Baby schüttelt ständig den Kopf hin und her – Das rät die Hebamme

Wenn wir Erwachsenen uns vom Alltagsstress beruhigen wollen helfen dabei Hobbys und sportliche Betätigungen. Bei Kindern läuft das ganze ähnlich ab. Sie nutzen ihre eigenen Rituale, um sich selbst zu beruhigen. Einige Baby lutschen dabei vergnügt an Daumen oder Schnuller und wieder andere schütteln ihren Kopf ständig hin und her. Ob Eltern dieses Kopfschütteln beim Baby beunruhigen sollte, erfahren Sie hier.

Baby

Wenn Babys beispielsweise beim Einschlafen ständig ihren Kopf hin und her schütteln oder ihn sogar rhythmisch gegen die Gitterstäbe des Kinderbettchens werfen, ist das für die Eltern Anlass zu Beunruhigung und Sorge. Warum tut das Baby das? Tut es sich weh dabei? Ist mein Kind krank oder sogar gestört/behindert? Was kann ich gegen das Kopfschütteln tun? Geht das wieder weg? Antworten auf all diese Fragen erhalten Sie im folgenden Text.

Rhythmische Bewegungsmuster beim Kind (Jaktationen)

Circa 20% aller Babys neigen zu einem rhythmischen stereotypen Bewegungsmuster, besonders beim Einschlafen oder beim Alleinsein. Meist beginnt es in der zweiten Hälfte des 1. Lebensjahres. Jungen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Mädchen. Warum das so ist, ist leider (noch) nicht bekannt.

Stereotype rhythmische Bewegungsmuster bei Babys und Kleinkindern sind vor allem:

  • Kopfschaukeln/Kopfschütteln/Kopfschlagen (jactatio capitis)
  • Körperwippen im Liegen/Sitzen/Vierfüßlerstand (jactatio corporis)

Stellvertretend für alle stereotypen Bewegungsmuster beim Baby/Kleinkind soll in diesem Artikel das Kopfschütteln beziehungsweise das Kopfschlagen (zum Beispiel an harte Bettteile) behandelt werden.

Warum schüttelt das Baby mit dem Kopf?

Das Kopfschütteln/Kopfschlagen bei Babys ist viel weiterverbreitet als man allgemein hin denkt.

Baby schüttelt Kopf

So wie andere Kinder an Schnuller oder Daumen lutschen, sich in den Schlaf schreien oder von ihren Eltern zum Einschlafen geschaukelt werden wollen, schütteln oder schlagen andere Babys/Kleinkinder mit ihrem Kopf. Der Rhythmus ist dabei das Geheimnis. Es beruhigt sie ungemein, schafft ihnen ein Wohlbefinden und lässt sie genug vom Tagesstress abschalten, dass sie einschlummern. Es ist vergleichbar mit Entspannungsritualen bei uns Erwachsenen (Yoga, Hörbuch hören, Tanzen, Spazieren gehen, Zigarette rauchen…). Weitere Gründe:

  • aus Langeweile
  • aus Gewohnheit
  • zur Schmerzberuhigung (Kopfschütteln/Kopfschlagen lenkt ab zum Beispiel von Zahnungsbeschwerden oder Ohrenschmerzen…)
  • aus Frustration (das Kind kann noch nicht sprechen und gibt seinen Emotionen zum Beispiel Wut ein Ventil – andere Kinder schreien zum Beispiel ausdauernd oder werfen sich in die Ecke und strampeln)
  • um Aufmerksamkeit zu erlangen (Eltern wollen selbstzerstörerisches Handeln ihres Lieblings unterbinden und tun einiges dafür = Aufmerksamkeit = Wiederholung des Verhaltens)
  • wegen eines Entwicklungsproblems (Kopfschütteln/Kopfschlagen beim Baby kann Begleitsymptom bei auftretenden Entwicklungsstörungen sein)

Ist das Kind krank oder behindert?

Kopfschütteln allein ist bei einem ansonsten gesunden Kind kein Problem! Allerdings kommt es auch bei verschiedenen Entwicklungsstörungen als Begleitsymptom vor (zum Beispiel bei Autismus, Vernachlässigung, Intelligenzminderung). Bringen Sie ihr Kind deshalb zum Arzt, wenn das Kopfschütteln/Kopfschlagen

  • erstmals später als mit 1,5 Jahren auftritt
  • gleichzeitig mit einem belastenden/ängstigendem Ereignis auftritt
  • ab dem 3. Lebensjahr nicht nachlässt/weggeht
  • sich Ihr Kind nicht altersgemäß entwickelt
  • sich Ihr Kind tatsächlich selbst verletzt

Geht das Kopfschütteln wieder weg?

