbstündlich Wasser, Tee, Muttermilch, Säfte)
  • leicht verdauliches Essen (Kompott, Suppe…)
  • Kühle Umschläge an Stirn und/oder Händen/Handgelenken
  • Viel Schlaf/körperliche Ruhe
  • Viel Zuwendung sowie Aufmerksamkeit

Wann ist eine Vorstellung beim Kinderarzt notwendig?

Baby Arzt Fieberzäpfchen

Bei Säuglingen sollte jegliche Temperatur über 38°C ärztlich abgeklärt werden.

Achtung! Neugeborene und junge Säuglinge sind oft noch nicht in der Lage, mit hohem Fieber zu reagieren, auch wenn sie unter einer (schweren) Infektion leiden. Wirkt das Kind apathisch, schlaff, will nicht oder nur wenig trinken, zeigt eine veränderte Hautfarbe (blass, bläulich, rot, grau) oder ist sonst irgendwie auffällig, muss es trotzdem von einem Arzt untersucht werden.

Außerdem sollten Sie (wiederholt) zum Kinderarzt gehen, wenn

  • fiebersenkende Maßnahmen nicht helfen
  • andere Beschwerden (Benommenheit, Ausschlag, Erbrechen etc.) hinzukommen,
  • ein Fieberkrampf auftritt/auftrat
  • das Kind bei Fieber jegliche Flüssigkeitszufuhr ablehnt oder wieder erbricht
  • Sie selbst beunruhigt sind und sich Sorgen machen

Ich wünsche Ihnen, dass Ihr kleiner Schatz nicht sehr oft von Fieber und Krankheit betroffen ist. Doch wenn, benötigen Sie einen vertrauenswürdigen Kinderarzt und etwas elterliche Gelassenheit. Wichtig ist, dass Sie dem Baby/Kleinkind während seiner Erkrankung schnell und effektiv helfen. Und dazu zählt auf jeden Fall mehr, als „nur“ Medikamente zu verabreichen. Das Baby braucht Ihren Schutz, Ihre Sicherheit, Ihre Zärtlichkeit und Ihre Aufmerksamkeit, ganz besonders, wenn es krank ist. Alles Gute für Sie und Ihr Baby/Kind.

Quellen:
https://www.dr-gumpert.de/html/fieberzaepfchen.html
https://www.familie-und-tipps.de/Gesundheit/Kinderkrankheiten/Medikamentengabe/Zaepfchen.html
https://flexikon.doccheck.com/de/Suppositorium
https://www.stada.de/fileadmin/user_upload/PARACETAMOL_250MG_SUP_SD_DE_WebGI_9210900_1702.pdf
https://www.apotheken-umschau.de/Medikamente/Beipackzettel/NUROFEN-Junior-60-mg-Zaepfchen-4085246.html
https://www.apotheken-umschau.de/schmerzmittel
https://www.apotheken-umschau.de/Fieber/Fieber-wirksam-senken-331051.html
https://www.netdoktor.de/symptome/fieber/
https://www.gesundheit.de/krankheiten/fieber-grippe-erkaeltung/fieber/fieber
https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/krankheitszeichen/fieber/
http://www.medizinfo.de/kinder/fieber/fiebermessen.htm

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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