6. SSW auf einen Blick: Entwicklung in der Schwangerschaftswoche

Jetzt steht die Schwangerschaft fest. Rasend schnell sieht sich das werdende Elternpaar mit zahlreichen Themen konfrontiert, die das weitere Leben verändern und beeinflussen. Mutterschutzgesetz, Schwangeren-Vorsorgeuntersuchungen und die Suche nach einer Hebamme sind nur einige Beispiele dafür. Erfahren Sie mehr zu diesen Themen im folgenden Text.

Auch in der 6. Schwangerschaftswoche passiert wieder viel im Körper der Frau. Interessiert beobachtet sie sich genau: Wird der Bauch schon runder? Ist vom Baby schon etwas zu merken? Wie entwickelt es sich jetzt gerade in der SSW 6? Auch zu diesen Fragen erhalten Sie Antworten in diesem Artikel.

Schwangerschaftswoche 6

In der SSW (Schwangerschaftswoche) 6 bildet sich das Neuralrohr beim Embryo aus. Damit ist die Basis für die Entwicklung von Wirbelsäule mit inliegendem Rückenmark geschaffen und schließlich die Voraussetzung für die Hirnentwicklung gegeben. Das Risiko für Fehlbildungen des Neuralrohrs kann weiterhin mit der Einnahme von Folsäure gesenkt werden.

Körperliche Veränderungen

Jetzt läuft die Hormonumstellung auf Hochtouren. Bezeichnend dafür sind folgende Symptome bei der Schwangeren:

  • Starke (Tages)Müdigkeit
  • Beginnende Morgenübelkeit
  • Verstopfung (fester/seltenerer Stuhlgang)

Morgenübelkeit SSW 6

In der Schwangerschaft wird ein Hormon zur Entspannung der Gebärmuttermuskulatur gebildet (Progesteron), denn in den folgenden Monaten wird die Gebärmutter sehr beansprucht. Genannt sein sollen hier Dehnung, Wachstum, Gewichtzunahme, stärkere Durchblutung und Bewegungsreize durch das Kind. Die Gebärmutter soll natürlich nicht mit Wehen und dem „Abstoßen“ der Frucht auf diese Reize reagieren. Doch die Ruhigstellung wirkt auch auf die Muskulatur des Darmes. Deshalb neigen sehr viele Schwangere zu Verstopfung (Obstipation). Diese kann aber durch eine gezielte Ernährung gut behandelt werden.

Bauchumfang: Der Bauchumfang ist noch nicht verändert, eventuell fühlt er sich aber durch Verstopfung „aufgebläht“ an.
Gebärmutter: Die Gebärmuttergröße hat sich noch nicht verändert.

Seelischer Zustand

Die Hormonumstellung in der Frühschwangerschaft bewirkt oft große Stimmungsschwankungen. Viele Frauen sind übermäßig besorgt, ängstlich oder weinerlich wegen Dingen, die sie sonst gar nicht aus der Ruhe gebracht hätten. In der nächsten Minute können sie sich aber auch wieder „freuen wie ein Schneekönig“. Aber keine Sorge, diese „Achterbahnfahrt“ geht bald vorbei und der psychische Zustand stabilisiert sich wieder. In der Zwischenzeit können die Sorgen und Freuden in der SSW 6 mit Partner/Familie geteilt werden.

Kindliche Entwicklung

Entlang der Mittellinie bilden sich beim Embryo Zellblöcke heraus (Somiten). Sie ähneln einer doppelreihigen Perlenkette. Aus jeder dieser „Perle“ entstehen für die jeweilige Region (Segment) Knochen, Knorpel, Haut, Muskeln sowie Nerven. In der Mitte der beiden Perlenreihen legen sich zwei Falten so aneinander, dass das Neuralrohr entsteht. In diesem zieht sich später das Rückenmark entlang. Durch das schnelle Wachstum des Neuralrohrs entsteht indes eine Krümmung (wie bei einem Erdnussflip). Durch das schnelle Wachstum der seitlichen Zellblöcke entwickelt sich die Leibeshöhle. In dieser liegen später übrigens die inneren Organe. Zusammengefasst passieren beim Embryo folgende Entwicklungsschritte:

  • Bildung von paarigen „Zellblöcken“ (Somiten) entlang der Mittellinie
  • Ausbildung der Leibeshöhle
  • Entwicklung des Rückenstranges mit „Gehirnbläschen“
  • Ausbildung des Neuralrohres
  • Hals und Kopf vorhanden (wirkt groß und wuchtig)
  • Kleiner „Schwanz“ am anderen Ende (bildet sich im Laufe der Entwicklung zurück)
  • Versorgung des Embryos nun über Nabelschnur und Plazenta

Embryo SSW 6

Größe: Das werdende Kind hat jetzt die Größe einer Erbse (4mm lang).
Gewicht: Sein Gewicht ist noch nicht messbar.

