Ihr Baby mit 8 Monaten: körperliche & soziale Entwicklung

Das Leben mit einem acht Monate alten Baby nimmt an Fahrt auf. Der Nachwuchs krabbelt geschwind von einem Zimmer ins andere und erkundet so seine Umwelt. Den Bewegungsdrang sollten Sie aber im Auge behalten, denn schnell kann es zu kleineren oder auch größeren Unfällen kommen. Machen Sie ihre Wohnung spätestens jetzt „Krabbel“ sicher.

Babys 8 Monate

Schon ist wieder ein Monat vergangen und es gibt Neuigkeiten in der Entwicklung Ihres Babys. Wir schauen uns dieses Mal (wie üblich) Größe und Gewicht an. Körperliche Bewegungen und Gefahren, die sich daraus ergeben, sind ein weiterer Schwerpunkt. Das soziale Verhalten des Babys mit 8 Monaten wird kurz unter die Lupe genommen. Wie man kleine Katastrophen verhindern kann, gehört zum 1×1 umsichtiger Eltern.

Größe und Gewicht

Mädchen Jungen
Gewicht 7,9 kg 8,6 kg
Größe 69 +/- 4 cm 71 +/- 4 cm

Bitte vergessen Sie nicht, dass es immer individuelle Unterschiede, die verschiedene Ursachen haben, gibt. Solange sich Ihr Baby normal entwickelt, brauchen Sie sich nicht zu sorgen. Es ist beispielsweise normal, wenn

Baby krabbelt

  • ein Baby in einem Monat weniger zunimmt als im vorangegangenen oder folgenden Monat
  • die Gewichtsentwicklung im gesamten 1. Lebensjahr ungefähr parallel zur Perzentilenkurve verläuft
  • Stillkinder oft schwerer sind als Babys, die eine Flasche bekommen, sich aber ihre Gewichtszunahme zwischen dem 3. und dem 12. Lebensmonat verlangsamt
  • ein Baby infolge seines Körpergewichtes weniger mobil ist

Merke: Die durchschnittliche Gewichtszunahme wird mit 90-120g/ Woche angegeben!

Körperliche Bewegungen

Die Entwicklung motorischer Fähigkeiten Ihres 8-monatigen Babys hängt von verschiedenen Einfluss- bzw. Störfaktoren ab. Sie können einige davon aus dem Schema ableiten:

Baby Monat 8
Der Kinderarzt untersucht Ihr Baby, indem er einen Entwicklungstest durchführt. Bei dem häufig verwendeten Denver –Test erfasst er

  • den sozialen Kontakt
    • 50% der Babys sind anfangs scheu bei Fremden
    • Baby klatscht in die Hände oder winkt
  • die Feinmotorik
    • Daumen-Finger-Griff
    • Baby schlägt zwei Klötzchen zusammen

Kind spielt mit Bauklötzen

  • die Sprache ( bei manchen Babys schon ab dem 7. Monat)
    • „Papa“ oder „Mama“ – ungezielt
    • imitiert Sprachlaute
  • die Grobmotorik
    • sitzt ohne Hilfe
    • setzt sich auf
    • zieht sich hoch zum Stehen
    • steht mit Festhalten
    • läuft an Möbeln entlang

Merke: Nicht die „Einzelleistung“ zählt, sondern der allgemeine Eindruck!
Auch bei einem altersentsprechend normalen Kind kann ein Test pathologisch (krankhaft) ausfallen!

Er wird dann zu einem späteren Zeitpunkt, wenn weniger Störfaktoren vorhanden sind, wiederholt. Wenn beispielsweise ein Baby gerade einen Infekt hat(te), ist es vielleicht nicht so gut „drauf“ wie sonst. Uns Erwachsenen geht das ja auch nicht anders, ohne dass wir uns dann sofort Sorgen machen.

Soziales Verhalten

Wie schon im Denver-Test erwähnt, wird auch die soziale Entwicklung des Babys beobachtet. Soziales Verhalten hat immer zwei Seiten: die Fähigkeit, sich mitzuteilen und die Mitteilungen zu verstehen. Babys mit 8 Monaten können ihre Gefühle schon recht gut ausdrücken. Ob sie sich freuen, wenn z.B. eine vertraute Person erscheint, ist deutlich sichtbar. Auch kleine Wutausbrüche bei Handlungen, die sie nicht mögen (z.B. Gesicht waschen), sind nicht ungewöhnlich.

