Baby schreit nach dem Stillen – was tun?

Wo gibt es denn sowas? Das Baby sollte doch jetzt total zufrieden sein. Stattdessen schreit es wie am Spieß. Mama ist ratlos, Baby auch, weil Mama seinen Hilferuf nicht deuten kann. Wir machen Ihnen Vorschläge zur Lösung des Problems.

Baby schreit nach dem Stillen

Nach dem Stillen sollte ein Baby doch eigentlich ruhig, satt und schläfrig sein. Manche Kinder werden dann aber noch einmal richtig mobil und schreien nach dem Stillen. Das kann verschiedene Ursachen haben. Mit einer einfachen Beobachtungsgabe können Mütter schnell herausfinden, warum der Nachwuchs unzufrieden scheint und Abhilfe schaffen.

Warum kann ein Baby nach dem Stillen schreien?
Es gibt mehrere Gründe dafür, die in der folgenden Übersicht dargestellt sind:

  • Baby-Hunger ⇒ Baby-Schmerzen ⇒ Baby-Überfütterung

Merke: Gestillte Kinder schreien weniger als Babys, die mit Formula ernährt werden!

„Das glaub ich doch nicht – mein Baby soll Hunger haben?!“

Auch wenn es die Mama nicht glauben will, gibt es doch mehrere Möglichkeiten, warum das Baby Hunger haben kann, auch wenn es an der Brust war:

1. Das Baby hat sich ein Schlummerstündchen gegönnt.

„Ich hatte meinen Hans jetzt geschlagene zwei Stunden an der Brust. Der muss doch irgendwann mal satt sein!“, gibt mir die Mutter etwas aufgebracht zu verstehen. Auf meine Frage, wie oft er denn geschluckt habe, ernte ich ein Achselzucken. Wenn Hans geschlafen hat, weil es an diesem wundervollen Ort schön warm ist und gut riecht, kann er natürlich Hunger haben. Er reagiert mit Protest, wenn ihn Mama von der Brust trennt.

2. Das Baby macht gerade einen Wachstumsschub¹ durch.

Baby stillen

Innerhalb von 24 Stunden kann es bis zu 2 cm wachsen kann. Am besten, Mama packt sich mit dem Baby ins Bett und stillt Marathon. Sicher gibt es einen liebevollen Menschen, der sie dabei gut versorgt. Oft ist die schlimmste Hungerattacke schon nach einem halben Tag überstanden. Das Baby kann nach dieser Anstrengung stundenlang schlafen ohne zu trinken. Der Hunger ist ja gestillt.

3. Das Baby ist nicht satt, weil es nicht ausdauernd genug getrunken hat.

Reife² Muttermilch gibt es in zwei Qualitäten:

Baby schreit nach dem Stillen

  • Vordermilch wird zwischen den Stillmahlzeiten gebildet und in der Brust gespeichert. Zu Beginn der nächsten Mahlzeit wird sie frei gegeben.
  • Während es für das Baby leichter ist, Vordermilch zu trinken, muss es sich beim Trinken der Hintermilch etwas mehr anstrengen.
  • Während bei Vordermilch die Menge ein gewisses Sättigungsgefühl bewirkt, hält es bei der Hintermilch durch den hohen Fettgehalt länger an.
  • Kinder, die vorwiegend Vordermilch trinken, möchten öfter und kürzer an die Brust, nehmen auch oft nicht ausreichend (mindestens 150 g/ Woche) und zu langsam zu. Sie können also tatsächlich Hunger haben.

Ihre Stillexpertin wird Sie aber mit Sicherheit informieren, falls sie dieses Verhalten bei Ihrem Baby vermutet.

„Mein Baby leidet an Koliken – ich stille ab!“

Solch einen Satz hören Hebammen oft. „Typischerweise“ treten diese Koliken nach dem Stillen auf, was die Mütter oft zu Fehlannahmen führt. Sie meinen dann, dass sie bestimmte Nahrungsmittel, wie zum Beispiel Zwiebeln oder Kohl nicht essen dürften. Fakt ist, dass die Darmgase der Mutter nicht in ihre Milch gelangen. Sonst müsste die Muttermilch geschäumt aus der Brust fließen. Dies ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen!

Abstillen ist erst recht keine Lösung. Amerikanische Kinderärzte weisen darauf hin, dass sich der Zustand der Säuglinge nach dem Abstillen häufig nicht verbessert. Zu bedenken ist in jedem Fall, dass das gesamte Verdauungssystem des Babys noch reift. Bei vielen Säuglingen tritt eine deutliche Besserung der Symptomatik nach 12 bis 14 Wochen ein. Es ist, als ob ein Schalter umgelegt wurde… So plötzlich wie der Ärger kam, ist er auch wieder verschwunden und unser Baby strahlt.

