Einschlafrituale für Ihr Baby | 26 Ideen für schreifreies Einschlafen

Für viele Eltern stellt sich am Ende eines Tages die Frage, wie sie ihrem Baby helfen können, entspannt und reibungslos in den Schlaf zu finden. Was Einschlafrituale bewirken und welche Rituale für ein Baby geeignet sind erfahren Sie im folgenden Text.

Einschlafrituale

Die Familie hat ein neues Familienmitglied bekommen – das Baby ist da! Nun kommt es darauf an, das Kleine gut in die bestehende Familie zu integrieren. Dazu gehört die Einführung eines Tagesablaufs mit dem Baby, in dem sich Schlafzeiten, Beschäftigungszeiten und Essenzeiten beständig wiederholen. Sich auf diesen neuen Rhythmus einzustellen ist für alle Familienmitglieder manchmal etwas anstrengend, umso sehnlicher sehnen sich junge Eltern nach einem entspannten Abend und einer ruhigen Nacht. Doch wie funktioniert dies am besten? Im folgenden Text finden Sie einige Tipps für bewährte Einschlafrituale.

Babys Schlaf

Ein Baby hält im Laufe des Tages mehrere kleine „Erholungsschläfchen“ und einen „Hauptschlaf“. Günstig wäre natürlich, wenn es diesen Hauptschlaf nachts macht. Doch da Babys praktisch ohne eine bestehenden Tagesrhythmus geboren werden, liegt es an den Eltern, diesen Rhythmus vorzugeben. Deshalb ist es wichtig, zwischen Tag- und Nachtschlaf Unterscheidungen zu treffen.

Tagschlaf:

Tag bedeutet in unserem Alltag Aktivität. Folgendes hilft dem Baby, dies zu verdeutlichen:

  • im Hellen schlafen
  • normale Geräuschkulisse wahren (Geschwisterkinder, Gespräche…)
  • nicht extra umziehen
  • ruhig wecken, wenn Termine oder Wege anstehen

Nachtschlaf:

Nacht bedeutet in unserem Alltag ausreichend Ruhe und Erholung an einem Stück. Dies kann dem Baby verdeutlicht werden durch:

  • abgedunkelten Raum
  • geräuscharme Umgebung
  • Schlafanzug anziehen
  • regelmäßiges Einschlafritual
  • relativ feste Zeit für das zu Bett bringen

Woher kommen Einschlafschwierigkeiten?

Die Hirnentwicklung eines Babys/Kindes benötigt viel Zeit und verläuft schrittweise. Was für uns Erwachsene normaler Alltag ist, bedeutet für Babys oft Stress, weil es die Vielzahl an Reizen noch nicht verarbeiten kann. Geräusche, Stimmen, Bilder, Situationen, Körperempfindungen, Reaktionen anderer – alles trifft auf das Kleine und muss nach und nach sortiert werden. Das Kind ist ständig am Lernen und das Gehirn praktisch immer gefordert. So sind am Ende des Tages (oder auch zwischendurch) viele Kinder einfach überreizt und übermüdet. Wie auch jeder Erwachsene weiß, fällt in solch einem Zustand das Einschlafen schwer. Hier helfen kleine Zwischenschläfchen, ein fester Tagesablauf und vor allem abends immer wiederkehrende Einschlafrituale, weil genau diese täglichen Wiederholungen dem Kind Sicherheit und Orientierung geben.

Durchschlafen ist schwierig

Babys benötigen in regelmäßigen Abständen ihre Mahlzeiten. Meist trinken sie etwa alle 2 bis 4 Stunden. Viele Babys können jedoch, wenn sie tagsüber ausreichend getrunken haben, in der Nacht eine etwas längere Pause einlegen, dies sollte aber nicht erzwungen werden. Ab einem Alter von 6 Monaten (Beikostalter) benötigen die Babys nicht mehr zwingend eine Nachtmahlzeit – aber Achtung – auch dies bitte nicht erzwingen.

Beikost Rezepte

Beim Einschlafen beachten

Während des Schlafes wechseln, genau wie bei uns Erwachsenen, Tiefschlaf- und Halbschlafphasen. Im Tiefschlaf findet die hauptsächliche Erholung für Gehirn und Körper statt, im Halbschlaf überprüft der Körper, ob ein gefahrloses Weiterschlafen möglich ist z.B. keine Einbrecher, kein Brand, keine Unterkühlung… drohen.

