Bodenhaltung, Freilandhaltung oder Bio: wo sind die Unterschiede?

Eier und Geflügel sind für alle, die nicht komplett vegan leben, Bestandteile der Ernährung. In der Haltung gibt es erhebliche Unterschiede. Welche Auswirkungen hat die Haltungsart auf die Tiere und auf die Produkte? Hier erfahren Sie die wesentlichen Punkte!

glückliche Hühner

„Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn“ – dieses altbekannte Liedchen trifft in der Realität leider nicht zu. Nur die allerwenigsten Hühner leben glücklich und frei auf einem idyllischen Bauernhof, völlig unbelastet von Käfigen und Legepflicht. Hühner werden meist in Großbetrieben gehalten. Je nachdem, ob es sich um Legehennen oder um Geflügel handelt, das zum Verzehr bestimmt ist, gibt es unterschiedliche Haltungsformen. Daneben spielt es auch eine Rolle, ob der Betreiber Wert auf die Kennzeichnung Bio legt oder nicht.

Grundsätzlich unterscheidet man Kleingruppenhaltung, Bodenhaltung, Freilandhaltung und Biohaltung

  • Die Bezeichnung Kleingruppenhaltung ersetzt den Begriff Käfighaltung. Die Haltung erfolgt auf sehr wenig Platz, die Bedingungen für die Tiere sind schlecht.
  • Die Bodenhaltung ist die häufigste Haltungsform. Legehennen und Mastgeflügel haben mehr Platz zur Verfügung.
  • Die Freilandhaltung ist ebenfalls häufig. Die Hühner haben zusätzlich eine Auslaufmöglichkeit.
  • Bei der biologischen Haltung gibt es am meisten Platz und Auslauf. Das Futter muss aus ökologischem Anbau stammen.

Was kennzeichnet die Bodenhaltung?

Die Haltung am Boden ist die häufigste Haltungsform für Legehennen und Mastgeflügel. Das Tier lebt auf einer abgegrenzten Bodenfläche. Diese Fläche muss nicht unbedingt tatsächlich unten auf dem Boden sein – durchaus üblich sind mehrere Etagen übereinander. Der Platzbedarf für Legehennen beträgt 0,11 qm Stallfläche. Die Tiere haben keinen Auslauf.

Die Haltung von Mastgeflügel ist auch überwiegend in dieser Form üblich. Masthühner leben nicht lange. Das Schlachtgewicht ist nach etwa fünf bis sieben Wochen erreicht. Die zulässige Menge wird nicht nach Tieren, sondern nach Gewicht berechnet. Die tierschutzrechtlichen Bestimmungen legen fest, dass pro Quadratmeter Stallfläche eine „maximale Besatzdichte“ von 39 Kilogramm nicht überschritten werden darf. In der Praxis heißt das: Am Ende der Mastzeit leben – je nach Endgewicht – 16 bis 26 Tiere auf einem Quadratmeter. Das Ziel ist eine möglichst schnelle Gewichtszunahme auf einer möglichst geringen Fläche. Solange die Verbraucher den Kauf solcher Hühner nicht massiv einschränken, bleiben die Nachteile für die Tiere bestehen. Man kann sich leicht ausrechnen, dass eine solche Tierhaltung alles andere als tierfreundlich ist.

Was bedeutet die Freilandhaltung?

Bei dieser Haltungsform steht pro Tier ebenfalls eine Fläche von 0,11 qm zur Verfügung. Die Hennen haben aber zusätzlich 4 qm Auslauf ins Freie. Diese Haltungsform ist tierfreundlicher. Doch wie bei der Haltung ohne Auslauf muss das Futter oft mit Medikamenten und Antibiotika ergänzt werden. Tierschützer bemängeln, dass bei beiden Haltungsformen die natürlichen Bedürfnisse der Legehennen missachtet werden. Die Verletzungsgefahr der Tiere untereinander ist groß. Deshalb ist es üblich, die Schnäbel zu kürzen, damit sich die Tiere gegenseitig keinen Schaden zu fügen. Das Kupieren des Schnabels ist aber eine grausame Methode.

Die Biohaltung: Gute Bedingungen und gesunde Ergebnisse

Für die biologische Haltung ist pro Tier ein Platzbedarf von 0,16 qm und ein Auslauf von 4 qm notwendig. Auf einem Quadratmeter dürfen maximal sechs Legehennen leben. Bio-Legehennen haben in ihrem Gehege eine bessere Ausstattung. Sitzstangen müssen ebenso zur Verfügung stehen wie eine Einstreu mit Sand, Stroh oder Holzspänen. Ein weiterer Unterschied findet sich beim Futter, das aus ökologischem Anbau stammen muss und nicht gentechnisch verändert sein darf. Außerdem sind die Beimischung von Zusatzfutterstoffen und die Verordnung von Medikamenten viel strenger geregelt. Kranke Tiere müssen mit Naturheilmitteln behandelt werden. Von diesen Vorschriften profitieren nicht nur die Legehennen und Masthühner. Auch Sie als Käufer von Eiern und Geflügelfleisch erleben den Unterschied. Achten Sie deshalb beim Einkauf auf die Bio-Kennzeichnung. Eine ökologische Haltung bringt Vorteile für Menschen, Tiere und Umwelt.