Was die Mutter anstelle des Abstillens vielmehr sollte, ist ihre Kuhmilchzufuhr einzuschränken oder am besten ganz aufzugeben. Gelegentlich reagiert das Baby auf das Kuhmilcheiweiß seiner Mutter, das über die Muttermilch übertragen wird, allergisch und entwickelt

  • Unruhe nach der Stillmahlzeit
  • Strampeln
  • Anziehen der Beine in Richtung Bauch
  • Pupsen
  • Aufstoßen
  • Blut im Stuhl
  • Schmerzen

Baby schreit nach dem Stillen

All diese Symptome kann das Baby durch sein Schreien nach dem Stillen anzeigen. Häufig verschreibt der Kinderarzt dann schnell einen sogenannten Entschäumer, wie zum Beispiel Lefax. Der soll helfen, die Gase, die sich im Magen-Darm-Bereich des Babys gebildet haben, zu blockieren. Von der schädlichen Wirkung auf die Darmbakterien ganz abgesehen, ist natürlichen Möglichkeiten klar der Vorzug zu geben. Dazu gehört etwa eine Bauchmassage von der Mama. Sie kann die Technik von einer ausgebildeten Babymassage-Kursleiterin leicht erlernen.

Übrigens reagieren manche Babys mit den obigen Symptomen auch auf die Gabe von Vitamin D und/oder Fluor.

„Au Backe, mein Zahn!“

Natürlich können Schmerzen auch eine andere Ursache haben. Manche Babys reagieren sehr sensibel, wenn während des Zahnens ihre Zahnleisten berührt werden. Selbst die weiche Brust übt schon zu viel Druck aus und verursacht Schmerzen. Eine Massage der Kieferleiste mit dem sauberen Finger der Mutter ist meist hilfreich, bevor sie ihr Baby stillt. Ein Beißring, der aus dem Kühlschrank kommt, wirkt manchmal Wunder und verhindert möglicherweise eine Schreiattacke während oder nach dem Stillen.

Das Baby hat zu viel oder zu schnell getrunken

Wenn das Bäuchlein voll ist, fühlt sich ein Baby nicht mehr wohl. Sein Ausdruck für dieses Unwohlsein ist Unruhe, vermehrtes Pupsen, Spucken und Weinen. Die Normalreaktion ist oft, dass Baby relativ kurzfristig nach dem Stillen spuckt, und zwar die Menge, die es zu viel getrunken hat. Danach kehrt meist wieder Ruhe ein.

Spucken ist nicht gleich zu setzen mit Erbrechen. Beim Erbrechen kommt angedaute Nahrung (meist schon mit Salzsäure versetzt) zurück. Muttermilch im „Rückwärtsgang“ ist noch nicht mit dem Magensaft in Berührung gekommen. Deshalb riecht sie beim Neugeborenen kaum sauer und stellt auch kein ernsthaftes Gesundheitsproblem dar
Trinkt das Baby zu schnell, hilft eine veränderte Stillposition, bei der es auf seinem Bauch auf der Mutter liegt. Dieses „Gegen die Schwerkraft trinken“ ist zwar mühsamer, kann aber vom Baby besser gesteuert werden. Anfangs ist diese Position aber ungewohnt für das Baby, was für neuen Ärger sorgen kann.

Mutmacher zum Schluss

Baby

  1. Versuchen Sie Ihr Baby zu verstehen. Es will Sie mit seinem Weinen oder Schreien nicht ärgern, sondern möchte Ihnen mitteilen, dass es ein Problem hat. Je besser Sie es Kennenlernen, umso schneller werden Sie es verstehen. Je besser Sie es verstehen, umso seltener wird es schreien.
  2. Probieren Sie verschiedene Kommunikationswege aus und beobachten Sie, wie Sie Ihr Baby beruhigen können oder sein Problem klären. Sie werden bemerken, dass Sie sehr schnell und begeistert lernen, dieses Mal auf einem völlig neuen Gebiet. Viel Erfolg!

¹ kommt oft zwischen dem 6. und 10. Lebenstag, nach 4-6 Wochen und mit ca. 10-12 Wochen vor
² Milch, die ab dem 4./5. Tag nach der Geburt gebildet wird

Quellen:
1. Eugster, G. & Both, D. Stillen gesund & richtig, Urban & Fischer, 2009
2. Lawrence, R.A. & Lawrence, R.M. Breastfeeding, A Guide for the Medical Profession, 8th ed. , 2016;
3. Aufzeichnungen aus der Weiterbildung zur Still- und Laktationsberaterin

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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