Baby-Entwicklung 1. Woche: Das ist wichtig! | Neugeborenes

Schon in der 1. Lebenswoche entdecken die Eltern, das Baby und Geschwister viele interessante Details und staunen. Sie möchten mehr darüber erfahren? Das wichtigste zur 1. Woche in der Baby-Entwicklung erfahren Sie hier!

Neugeborenes

Ein Baby geschenkt zu bekommen, ist eine echte Abenteuersafari. Wie bei jeder Reise gibt es vorher viele Reisevorbereitungen. Je gründlicher sie getroffen werden, umso leichter stellt man sich dann hoffentlich auf die wirklichen Herausforderungen und Abenteuer einer Reise ins unbekannte Land ein. Wir begleiten Sie mit nützlichen Hinweisen und praktischen Tipps bei diesem Abenteuer, das sich Woche für Woche neu darstellt. Los geht es mit der Baby-Entwicklung in Woche 1.

Der Start der Reise

Für die meisten Eltern beginnt die Reise im Krankenhaus, einem Ort, der für die Geburt maximale Sicherheit verspricht. Dass eine Hausgeburt laut Studienlage die gleiche Sicherheit verspricht, sei hier nur am Rande vermerkt. Nach einer komplikationslosen Schwangerschaft die Geburt mit der Hebamme der Wahl in einer vertrauten Umgebung zu erleben, sind dabei nur zwei Vorteile.

Alles dran? Die U1-Untersuchung

Neugeborenes U1

Das ist die erste von 10 Untersuchungen, die das Baby erlebt. Sie findet sofort nach der Geburt statt und wird von der Hebamme oder dem Kinderarzt durchgeführt. Neben der Beobachtung normaler Lebensfunktionen wie Atmung, Kreislauf und der körperlichen Untersuchung werden auch die Körpergröße, das Körpergewicht und der Kopfumfang des Neugeborenen erhoben.

Merke: Das „Normalgewicht“ Neugeborener in Deutschland bewegt sich zwischen
2800 und 4200g, das Durchschnittsgewicht liegt bei 3000 bis 3400g.¹ Die „normale“ Körperlänge liegt bei 66% der Neugeborenen im Bereich zwischen 50 und 54cm.²

Nur etwa 7% der Babys wiegen bei der Geburt weniger als 2500g, ungefähr 1% wiegt mehr als 4500g.³ Diese Maßangaben werden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, wie Sie aus der folgenden Übersicht entnehmen können.

Gewicht und Länger werden bestimmt durch

  • Stoffwechselkrankheiten der Mutter, wie z.B. Diabetes mellitus
  • Ernährung während der Schwangerschaft
  • Übergewicht der Mutter
  • Schwangerschaftswoche
  • Kinderanzahl

Zuhause angekommen – Alles ist neu

Meist erfolgt die Entlassung aus dem Krankenhaus am 3. Tag. Jetzt sind die Eltern oder die frischgebackene Mama auf sich gestellt. Da solche Situationen auch mit dem besten Geburtsvorbereitungskurs nicht geübt werden können, warten sicher einige Überraschungen auf Sie. Dass Sie unsicher sind, ist nichts Negatives. Sie wachsen als Mutter gerade in Ihre neue Rolle hinein. Diese Unsicherheit betrifft auch Ihren Partner. Er ist jetzt Vater. Das ist etwas vollkommen Anderes als Liebhaber. Halten Sie als Eltern durch – Babys sind geduldig und speichern Ihre „Anfangsfehler“ nicht ab, um Sie Ihnen später vorzuhalten!

Tipp: Informieren Sie „Ihre“ Hebamme, sobald Sie wissen, wann Sie entlassen werden, nicht erst, wenn Sie Zuhause angekommen sind. Freiberufliche Hebammen haben einen eng getakteten Wochenbett-Besuchsplan, der nur im Notfall verändert werden kann!

