Erste Schwangerschaftszeichen nur nach einer Woche möglich?

Ab wann treten erste Schwangerschaftszeichen auf? Bei einem tief empfundenen Wunsch nach einer Schwangerschaft bewegt genau diese Frage eine Frau am meisten. Manche Frauen glauben, bereits kurz nach der Befruchtung zu spüren, dass es mit der Schwangerschaft geklappt hat. Ob dies tatsächlich möglich ist und welche frühen Anzeichen genau zu beobachten sind, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Schwangerschaftszeichen

Eine Schwangerschaft ist für viele Frauen ein herbeigesehntes und lang erwartetes Ereignis: Jeden Monat Hoffen und Bangen und Warten, ob die Periode nun kommt oder nicht. Handelsübliche Schwangerschaftstests reagieren erst ab einem bestimmten Hormonlevel, welches frühestens ab dem Tag der erwarteten Periode eine Schwangerschaft sicher anzeigt. Doch Frauen, die ein gutes Körpergefühl besitzen, bemerken oft bereits vor dem Ausbleiben der Periode, ob es mit der Schwangerschaft geklappt oder nicht. Welche Anzeichen für eine Schwangerschaft sprechen, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Welche Hormone spielen in der Schwangerschaft eine Rolle?

Hauptsächlich spielen in der Schwangerschaft 4 Hormone eine Rolle, die spezifische Wirkungen auf den weiblichen Organismus haben und schwangerschaftsspezifische Reaktionen einleiten:

  • Progesteron
  • Östrogen
  • HCG
  • HPL
  • Oxytocin

Körperliche Wirkung von Progesteron

  • Entspannung der Muskulatur
    • Schutz vor vorzeitigen Wehen
    • Verstopfung, Sodbrennen, häufiger Harndrang
  • Brustspannen (unsicheres Schwangerschaftszeichen)
  • Müdigkeit

Schwangerschaftszeichen Müdigkeit

Progesteron schafft die Voraussetzungen, dass sich eine befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnisten kann. Es wird vom Gelbkörper (Corpus luteum – Rest des Follikels nach Eisprung), später auch von der Plazenta gebildet. Unter dem Einfluss dieses Hormons wird die Gebärmutterschleimhaut hoch aufgebaut und der Körper währenddessen auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Progestern wirkt schwangerschaftserhaltend (kontraktionshemmend, stoffwechselverlangsamend) und wird manchmal bei gefährdeten Schwangerschaften auch unterstützend als Medikament verabreicht.

Körperliche Wirkung von Östrogenen

  • Veränderungen der Haut und Haare
  • Vermehrter, nicht krankhafter Ausfluss aus der Scheide (Fluor vaginalis)
  • Wassereinlagerungen (Dehnbarkeit des Gewebes)

Östrogene sind an Vorgängen rund um den Zyklus und die Fortpflanzung beteiligt. Sie gewährleisten eine erhöhte Schleimproduktion im Gebärmutterhals, den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, die Reifung des Eibläschens (Follikel), den Eisprung (Ovulation), den Transport der Eizelle bis in die Gebärmutter und das Wachstum der Brüste. Zur Bildung davon kommt es in den Eierstöcken (Ovarien), später auch in der Plazenta.

Körperliche Wirkung von HCG

  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Ausbleiben der Menstruation (unsicheres Schwangerschaftszeichen)

HCG (Humanes Choriongonadotropin) ist das eigentliche Schwangerschaftshormon, welches bei einem Blut- oder Urintest nachgewiesen werden kann. Es wird im Chorion der Plazenta gebildet und bewirkt die gesamte Umstellung des mütterlichen Organismus auf die Schwangerschaft. Die Ausschüttung des Hormons beginnt ab dem Zeitpunkt, wo sich die befruchtete Eizelle in die Gebärmutter einnistet und die Plazenta entsteht (4.Schwangerschaftswoche). HCG erhält den Gelbkörper (und damit seine schwangerschaftserhaltenden Hormone Östrogen und Progesteron). Es verhindert die Menstruationsblutung und die Abstoßung des Embryos. Die höchste Konzentration an HCG wird etwa in der 10. Schwangerschaftswoche erreicht. Danach sinkt sie wieder etwas ab, bleibt jedoch die gesamte Schwangerschaft über erhalten. Es wird vermutet, dass genau dieses Hormon der Verursacher der Schwangerschaftsübelkeit ist, die meist nach der 12. Schwangerschaftswoche wieder verschwindet.

Körperliche Wirkung von HPL

  • Gewichtsschwankungen

HPL (Humanes Plazentalaktogen) beeinflusst den Stoffwechsel der Mutter. Es wird in der Plazenta gebildet und steigt ab der 10. Schwangerschaftswoche kontinuierlich an. Es stimuliert den Abbau von Speicherfett, welches der Mutter als Energieträger zur Verfügung steht. Somit werden Glukosereserven frei, die dem Wachstum des kindlichen Organismus dienen. Außerdem regt es die fetale Blutbildung an und unterstützt die Entwicklung des mütterlichen Brustgewebes Richtung Stillfähigkeit.

