Babyflaschen auskochen: alles übers Reinigen und Sterilisieren

Die Hygiene von Babyfläschchen spielt eine große Rolle, um den Nachwuchs vor Keimen zu schützen. Doch was müssen Eltern dafür tun? Und was ist überhaupt der Unterschied zwischen „Reinigen“ und „Sterilisieren“? Hier erfahren Sie mehr über die wichtige Prozedur.

Babyflaschen reinigen

In den meisten Haushalten reicht heißes Wasser und etwas Spülmittel für die gewöhnliche Geschirrreinigung. Doch für die Fläschchen und Schnuller von Babys gelten andere Regeln der Hygiene. Denn über den direkten Kontakt zwischen Babyzubehör und Verdauungstrakt werden Erreger übertragen. Auf viele Keime ist der Babyorganismus aber noch nicht vorbereitet, sodass es dadurch zu schweren Erkrankungen kommen kann. Babys besitzen noch kein Immunsystem. Stattdessen verfügen sie über den sogenannten Nestschutz, der verschiedene Antikörper der Mutter umfasst und über Nabelschnur und Muttermilch auf das Kind übertragen wird. Der Nestschutz wirkt allerdings nur begrenzt und kann Infektionen nicht grundsätzlich verhindern. Deswegen müssen Babyfläschchen und Co nicht nur gereinigt, sondern auch desinfiziert werden.

Welche Teile sind zu behandeln?

Es müssen alle Teile behandelt werden, über die das Baby Keime über den Verdauungstrakt aufnehmen kann:

  • Babyflaschen aller Art, inklusive Sauger und Deckel
  • Anrührhilfen wie Löffel
  • Milchpumpenaufsätze
  • Schnuller

Wie lange sind besondere Hygienemaßnahmen wie das Auskochen notwendig?

Wenn das Baby etwa sieben Monate alt ist, kann die Maßnahme beendet werden. Denn nun verfügt das Kind meist schon über ein aktives Immunsystem. Babys beginnen jetzt auch mit der Erforschung der Umwelt, indem sie zum Beispiel die sogenannte orale Phase durchlaufen und alle verfügbaren Gegenstände in den Mund nehmen. Außerdem fangen viele Familien zu dieser Zeit mit der Zufütterung von Beikost an. In den nächsten Jahren ist eine gute Hygiene zwar weiterhin notwendig, doch sie muss nicht mehr so intensiv betrieben werden. Einige Familien sterilisieren noch ein bis zwei Monate länger, damit sich auch die Darmflora ungestört entwickeln kann.

Wie gehe ich am besten bei der Reinigung und Desinfektion vor?

Das Prinzip umfasst nur zwei Schritte: Zuerst führen Sie eine mechanische Reinigung durch, anschließend folgt die Sterilisierung.

diverse Babyfläschchen

Die mechanische Reinigung

Befreien Sie die Babyflaschen vor dem Sterilisieren vollständig von Nahrungsmittelresten. Dazu reicht fließendes Wasser und eine spezielle Flaschenbürste aus. Die Temperatur spielt dabei noch keine Rolle. Mit warmen Wasser lösen sich die Milchreste allerdings besser als mit kaltem. Vorzugsweise führen Sie die Reinigung der Babyfläschchen und Sauger direkt nach dem Füttern durch, damit die Milchreste erst gar nicht antrocknen. Die Flaschen lassen sich auch mit Spülmitteln reinigen. Sehen Sie bei Weichteilen wie den Saugern aber davon ab, da das Material porös werden kann. Spülen Sie die Babyfläschchen anschließend gut unter fließendem Wasser ab. Je nach Material lassen sich viele Teile auch in der Spülmaschine reinigen.

Tipp: Überprüfen Sie die Einzelteile der Babyfläschchen regelmäßig auf Beschädigungen oder starke Abnutzungserscheinungen. Tauschen Sie beschädigte Teile aus hygienischen Gründen und wegen der möglichen Verletzungsgefahr sofort aus.

Methoden zur Sterilisierung von Babyflaschen

Für die Sterilisierung, auch Desinfektion genannt, stehen Ihnen unterschiedliche Methoden zur Verfügung. Um Babyflaschen und anderes Zubehör zu sterilisieren, werden die Einzelteile entweder in kochendem Wasser oder kochend heißem Wasserdampf behandelt. Allein die Hitze sorgt mit dem Wasser für eine zuverlässige Desinfektion für verbreitete Keime. Wir möchten Ihnen drei Methoden vorstellen. Bei einer Methode handelt es sich um eine „kalte“ Desinfektion.

1. Klassisches Auskochen

2. Vaporisieren

3. Reinigungstabletten

Klassisches Auskochen

Das Abkochen eignet sich vor allem für Glasflaschen oder wenn viele Kleinteile in einem Arbeitsschritt desinfiziert werden sollen. Das benötigte Arbeitsmaterial ist in nahezu allen Küchen vorhanden oder kann günstig angeschafft werden. Für Flaschen aus Kunststoff eignen sich andere Sterilisierungsverfahren besser, weil sie beim Kontakt mit dem heißen Topfboden schmelzen können. Wer trotzdem nicht auf das Abkochen verzichten will, sollte dafür sorgen, dass der Kunststoffbehälter erst in das Wasser gelegt wird, wenn es kocht. Dadurch bleibt er ständig in Bewegung.

