Beikost einführen: 5 einfache Rezepte mit Plan für Ihr Baby

Erhält ein Baby Beikost, bedeutet das eine Umstellung von einem Lebensmittel auf mehrere. Damit das kindliche Verdauungssystem nicht mit einem Mal überbeansprucht wird, geschieht das langsam und stufenweise. Unser Artikel gibt Ihnen dazu wichtige Hinweise.

Beikost Baby Rezpete

„Darm mit Charme“, – sicher kennen Sie dieses interessante Buch, das in jedem Fall empfehlenswert ist. Darin wird ausgeführt, dass unser Darm das größte und wichtigste Abwehrsystem des Körpers bildet. Das gilt auch für Babys. Bis der Darm in dieser Eigenschaft voll funktionstüchtig ist, vergehen indes zwei Jahre. Er wird schließlich von „guten“ und „schlechten“ Bakterien besiedelt. Schlechte oder pathogene Bakterien können, in der Überzahl vorhanden, Krankheiten auslösen, wie zum Beispiel einen Durchfall. In seiner Gesamtheit bezeichnet man die Anwesenheit von Bakterien als Darmflora oder mit dem Fachbegriff Mikrobiom.

Merke: Unsere Ernährungsgewohnheiten beeinflussen den Aufbau einer gesunden Darmflora. Darum ist es entscheidend, wie die Kost am Beginn des Lebens aufgebaut wird!

Ihr Baby zeigt Ihnen übrigens, wann es bereit ist, mehr als Muttermilch oder Formula¹ zu sich zu nehmen. Die WHO empfiehlt, bis zum Ende des 6. Lebensmonats ausschließlich zu stillen, danach mit dem Beikosten zu beginnen und solange, wie Mutter und Kind es wünschen, weiter zu stillen.

Beikost, Breikost oder Fingerfood?

Manche Mutter fragt sich, ob man denn immer mit Brei beginnen müsse, während der Nachwuchs doch jedem Bissen Leberwurstschnitte, den sie selbst isst, hinterhergiert. Nein, es muss nicht immer Brei sein!

Am günstigsten bietet sich Fingerfood an, also das, was Baby mit seinen eigenen Fingern in den Mund stecken kann. In seiner Entwicklung erlebt das Baby sich erweiternde Erfahrungsräume, zuerst durch das Sehen, dann durch das Begreifen mit seinen Händen und danach durch seinen Mund. Was kann man da nicht alles hineinstecken und wieder ausspucken!

Dabei lassen sich Beschaffenheit (Konsistenz) und Geschmack testen. Die ersten Monate war jede Art von Nahrungszufuhr flüssig. Jetzt sind angedicktere Möglichkeiten, zum Beispiel in Form von Breien angesagt. Manchmal gibt es kleinere Bestandteile als Bröckchen, die schließlich unterschiedlich von den Babys akzeptiert werden. Vorlieben bilden sich bald heraus, oft angeglichen an die vorherige Nahrung. Muttermilch schmeckt süß, kennt aber natürlich auch (je nach Ernährung der Mutter) andere Geschmacksvarianten.

Konsistenz:

  • flüssig
  • breiig
  • fest

Geschmack:

  • süß
  • sauer
  • bitter
  • salzig
  • umami²

Formulanahrung ist durch zu viel Zucker logischerweise süß. Babys sind auf diese spezielle Sorte getrimmt und lehnen dadurch oft neue Geschmacksrichtungen ab. Übrigens:

Merke: Was der Mutter nicht schmeckt, lehnt allermeist auch das Baby ab!

Babys sind sehr gute Beobachter und wissen die mütterliche Mimik indes phantastisch zu interpretieren. Sie lernen unglaublich schnell am Vorbild.

