Angina: Ist eine Mandelentzündung ansteckend? Wenn ja, wie lange?

Eine Angina tonsillaris oder Mandelentzündung kommt bei Kindern häufig vor. Meistens entsteht die Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillen) durch eine Infektion mit Viren oder Bakterien und ist deshalb ansteckend. Wie lange das Risiko, die Erkrankung an andere Kinder weiterzugeben besteht, hängt vom verantwortlichen Erreger ab.

Halsuntersuchung beim Kind

Im Herbst und im Winter leiden die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum unter Kälte und trockener Heizungsluft. Sie verlieren ihre natürliche Feuchtigkeit und sind dazu wesentlich anfälliger für Infektionen durch Bakterien und Viren als im Sommer. Niest oder hustet ein infiziertes Kind, fliegen die Krankheitserreger in kleine Sekrettröpfchen eingeschlossen durch die Luft und stecken weitere Kinder an. Da sich die Mandeln direkt im Strom der Atemluft befinden, siedeln sich hier schnell Keime an. Mit ihrem lymphatischen Gewebe sind sie ein wichtiger Teil des Immunsystems und wehren Krankheiten ab. Unter schwierigen Bedingungen wie in der kalten Jahreszeit und einer entsprechend großen Ladung Bakterien oder Viren können sich aber auch die Mandeln selbst entzünden. Eine Angina ist dann oftmals die Folge.

Viren können eine Angina tonsillaris verursachen

Meist unkompliziert verläuft die virale Mandelentzündung. Sie tritt häufig im Rahmen eines grippalen Infekts auf. Typische Viren sind hier:

  • Adenoviren
  • Rhinoviren
  • Coronaviren

Erste Zeichen einer Tonsillitis sind ein kratziges Gefühl im Hals, Halsschmerzen sowie Beschwerden beim Schlucken. Schnupfen, Fieber und Gliederschmerzen begleiten eine virale Angina in vielen Fällen.

Sonderformen der viralen Tonsillitis:

  • Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber)
  • Coxsackie-Viren (Herpangina)

Wie lange ist eine virale Mandelentzündung ansteckend?

Da Sie wahrscheinlich nicht genau wissen, mit welchem Virus sich Ihr Kind infiziert hat, kann es hier nur eine ungefähre Aussage geben. Bei viralen Erkrankungen ist es im Allgemeinen so, dass der Patient nicht mehr ansteckend ist, wenn die Symptome wieder verschwunden sind. Sie können bei einer Tonsillitis mit sieben bis 14 Tagen rechnen.

Bakterien können ebenfalls die Ursache einer Tonsillitis sein

Beginnt die Mandelentzündung ganz plötzlich mit starkem Krankheitsgefühl, hohem Fieber, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen, handelt es sich somit wahrscheinlich um eine bakterielle Ursache. Vielleicht fallen Ihnen auch vergrößerte Lymphknoten am Hals Ihres Kindes auf und überdies verweigert der kleine Patient Essen und Trinken. Behandelt der Kinderarzt die Erkrankung nicht rechtzeitig, kann es zu Komplikationen wie Abszessen oder zu einer Ausbreitung der Angina auf das benachbarte Gewebe kommen. Über das Blut können die Bakterien bis zum Herz oder zu den Nieren wandern und dort Entzündungen auslösen. Ein besonderer Fall ist das rheumatische Fieber nach einer Infektion mit Streptokokken.

Häufige bakterielle Erreger der Tonsillitis:

  • Streptokokken der Gruppe A
  • Haemophilus influenzae
  • Pneumokokken
  • Staphylokokken

Ein einfacher Blick in den Hals auf die geröteten und geschwollenen Mandeln mit oder ohne Beläge verrät nicht sofort, ob Viren oder Bakterien im Spiel sind. Stark geschwollene Mandeln, die sich in der Mitte des Rachens berühren, können eine schnarchende Atmung und Atempausen im Schlaf verursachen. Der Kinderarzt spricht von „kissing tonsils“.

