Regt Bockshornklee die Milchbildung an?

Kann eine stillende Mutter überhaupt die Milchbildung anregen? Die ist doch hormonell gesteuert oder? Bockshornklee – das klingt eher wie Kräuterhexe oder Tierfutter von der Weide. Soll da wirklich was dran sein? Dieser spannenden Thematik gehen wir im folgenden Artikel nach.

Bockshornklee

Fast jede Mutter, die erstmals ein Kind stillt, macht sich Gedanken, ob ihre Milch wohl für das Baby ausreicht. Das ist zuerst einmal Entwarnung angesagt, denn die Größe des kindlichen Magens entspricht der Trinkmenge des Babys. Direkt nach der Geburt, also in den ersten 24 Stunden, sind die Magenwände noch wenig dehnbar. Der Magen selbst ist vergleichbar mit einer kleinen Glasmurmel oder einer Haselnuss.

Die erste Milch der Mutter (Kolostrum) wird nur in kleinen Mengen abgegeben und reicht durch ihren konzentrierten Nährstoffgehalt für Stunden, bevor sich wieder Hunger einstellt. Trotzdem stellt sich schnell mütterliche Panik ein, wenn sich das Baby meldet, weil jedes Mucksen sofort als Hunger interpretiert wird. Aber oft stehen ganz andere Bedürfnisse, wie zum Beispiel eine nasse Windel oder die Nähe zur Mama im Vordergrund.

Natürlich hört sich Mutter um, was man denn tun könnte, falls…
Die eine oder andere Freundin hat da sicher einen guten Rat auf Lager, beispielsweise Bockshornklee. Damit wir wissen, was es damit auf sich hat, unternehmen wir einen kleinen

Ausflug in die Biologie der Pflanzenwelt

Bockshornkleesamen

Der schöne lateinische Namen von Bockshornkleesamen lautet Foenum graecum. Das klingt in meinen Ohren irgendwie nach Weite, Sonne, Griechenland …

Tatsächlich hat Bockshornklee etwas mit Griechenland zu tun. Dort wurde es früher hauptsächlich als Tierfutter verwendet. Sein hoher Vitamin- und Mineralstoffgehalt (Eisen und Kupfer) bot eine wichtige Grundlage für die Gesundheit der Tiere. Seine kleinen Samen sehen so ähnlich aus wie die Hörner eines Ziegenbocks. Daher hat er vermutlich seinen Namen erhalten.

Diese vielseitige, stark duftende Pflanze wächst auf trockenen, salzhaltigen Böden. Sie ist sehr anspruchslos und gehört zur Familie der Hülsenfrüchte.

Die Blüten riechen außerordentlich stark und angenehm, und die Samen verströmen einen Duft nach Sellerie.

Wie bei vielen anderen Pflanzen verwendet man unterschiedliche Pflanzenteile für medizinische Anwendungen. Für uns ist der Samen des Bockshornklees interessant.

Wirkungen und Nebenwirkungen

regt Bockshornklee die Milchbildung an

Dass die Milchbildung angeregt wird, beruht auf der Wirkung des Bockshornklees als sogenanntes Phytohormon, also einer pflanzlichen Wirkung als Hormon oder hormonähnliche Substanz. Er regt die körpereigene Produktion von Östrogenen¹ und Prolaktin an. Das letztgenannte Hormon wird ab der 8. SSW in der Hirnanhangdrüse gebildet und wirkt direkt auf die milchbildenden Zellen in der weiblichen Brust.

Dosierung von Bockshornklee

Merke:
1. Die Dosierung einer wirksamen Menge von Bockshornkleesamen ist individuell!
2. Wenn Schweiß und Urin nach Ahorn-Sirup reichen, zeigt das die richtige Menge an.
3. Mit dem Wirkungseintritt ist nach ein bis zwei Tagen zu rechnen.

Verabreichungsformen

Kapseln: 3 x täglich 1200 bis 2400 mg → z.B Dr. Pandalis Kapseln à 200mg

Pulver: 3 x täglich ½ bis 1 Teelöffel → mit Wasser, Saft oder in Speisen gerührt

Tee: 3 x täglich 1 Tasse Tee → 1½ Teelöffel Samen auf eine Tasse Wasser für 10 Minuten leicht köcheln

Bei der Einnahme von Kapseln sollte Frau bedenken, dass diese Verabreichungsform recht teuer wird, und 6-12 Kapseln täglich zu schlucken auch nicht für alle Frauen ein Vergnügen ist. Die Kapseln sind auch über Internetapotheken in höherer Wirkstoffkonzentration
(600 mg) erhältlich.

Merke: Die übliche Wirkstoffkonzentration von Bockshornklee in gemischten Stilltees ist zu gering, um eine tatsächlich merkliche Verbesserung der Milchbildung zu erreichen!

Unsere Eingangsfrage – JA, aber…

Merke: Ohne eine häufige und ausreichende Entleerung der Brust (12 bis 14x/24 Stunden) nützt die Anwendung von Bockshornklee auch nichts.

Mangelnde Milchbildung ist in der Mehrzahl der Fälle durch ein unzureichendes anfängliches Stillmanagement zu erklären. Deshalb schließt dieser Artikel mit fünf wichtigen Tipps:

1. Tipp

Nach einer normalen Geburt (kein Kaiserschnitt, Zangen- oder Saugglockengeburt) bonden Sie ausführlich mit Ihrem Baby. Das nackte Baby liegt auf dem nackten mütterlichen Oberkörper für mindestens eine Stunde – gut zugedeckt versteht sich natürlich.

2. Tipp

Geben Sie in dieser Zeit Ihr Baby nicht aus der Hand, weder zum Messen, noch Wiegen oder anderen Routinetätigkeiten im Kreißsaal – vorausgesetzt, es ist gesund und munter.
Lernen Sie sich in aller Ruhe kennen!

Baby

3. Tipp

Lassen Sie Ihr Baby selbst die Brust finden. Es hat alle Voraussetzungen dafür mitbekommen, quasi als Willkommensgeschenk auf der Welt. Niemand muss es „anlegen“. Das Baby hat seine eigenen Zeitvorstellungen. Die meisten erreichen das „Objekt ihrer Begierde“ innerhalb von 50 Minuten.

4. Tipp

Sollten sich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus oder Geburtshaus wider Erwarten Stillschwierigkeiten ergeben, suchen Sie zeitnah die Hilfe von Stillexperten. Oft sind es nur Kleinigkeiten, bis sich der Stillerfolg einstellt.

5. Tipp

Vergessen Sie auch zu Hause das Bonden nicht. Direkter Hautkontakt (nicht nur an der Wange streicheln!) wirkt bei Milchmangel Wunder!

¹ Gruppe weiblicher Sexualhormone, die zyklusabhängig im Eierstock produziert werden

Quellen:
https://www.fid-gesundheitswissen.de/pflanzenheilkunde/bockshornklee/ 
https://www.bockshornklee.info/milchbildung-stillen.html 
Aufzeichnungen aus der IBCLC-Ausbildung zum Thema „Galaktogoga“

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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