Verschiedene Möglichkeiten

1. Gläschen mit Babynahrung kaufen

Vorteil: wenig Arbeit
Nachteil: teuer und nicht immer wohlschmeckend

2. Brei selbst kochen und füttern

Vorteil: wohlschmeckend, gut für das Selbstbewusstsein der Mutter
Nachteil: Mehraufwand

3. Fingerfood

Vorteil: perfekt für Wahrnehmungsschulung des Säuglings, da er am
Familientisch mit isst

  • Breikochen kann übersprungen werden
  • keine Zusatzkosten
  • wenig Aufwand

Nachteil: wüstes Aussehen auf und unter dem Tisch

„Versuchsreihe Beikost“

  • Zwingen Sie Ihr Kind niemals zum Beikoststart!
  • Als erste Beikost empfiehlt sich übrigens eine herzhafte Probe (Süßes ist bekannt und bietet keine wirkliche Neuerfahrung)!
  • Essen soll Genuss sein. Gehen sie bitte davon aus, dass Ihr Kind nicht immer gleichmäßig große Mengen isst. 1 bis 2 TL am Tag reicht für den Beginn völlig aus. Der Brei ergänzt die Muttermilch, nicht umgekehrt!
  • Manche Babys starten mit der „Versuchsreihe Beikost“ deutlich später als andere und picken dann auch sehr im angebotenen Essen herum. Das kann ihr unbewusster Schutz vor Nahrungsmittelallergien sein.

Beikost

Überblick: Ein Brei pro Monat

  Morgens Mittags Nachmittags Abends
Beginn der Beikost Muttermilch Gemüsebrei Muttermilch Muttermilch
einen Monat später Muttermilch Gemüsebrei Muttermilch Milch-Getreide-Brei
einen weiteren Monat später Muttermilch Gemüsebrei Getreide-Obst-Brei Milch-Getreide-Brei

Dies und das an Hinweisen zu Nahrungsmitteln

  • Frisches Gemüse aus der Region, passend zur Jahreszeit:
    • Nitratarmes Gemüse: Blumenkohl, Brokkoli, Kartoffel, Kürbis, Pastinake, Zucchini, Avocado, Möhre (Düngerrückstände?), Erbse (Blähungen?)
    • Glutenfreie bzw. –arme Getreidesorten: Reis, Mais, Hirse, Hafer
    • Hirse enthält viel Eisen und wird wegen der besseren Verwertbarkeit mit Obst, das Vitamin C enthält, angereichert
  • Obst, das einheimisch, frisch und reif ist
    • keine Bananen, wegen des hohen Anteils an Konservierungsmitteln und notfallverdächtig bei Verschlucken
    • erstmals vielleicht kurz andünsten, reiben oder schaben
  • Getränke
    • Muttermilch oder Formula (Pre-Nahrung!) sind nach wie vor Hauptnahrungsmittel, nicht Beikost!
    • Leitungswasser (in Deutschland das am besten kontrollierte Getränk)
    • keine Kohlensäure, ungesüßte Tees, keine Kuhmilch vor dem 1.Geburtstag! (entzieht dem Baby Eisen, schwer verdaulich, Allergiegefahr), ebenfalls keine Rohmilch (Salmonellengefahr!)
    • nur im Notfall: stark verdünnte Obstsäfte
  • Artfremdes Eiweiß
    • möglichst unter dem Schutz der Muttermilch einführen, da sonst hohe Allergiegefahr
    • Milch, Quark (auch Fruchtzwerge belasten unreife Nieren!), Eier, Fisch, Fleisch bei allergiegefährdeten Babys möglichst nicht vor dem 1.Geburtstag!
    • dunkles Fleisch bevorzugen wegen des höheren Eisengehaltes (Rind, Wild)
  • Fette
    • Maiskeim- oder Rapsöl, Butter möglich bei mehreren Mahlzeiten
    • 1 bis 2 TL/Mahlzeit unter die Beikost gemischt
    • bewirken eine bessere Verwertung fettlöslicher Vitamine (A, D, E, K)
    • kein Ölzusatz bei Milchbreien, weil sie genug Fette enthalten
  • Salz, Gewürze, Zucker, Nüsse
    • nach Möglichkeit weglassen (verschiedene kulturelle Hintergründe beachten!)
    • wenn verwendet, bitte sehr sparsam!
    • Honig nicht vor dem 1.Geburtstag (Botulismusgefahr!)
    • keine Nüsse: Allergiegefahr, Erstickungsgefahr!