Tipp: Nehmen Sie Ihr Baby ernst, indem Sie das Gefühl ansprechen, das Ihr Baby gerade zeigt. Etwa so:“ Arina, ich weiß dass du jetzt sehr ärgerlich bist, aber die Mama muss dir jetzt die Nase putzen.“

Ihr Baby versteht auch sehr genau durch Ihren anderen Tonfall, wenn Sie ihm eine Grenze setzten. Wenn es etwa versucht, Sie zu beißen und Sie Schmerz äußern (und dabei nicht gleichzeitig lächeln!), beginnt es oft zu weinen.

Die Bereitschaft zu einfachen Spielen, wie z.B. das Versteckspiel entwickelt sich. Wird der Papa oder ein Geschwisterkind entdeckt, hört man freudiges Lachen des Babys.

Verstecke spielen mit Baby

Mit der motorischen und sozialen Entwicklung des Babys ergeben sich neue Erfahrungsräume. Sie sind manchmal gefährlich, weil unbekannt und benötigen klare Grenzsetzungen durch die Eltern. Das tut ihnen in der Regel mehr „weh“ als den Babys, hilft denen aber in ihrer weiteren Entwicklung zu Geborgenheit und Sicherheit.

Gefahren und ihre Vorbeugung

Gefahr: Gegenstände, die auf das Baby fallen können

  • Erklärung: Das Baby ist noch unsicher auf seinen Beinen und hält sich instinktiv
    an Gegenständen fest oder zieht beim Hinfallen daran
  • Lösung:
    • für standfeste Regale sorgen
    • Blumentöpfe außer Reichweite
    • Schubladen verschließen
    • Tischdecken befestigen

Schubalden verschließen

Gefahr: Absturzgefahr

  • Erklärung: Babys mit 8 Monaten können ihre Körperbewegungen noch nicht so effektiv kontrollieren und neigen deshalb zu intensiven, manchmal auch reflexhaften Bewegungen. Sie können Herausfallen oder Umkippen zur Folge haben.
  • Lösung:
    • Modelle mit GS-Zeichen (geprüfte Sicherheit) kaufen, auch wenn andere billiger sind!
    • Baby auf dem Wickeltisch, in der Nähe von Treppen oder Gewässern beaufsichtigen
    • Baby nicht in ein oberes Doppelstockbett legen

Gefahr: Aufbewahrung gefährlicher Gegenstände

  • Erklärung: Die Wohnung ist ein interessanter Ort, und wenn Baby nicht gerade in ein Laufgitter eingesperrt ist, nutzt es jede Gelegenheit, um sich zu bilden
  • Lösung:
    • scharfe und spitze Gegenstände entfernen
    • Medikamente, Kosmetika, Reinigungsmittel, Gewürze, Genussmittel usw. kindersicher aufbewahren

Baby Messer Gefahr

Gefahr: Verschlucken von Gegenständen

  • Erklärung: Jedes Baby besitzt einen nahezu unbegrenzten Forscherdrang und untersucht neugierig seine Umgebung. Kleine Kugeln eignen sich hervorragend, um sie in Körperöffnungen (Nase, Ohren, Mund) zu verstecken.
  • Lösung:
    • kleine Gegenstände (Knöpfe, Kugeln, Spielzeugteile) aus kindlichen Reichweite entfernen
    • Schränke (vor allem Medizinschränke) und Abfallbehälter verschließen

