Beckenendlage zur Geburt: Empfehlungen der Hebamme

Diagnose bei der letzten Schwangerenberatung: Beckenendlage. Die leise Vorahnung hatte sich also leider bestätigt. Der Schock war groß, und der erste Gedanke hieß „Kaiserschnitt“. Ob das immer so sein muss, soll Thema unseres gemeinsamen Nachdenkens sein.

Beckenendlage

Beckenendlage, kurz BEL was heißt das denn? Das Baby liegt in der Nähe des errechneten Geburtstermins nicht mit dem Köpfchen nach unten in der Gebärmutter seiner Mama, sondern mit dem Po. Darum sprach man in früheren Zeiten auch von einer Steißlage. Etwa 3% der Babys lieben diesen Sonderstatus. Der Bauch sieht in seiner Form nicht anders aus, als wenn das Baby richtig liegt. Von außen ist der Mama also nichts anzusehen. In der Regel stellt der Frauenarzt die Diagnose durch eine Ultraschall-Untersuchung. Hebammen tasten den Bauch der werdenden Mutter ab und fühlen das Köpfchen als „harte Kugel“ oberhalb des Bauchnabels.

Beckenendlage – So macht sie sich bemerkbar

Viele Babys lieben sportliche Übungen in Mamas Bauch, besonders dann, wenn die schöne Bauchwiege plötzlich zum Stillstand kommt. Mama ist müde und will schlafen. Jetzt wird energisch protestiert. Spürt sie die kleinen Beinchen zum Ende ihrer Schwangerschaft öfter auf der Harnblase, heißt das nicht nur den vorprogrammierten Gang zur Toilette vorzunehmen, sondern es lässt eben auch den Verdacht einer Beckenendlage (BEL) aufkommen. Bis zur 28.SSW bevorzugen viele Babys diese Position. Kopfstand üben können sie danach noch immer. Eigentlich braucht sich Mama bis vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin noch keine ernsthaften Sorgen zu machen. Manche Babys drehen sich noch in der letzten Stunde, bevor die Wehen einsetzen.

Tipp: Neben der Beckenendlage treten auch die Quer- und die Schräglage ab und zu auf. Was Sie über die verschiedenen Kindslagen wissen sollten, erfahren Sie in unserem Beitrag: „Kindslage: alles über die Lagen des Babys bei der Geburt“.

Empfehlungen hängen oft von der Ursache ab

Auch wenn die Wissenschaft heute schon weit fortgeschritten ist, wissen auch Experten nicht immer, warum eine BEL auftritt. Folgende Ursachen sind bekannt oder werden in Fachkreisen diskutiert:

Baby Beckenendlage

  • Veränderungen am mütterlichen Becken oder der Gebärmutter
  • Mehrlingsschwangerschaften
  • zu viel oder zu wenig Fruchtwasser (normal: zwischen 300 und 1500 ml)
  • Erkrankungen des Babys (vergrößerter Kopf, offener Rücken)
  • Frühgeburtlichkeit
  • zu kurze oder zu lange Nabelschnur
  • Plazenta praevia¹ (wird unterschiedlich diskutiert)
  • erbliche Faktoren (Vermutung, weil oft Elternpaare, die selbst BEL waren,
    wieder eine BEL bekommen)

Wie Sie aus der Aufzählung erkennen, sind die meisten Ursachen nur bedingt zu beeinflussen bzw. zu verändern.

Beckenendlage oder das dicke Ende kommt zuletzt

BEL heißt nicht automatisch Kaiserschnitt… auch wenn der oft sofort diskutiert wird. Dafür sprechen manche Gründe. Die größte Angst besteht wohl darin, dass das Köpfchen zuletzt geboren wird und einen Sauerstoffmangel mit sich daraus entwickelndem Hirnschaden erleiden könnte. Das kann allerdings auch bei einer Normalgeburt passieren!

Übrigens: Mit viel Vertrauen in die Geburtshelfer und wenig Angst lassen sich „Berge versetzen“ und Babys aus BEL wunderbar zur Welt bringen!

Empfehlungen zur BEL

Ein wesentlicher Faktor zur Entscheidungsfindung ist der, ob eine Frau schon Kinder geboren hat. Wenn die Geburtswege schon eine Schwangerschaft erlebt haben, besteht durchaus die Möglichkeit einer vaginalen Geburt. Die kann, wenn sich die Geburt nicht wie gewünscht entwickelt, immer noch in einen Kaiserschnitt verändert werden. Allerdings sollten sich die werdenden Eltern bzw. die Mutter schon mal „beim Buschfunk“ erkundigen, wie viele Frauen mit BEL im letzten Jahr in dieser Geburtsklinik ihr Baby ohne Kaiserschnitt geboren haben. Die Erfahrung der Geburtshelfer spielt eine wichtige Rolle! Kliniken mit gutem Ruf haben sich den erarbeitet. Dass eine Kinderklinik angegliedert sein sollte, versteht sich von selbst.

Geburt einleiten

Frau könnte auch unter Umständen in so einer Klinik eine sogenannte äußere Wendung durchführen lassen. Der Arzt versucht, in unmittelbarer Nähe des errechneten Geburtstermins das Baby im Bauch zu drehen. Sollten die Wehen einsetzen, befindet sich Frau ja schon in der Klinik.

Erfahrungswerte

Was Hebammen noch empfehlen, sind Erfahrungswerte, für die meines Wissens nach aber keine Studien existieren. Dazu gehört z.B. die Indische Brücke. Mama legt sich so auf den Rücken, dass ihr Becken höher liegt als ihr Oberkörper. Das Baby mag meist diese Position nicht und soll aus dem Beckeneingang wieder herausrutschen. Bei einer Frau, die ihr erstes Kind bekommt, stellt sich das Baby schon etwa vier Wochen vor dem Geburtstermin auf das große Abenteuer ein und nimmt Beziehung zum Beckeneingang auf. Diese Beziehung ist aber noch veränderlich bis die Wehen einsetzen.

Haben Sie schon mal eine Beifußzigarre geraucht? Es stinkt bestialisch –also bitte Fenster öffnen! Man kann versuchen, diese nahe an einen Akupunkturpunkt an der kleinen Zehe glühen zu lassen. Dieses Moxen soll dem Baby zur Wende verhelfen.

Auch der Trick mit der Taschenlampe ist in manchen Fällen wirksam. Es ist wichtig zu wissen, wo der Rücken des Babys liegt, denn es soll eine Rolle vorwärts machen. Dabei folgt es dem Lichtkegel einer starken Taschenlampe, die unmittelbar in der Nähe des Köpfchens aufgesetzt und seitlich über den Bauch nach unten geführt wird. Das Licht durchdringt die Gewebeschichten der Bauchdecke.

Wenn sich Mama mit ihrem Baby unterhält und es auffordert, sich zu drehen, hat das manchmal auch schon geholfen. So jedenfalls haben mir Mütter berichtet.

¹ tiefer Sitz oder Vorliegen des Mutterkuchens vor dem Muttermund

Quellen:
Myles Textbook for Midwives, African Ed., Churchill Livingstone, 2010
Steck et al. Kompendium der Geburtshilfe für Hebammen, Springer , 2008
Stiefel et al. Hebammenkunde, 5.Aufl. , Hippokrates 2013

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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