Sonderformen der bakteriellen Mandelentzündung:

  • Treponema pallidum (Syphilis)
  • Fusobakterien, Borrelia vincentii (Angina Plaut-Vincent)

Wie lange ist eine bakterielle Mandelentzündung ansteckend?

krankes Kind mit Angina

Haben Sie eine antibiotische Behandlung begonnen, können Sie bereits nach zwei Tagen Behandlung davon ausgehen, dass Ihr Kind keine Gefahr mehr für seine Freunde und Geschwister darstellt.

Wie der Kinderarzt die Diagnose stellt

Wenn Sie Ihr Kind mit den typischen Symptomen beim Kinderarzt vorstellen, dauert es nicht lange, bis der Verdacht auf eine Entzündung der Mandeln fällt. Bei der körperlichen Untersuchung schaut sich der Mediziner den Rachen Ihres Kindes und die Mandeln genau an. Liegt eine Entzündung vor, sind die Gaumenbögen, die Hinterwand des Rachens sowie die Mandeln gerötet und geschwollen. Weiß-gelbe Eiterstippchen oder schmutzig-weiße Beläge (Epstein-Barr-Virus) können sich auf den Tonsillen befinden. Der Kinderarzt kann jetzt einen Abstrich von Rachen und Mandeln nehmen. Mit dem Streptokokken-Schnelltest kann er den Erreger zudem schon nach wenigen Minuten nachweisen. Andere Keime kann das Labor inzwischen anzüchten. Im Blut sieht der Arzt bei Bedarf, ob die Entzündungszeichen erhöht sind.

Behandlungsmöglichkeiten einer Mandelentzündung

  • Warme Getränke wie Tee mit Honig helfen Kinder ab dem zweiten Lebensjahr.
  • Helfen Sie Ihrem Kind seinen Hals warm zu halten.
  • Frische Luft und Inhalation mit Kochsalzlösung kann die Schleimhäute beruhigen.
  • Ibuprofen und Paracetamol lindern Schmerzen und senken Fieber.
  • Zuckerfreie Bonbons regen den Speichelfluss an und können so Halsschmerzen bessern.

Tipp: Hat Ihr Kind eine Angina, lassen Sie es ab und zu etwas Vanilleeis oder Fruchtsorbet lutschen. Im Folgenden wird der entzündete Rachen gekühlt und befeuchtet.

Gegen Bakterien helfen Antibiotika

Ist der Schnelltest auf Streptokokken bei Ihrem Kind Positiv oder leidet es an den typischen Beschwerden für eine bakterielle Angina, verschreibt der Kinderarzt ein Antibiotikum. Meistens Penicillin, wenn keine Allergie vorliegt. Sie können damit rechnen, dass sich Ihr Kind schon nach zwei Tagen deutlich besser fühlen wird. Bitte geben Sie das Medikament trotzdem wie verschrieben weiter. Sie riskieren sonst einen Rückfall oder eine gefährliche Ausbreitung der Bakterien.

Quellen:
Christian Speer, Manfred Gahr, Pädiatrie, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2005
Schönau et.al., Pädiatrie integrativ, Konventionelle und komplementäre Therapie, Urban & Fischer, München 2005
Stephan Illing, Martin Claßen; Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München 2009

Jessica Kilonzo
Author Details
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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Jessica Kilonzo
Jessica Kilonzo ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Als freie Autorin schreibt sie medizinische Texte in Tansania, mit direktem Blick vom Schreibtisch auf den Kilimanjaro. Die umfassende Information von Eltern, zu Gesundheit und Krankheiten ihrer Kinder, liegt ihr besonders am Herzen. Ihre Motivation ist es, komplexe medizinische Themen auch für Laien verständlich zu erklären. Als Mutter von zwei Mädchen weiß sie, wie sich Eltern in Ausnahmesituationen fühlen.
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