4. SSW (Schwangerschaftswoche): Anzeichen & Symptome

In der 4. Schwangerschaftswoche beginnt aus dem „Zellhaufen“ ein „Baby im Anfangsstadium“ zu werden. Es entstehen die ersten Anlagen für die Organentwicklung (Keimblätter). Außerdem gerät der Hormonhaushalt der werdenden Mama gehörig aus den Fugen, denn das Schwangerschaftshormon HCG wird ab dieser Woche gebildet. Mehr dazu lesen Sie im folgenden Text.

Kinderwunsch

Obwohl die Schwangere von ihrer Schwangerschaft noch gar nichts weiß, passieren in ihrem Körper zahlreiche Dinge gleichzeitig. Kein Wunder, wenn sie sich müde und erschöpft fühlt. Obwohl sich die Veränderungen bisher „nur auf zellulärer Ebene“ vollziehen, benötigt der Körper für die Umstellung auf Programm „schwanger“ viel Energie. Was sich genau alles im Körper rund um die frische Schwangerschaft während der 4. SSW abspielt, erfahren Sie hier.

Schwangerschaftswoche 4

In der SSW (Schwangerschaftswoche) 4 beginnen sich die Zellen in einen kindlichen Anteil und in einen Mutterkuchen-Anteil zu differenzieren. Damit wird von der zukünftigen Plazenta das Schwangerschaftshormon Humanes Choriongonadotropin (HCG) gebildet. Im Zusammenspiel mit vielen anderen Hormonen (z.B. Progesteron, Östrogene…) bedingt es die zahlreichen Veränderungen, die im schwangeren Körper stattfinden.

Körperliche Veränderungen

1. Bei manchen Frauen führt die Einnistung des Embryos gleich zu Beginn der  Schwangerschaftswoche Nummer 4 zu einer sogenannten Einnistungsblutung. Dabei blutet die Stelle der Gebärmutterschleimhaut, an der der Embryo sich in sein „weiches Bett eingräbt“ und anwächst. Dabei nehmen seine Zellen mit den Zellen der mütterlichen Schleimhaut Verbindung auf. Fälschlicherweise wird diese zarte Blutung für eine verfrühte Menstruation gehalten. Sie ist aber deutlich schwächer und kürzer als die sonst übliche, normale Periode. Eine Einnistungsblutung ist ungefährlich.

Wochenfluss Damenbinden Schwangerschaftswoche 4

2. Sobald sich die Eizelle in die Schleimhaut der Gebärmutter eingenistet hat, differenzieren sich die Zellen einerseits zum kindlichen Anteil (Embryoblast) und andererseits zum plazentaren Anteil (Trophoblast). Die Zellen des plazentaren Anteils beginnen sofort mit der Bildung des Schwangerschaftshormons HCG. Jetzt wird der Verlauf des Zyklus (Einsetzen der Menstruation) gestoppt, denn die hoch aufgebaute Gebärmutterschleimhaut (samt Keimling) darf nicht abbluten. Das Schwangerschaftshormon HCG bedingt Wachstum von Gebärmutter und Brust. Meist bemerken Frauen dies

  • als „Ziehen im Unterbauchbereich“
  • durch Völlegefühl/Verstopfung
  • als „Spannen“ der Brust
  • als Heißhungerattacken

3. Frauen, die mit der Basaltemperatur-Messmethode ihren Eisprung ermittelt haben, werden feststellen, dass die morgendliche Körpertemperatur erhöht bleibt und nicht, wie sonst am Zyklusende, wieder absinkt. Ein Hinweis auf eine Schwangerschaft.

Bauchumfang: bisher unverändert
Gebärmuttergröße: bisher unverändert

Seelischer Zustand

Das Schwangerschaftshormon HCG beeinflusst auch das seelische Empfinden der Frau. Es kann zu Stimmungsschwankungen und heftiger Müdigkeit kommen. Die Frau benötigt jetzt viel Ruhe und, wenn möglich/nötig, eine Stressreduktion.

Kindliche Entwicklung

In der SSW 4 finden folgende Entwicklungsschritte beim Keimling statt:

  • Bildung der Amnionhöhle mit Fruchtwasser
  • Bildung des Dottersackes als Speicherorgan für benötigte Stoffe, die der Keimling aufnimmt
  • Differenzierung des ungeordneten „Zellhaufens“ in einen plazentaren Anteil und einen embryonalen Anteil
  • Bildung des inneren und äußeren Keimblattes beim embryonalen Anteil
    • Aus dem inneren Keimblatt (Entoderm) entwickeln sich Magen-Darm-Trakt, Leber, Bauchspeicheldrüse, Lunge und Atemwege sowie Schilddrüse, Harnblase und Harnröhre.
    • Aus dem äußeren Keimblatt (Ektoderm) entwickeln sich Haut und Hautanhangsgebilde, Zähne, Sinnesorgane und das zentrale Nervensystem (ZNS).
  • Bildung des Haftstieles, aus dem sich anschließend die Nabelschnur herausbildet

Größe: Das werdende Kind ist jetzt so groß wie ein Mohn-Körnchen.

Vorsorge

Die Frau befindet sich nun in der Woche, bevor ihre Periode einsetzen würde. Die meisten frei käuflichen Schwangerschaftstests reagieren noch nicht auf die in dieser Woche gebildete HCG-Menge. Deshalb wäre der Gang zum Frauenarzt die sicherere Variante, weil die Schwangerschaft festgestellt werden könnte über

Bluttest Schwangerschaftswoche 4

  • eine Ultraschalluntersuchung (Darstellung der Amnionhöhle ohne Frucht, weil diese noch zu klein ist),
  • einen Bluttest (Messung des HCG-Spiegels im Blut).

Bei Frauen, die eine künstliche Befruchtung durchführen ließen, sind diese Blutabnahmen üblich, um den Verlauf des HCG-Spiegels festzustellen. Fällt der Spiegel ab, ist keine Schwangerschaft entstanden. Steigt der Spiegel jedoch stetig an, liegt eine Schwangerschaft vor.

Tipp: Der Heißhunger in der Frühschwangerschaft auf besondere Lebensmittel ist bei fast allen Frauen typisch. Meist wird damit ein bestimmter Bedarf an benötigten Inhaltsstoffen gedeckt. Doch während manche Schwangere ganze Gläser Schokocreme auslöffeln oder den ganzen Sonntagsbraten in der Nacht verzehren, könnten andere nur noch frischen grünen Salat mit Zitrone essen oder saure Gurken oder Heringe aus dem Glas. Der Volksmund sagt dazu „Saures bewahrt die Frucht“. Also: Den Gelüsten ruhig nachgeben!

Schwangerschaftsstopp

Bis zur SSW 4 ist die Frucht im sogenannten Keimstadium (Blastozysten-Stadium). Wenn in diesem Stadium die Schwangerschaft durch Einwirkung giftiger Substanzen oder Infektionen gestört wird, wird die Entwicklung gestoppt und es kommt zu einer Fehlgeburt, die von der Frau als „Periode“ wahrgenommen wird.

Ich wünsche Ihnen Alles Gute!

Quellen:
Ch. Mendle, S. Opitz-Kreuter; „Das Hebammenbuch“, 5. Auflage, Schattauer-Verlag, S. 84 – 87
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/4-ssw.html
https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/schwangerschaft/schwangerschaftsanzeichen-schwangerschaftstest/
https://flexikon.doccheck.com/de/Entoderm
https://flexikon.doccheck.com/de/Ektoderm

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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