Bio Huhn

Tipp: Ein Biohuhn lebt in jeder Hinsicht stressfreier. Nicht nur die besseren Futtermittel, auch die besseren Lebensbedingungen beeinflussen den Geschmack von Eiern und Geflügelfleisch. Bioeier schmecken aromatischer. Das liegt daran, dass das Futter mehr Pflanzenbestandteile enthält.

Woran erkennen Sie, woher das Ei kommt? Die Umverpackung enthält die wichtigsten Hinweise. Auf dem Eierkarton muss stehen, um welche Haltungsform es sich handelt. Außerdem finden Sie einen Vermerk über die Mindesthaltbarkeit. Noch genauer ist die Kennzeichnung auf jedem einzelnen Ei. Eier sind gestempelt – doch wissen Sie auch, was der Stempel bedeutet?

Der Code auf dem Ei

Die erste Zahl des Erzeugercodes steht für die Haltungsart:

  • 0 bedeutet ökologische Erzeugung
  • 1 steht für Freilandhaltung
  • 2 bedeutet  Bodenhaltung
  • 3 bezeichnet die Kleingruppenhaltung

Bei rohen Eiern kommt die Kleingruppenhaltung nur noch sehr selten vor. Trotzdem werden immer noch viele Hennen in der Käfig- beziehungsweise Kleingruppenhaltung gehalten. Die Eier werden überwiegend für die Lebensmittelproduktion verwendet. An zweiter Stelle befindet sich der Ländercode. Das Produktionsland wird mit zwei Buchstaben gekennzeichnet, zum Beispiel DE für Deutschland. Dann folgt die Identifizierung des Erzeugerbetriebs. Jeder Betrieb hat eine individuelle Nummer. Die beiden ersten Stellen bezeichnen das Bundesland, dann folgt der Betrieb mit drei Zahlen und an letzter, siebter Stelle der jeweilige Stall.

Vorteile und Nachteile der verschiedenen Haltungsformen

Nur bei der Biohaltung überwiegen die Vorteile. Die Tiere haben mehr Platz zur Verfügung und einen geräumigeren Auslauf ins Freie. Bei den Futtermitteln ist ein ökologischer Anbau wichtig. Der Grünanteil ist höher, das verbessert den Geschmack der Eier.

Die anderen Haltungsformen sind eher negativ zu sehen:

  • Kleingruppenhaltung mit Massenproduktion auf sehr wenig Platz, häufiger Antibiotika-Einsatz
  • Bodenhaltung mit wenig Platz ohne Auslauf, ebenfalls häufige Medikamenten-Verabreichungen
  • Freilandhaltung mit etwas mehr Platz und minimalem Auslauf, Antibiotika nach Bedarf

Bei diesen Haltungsformen ist jedoch der Preis für die Erzeugnisse niedriger. Wer beim Einkauf sparen möchte, kann statt Bioeiern zu Eiern aus Freilandhaltung greifen. Sie sind günstiger als Bioeier, die Lebensbedingungen für die Legehennen sind annehmbar. Der größte Unterschied zwischen Freilandeiern und Bioeiern liegt in der Fütterung.

Die Biohaltung für Mastgeflügel

Eine biologische Haltung und die dementsprechenden Bedingungen sowie Regeln gibt es nicht nur für Legehennen, sondern auch für Mastgeflügel. Sie erkennen Geflügelfleisch aus biologischer Haltung am Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung.

Quellen:
http://www.eier.de/Seiten/Huhn/huhn_haltung.htm
www.codecheck.info/news/Freiland-Bio-Bodenhaltung-Was-ist-der-Unterschied-164219

Miriam Kirmse
Über unsere Autorin
Miriam Kirmse ist die Content-Managerin von Wiado. Dabei interagiert sie vor allem mit den verschiedenen Experten, die für unser Online-Magazin als Autoren tätig sind. In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie bereits als Kamerafrau, Moderatorin und Redakteurin gearbeitet. Ihre Motivation ist es, die Leser mit einem Blick hinter die Kulissen des Alltäglichen zuverlässig zu informieren und auch Antworten auf unkonventionelle Fragen zu finden. Ihr Motto lautet: Man lernt nie aus!
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Miriam Kirmse ist die Content-Managerin von Wiado. Dabei interagiert sie vor allem mit den verschiedenen Experten, die für unser Online-Magazin als Autoren tätig sind. In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie bereits als Kamerafrau, Moderatorin und Redakteurin gearbeitet. Ihre Motivation ist es, die Leser mit einem Blick hinter die Kulissen des Alltäglichen zuverlässig zu informieren und auch Antworten auf unkonventionelle Fragen zu finden. Ihr Motto lautet: Man lernt nie aus!
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