Entthronung des größeren Geschwisterchens

Für das ältere Geschwisterkind entsteht oft eine schwierige Situation, weil sich plötzlich alles um das neue Baby dreht und sich scheinbar niemand mehr für ihn oder sie interessiert. Die Aussage, dass die Mama das Baby ja wieder ins Krankenhaus zurückbringen könne, schmerzt meist sehr. Es gibt viele gute Hinweise, wie sie einer Krisensituation innerhalb der Familie vorbeugen können.

Baby Geschwisterchen

Zahlreiche Tipps: Erfüllen Sie dem Geschwisterkind einen lang gehegten erfüllbaren Wunsch, z.B. nach einem Spielzeug, das ihm/ihr das Baby schenkt. Nehmen Sie das Geschwisterkind ein paar Tage aus der Kindereinrichtung, die es besucht, damit es die neue Situation in der Familie nicht ausgegrenzt erlebt. Kuscheln Sie als Familie in den ersten Tagen zu Hause ganz viel. Lassen Sie sich von Ihrem „großen“ Kind helfen, wenn Sie beispielsweise das Baby wickeln oder baden.

Auch der Hund ist eifersüchtig

Es könnte auch die Katze oder ein sonstiges Haustier, das Konkurrenz wittert, sein. Gewöhnen Sie das Tier an seinen neuen Hausbewohner, vielleicht dadurch, dass Sie es an einer Windel schnuppern lassen.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihr Baby nicht allein mit dem Haustier im Zimmer ist, um gefährlichen Situationen vorzubeugen. Sind Sie sich über die Reaktionen des Haustieres unsicher, überlegen Sie, ob Sie sich nicht von ihm trennen sollten. Damit wäre auch möglichen Allergien⁴ von Anfang an die Grundlage entzogen.

Wochenbett dauert eine Woche?!

Nein, falsch, es dauert 8 Wochen. Das ist die Zeit, in der sich Ihr Körper wieder auf die Zeit vor der Schwangerschaft zurückbildet. In vielen anderen Kulturkreisen ist Mama jetzt die gefeierte Königin, der man jeden Wunsch von den Augen abliest. Sie hat schließlich ein Baby zur Welt gebracht und darf sich dafür jetzt mal richtig verwöhnen lassen. Manche Leute sagen:“ Wochenbett sind die Flitterwochen mit dem Baby.“

Tipp: Auch der Papa sollte diese Gelegenheit nutzen und seine gesetzlich geregelte Vaterzeit jetzt in Anspruch nehmen.

Für Ersteltern: Baby weint – was nun?

Für Ihr Baby ist die Situation auch neu, noch dazu seine Sinneseindrücke. Die waren im Krankenhaus anders als zu Hause. Die meisten Babys reagieren auf diese Vielzahl neuer Eindrücke mit Verwirrung. Viele beginnen zu weinen, aber da heißt ein gutes „Rezept“: Legen Sie einfach Ihr Baby an die Brust. Dort hat es schon sehr positive Erfahrungen gesammelt:

  • Körpergeruch der Mama
  • Befriedigung von Bedürfnissen durch Stillen
  • Zärtlichkeit
  • Hautkontakt
  • Wärme
  • Geborgenheit
  • Blickkontakt
  • Bindungsaufbau (Bonding)

Wenn Sie nicht stillen, beschenken Sie Ihr Baby einfach mit direktem Hautkontakt, also nackte Haut der Eltern auf nackte Haut des Babys.

Tipp: Eine Windel um Babys Po schützt vor plötzlicher Nässe!

Es gibt noch eine Menge anderer Möglichkeiten, warum ein Baby zu weinen beginnt. Nicht immer ist es ein Zuviel an Sinneseindrücken.

Baby weint

Da sowohl die Eltern als auch das Baby sehr schnell von- und miteinander lernen, finden sie schon nach kurzer Zeit heraus, was der Anlass zum Weinen ist.