Vorsorge

Bald ist es Zeit für einen Termin zur Schwangerenvorsorge beim Gynäkologen/in. Mit der Erstuntersuchung werden folgende Befunde erfasst:

  • Krankengeschichte (Anamnese),
  • körperliche und gynäkologische Untersuchung,
  • Schwangerschaftsbefund
  • Laboruntersuchung auf Chlamydien, Krebsvorsorgeuntersuchung der Cervix (PAP)
  • Blutabnahmen: Blutgruppe, Antikörpersuchtest, Hämoglobinwert („Eisenwert“),
  • Rötelntest, Lues-Suchreaktion (Geschlechtskrankheit), mit Zustimmung der Schwangeren auch HIV-Test

Diese Befunde werden in den blauen Mutterpass eingetragen und der Schwangeren ausgehändigt. Anschließend erfolgt ein Beratungsgespräch über das Verhalten in der Schwangerschaft (Ernährung, nicht verordnete Medikamenteneinnahme, Alkohol/Drogen/Nikotin, Sport, Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz und ähnliches).
Anmerkung der Autorin: Der Zeitpunkt für die Erstuntersuchung ist nicht festgeschrieben, jedenfalls sollte sie aber innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen stattfinden. Manche Frauen haben ihre erste Untersuchung mit Aushändigung des Mutterpasses bereits in der SSW 6, manche erst in der 9. oder gar 12. SSW. Der Unterschied resultiert aus dem individuellem Vorgehen der jeweiligen Frauenärzte/ innen, denn manche warten die ersten Wochen ab, da das Fehlgeburtsrisiko am Anfang noch hoch ist.

Tipp: Beginnen Sie bereits jetzt mit dem Ungeborenen zu sprechen. Sie werden sich wohler fühlen, denn Sie sind nicht mehr „allein“. Außerdem fördert eine gute Bindung zwischen Mutter und Kind die Akzeptanz der Schwangerschaft mit allen Höhen und vielleicht auch Tiefen (Beschwerden/Sorgen). Die Entwicklung des Babys wird durch diesen mütterlichen Rückhalt unterstützt.

Organisatorisches rund um die Schwangerschaft

SSW 6

  1. Sobald die Schwangerschaft ärztlicherseits feststeht (Mutterpass) empfiehlt es sich, den Arbeitgeber über die bestehende Schwangerschaft zu informieren. Nur so können die Regelungen des Mutterschutzgesetzes umgesetzt werden. Es werden z.B. die Bedingungen für die Sicherheit am Arbeitsplatz (nicht mehr als 5 kg heben…), für die Arbeitszeiten (Verbot Nachtarbeit…) und für den Umgang mit Fehlzeiten durch Schwangerenvorsorgeuntersuchungen (keine Vor- oder Nacharbeit erforderlich) geregelt.
  2. Beginnen Sie mit der Suche nach einer Hebamme/Entbindungspfleger (männliche Hebamme). Viele Hebammen haben zahlreiche Voranmeldungen. Je eher sich die Schwangere und ihre Hebamme kennen lernen, desto intensiver und individueller kann die Hebamme die Familie in den neuen Lebensabschnitt begleiten. Gerade Schwangere, die sich eine persönliche Geburtsbegleitung durch die gewählte Hebamme wünschen (Beleggeburt, Geburtshausgeburt, Hausgeburt), finden oft keine freie Hebamme mehr, weil deren Kapazitäten frühzeitig erschöpft sind.
    Anmerkung der Autorin: Der Begriff Hebamme gilt im Folgenden immer für beide Geschlechter, also auch für die männliche Form (Entbindungspfleger).
  3. Tragen Sie Ihren Mutterpass immer bei sich. Er ist wie ein Ausweis mit notwendigen Daten, sollte während Schwangerschaft oder Geburt ein Notfall (Unfall, Erkrankung, starke Blutung…) eintreten. Notwendig sind beispielsweise sofortige Informationen über Blutgruppe, Allergien, Infektionen und bestehenden Erkrankungen.

Ich wünsche Ihnen Alles Gute!

Quellen:
Ch. Mendle, S. Opitz-Kreuter; „Das Hebammenbuch“, 5.Auflage, Schattauer-Verlag, S. 89f
https://de.depositphotos.com/101121998/stock-illustration-infographic-about-baby-size-during.html
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/6-ssw.html

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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