Das Kind bleibt meist mehrere Monate, ja teilweise sogar Jahre bei seinem Kopfschütteln/Kopfschlagen. Spätestens im dritten Lebensjahr geht dieses Verhalten jedoch von ganz allein wieder verloren.

Hat Baby Schmerzen beim Kopfschütteln/Kopfschlagen?

Kopfschütteln/Kopfschlagen lässt uns Erwachsene vermuten, dass das Baby dabei unangenehme Gefühle wie Schwindel, Übelkeit, Schmerzen empfindet. Doch beim Kind überwiegen offensichtlich Wohlbefinden und Lustgewinn das eventuelle Schmerzgefühl, sonst würde es das Baby nicht ständig wiederholen und dabei sogar noch einschlafen. Doch um die tatsächlich vorhandene Verletzungsgefahr zu reduzieren, sollten Eltern trotzdem Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.

Was können Eltern tun?

Mit jeglicher Art von Aufmerksamkeit wird das Verhalten des Kopfschüttelns/Kopfschlagens nur noch verstärkt. Ob Sie nun schimpfen, es ablenken oder es mit Nahrung (Flasche/Stillen) beruhigen, all dies bedeutet für das Kind eine Art Zuwendung in der eigentlichen Situation des (unerwünschten) Verhaltens. Deshalb ist es wichtig, Ihrem Kind außerhalb dieses Verhaltensmusters ausreichend und viel positive Zuwendung zukommen zu lassen. Beschäftigung, Lob und Kuschelzeiten sind enorm wichtig für seine Entwicklung. Mit Schimpfen oder Bestrafen erreichen Sie beim Kind gar nichts, denn es wird noch nicht verstehen, was an dem für ihn positiven Erleben schlecht ist und schafft nur Frust, Ärger und Unverständnis zwischen Ihnen. Bleiben Sie einfach ruhig und gelassen, denn ab dem Zeitpunkt, wo das Kopfschütteln/Kopfschlagen bei Ihrem Kind Schmerz auslöst, wird es damit aufhören. Weiterhin helfen Sie Ihrem Kind mit:

Kind kopfschütteln

  • Gelegenheit geben, das Rhythmusgefühl anders auszuleben (tickende Uhr, Metronom, mit Kind tanzen, rhythmisches Klatschen zu Kinderreimen…)
  • Kind tagsüber viel bewegen/toben lassen
  • beruhigendes Bettritual entwickeln (warmes Bad, Babymassage, Musik/Lied, Vorlesen, beruhigend über das Köpfchen streichen oder noch mal paar Minuten Kuscheln und in den Armen wiegen …)
  • eventuell Bett auspolstern mit Gitterschutz, aber es muss sicher befestigt sein und darf sich nicht lösen (Erstickungs- oder Strangulationsgefahr besteht bei losen Teilen, Schnüren, extra Kissen…)
  • Bettgestell auf gelockerte Schrauben und Teile überprüfen
  • eventuell nur eine Matratze ohne Bettgestell zum Schlafen anbieten (kein Gitter da zum
    anschlagen)

Meine eigene Tochter setzte sich immer auf, auch mitten in der Nacht, wippte rhythmisch mit dem ganzen Körper und sang „hoppe hoppe Reiter“. Das ganze dauerte etwa eine Minute lang, dann fiel sie wieder hinten über in die Liegeposition und schlief (weiter). Nur wir Eltern saßen im Bett und guckten uns anfangs fragend an (bis wir dran gewöhnt waren). Lassen also auch Sie sich von solch oder ähnlichen rhythmischen Einschlafritualen Ihres Kindes nicht aus der Ruhe bringen.

Quellen:
www.psychosoziale-gesundheit.net/bb/06kiju.html
https://www.babycenter.de/a35367/kopf-ruckeln
www.icd-code.de/icd/code/F98.4-.html
Kast-Zahn, A.; Morgenroth, H.; „Jedes Kind kann schlafen lernen“; Osterbrink Verlag GmbH 2004; S. 144ff

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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