Durchfall beim Zahnen – was hilft meinem Baby jetzt?

Sie kommen oft mit Schmerzen, und meistens gehen sie auch damit – die Zähne. Aber jetzt auch noch Durchfall? Ich mach mir wirklich Sorgen! So ähnlich reagieren die meisten Mütter, wenn ihr erstes Kind in die Monate kommt und zahnt. Hier sind unsere „heißen Tipps“.

Weinendes Baby beim Zahnen

Wenn Baby Durchfall hat, bedeutet das 5 und mehr flüssige, stinkige, schleimige, manchmal sogar blutige Stühle innerhalb von 24 Stunden. Beim Kleinkind (1-3 Jahre) ist das Verdauungssystem schon ausgereifter. Deswegen ist Durchfall nur mit 3 Stühlen definiert. Er wird durch Bakterien, Viren oder Pilze hervorgerufen und kann relativ harmlos verlaufen, aber auch hoch ansteckend sein, wie zum Beispiel bei einer Infektion mit Rotaviren.

Ein Durchfall ist deswegen gefährlich, weil ein schneller Flüssigkeitsverlust, der sich sofort negativ auf die Kreislaufstabilität auswirkt, entsteht. Der Organismus von Babys und Kleinkindern besteht zu einem deutlich höheren Prozentsatz aus Wasser als das beim Erwachsenen der Fall ist.

MERKE: Beginnt das Kind schläfrig zu werden oder eine Hautfalte bleibt stehen, wenn die Bauchhaut angehoben wird, ist höchste Gefahr im Verzug.

Das Baby benötigt sofort ärztliche Hilfe, am besten gleich in der Notaufnahme eines Krankenhauses mit Kinderstation. So dramatisch habe ich es beim Zahnen aber nie erlebt!

Au Backe, mein Zahn!

Zahnendes Baby

Auch wenn Baby noch nicht reden kann, merkt die aufmerksame Mama doch, dass sich etwas zusammenbraut. Möglicherweise entdeckt sie

  • erhöhte Temperatur bis 38°C
  • gerötetes Gesicht/ Wangen
  • rotes, geschwollenes Zahnfleisch
  • Sabbern durch vermehrte Speichelproduktion
  • alles wird in den Mund gesteckt, was Baby erreichen kann
  • Baby kaut darauf herum, um die Schmerzen zu lindern
  • besondere Anhänglichkeit
  • Weinen und Unruhe
  • Nahrungsverweigerung
  • gelegentlich Durchfall
  • wunder Po

Für die letzteren beiden Zeichen lässt sich in der wissenschaftlichen Literatur kein Beleg finden. Aus meiner beruflichen Erfahrung heraus kann ich Durchfall, wunden Po und Zahnen aber durchaus im Zusammenhang vorkommend bestätigen.

Abklären!

Tritt Fieber auf (ab 38,5°C) und verschwindet auch nach dem Zahndurchbruch nicht, sollten die Eltern an einen Infekt denken. Der muss nicht sofort mit Antibiotika behandelt werden, sondern Hausmittel tun es vorerst auch. Wenn keine Besserung abzusehen ist oder das Fieber deutlich über 39°C steigt, suchen sie bitte einen Kinderarzt auf.

Wieso kann mein Baby beim Zahnen einen Infekt bekommen?

Säuglinge profitieren die ersten 4-6 Lebensmonate nach der Geburt von der Infektionsabwehr ihrer Mama, dem sogenannten Nestschutz. Der wird in den letzten vier Schwangerschaftswochen über das mütterliche Blut übertragen und nach der Geburt durch Stillen verstärkt. Wird dieser Nestschutz langsam schwächer, steigt die Infektneigung des Babys. Oft fällt dieses Phänomen in den Zeitraum, in dem das Baby zu zahnen beginnt. Dann stellt sich manchmal Fieber ein, das zwar dem Zahnen zugeschrieben wird, aber in Wirklichkeit ein Infekt ist.

Der erste (sichtbare) Zahn

Zahnendes Baby

Schon während das Baby noch im Bauch seiner Mama residiert, entwickeln sich seine Zähne. Nur eines von 2000 zeigt einen Zahn bei der Geburt. Der wird übrigens wegen der Verletzungsgefahr bei Mutter und Neugeborenem meist entfernt.

MERKE: Im Alter von vier bis sechs Monaten durchbricht der erste Zahn meist schmerzlos das Zahnfleisch.

Meist ist dies einer der mittleren unteren Schneidezähne des Milchgebisses. Letzteres besteht im Gegensatz zum Erwachsenengebiss nur aus 20 Zähnen, die vollständig im Alter von zwei Jahren sichtbar sind. Jeweils 10 Zähne zieren dann den Unter- und Oberkiefer:

  • 4 Schneidezähne
  • 2 Eckzähne
  • 4 Backenzähne

Mama kann monatlich etwa mit einem Zahndurchbruch rechnen, aber ebenso wie Erwachsenen sind auch Babys bereits Individualisten!

Die „Zahnungstabelle“

Zahnart Durchbruchszeitraum (relative Angaben)
Mittlerer unterer Schneidezahn 4.-6. Monat
Seitliche Schneidezähne 7.-11. Monat
Vordere Backenzähne 14.-19. Monat
Eckzähne 10.-16. Monat
Hintere Backenzähne 17.-24. Monat

zahnen beim Baby

7 Tipps zur Ersten Hilfe

  1. Klären Sie ab, ob vielleicht ein Infekt die Ursache des Durchfalls ist.
  2. Hat das Baby wirklich Durchfall, stillen Sie unbedingt und öfter als üblich, weiter. Die Muttermilch enthält Inhaltsstoffe gegen Durchfall!
  3. Wenn Sie nicht stillen, sorgen Sie dafür, dass ihr Kind viele, kleine Trinkmengen zu sich nimmt, am besten Tee mit wenig Zucker. Zucker beschleunigt nämlich die Darmpassage und verschlimmert so die Situation.
  4. Da durch den Durchfall der kleine Po fast immer in Mitleidenschaft gezogen wird, ist peinliche Sauberkeit wichtig. Reinigen Sie auf keinen Fall mit Feuchttüchern. Durch deren Alkohol und/oder Parfümgehalt reizen Sie die Haut noch mehr.
  5. Halten Sie den Po Ihres Babys am besten unter fließendes Wasser (abschließend kalt, weil das die Durchblutung fördert und die Heilung der irritierten Haut beschleunigt).
  6. Anschließend wird er mit einem weichen Tuch trocken getupft. Abrubbeln verschlechtert die Situation. Bitte föhnen Sie auf keinen Fall den Po des Kindes, auch wenn es warme Luft in dieser Gegend sehr mag. Es besteht die Gefahr eines Stromunfalls!
  7. Wenn Sie stillen, bringen Sie Muttermilch auf die irritierte Haut des Pos. Sie wirkt entzündungshemmend.

Und dann: Alle guten Wünsche für Sie und Ihr Kind, bis es endlich heißt: Hurra, Hurra, der erste Zahn ist da!

Quellen:
Brazelton, T.B., Die Hürden der ersten Lebensjahre, Klett-Cotta, Stuttgart, 1999.
Family Health Library, Growing up – Growing old, The Leisure Circle Ltd., Wembley, 1987.
Morris, D., Das Wunder der ersten Lebensjahre, Dorley Kindersley Verlag GmbH München, 2008.
Schmidt, H.D., Schneeweiß, B., Schritt um Schritt, VEB Verlag und Gesundheit Berlin, 1985.
https://www.rossmann.de/einkaufsportal/baby-kind/babywelt/ratgeber-entwicklung/milchzaehne.html 

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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