Welche Hilfsmittel Sie für das Abkochen von Babyflaschen benötigen

Damit Sie nicht in einen Engpass bei der Fütterung Ihres Babys geraten, sollten Sie zu jeder Zeit Zugriff auf bestimmte Hilfsmittel haben. Folgendes benötigen Sie:

  • Einen ausreichend großen und sauberen Topf
  • Funktionsfähige Kochstelle
  • Sauberes Leitungswasser
  • Zange (bei Glasflaschen kein Metall, Plastikzangen sollten eine einwandfreie Oberfläche besitzen)
  • Saubere und trockene Trockentücher (keimfrei gebügelt) oder Papiertücher

Tipp: Halten Sie für Glasflaschen Essig zum Entkalken bereit. Es wirkt zuverlässig gegen Kalk und ist günstig, sollte aber ausschließlich vor der Sterilisierung zum Einsatz kommen.

So gehen Sie beim Abkochen vor

Bringen Sie eine ausreichende Menge Wasser zum Kochen, aber lassen Sie genug Platz für die Teile. Geben Sie diese vorsichtig und einzeln in das kochende Wasser hinein. Babyfläschchen aus Glas und Kunststoff benötigen grundsätzlich eine vorsichtige Behandlung. Legen Sie diese möglichst mit einer Zange ins Wasser. Lassen Sie alle Teile mindestens zehn Minuten bei geschlossenem Deckel kochen, gern aber auch länger. In der Wartezeit können Sie die Trocken- oder Papiertücher auf einer sauberen Unterlage ausbreiten. Nach dem Kochen schalten Sie den Herd aus, nehmen die Teile mit der Zange aus dem Wasser, lassen sie etwas abtropfen und stellen sie zum Lufttrocknen auf die Tücher. Ein zusätzliches Abtrocknen ist nicht sinnvoll.

Vaporisieren

Beim Vaporisieren verwenden Sie ein spezielles Gerät namens Vaporisator (erhältlich im Babyfachhandel), das den gesamten Vorgang des Abkochens für Sie übernimmt. Der Vaporisator eignet sich ausschließlich zur Sterilisierung von Kleinteilen wie Babyflaschen oder Schnullern. Diese Methode ist empfehlenswert für alle, die wenig Zeit haben und nur wenige Teile desinfizieren müssen. Das Gerät desinfiziert allerdings auf Basis von Wasserdampf und nicht auf flüssigem Wasser. Das macht aber keinen Unterschied bei der Wirkung, denn es ist genauso effektiv wie gewöhnliches Auskochen. Sie benötigen für den Vorgang nur zwei Dinge:

  • Vaporisator
  • Sauberes Leitungswasser

Gehen Sie beim Vaporisieren exakt nach Gebrauchsanweisung vor. Die Dauer des Vorgangs hängt von der Größe und der Leistung des Gerätes ab. Teilweise bieten die Modelle auch eine Trockenfunktion an. Ansonsten können Sie die Teile geräteabhängig auch bei geöffnetem Deckel im Gerät lufttrocknen lassen. Vaporisatoren erhalten Sie übrigens auch für die Mikrowelle. Die Modelle arbeiten ebenfalls mit Wasserdampf, allerdings sind nicht alle Fläschchen dafür geeignet.

Tipp: Einige eher hochpreisige Babyflaschen können auch ohne Vaporisator in der Mikrowelle desinfiziert werden. Diese Methode ist vergleichsweise schnell.

Reinigungstabletten

Neben den beiden thermischen Sterilisierungsverfahren gibt es eine chemische, die mittels Reinigungstabletten funktioniert. Da diese energieunabhängige Methode etwas mehr Aufwand von Ihnen verlangt, empfehlen wir Ihnen das Verfahren nur in Ausnahmesituationen, zum Beispiel auf Reisen. Sie benötigen zum Beispiel:

  • Spezielle Reinigungstabletten für die Sterilisierung von Babyfläschchen
  • Einen ausreichend großen Behälter
  • Kaltes, abgekochtes Wasser
  • Einen Behälter, in dem Sie das gebrauchte Wasser auffangen

Gehen Sie genau nach Verpackungsanleitung vor. Meist müssen Sie zuerst die Tabletten in einem Teil des Wassers auflösen und die Flaschen für eine Mindestdauer darin eintauchen. Anschließend nehmen Sie die Teile aus dem Wasser und spülen sie mit dem Restwasser ab, um das Reinigungsmittel vollständig zu entfernen.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Sterilisierung?

Säubern und desinfizieren Sie die Fläschchen ruhig sofort nach dem Gebrauch, auch wenn Sie sie nicht gleich wieder benötigen. Die sauberen Babyflaschen können Sie in sauberen Boxen lagern. Sie sollten dabei auf geschlossene Behälter achten, da Keime auch über die Raumluft übertragen werden. Fläschchen lassen sich auch direkt vor der Fütterung abkochen. Dabei sollten Sie aber ausreichend Zeit zur Verfügung haben, da die Flasche nach dem Vorgang noch abkühlen muss.

Miriam Kirmse
Über unsere Autorin
Miriam Kirmse ist die Content-Managerin von Wiado. Dabei interagiert sie vor allem mit den verschiedenen Experten, die für unser Online-Magazin als Autoren tätig sind. In ihrem bisherigen Berufsleben hat sie bereits als Kamerafrau, Moderatorin und Redakteurin gearbeitet. Ihre Motivation ist es, die Leser mit einem Blick hinter die Kulissen des Alltäglichen zuverlässig zu informieren und auch Antworten auf unkonventionelle Fragen zu finden. Ihr Motto lautet: Man lernt nie aus!
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