15. SSW: Infos zu Körper, Seele & Baby | Schwangerschaftswoche

Jetzt wird es spannend. In der 15. Schwangerschaftswoche rundet sich der Bauch merklich. Viele Frauen freuen sich auf die Veränderung ihres Körpers, allerdings vermischt sich diese Freude oft mit der Sorge vor einer zu starken Gewichtszunahme. Wieviel Gewicht Sie in einer Schwangerschaft wirklich zunehmen (dürfen), erfahren Sie hier.

Vielleicht überlegen Sie, was das gelegentliche Rumoren oder Flattern in Ihrem größer werdenden Bauch bedeutet… Sind es Blähungen? Darmbewegungen? Oder vielleicht doch schon die zarten „Stupser“ des Babys? Und haben Sie das Gefühl, dass Sie in letzter Zeit irgendwie recht viel vergessen? Wie das alles in die Zeit um SSW 15 passt, können Sie im folgenden Text lesen.

Schwangerschaftswoche 15

Nachfolgend finden Sie die physischen Veränderungen, die Schwangere in SSW 15 an sich feststellen können. Außerdem ist dieser psychische Zustand zu erwarten.

Körperliche Veränderungen

Mehrgebärende empfinden vielleicht ein leichtes Flattern in ihrem Bauch. Aufgrund ihrer Erfahrung in bisherigen Schwangerschaften können sie dieses Flattern als leichteste Kindsbewegungen einordnen. Erstgebärende können dies meist noch nicht wahrnehmen. Sie müssen auf eindeutigere Signale (heftigere Tritte) ihres Babys warten.

Frau greift sich an Kopf - Leichte Vergesslichkeit in SSW 15

Noch eine Besonderheit zeigt sich in der Schwangerschaft:

  • Eine leichte Vergesslichkeit.

Diese ist nicht bedenklich. Das Gehirn einer Schwangeren schrumpft unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone vorübergehend ein ganz klein wenig. Das ist evolutionär bedingt. Schließlich erfordert das Gedeihen und Wachsen lassen eines Kindes eine eher körperliche Höchstleistung von der Frau. Nach der Schwangerschaft wächst das Gehirn wieder auf Normalgröße. Die Gehirnleistung bleibt von der Schrumpfung wenig beeinflusst. Aber Schwangere neigen dazu, Dinge zu vergessen, die nicht als so wichtig eingestuft werden. Das schafft Freiraum und sichert genug Erholung für Mutter und Kind. Notieren Sie sich in der Schwangerschaft also lieber Termine oder andere für Sie wichtige Sachen.

Bauchumfang: Der Bauch der Schwangeren wölbt sich sichtbar hervor, kann aber von der Kleidung noch gut verdeckt werden.
Gebärmuttergröße: Der Fundus (Gebärmutteroberkante) ist in dieser Woche etwa 2 Querfinger über dem Schambein zu tasten.

Seelischer Zustand

Meist fühlen sich Schwangere auch in der 15. Schwangerschaftswoche seelisch stabil und wohl. Wenn allerdings im Rahmen einer pränatalen Diagnostik eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) ansteht, kann dieses bevorstehende Ereignis und dessen Ergebnis die Frau und ihre Familie leicht aus dem seelischen Gleichgewicht bringen. Professionelle Unterstützung erhalten Sie in solchen Fällen bei Ihrem behandelnden Frauenarzt, bei Ihrer Hebamme oder bei einer Psychologin. Mit deren Hilfe können Sie diese anstrengende Zeit indes besser bewältigen.

Kindliche Entwicklung

Das heranwachsende Baby macht auch in der 15. Schwangerschaftswoche wieder zahlreiche Entwicklungsschritte:

  • Das Baby bildet nun selbst Gallenflüssigkeit.
  • Auch das Hormon Insulin wird ab jetzt vom Baby selbst gebildet.
  • Das Kind kann bereits seinen schweren Kopf heben und drehen.
  • Penis und Klitoris ähneln sich im Ultraschallbild rein äußerlich zwar noch, aber beim Jungen lagern die Hoden sicher in der Bauchhöhle und beim Mädchen tragen die Eierstöcke bereits jetzt Millionen unreifer Eizellen.

Größe: Der Fetus ist nun etwa so groß wie ein Apfel (SSL 8,1 cm).
Gewicht: Er wiegt jetzt etwa 50g (entspricht 1 Tasse Haferflocken).

Vorsorge

Fruchtwasseruntersuchung

Ab diesem Zeitpunkt der Schwangerschaft ist das Messen der Scheitel-Steiß-Länge als Vergleichswert ungeeignet, denn die Kinder wachsen je nach genetischer Veranlagung verschieden. Stattdessen wird unter anderem der Abstand zwischen beiden Scheitelbeinen des kindlichen Kopfes gemessen – der sogenannte BIP (biparietaler Durchmesser, auch als Querdurchmesser des Kopfes bezeichnet). Er beträgt in der 15. Schwangerschaftswoche durchschnittlich 3 cm.

Ab SSW 15 ist eine Amniozentese (Fruchtwasseruntersuchung) möglich. Dabei wird der Mutter über einen kleinen Einstich in die Bauchdecke Fruchtwasser entnommen. Im Fruchtwasser schwimmen reichlich kindliche Zellen (abgeschilferte Hautzellen, Speichel …). Diese können aus dem Fruchtwasser isoliert und genetisch untersucht werden. So können Erkrankungen erkannt und gegebenenfalls in oder nach der Schwangerschaft behandelt werden. Ist eine Behandlung nicht möglich oder die Erkrankung mit einem Leben außerhalb des Mutterleibes unvereinbar, können sich die Eltern folglich gegen die Austragung der Schwangerschaft entscheiden. In diesem Fall folgt ein Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation. Bevor jedoch eine solch schwere Entscheidung getroffen werden kann, erfolgen ausführliche, individuelle Beratungsgespräche mit mehreren Experten bezüglich der betreffenden Erkrankung oder Behinderung, unter der das Kind leidet.

