Babyschwimmen: ab wann mit Baby ins Schwimmbad?

Bereits wenige Monate nach der Geburt können frischgebackene Eltern mit ihrem Säugling ein Schwimmbad besuchen oder an Babyschwimmkursen teilnehmen. Die Angaben, ab welchem Alter dies für die Kinder möglich ist, unterscheiden sich jedoch enorm. Wir klären auf, wie alt Ihr Nachwuchs sein sollte, um bedenkenlos solch Freizeitaktivitäten betreiben zu können.

Baby im Schwimmbad

Platsch Platsch Baby nass. Für die meisten Babys ist die Gelegenheit für Spiel und Spaß im Wasser ein wahres Geschenk. Schließlich kommen sie ,,gerade“ aus dem warmen, schützenden Fruchtwasser in Mamas Bauch und das war für das Kleine die absolute Geborgenheit. Ein Weg, dieses Gefühl wiederzufinden, ist der Aufenthalt im Element Wasser. Engagierte Eltern bekommen sehr schwankende Empfehlungen, ab wann sich Babys im Chlorwasser aufhalten dürfen: von 6 Wochen bis 2 Jahre. Wir gehen also heute folgender Frage nach: Ab wann dürfen Babys denn überhaupt in ein Schwimmbad mitgenommen werden und was sollten wir als Eltern dabei beachten?

Babys im Schwimmbad: Ziele

In erster Linie soll das Baden und Spielen im Wasser Freude bereiten. Das Baby wird von den Händen der Eltern sicher gehalten und gestützt. Das Vertrauen und die Bindung zwischen Eltern und Kind werden auf diese Weise gestärkt.

Weitere Vorteile:

  • Förderung Eltern-Kind-Bindung
  • Gemeinsam Spiel und Spaß teilen
  • Förderung der motorischen Entwicklung
  • Förderung Selbstvertrauen
  • Angstabbau vor Element Wasser
  • Förderung Koordination
  • Förderung sozialer Kontakte
  • Wie jede Art von Bewegung hilft auch ,,Plantschen“ gegen Bauchweh
  • Guter Schlaf nach Spiel und Bewegung im Wasser

Achtung! Asthma-Gefahr

Damit das Baden für alle Beteiligten ohne Infektionsrisiko möglich ist, verwenden Schwimmbäder zur Desinfektion des Wassers Chlor. Damit werden eingetragene Bakterien und Viren unschädlich gemacht. Je mehr Fremdstoffe im Wasser sind (Urin, Schweiß, Hautzellen, Kosmetikrückstände usw.), desto höher ist die benötigte Menge an Chlor und die damit verbundenen chemischen Reaktionen. Das Problem sind die entstehenden Reaktionsprodukte, vor allem das Trichloramin, welches sich im gasförmigen Zustand im Schwimmbad anreichert und zu dem typischen Chlorgeruch führt. Das Einatmen dieser Chlordämpfe belastet die Atemwege und soll laut Informationen des Umweltbundesamtes zu einer erhöhten Asthmaanfälligkeit führen. Aus hygienischen Gründen kann auf den Zusatz von Desinfektionsmitteln in Schwimmbädern nicht verzichtet werden, allerdings kann jeder Hallenbadbesucher etwas für eine möglichst geringe Belastung mit den schädlichen Desinfektionsnebenprodukten tuen: Auch wenn Sie sich nicht ,,schmutzig“ fühlen, duschen Sie sich und das Baby trotzdem gründlich ab, das verhindert vermehrte Eintragungen ins Wasser.

Baby im Wasser

Weitere Handlungsempfehlungen

  • Erhöhte Infektanfälligkeit für Atemwegserkrankungen und Mittelohrentzündungen durch Unterkühlung
    • Wählen Sie ein Schwimmbad mit einer Wassertemperatur von 33 Grad
  • Gehen Sie nur mit kerngesunden Babys zum Schwimmen (kein Husten, Schnupfen, Fieber…)
    • Wenn das Baby Anzeichen von Unterkühlung zeigt (bläuliche Lippen, Hände, Füße, Zittern), verlassen Sie das Wasser
    • Kleiden Sie Ihr Baby nach dem Schwimmen witterungsgerecht ein
  • Erhöhte Gefahr für die Entwicklung von Hautausschlägen/ Neurodermitis, da Chlor den Hautschutzmantel der empfindlichen Babyhaut angreift
    • Duschen Sie Ihr Baby auch nach dem Schwimmen gründlich ab
    • Cremen Sie Babys Haut direkt nach dem Duschen gut ein
  • Erhöhte Gefahr von Magen- Darm- Infektionen durch Mensch-zu-Mensch-Kontakt und Verschlucken von Chlorwasser
    • Die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt eine Impfung gegen Rotaviren (verursachen heftige Magen-Darm-Infektionen) , danach für 2 Wochen nicht ins Schwimmbad, weil Impfviren ausgeschieden werden (Gefahr für andere)
    • Gehen Sie erst zum Babyschwimmen, wenn das Baby über eine ausreichend gute Kopfkontrolle verfügt (ab ca.3 Monate)
    • Verwenden Sie unbedingt Bade-Windelhosen
  • Erhöhte Gefahr von Ertrinkungsunfällen durch vorzeitiges Erlöschen des Tauchreflex (solange der Tauchreflex vorhanden ist, schützt er das Baby beim ,,Untertauchen“ vor dem Einatmen von Wasser – er erlischt jedoch innerhalb des ersten Lebensjahres)
    • Vermeiden Sie Untertauchübungen
    • Halten Sie Ihr Baby mit sicherem Griff und wenn es Angst zeigt, verlassen Sie mit ihm das Wasser
  • Erhöhte Risikobereitschaft von ehemaligen ,,Babyschwimmkindern“ – sie haben die Angst vor dem Element Wasser verloren
    • immer gut beaufsichtigen
    • Schwimmhilfen verwenden

Ab welchem Babyalter ins Schwimmbad?

Sie können mit Ihrem Baby ab einem Alter von etwa 3 Monaten (Kopfkontrolle, Rotavirenimpfung abgeschlossen) ins Schwimmbad gehen. Achten Sie bei Ihrem Baby auf Zeichen von Angst, Unterkühlung oder Überreizung (Lautstärke, Menschenmenge…).

Ehemalige Frühgeborene sollten zu einem noch späteren Zeitpunkt mitgenommen werden vor allem wegen ihrer erhöhten Infektanfälligkeit (3 Monate plus die zu früh geborenen Wochen).

Kinder aus Allergiker-Familien sollten wegen der Gefahr von Asthma und Neurodermitis erst ab dem 2. Lebensjahr mit ins Schwimmbad genommen werden.

Bei allen Fragen, die Sie bezüglich der Babygesundheit in Verbindung mit Schwimmhallenbesuchen oder Babyschwimmen bewegen, können Sie sich auch vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt oder Ihre Hebamme wenden.

Quellen:

  • Umweltbundesamt; Babyschwimmen und Desinfektionsnebenprodukte in Schwimmbädern Bundesgesundheitsblatt 2011 – 54; S. 142 – 144
    Karsten Theiß; Dr. Thomas Lob-Corzilius; Elternratgeber ,,Babyschwimmen – nützlich oder riskant?; Pädiatrische Allergologie ∙ 17 ∙ 3/2014; S.37 – 38; Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie  und Umweltmedizin e. V., Verlag: iKOMM – Information und Kommunikation im  Gesundheitswesen GmbH
  • https://www.onmeda.de/g-kinder/gefahren-beim-babyschwimmen-3876.html

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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