Gefahr: Verbrennungen; Verbrühungen, Stromunfälle

  • Erklärung: Hitze, Wasser, Wasserdampf oder Strom sind für Ihr Baby gefährlich, denn es kann die damit verbundenen Gefahren noch nicht abschätzen. Seine Hautoberfläche ist viel schneller und tiefer verletzt als bei einem Erwachsenen. Deshalb kann es mitunter sehr plötzlich um Leben und Tod gehen.
  • Lösung:
    • Baby von Kaminen, Öfen, Herden, heißen Bügeleisen und Geschirrspülern fernhalten.
    • Heißes Essgeschirr oder erhitzte Speisen können zu Verbrühungen oder Verbrennungen führen, vorher Temperatur der Mahlzeit prüfen
    • zuerst kaltes Wasser in die Badewanne einlassen, bevor warmes oder heißes dazu gemischt wird
    • Steckdosen benötigen unbedingt eine Kindersicherung

Steckdose Gefahr für Kinder

Gefahr: Haustiere und Pflanzen

  • Erklärung: Viele Zimmerpflanzen sind giftig, obwohl sie sehr schön aussehen (Bsp. Ficus benjamina) Baby ist durchaus versucht, Blätter abzureißen und auch mal zu kosten. Bei Haustieren sollten Sie unbekanntes Verhalten/Reaktionen nach Ankunft eines Babys erwarten.
  • Lösung:
    • direkter Kontakt mit Haustieren erfolgt nur unter Aufsicht
    • giftige Pflanzen im Zimmer oder (vorsichtshalber auch schon) im Garten entfernen

Gefahr: Auto und Straßenverkehr

  • Erklärung: Babys bewegen sich unberechenbar.
  • Lösung:
    • niemals Baby unangeschnallt – auch unter Protest – in den Kindersitz
    • Baby nicht allein im Auto zurücklassen, vor allem im Sommer oder wenn Sie „nur mal schnell etwas holen wollen“

Fort-Schritte

Babys bewegen sich mit 8 Monaten auf immer neue Art durch den Raum

Baby krabbelt

  • rutschend, vorwärts, rückwärts, im Kreise
  • robbend, schaukelnd
  • krabbelnd, rückwärts, vorwärts
  • im Bärengang auf Händen und Füßen.

Oft wird es dabei ärgerlich und frustriert, wenn der innere Kompass in eine andere Richtung zeigt als die tatsächliche Bewegung stattfindet. Baby lernt aus Erfahrung.

Tipp: Sie können Ihr Baby durch Lob und Anfeuern unterstützen.

Diese Fort-Schritte werden Ihr gemeinsames Leben gewaltig verändern. Es ist gut, wenn Sie Ihre Wohnung „krabbelfest“ machen und sich auf die neuen Herausforderungen rechtzeitig einstellen. Ihr Kind ist jetzt ein Krabbelkind und kann sich mit seiner neu erlangten Bewegungsfreiheit jederzeit in Gefahr bringen.

Fort-Schritte sind aber immer auch mit neuen Entdeckungen verbunden. Ich wünsche Ihnen viel Freude dabei! Genießen Sie diese wunderschöne Zeit!

Ihre Hebamme

Quellen:
BDH, Das Neugeborene in der Hebammenpraxis, Hippokrates, Stuttgart, 2004
Illing, S. et al Kinderheilkunde für Hebammen, Hippokrates, Stuttgart, 2003
Leach, P. Alles für unser Baby, Zweitausendeins, Frankfurt, 2001
Schmidt, H.D., Schneeweiß, B. Schritt um Schritt, VEB Verlag Volk und Gesundheit Berlin, 1985
https://www.wiado.de/gewichtstabelle-fuer-babys/
https://www.swissmom.ch/baby/medizinisches/beim-kinderarzt/gewicht-und-laengenwachstum/

Edeltraut Hertel
Hier schreibt Hebamme
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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Edeltraut Hertel
Edeltraut Hertel ist Diplom-Medizin-Pädagogin, Hebamme und Krankenschwester. Sie arbeitete im In- und Ausland (8 Jahre Tansania, Katastropheneinsätze in Mazadonien, Sudan und Eritrea), und war fast 15 Jahre als freiberufliche Hebamme in Glauchau und Umgebung tätig. Von 2012 bis 2017 unterrichtete sie an der Med. Berufsfachschule der Klinikum Chemnitz gGmbH. Seit Sept. 2017 erfreut sie sich an ihrem Ruhestand, gibt aber gern aus ihrem Wissens- und Erfahrungsschatz an Wissensdurstige weiter.
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