Beim Baby speichert sich das Bild, welches es beim Einschlafen hat, ab und wird in den Halbschlafphasen wieder abgeglichen mit einer drohenden Gefahr. Wenn das Baby an der Brust einschläft, wird genau dieses Bild im Bewusstsein des Babys bleiben. Die Eltern legen es erleichtert ins Bett und es wird vorerst eine erste Phase schlafen.

Doch wenn eine Halbschlafphase kommt, überprüft auch ein Baby, ob alles noch so gefahrlos und beruhigend und beständig ist, wie zu dem Moment, als es einschlief. Sie können sich vorstellen, wie ein Baby nun verunsichert oder sogar ängstlich reagieren kann: „Wo ist meine Mama, Mamas Brust, Mamas Duft, Mamas Wärme?“ Es dreht das Köpfchen auf der Suche nach der Brust und seine Händchen greifen ins Leere. „Oh je, ich bin allein, Mama ist weg, es ist kalt, Gefahr droht (schließlich kann ein Baby ohne Eltern nicht überleben)“. Das Kind schreit laut auf und „ruft“ nach seiner Mama, um den Urzustand „Brust und Trinken“ wieder herzustellen, dabei hat es nicht mal Hunger, doch es braucht trotzdem das Stillen zur Bestätigung, dass jetzt alles wieder in Ordnung ist: Wärme, Mama, Milch, Duft, Beruhigung, nicht mehr allein…

Ungeeignete Einschlafrituale

Ähnlich verhält es sich mit allen Einschlafritualen, die Gegenstände oder Personen darstellen, auf welche das Baby im Bedarf nicht selbst zugreifen kann, sondern es sich durch Schreien holen muss.

Stillen Brust Mahlzeit

  • Brust/Flasche zum Einschlafen – kann es sich nicht selbst greifen, ist ja an Mama dran
  • Herumtragen – kann es nicht selbst herbeiführen
  • auf Pezziball sitzen/hüpfen mit Kind im Arm – kann es nicht selbst herbeiführen
  • Herumfahren (Kinderwagen oder Autofahren in der Nacht) – kann es nicht selbst herbeiführen

Geeignete Einschlafrituale

Feste Einschlafrituale zeigen dem Kind an, dass der Tag zu Ende geht. Sie dienen der (hygienischen) Vorbereitung auf den Nachtschlaf, zur Beruhigung, der Einstimmung auf Programm „schlafen“ und der Entspannung. So fällt der Abschied von einem anstrengenden Tag einfacher.

Körperliches Wohlbefinden

  • Baden
  • Zähneputzen
  • Pucken (Baby in Tuch einwickeln – Enge des Bauches nachempfunden)
  • Massage
  • Kuscheln
  • Wärmekissen
  • Aromaöl (z.B. Lavendelöl im Bad, auf Tuch, bei Massage)

Beschäftigung

  • Singen/Klatschen/Reimen
  • Vorlesen/Buch anschauen
  • Langes Streicheln
  • Sterne zählen
  • Gebet sprechen
  • Musik hören (Klassik, Kinderlieder, Spieluhr)
  • Fingerpuppenspiel, Handpuppen

Einschlaftiruale

Umgebungsbedingungen

  • Kein Streit vorm Schlafen
  • Feste Zeiten für zu Bett bringen
  • Vater und Mutter abwechselnd – für Eltern erleichternd, beide „gleich wichtig und hilfreich“
  • Kein Fernsehen/Computer vorher
  • Nachtlicht (nicht flackernd) – erleichtert die Wahrnehmung der Umgebung beim Wachwerden
  • Schlaftemperatur ca. 18°C
  • Schlafsack

Hilfsmittel

  • Stillen/Flasche trinken unbedingt vom Einschlafen entkoppeln! (gilt nicht für Neugeborene)
  • Schlafanzug anziehen – bedeutet: „Es ist Nachtruhe.“
  • Schnuller – kann es selbst greifen nach ein paar Wochen (gleich mehrere in Umgebung – langes Suchen nach „dem Einen“ wird erspart)
  • Kleines Schlaftier – kann es sich selbst greifen
  • Kleines Schmusetuch – kann es selbst greifen

Ich hoffe, die genannten Tipps zum Thema Einschlafrituale für Babys verhelfen Ihrer kleinen Familie zu baldigen ruhigen Abenden und schlafreichen Nächten. Viel Erfolg!

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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