Merke: Babys weinen niemals, weil sie ihre Eltern ärgern wollen! Es ist immer ein flehentlicher Hilferuf des Babys, das sich noch nicht anders mitteilen kann.

Die Reaktion der Mama

Aus der Forschung bei der Beobachtung von Mutter-Kind-Paaren weiß man, dass Mütter sehr viel schneller auf ihr Baby reagieren, wenn es Hunger hat. Das Weinen in einem solchen Fall klingt anders, als wenn seine kleine Welt gerade aus einem anderen Grund ins Wanken geraten ist. Vielleicht fragen Sie sich, ob denn Stillen fast jede Stunde normal ist. Ja, am ersten Tag zu Hause, reagieren viele Babys auf die veränderte, neue Umgebung damit. Erst wenn sie merken, dass Mama ein zuverlässiger Faktor ist, entspannen sie sich. Die Mama lernt dabei, dass sie in der Lage ist, auf die bedrängte Situation ihres Babys adäquat zu reagieren.

Merke: In der 1. Lebenswoche ist 12 bis 14x Stillen innerhalb von 24 Stunden normal. Die veränderte Zusammensetzung der Muttermilch in den folgenden Tagen und Wochen vergrößert auch die Stillabstände.

Babys sind kleine Individualisten

Auch wenn Ihnen Freundinnen erzählen, dass Ihr Kind in der 1. Lebenswoche immer mindestens 20 Stunden geschlafen hat und sie sich langweilten, erwarten Sie bitte nicht, dass es Ihr Baby genauso macht! Die Mehrzahl der Neugeborenen schläft wirklich viele Stunden am Tag. Es müssen nicht immer 20 sein. Manchen genügen auch nur 10 oder 12 Stunden.

Kleine weiße Punkte im Gesicht

Der Fachausdruck dafür lautet Milien. Das sind kleine gelblich-weiße Grießkörner auf der Haut, die durch eine Überreaktion der Talgdrüsen gebildet werden. Was tun? Einfach abwarten. So wie sie gekommen sind, verschwinden sie auch wieder nach einigen Tagen, manchmal auch Wochen.

Baby Milien

Mitunter zeigt das Baby auch eine trockene, schuppige Haut, vor allem, wenn es später als am errechneten Geburtstermin geboren wurde. Bitte verwenden sie kein Babyöl. Es trocknet die sensible Haut nur noch mehr aus und behindert die Entwicklung eines normalen Hautschutzes. Warten Sie einfach ein paar Tage ab, und das Problem (die Hautschuppen) löst sich buchstäblich von selbst.

Tipp: Sie können eine feuchte Stilleinlage als Super-Kosmetikum für die Hautpflege Ihres Babys verwenden (auch am Po statt Feuchttüchern!).

Uff, geschafft – die 1. Woche

So schnell ist sie vergangen. Der Besuch war vorsichtshalber schon telefonisch abgeblockt, denn wozu kann Papa einen netten Spruch auf dem Anrufbeantworter hinterlassen: „Jetzt sind vier Wochen Familienferien. Bis dann. Übrigens ist unser Manuel 55cm groß und wiegt 3780g. Er genießt jetzt unser Zuhause!“

Bis zur nächsten Station, der 2. Lebenswoche, verbleibt mit den besten Wünschen
Ihre Hebamme

¹ Gesundheitsmonitoring RKI, 2013
² 2015: 66% der Neugeborenen laut Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen 
³ ebenda
Überempfindlichkeitsreaktion, z.B. auf Tierhaare

Quellen:
https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Adipositas_Monitoring/Vor_und_nach_Geburt/PDF_Themenblatt_Geburtsgewicht.pdf?__blob=publicationFile
https://iqtig.org/downloads/auswertung/2015/16n1gebh/QSKH_16n1-GEBH_2015_BUAW_V02_2016-07-07.pdf
BDH Das Neugeborene in der Hebammenpraxis, Hippokrates Verlag Stuttgart, 2004

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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