Baby: Stillen und Alkohol: darf man einen Sekt trinken?

Nach der Geburt freut sich die ein oder andere frischgebackene Mutter vielleicht wieder auf das erste Glas Sekt. Stillende Mütter sollten hier aber vorsichtig sein, denn der Alkohol gelangt vollständig in die Muttermilch. Inwieweit sich Stillende ein „Gläschen in Ehren“ gönnen dürfen beantwortet unsere Hebamme.

Mutter stillt Baby

Fast jede junge Mutter, die sich zum Stillen ihres Babys entschlossen hat, beschäftigt sich mit der Frage, ob sie jetzt wieder ab und zu ein oder zwei Gläser Alkohol genießen darf, ohne ihrem Kind zu schaden. Denn es ist allgemein bekannt, dass Alkohol ein Zellgift ist und im Übermaß genossen bei uns Menschen zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führt. Doch wie ist das bei gestillten Säuglingen? Schließlich ist Muttermilch die nachweislich beste Ernährungsform für das Baby. Und ratsuchende Familien sehen sich nicht selten mit oben beschriebenen Aussagen konfrontiert und wägen sich in trügerischer Sicherheit. In diesem Artikel wird der Zusammenhang zwischen mütterlichem Alkoholgenuss und Wirkung auf das gestillte Kind beschrieben. So soll er Eltern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Genussmittel Alkohol in der Stillzeit ermöglichen.

Geht Alkohol in die Muttermilch über?

Alkohol geht vollständig in die Muttermilch über und erreicht den höchsten Wert etwa 30 Minuten nach dem Genuss. Außerdem kann die Menge des übergehenden Alkohols nicht reduziert werden. Jedoch spielt die vergehende Zeit zwischen Genuss und Abbau eine entscheidende Rolle. Als Faustregel kann davon ausgegangen werden, dass der Körper der Mutter pro Glas alkoholisches Getränk (0,1 l Sekt, 0,125 l Wein, 0,33 l Bier, 0,02 l Spirituose) etwa 2 Stunden Abbauzeit benötigt. Ebenso nimmt auch die Alkoholmenge in der Muttermilch ab. Wenn der Alkohol bis zur nächsten Stillmahlzeit jedoch nicht vollständig eliminiert ist, nimmt das Kind über die getrunkene Milch den Alkohol auf. Das Kind hat noch langsame Stoffwechselprozesse, sodass der Alkohol deutlich länger im Kind verbleibt und auf die sich entwickelnden Zellen einwirkt.

Frau mit Sekt

Wirkung des Alkohols auf das gestillte Baby

  • Kürzere und unruhigere Schlafphasen
  • Verminderter Such-, Saug-, Schluckreflex › Kind wird nicht satt
  • Psychomotorische Entwicklungsstörungen
  • Wachstumsverzögerung von Gehirn, Organen und Körper
  • Gestörte Mutter-Kind-Interaktion (inadäquate Bedürfnisbefriedigung)

Das Problem: Aus ethischen Gründen ist die Datenlage sehr spärlich (Menschen dürfen nicht zu Forschungszwecken vorsätzlich geschädigt werden). Die Wissenschaftler greifen deshalb auf experimentelle Forschung und Modellrechnungen zurück. Es gibt daher keinerlei Anhaltspunkte, welche Menge Alkohol beim Kind welche Schäden verursacht und rückschließend auch keine Menge Alkohol, die garantiert folgenlos für das Baby bleibt.

Wirkung des Alkohols auf die Stillende

  • Veränderter Geruch der Muttermilch › Brustverweigerung – Kind wird nicht satt
  • Hemmung der Milchbildung durch verminderte Hormonausschüttung › Kind wird nicht satt
  • Blockade des Milchspendereflexes durch verminderte Hormonausschüttung › wunde Brustwarzen, Kind wird nicht satt
  • Erhöhte Unfallgefahr bei der Betreuung des Kindes (Gleichgewicht und Koordination gestört)
  • Gestörte Mutter-Kind-Interaktion (Gereiztheit, Verstimmung, Anlegefehler, Fehlinterpretation der kindlichen Signale)

Aus all diesen Gründen lautet die Empfehlung: Vollständiger Verzicht auf Alkohol in der Stillzeit.

Handlungsempfehlungen

Was ist nun, wenn sich die Mutter trotzdem ein Gläschen zur Feier des Tages gönnen möchte? Soll sie deshalb abstillen? Soll sie Ersatzmilch füttern? Oder soll sie die wertvolle Muttermilch aus diesem Grund verwerfen?

  • Muttermilchvorrat anlegen (Abpumpen, Ausstreichen › Tiefkühltruhe)
  • Erst Stillen, unmittelbar danach 1 Glas Alkohol trinken
  • Mindestens 1-2 Stunden Abstand zur nächsten Stillmahlzeit einhalten
  • Wenn Abstand kürzer oder Alkoholmenge grösser – vorsichtshalber den Muttermilchvorrat füttern, bei älteren Stillkindern in der Beikostphase auch Breifütterung möglich
  • Brust mit der alkoholisierten Muttermilch entlasten (abpumpen, ausstreichen) und verwerfen
  • Im alkoholisierten Zustand das Baby nicht mit ins Elternbett nehmen › Erstickungsgefahr für Kind wegen eingeschränkter Reaktionsfähigkeit
  • Eventuell nichtalkoholisierte Betreuungsperson für Kind organisieren

Stillen ist die beste Ernährungsform für ein Baby. Es bekommt auf diesem Wege alle Nähr- und Abwehrstoffe, die es zum Gedeihen braucht. Trotz gelegentlichem Alkoholgenuss in geringen Mengen ist das Stillen einer Fütterung von Kunstnahrung vorzuziehen. Hilfe und Unterstützung rund ums Stillen erhalten Sie weiterhin über Hebammen/Entbindungspfleger, Stillberaterinnen und geburtshilfliche Einrichtungen. Bei missbräuchlichem Alkoholgenuss sind die Gesundheitsgefahren für Mutter und Kind erheblich, deshalb sollte die Mutter in diesem Fall weitreichendere Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen (Suchtberatungsstellen, Kliniken, Ärzte, Therapeuten).

Quellen:
Bundesministerium für Risikobewertung / Nationale Stillkommission; Alkohol in der Stillzeit – Eine Risikobewertung unter Berücksichtigung der Stillförderung; BfR Hausdruckerei; Herausgegeben von U. Schwegler1, 3, M. Kohlhuber1, E. Roscher1, E. Kopp1, A. Ehlers2,  A. Weißenborn2, D. Rubin2, 3, A. Lampen2 und H. Fromme1; 2012

Deutscher Hebammenverband; Stillen und Alkohol – Ein Ratgeber für stillende Frauen; Lochmann Grafische Produktion Berlin; 3.Auflage 2017

http://www.wigwamzero.de/stillzeit/

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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