Was der Bauer nicht kennt…

Nicht jedes Rezept wird Ihr Baby begeistern. Manchmal ist jedoch Abwechslung eine Lösung. Im Folgenden können Sie zwischen fünf verschiedenen Rezepten auswählen. Da sollte auch für Babys Geschmack etwas dabei sein.

Beikost Rezepte

Rezept 1: Gemüsebrei

Zutaten:

  • 150 g nitratarmes Gemüse
  • 1 EL Rapsöl
  • 100 ml Wasser

Zubereitung:

  • Gemüse waschen, putzen, klein schneiden
  • Topf mit Wasser und Gemüse füllen und zum Kochen bringen
  • Temperatur herunter regeln
  • 15 bis 20 garen oder dämpfen (vitaminschonender)
  • mit Pürierstab zerkleinern, Kochwasser dementsprechend mitverwenden
  • Öl zum Schluss unterrühren

Hinweis: Avocado wird löffelweise ohne zu kochen angeboten!

Rezept 2: Gemüse-Kartoffel-Brei

Zutaten:

  • 100 g nitratarmes Gemüse
  • 50 g Kartoffeln
  • 1 EL Rapsöl/ Maiskeimöl
  • 100 ml Wasser

Zubereitung:

  • Gemüse waschen, putzen, klein schneiden
  • Topf mit Wasser und Gemüse füllen und zum Kochen bringen
  • Temperatur indes herunter regeln
  • 15 bis 20 garen oder dämpfen (vitaminschonender)
  • mit Pürierstab zerkleinern, Kochwasser mitverwenden
  • Öl zum Schluss unterrühren

Rezept 3: Obst-Brei

Zutaten: 

  • säurearmer Apfel oder Birne
  • etwas Wasser

Zubereitung – Variante gekocht:

  • schälen, kleine Stücke schneiden
  • im Wasser weich dünsten und pürieren

Zubereitung – Variante roh:

  • waschen
  • schälen, kleine Stücke schneiden
  • pürieren oder reiben

Rezept 4:Obst-Getreide-Brei

Zutaten:

  • 20 g Hirse-/Reisflocken
  • 100 ml Wasser
  • 1 TL Rapsöl/Maiskeimöl oder 5g Butter
  • 50 bis 100g Obstmus (roh oder gekocht)

Zubereitung:

• Wasser aufkochen
• Flocken mit Schneebesen einrühren
• kurz quellen lassen
• Öl und Obstmus unterrühren

Rezept 5: Fleischbeilage

Zutaten:

  • 500g mageres Rindfleisch
  • 1 EL Rapsöl/ Maiskeimöl

Zubereitung:

  • Fleisch zerkleinern
  • im Öl andünsten
  • mit Wasser aufgießen und gar kochen
  • pürieren und in kleinen Portionen von 20 bis 25g (Eiswürfelbehälter) einfrieren
  • schließlich bei Bedarf dem Gemüse-Kartoffelbrei aufgetaut 1 bis 2x wöchentlich zufügen

Viel Spaß beim Kochen und Verspeisen, Fotoapparat nicht vergessen!!

¹Künstliche Babynahrung im Gegensatz zu natürlicher (Muttermilch)
²Umami: aus dem Japanischen: schmackhaft, würzig, fleischig, köstlich

Quellen:
Enders, G. Darm mit Charme, Ullstein , 24. Aufl. 2014

https://de.wikipedia.org/wiki/Umami

Beikost für das gestillte Kind (Broschüre der AFS)

Elternheft Ernährung von Säuglingen – Empfehlungen für das erste Lebensjahr,
aid-Infodienst Bonn

Cronjaeger, M. Kleine Beikost-Fibel

Eugster, G. Babyernährung gesund & richtig, Urban & Fischer, München 1. Aufl. 2005

Richtig essen von Anfang an – Österreichische Beikostempfehlungen 2010

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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