Anmerkung der Autorin: Ein Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation ist, übrigens anders als bei der Fristenregelung, auch nach der 12. Schwangerschaftswoche (post conceptionem) möglich, denn die Untersuchungen, die eine Pränataldiagnostik beinhaltet, sind erst in „fortgeschrittener“ Schwangerschaft (>12. Schwangerschaftswoche) möglich.

Gewichtszunahme in der Schwangerschaft

Schwangere isst Fast Food - Gewichtszunahme in SSW 15

Eine normalgewichtige Schwangere nimmt während der Schwangerschaft etwa 11,5 bis 16 kg zu. Übergewichtige Frauen nehmen weniger zu, untergewichtige Frauen nehmen meist etwas mehr zu. Am Anfang der Schwangerschaft zeigt die Waage bis auf geringe Schwankungen meist das gleiche Gewicht an. Erst ab dem 4. Schwangerschaftsmonat (13. Schwangerschaftswoche) erhöht sich das Gewicht einer Schwangeren um etwa 0,5 kg pro Woche. Die Gewichtszunahme verteilt sich folgendermaßen:

  • Kind ca. 3,5kg
  • Plazenta ca. 0,6kg
  • Fruchtwasser ca. 1kg
  • Vergrößerte Gebärmutter (reine Muskelmasse) ca. 1kg
  • Brustwachstum ca. 0,5kg
  • Zusätzliches Blutvolumen ca. 1,5kg
  • Wassereinlagerungen ca. 1,5kg (ggf. mehr)
  • Fettreserven (für Stillzeit) ca. 2kg (ggf. mehr)

Risiken bei Übergewicht

Übergewicht bei Schwangeren birgt folgende Risiken:

  • Frühgeburt
  • Minderversorgung des Babys (Untergewicht mit seinen Folgen)
  • Schwangerschaftsdiabetes
  • Gelenkbeschwerden (Rücken, Knie, Füße, Handgelenke)
  • Übertragung (Trägheit der Gebärmutter)
  • Erschwerte Geburt
  • Eingeschränkte Sicht bei den Ultraschalluntersuchungen
  • Entstehung von vermehrten Schwangerschaftsstreifen

Natürlich müssen all diese Komplikationen nicht eintreten. Aber das Wissen darum bietet genug Anreiz, Übergewicht in der Schwangerschaft zu vermeiden.

Tipp: Gerade im Urlaub (und auch sonst) zählt: Bitte „nicht für zwei essen!“ Der Mehrbedarf an Kilokalorien für eine Schwangere beträgt durchschnittlich (nur) 250 Kilokalorien (kcal) bis maximal 500 kcal. Umgerechnet bedeutet dies 2 Stück Obst oder 1 Käsebrot/ 1 Schinkenbrot.

Achtung bei zu schnellem/zu starkem Anstieg des Gewichtes

Sollte eine Schwangere zu schnell zu oder viel zunehmen, ist dies ein Grund für verstärkte ärztliche Kontrollen. Dahinter können sich spezifische Schwangerschaftserkrankungen verbergen, die dringend behandelt werden müssen, manchmal sogar stationär (im Krankenhaus). Solche Erkrankungen sind besonders

  • Präeklampsie
  • Schwangerschaftsdiabetes

Gewichtsabnahme nach der Schwangerschaft

Gewichtsabnahme nach Schwangerschaft - Mutter stillt Baby

In der Stillzeit benötigt die junge Mutter 400 bis 600 kcal mehr als außerhalb der Stillzeit. Deshalb ist Stillen die beste Methode, um das zugenommene Gewicht auch ohne spezielle Diät wieder abzunehmen. Ansonsten sollte natürlich weiterhin auf gesunde Ernährung geachtet und Heißhungerattacken eher selten nachgegeben werden. Leichte sportliche Betätigung (Gymnastik, Walking/Joggen), auch mit dem Baby, strafft Muskulatur sowie Haut und erhöht den Stoffwechsel. Etwa 6 bis 9 Monate nach der Geburt haben die meisten Frauen ihr ursprüngliches Gewicht wieder.

Ich wünsche Ihnen Alles Gute!

Quellen:
Ch. Mendle, S. Opitz-Kreuter; Das Hebammenbuch. 5. Auflage, Schattauer-Verlag, S. 146.
https://babyknowhow.de/8-ssw-entwicklung/
https://www.backenmachtgluecklich.de/wissenswertes/masse-gewichte-und-umrechnungen
https://flexikon.doccheck.com/de/Fundusstand
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/15-ssw.html
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/abtreibung.html
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/entwicklung_foetus.html
https://www.onmeda.de/schwangerschaft/gewichtszunahme_schwangerschaft.html

Wanda Unger
Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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Wanda Unger
Wanda Unger ist Diplom-Medizin-Pädagogin und Hebamme. Seit vielen Jahren begleitet sie junge Familien durch die Zeit der Schwangerschaft bis zum 1. Lebensjahr ihrer Babys. Für unser Portal schreibt sie Fachtexte rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett, Stillzeit und Babypflege. Als Mutter und Hebamme ist es ihr wichtig, den Familien den Start in den Alltag mit dem neuen Familienmitglied zu erleichtern.
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