Körperliche Wirkung von Oxytocin

  • Stimmungsschwankungen
  • Gebärmutterkontraktionen
  • Milchsekretion aus der Brustdrüse
  • Bindungsverhalten/Fürsorge der Mutter für das Kind
  • Sexuelle Erregung

Oxytocin ist das sogenannte „Bindungshormon“. Es wird im Hypothalamus (Bereich des Zwischenhirns) gebildet und übrigens von der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) ausgeschüttet. Oxytocin spielt eine Rolle bei allen sozialen Interaktionen und kommt indes bei jeder Art von Nähe oder Liebe zwischen Menschen zum Tragen. Das Hormon sorgt bereits in der Schwangerschaft für eine sichere Bindung zwischen Mutter und Kind. Zur Geburt löst Oxytocin die Wehentätigkeit aus und in der Stillzeit schließlich den Milchspendereflex. Es kann in der Geburtshilfe übrigens auch als Medikament verabreicht werden.

Unsichere Schwangerschaftszeichen

In der zweiten Zyklushälfte wird der Körper durch die Hormone des weiblichen Zyklus auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Manche Frauen reagieren bereits auf diese hormonelle Umstellung in der zweiten Zyklushälfte empfindlich und leiden dementsprechend unter verschiedenen Beschwerden. Diese Symptome werden als prämenstruelles Syndrom bezeichnet. Mit Einsetzen der Regelblutung verschwinden diese Symptome wieder. Wenn jedoch eine Schwangerschaft eintritt, bleiben diese Symptome erst einmal erhalten oder verschlimmern sich sogar noch. Deshalb können Frauen manchmal schon kurz nach der Empfängnis ahnen, dass es mit dem schwanger werden geklappt hat. Folgende Anzeichen können ein Hinweis sein:

Heißhunger

  • Appetitschwankungen (gar nicht bis Heißhunger)
  • Ausbleiben der Periode
  • Blähbauch
  • Bleibende Erhöhung der Basaltemperatur (morgendliche Messung und Aufzeichnung der Körpertemperatur)
  • Brustspannen
  • Geruchsempfindlichkeit
  • Harndrang
  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Verstopfung (Obstipation)

Treten Schwangerschaftszeichen schon eine Woche nach der Befruchtung auf?

Sensible und körperbewusste Frauen können tatsächlich erste Veränderungen ihres Körpers sehr zeitig wahrnehmen. Allerdings kann jedes oben genannte Merkmal allein jeweils verschiedene Ursachen haben, die gar nicht mit einer Schwangerschaft zusammenhängen müssen (Erkältungen, Magen-Darm-Infekte, Tumorerkrankungen, psychosomatische Beschwerden…). Doch beim gleichzeitigen Auftreten mehrerer Anzeichen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass dies auf eine Schwangerschaft zurückzuführen ist. Hoch stressbelastete Lebenssituationen erschweren allerdings auch die Wahrnehmung dieser ersten Schwangerschaftszeichen und der Körper muss erst deutliche Signale senden. Meist ist dies das fortgesetzte Ausbleiben der Periode, die einen Schwangerschaftseintritt vermuten lassen. Und in ganz seltenen Situationen bemerkt eine Frau gar nicht, dass sie schwanger ist. Es kommt in diesen Fällen eher zufällig zur Entdeckungen der Schwangerschaft im Zusammenhang mit Arztbesuchen wegen Beschwerden.

Sichere Schwangerschaftszeichen

Letzten Endes kann jedoch eine Schwangerschaft nur durch zwei Nachweise gesichert werden:

  • Nachweis des Hormons HCG im Blut (Blutabnahme beim Arzt) oder im Urin (Schwangerschaftstest aus der Apotheke)
  • Sonographischer Nachweis (Ultraschall) einer Fruchthöhle (4. Schwangerschaftswoche) mit Embryo (6. Schwangerschaftswoche)

Erst bei positiven Befunden kann eine Frau sicher sein, schwanger zu sein. Ab diesem Zeitpunkt bestehen für die Schwangere schützende gesetzliche Richtlinien (Mutterschutzgesetz). Und für die Familie? Auf die Familie kommt jetzt eine äußerst spannende und aufregend Zeit. Alles, Alles Gute!

Quellen:
https://www.netdoktor.de/Diagnostik+Behandlungen/Laborwerte/HCG-Humanes-Choriongonadotropi-1258.html
https://www.netdoktor.de/Diagnostik+Behandlungen/Laborwerte/Progesteron-1429.html
https://www.netdoktor.de/Diagnostik+Behandlungen/Laborwerte/Oestrogene-Oestradiol-Oestron+-1191.htmllaktogen
https://www.netdoktor.de/medikamente/oxytocin/
https://www.schwanger.at/artikel/fruehanzeichen-einer-schwangerschaft.html
https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/schwangerschaft/schwangerschaftsanzeichen-schwangerschaftstest/

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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